Am Ende des Gottesdienstes, welchen wir am 19. März 2017 mit der Pilgergruppe im Kloster Rathausen gefeiert haben, sprach Priorin Irene Gassmann (Kloster Fahr) das folgende Segensgebet:
Der Auferstandene ist Maria Magdalena begegnet und hat sie zur Apostelin der Apostel gemacht.
Maria Magdalena ging zu den Jüngern und richtete ihnen aus, was der Herr ihr gesagt hatte.
Die Kirche hat diese Sendung der Maria Magdalena vergessen.
Die Kirche hat diese Sendung nicht weitergegeben an die Frauen.
Diese Ostersendung ist uns Frauen aber geblieben.
Meister, Jesus, unser Freund und Bruder, Herr der Kirche, es ist Zeit, dass du sie daran erinnerst.
Es ist Zeit, dass wir unseren Brüdern und Schwestern melden, was wir ihnen von dir auszurichten haben, nämlich, dass du lebst!
Auf die Fürsprache der heiligen Maria Magdalena segne uns und alle, zu denen wir gesandt sind, diese Osterbotschaft zu bringen:
Der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Text: Nach Silja Walter, „Maria Magdalena am Ostermorgen“.
(Dankes-) Rede vom 19. März 2017 anlässlich der Verleihung des Herbert-Haag-Preises für Freiheit in der Kirche
Hildegard Aepli (für das Kernteam von Kirche mit* den Frauen)
Wer es könnte, die Welt hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt.
Geschätzte Festgemeinschaft Mit diesem leicht variierten Gedicht von Hilde Domin beginne ich: Wer es könnte, die katholische Kirche hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt. Kann das jemand? - Ja, die heutigen Preisträgerinnen und Preisträger gehören zu ihnen! - die Stiftungsrätinnen und –räte, die den Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche verleihen, sehe ich diesem Gedicht verpflichtet. - auch du, lieber Ivo, bringst mit deiner Laudatio zu unserem Projekt Geist ins Getriebe. - und Sie alle hier Anwesenden und noch viele mehr, denen die katholische Kirche am Herzen liegt, die an ihrer heutigen Gestalt leiden, die sich engagieren und nicht aufgeben. - Im Namen des Kernteams und des Pilgerteams „Für eine Kirche mit* den Frauen“ danke ich der Stiftung und Ihnen allen von Herzen für diesen tollen Anlass. Wir freuen uns über die Anerkennung, die uns Verbündete schafft und unser Anliegen stärkt: Wir sind weit gegangen und stehen dafür ein, dass Frauen in den Dialog und die Entscheidungen über die Zukunft der Kirche miteinbezogen werden.
Wie geht es weiter mit unserem Projekt?
Im Sommer wird der Dokumentarfilm „habemus feminas“ herauskommen. Wir hoffen, dass er dem Projekt zur weiteren Verbreitung helfen wird.
Das Kernteam ist daran, ein Buch zu schreiben. Es soll darin um Rückblick wie um die Zukunft gehen. Für die professionelle Gestaltung des Buches möchten wir das Preisgeld einsetzen.
Das Pilgerteam ist da und dort im Einsatz für Vorträge.
Wir halten unsere Homepage aktuell.
Pastoralassistentinnen im Bistum St.Gallen haben beschlossen, dass sie in Zukunft den 2. Mai (Aufbruchstag Pilgerprojekt und Wiboradagedenktag) jedes Jahr als Pilgertag gestalten werden. In diesem Jahr findet der Tag in St.Gallen statt. Hier wird der Film als Screening ein erstes Mal zu sehen sein.
Priorin Irene Gassmann, Ruth Mory und Regina Käppeli veranstalten im Kloster Fahr als Fortsetzung des Projektchors von Rom ab Herbst einmal jährlich ein Wochenende: Singen für eine geschwisterliche Kirche.
Wir überlegen, wie die Tage der Heiligen Woche vom Hohen Donnerstag bis Ostern im Zeichen der Kirche mit* den Frauen angeboten werden könnten. Wir sind der Meinung, dass die Liturgie dieser Tage der Boden für unser Weitergehen ist. In diesem Sinne werden dieses Jahr am Ostermorgen im Kloster Fahr die persönlichen Fürbitten, die wir von St.Gallen nach Rom getragen haben, dem Osterfeuer übergeben.
Weil die Botschaft von Ostern so zentral ist, haben wir heute auf dem Pilgerweg im Kloster Rathausen, mitten in der Fastenzeit, das Osterevangelium verkündet. Während der Zeit unseres Pilgerns hat Papst Franziskus anerkannt, dass Maria Magdalena Apostelin ist. Ihre Geschichte und ihr Auftrag sind für uns wegweisend:
- Maria M. schaut ins leere Grab. Sie ist traurig, mutlos, perspektivenlos, enttäuscht, verletzt. Das entspricht dem, was viele Frauen und Männer erleben, wenn sie sich mit unserer Kirche beschäftigen.
- Maria M. liess sich von einem Fremden ansprechen und bewegen, dem Grab den Rücken zu kehren. Das entspricht dem Projekt Kirche mit* den Frauen. Wir rufen auf und ermuntern, sich nicht von dem, was leblos oder unerfüllt in der Kirche ist, leiten zu lassen, sondern sich umzudrehen, ins Leben zu schauen, sich von Jesus ansprechen zu lassen und ihn im Garten zu entdecken. Stehen wir aus den Gräbern der Frustration und der Resignation auf und geben wir nicht preis, wie sehr wir uns danach sehnen und bedürftig sind, gemeinsam die Schönheit des Glaubens zu leben. Schauen wir nicht mehr auf das, was nicht gut oder falsch läuft, was still steht oder sich nicht entwickelt. Das Evangelium vom Leben in Fülle kann uns jederzeit entflammen.
- Maria M. wird von Jesus beauftragt, seinen Freunden und Gefährtinnen zu berichten, was sie erlebt hat. Er beauftragt sie, das Evangelium, die frohe Botschaft vom Leben, das stärker ist als der Tod, weiter zu erzählen. Tun wir das auch. Stehen wir auf und gehen wir weiter, bleiben wir dran, wagen wir Neues aus der Freundschaft zu Jesus. Im Vertrauen, das Schritt für Schritt wächst.
Wer es könnte, die katholische Kirche hochwerfen, dass der Wind hindurchfährt.
Wir laden Sie ein, in dieses Vertrauen, von dem unser Pilgerlied spricht, einzustimmen: Vertrauen ist ein Schritt. Vertrauen ist Schritt für Schritt. Vertrauen ist gehen, immer weiter gehen.
Pilgertag vom 19. März 2017: Wir holen den Herbert-Haag-Preis ab!
Das Projekt „Für eine Kirche mit* den Frauen“ erhält – zusammen mit anderen Preisträgerinnen und Projekten – am 19. März 2017 im Hotel Schweizerhof in Luzern den „Herbert-Haag-Preis für Freiheit in der Kirche“. Der Preis gehört allen, die sich auf ihre Weise und gemäss den eigenen Möglichkeiten am Projekt beteiligten: beim Aufbruch am 2. Mai in der Kathedrale St.Gallen, als Mitpilgernde, im Gebet, mit einer eigenen Initiative, durch das Lesen der Blogbeiträge, als SpenderIn oder am 2. Juli in Rom. Der 19. März wird als Pilgertag gestaltet. Es ist möglich, von Eschenbach LU nach Luzern mitzupilgern oder direkt zum Hotel Schweizerhof zu kommen. Das Pilgerprogramm sieht wie folgt aus:
Ankunft Bahnhof Eschenbach LU: 8.48 Uhr
Begrüssung vor dem Zisterzienserinnenkloster Eschenbach LU: 9.00 Uhr (Entfernung zum Bahnhof ca. 200m)
Pilgerstrecke: 16 km
Mitnehmen: Picknick, wetterfeste Kleidung
Gottesdienst und Mittagspause im Kloster Rathausen
Ankunft im Stadtzentrum von Luzern: 15 Uhr
Beginn der Preisverleihung im Hotel Schweizerhof LU: 15.30 Uhr
Dauer der Preisverleihung ca. 2 Stunden. Anschliessend sind alle zum Apéro eingeladen.
Das Kernteam und das Pilgerteam „Für eine Kirche mit* den Frauen“ freut sich schon jetzt auf alle, die diesen Tag mit uns verbringen und feiern werden!
Statements von Rompilgerinnen vom 6. November 2016 in der Kathedrale St.Gallen anlässlich des Pilgerberichtes
Theri Steger: "Für mich ist die Bedeutung des Projekts "Kirche mit* den Frauen" auf dem Pilgerweg nach Rom stetig gewachsen. Die Anteilnahme so vieler Mitpilger (physisch und im Geiste) hat mich sehr beeindruckt und gestärkt. Ich bin wacher, aufmerksamer und sensibler geworden was die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche betrifft. Ich bin froh und dankbar, dass ich diesen besonderen und bereichernden Weg mitgehen durfte und weiterhin mitgehen darf. "
Mariette Mumenthaler: Dank dem Pilgern konnte ich mit einem Wort mein Unwohlsein in der Kirche ausdrücken. Das Wort ist Ungerechtigkeit. Ungerecht ist es, dass Männer in unserer Kirche auf die vielen Fähigkeiten der Frauen verzichten müssen, auf unsere Sensibilität, unseren Blick auf das Leben.
Ich möchte vorschlagen, dass auch die Männer einmal das Glück haben nach Rom zu pilgern für eine „Kirche mit Frauen und Männern“.
Danke der Kerngruppe für ihre wunderbare Initiative. Das war megagail. Ich habe viel gelernt: Solidarität und Liebe, die Herausforderung jeden Tag wieder zu marschieren und vor allem habe ich wunderbare Leute kennengelernt, die für mich eine Motivation sind zum „immer weiter gehen“.
Claire Renggli: Als ich vom Projekt „Kirche mit* den Frauen“ gehört habe, ist bei mir der Funke sofort gesprungen.
Ich habe mich auf das Abendteuer, auf das Unterwegssein für ein mir lebenswichtiges Anliegen eingelassen.
Diese zwei Monate haben alle meine Erwartungen übertroffen.
„Kirche mit* den Frauen“ war und ist ein starkes Zeichen an die Verantwortlichen unserer Kirche. Es hat grosse Kreise gezogen und Zuspruch, Mitgehen, Mitbeten von vielen Menschen, Männern und Frauen gefunden.
Das heisst, der Heilige Geist/die heilige Geistkraft war mit uns. Wir erlebten eine lebendige Gemeinschaft, die Freude an ihrem Glauben hat, ihn jeden Tag überzeugend lebt und sich für Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität stark macht.
Diese Erfahrung ist ein dringender Appell an unsere Kirche, nicht mehr auf die vielfältigen Charismen der Frauen zu verzichten, mit der gleichen Bereitschaft und Ausdauer sich mit uns auf den Weg zu machen.
Cäcilia Koller: Als ich Anfang 2015 von diesem Projekt erfuhr, war ich total begeistert, weil da ein neuer Weg versucht wird, um etwas in meiner katholischen Kirche zu verändern. Genau genommen war es aber kein neuer Weg, denn viele vor uns haben schon auf diese Weise versucht, etwas beim Papst zu erreichen. Bedeutende Menschen der Kirchengeschichte sind uns vorangegangen. Aber ihre Methode scheint angesichts der heutigen Möglichkeiten etwas veraltet zu sein.
Der Pilgerweg zu Fuss nach Rom war schon lange in meinen Gedanken, und dass er in Verbindung mit einer so grossartigen, wichtigen Idee gemacht werden könnte, hat mich dazu bewegt, alle Widerstände zu überwinden, um mit dabei sein zu können.
Mein Glaube ist mir sehr kostbar. Er hat seine Heimat in der katholischen Kirche. Hier wurde ich gelehrt, an einen allgütigen, liebenden Gott zu glauben, der allen Menschen gleichermassen zugeneigt ist.
Ich stehe hier, weil ich nicht länger zusehen kann, wie Frauen meine Kirche verlassen, weil sie genau dies auch aus ganzem Herzen glauben möchten, aber das Bleiben zu sehr schmerzt.
Überdies sehe ich die jungen Mütter und Väter meiner Erstkommunionkinder. Sie interessieren sich schon gar nicht mehr für diese Fragen, weil sie selber kaum mehr eine Beziehung haben zur Kirche. Bis jetzt waren noch die Grossmütter mein Rettungsanker, aber es ist eine Frage der Zeit, bis auch sie nicht mehr für die religiöse Erziehung zur Verfügung stehen. Für mich hat das auch damit zu tun, dass die Frau in der Kirche zu wenig Wertschätzung erfährt. Auch wenn die Lösung der Frauenfrage nicht alle Probleme beseitigen kann, so besteht hier doch Handlungsbedarf. Es geht um Glaubwürdigkeit. Und ich freue mich, dass ich mit dieser Meinung nicht allein bin! Herzlichen Dank Ihnen allen, die Sie heute hier sind.
Ursula Niedermann: Ich bin keine Lang-Strecken-Pilgerin, schon eher eine Luxus-Pilgerin, weil - ich nur bei der dritten und letzten Etappe (Siena-Rom) dabei war. - ab Siena fast ausschliesslich schönes Wetter herrschte, habe ich die Widrigkeiten von Schnee, Wind und tagelangem Regen nicht erlebt. - Dank des Begleitfahrzeugs konnte ich die für mich zu grossen Tagesetappen von 25-30 km auf mir angemessene 15-18 km reduzieren.
Warum bin ich mitgepilgert? - Weil ich vor 5 Jahren - als Hildegard, Esther und Franz nach Jerusalem gepilgert sind - zusammen mit einer Gruppe von Bad Schönbrunn bis nach Müstair mitpilgern konnte. Das war ein tiefes und unvergessliches Erlebnis. - Die Kombination einer Pilgerreise nach Rom und das Anliegen "Kirche mit den Frauen" entsprach mir sehr.
Ich bin sehr dankbar: - für das tiefe Erlebnis auf der ganzen Reise und in Rom - dass ich die wunderschöne umbrische Landschaft pilgernd erleben konnte - für die Begegnungen und Bereicherung mit vielen Menschen - dass ich zum ersten Mal Assisi und Umgebung kennenlernen durfte.
Die Langstrecken-Pilger geniessen bei mir grossen Respekt und Bewunderung für ihre überaus grosse physische Leistung. Dem Projekt "Kirche mit den Frauen" wünsche ich viel Erfolg, möge der Hl.Geist es beeinflussen.
„Buongiorno, buona gente!“„Guten Tag, ihr guten Menschen!“.
Mit diesem Gruß auf den Lippen durchschritt Franz von Assisi im Jahr 1209 zum ersten Mal das Rietital. Eine Erfahrung, die wir als Pilgerinnen in den letzten vier Wochen, auf den knapp 600 Kilometern incl. 18.908 Höhenmeter, auf dem Franziskusweg, immer wieder gemacht haben. Viele hohe Berge des Apennins und Asphaltstrecken, die nicht nur an unseren Körper, sondern auch an unseren Kopf und die Seele eine Herausforderung stellten. Belohnt wurden wir dafür mit Wegen die uns durch unberührte, viel einsame, einmalige und wilde Natur führten, geheimnisvolle Wälder die die Anwesenheit von Elfen und Berggeistern ahnen lassen. Wir besuchten Klöster, die viel von der Geschichte des Heiligen erzählten, spirituelle Orte, die uns in ihren Bann gezogen haben. Aus gutem Grund ist der Franziskusweg wohl einer der schönsten Pilgerwege Europas.
Es gibt viele Anstöße, „aufzubrechen“, „sich auf den Weg zu begeben“, „zu pilgern“. Ob dies körperliche Ertüchtigung ist, eine Pilgerwanderung, um Buße zu tun, Abbitte zu leisten, um Neues zu beginnen oder schlicht und einfach der Glaube ein Grund ist. Jeder hat seine ganz persönlichen Beweggründe. Manchmal ist es körperlich und seelisch schmerzhaft, Gewohntes zu verlassen. Manchmal ist es aber auch befreiend, wohltuend; aufzubrechen, wegzugehen. Neues zu entdecken. Für mich waren es zwei Beweggründe: Den Weg bis Assisi bin ich für meinen Mann Franz gegangen um mein Trauerjahr bewegt zu beenden. Den Weg von Assisi nach Rom bin ich symbolisch in mein „neues Leben“ gegangen. Dazu gehört nach wie vor aktive Frauenarbeit und deshalb auch die wunderbare Fügung des Schweizer Frauenprojektes.
Die Etappen davor, von meiner Haustüre weg, waren zum eingehen, zum hinein fühlen – spüren in den Weg, ins unterwegs sein. Ich bin dazwischen ja auch immer wieder nach Hause zurück, in meine Komfortzone, zurückgekehrt. Das fehlende Wegstück von Lavamünd bis Monfalcone werde ich aus wettertechnischen Gründen (viel alpines Gelände, im Herbst ist die Gewittergefahr geringer) im Spätsommer bewältigen. Die einmonatige Pilgerschaft zählt sicher zu den ganz besonderen zu den intensivsten Erfahrungen meines Lebens. Ein Monat war mein Rucksack mein gesamter Besitz, mein Kasten, mein Schneckenhaus. Eine der wertvollsten Erfahrungen: Man braucht nicht mehr zum Leben, als das, was man im Rucksack mitträgt. Ich bin mit einer Fülle von Eindrücken, bereichert von Begegnungen und Zeichen mit „neuen Füßen“, die sich nach unzähligen Blasen und größeren und kleineren Leiden gehäutet haben, körperlich gestärkt, gut in meinen Alltag zurückgekehrt. Die Seele braucht noch eine Weile, dem Körper nachzukommen. Die Gedanken kreisen noch um die Begegnungen und Zeichen auf dem Weg, die mir geschenkt wurden. Ich nehme mir bewusst Zeit anzukommen. Ich möchte die intensiven Naturerfahrungen, mit in den Alltag hineinnehmen. Die Natur, die uns täglich durch die Herausforderung des Wetters und des Weges gelehrt hat, uns demütig vor ihr zu verbeugen, zu erkennen, wie alles voneinander abhängt und vieles Dinge ohne einander gar nicht existieren können. Alles hängt zusammen, wir sind auf seltsame Weise miteinander verbunden. Beim Gehen habe ich das intensiv empfunden. Ich möchte offen bleiben für die persönlichen Begegnungen der Weggemeinschaften, wo einfach nur der Mensch zählt, keine Besitztümer oder Funktionen. Der Alltag lässt oft keinen Platz für diese Haltung.
Ich möchte mir die Freude an der Schöpfung, an mir selbst, die Dankbarkeit meinem Körper gegenüber, der mir solche körperlichen Herausforderungen ermöglicht, so lange wie möglich erhalten und mich daran erfreuen. Franziskus hat die Schöpfung als Wunder empfunden und dies immer wieder zum Ausdruck gebracht.
Liebe Leserinnen und Leser, vielleicht inspirieren sie meine Gedanken oder haben sie schon lange die Gleichen, sich dieser Erfahrung des „Sich-Wandelns auf dem Weg“ zu stellen. Beim Pilgern erfährt man jeden Tag etwas Neues, jeder Tag ist wie ein eigenständiger Kosmos. Neu, aufregend, anregend und inspirierend. Es ist nicht der Sinn der Schöpfung, alles in Stein zu meißeln, um festzusitzen –in einer Situation, an einem Ort, in einem Raum, in einer Lebensphase. In meinem Fall war es die Trauerphase. Ich gehe weiter, in der Hoffnung, dass die Veränderung, die das Leben bringt, letztlich immer etwas Gutes bedeuten wird. Ich sehe meinen gegangenen Weg als Anfang einer großen und spannenden Reise. „Wir sind niemals am Ziel, sondern immer auf dem Weg“. Vinzenz von Paul, Gründer der Caritas.
Drei junge Männer, zwei davon konfessionslos, drehen einen Film über katholische Frauen, die nach Rom pilgern. Unterwegs erfahren sie, "wie Religion eigentlich sein müsste" und entdecken erstaunliche Parallelen zwischen Pilgern und Film-Drehen. Im Gespräch mit kath.ch erzählen Silvan Maximilian Hohl, Nino Burkhart und Ahren Merz vom Film "Habemus Feminas", der das Projekt "Für eine Kirche mit den Frauen" dokumentiert.
Sylvia Stam
Sie laufen weit voraus, bleiben stehen und filmen, bis die ganze Pilgergruppe vorbei ist, packen die schweren Kameras und Mikrophone zusammen und rennen der Gruppe nach, holen sie ein, um das Geschehen von einem neuen Standort aus einzufangen. Sie sind beim Start in St. Gallen dabei, beim Abschluss in Rom und auf ausgewählten Etappen rund um Zillis GR, Chiavenna, Perugia und Assisi. Die Wegstrecke dürften sie dabei etwa dreifach zurückgelegt haben.
Das perfekte Drehbuch
"Das ist das perfekte Drehbuch: Eine Gruppe Frauen läuft von St. Gallen nach Rom, um für mehr Gleichberechtigung von Mann und Frau in der katholischen Kirche einzustehen!", dachte sich Silvan Maximilian Hohl (21), Produzent des Films, derzeit in Ausbildung zum Filmregisseur. Seine Mutter hatte ihm von dem Pilgerprojekt "Für eine Kirche mit den Frauen" erzählt. "Die Gleichberechtigung der Frau in der katholischen Kirche steht zuoberst auf der Liste dessen, was Europäer von der Kirche erwarten", begründet Hohl die Wahl des Themas. "Es brennt den Menschen unter den Nägeln!"
Hohl, aus einem "ökumenischen Elternhaus" stammend, mit langjähriger Ministrantenerfahrung, konnte auch zwei Kollegen überzeugen: Nino Burkhart (22), für Bild und Licht verantwortlich, und Ahren Merz (24), für den Ton zuständig, haben allerdings mit Kirche nichts am Hut. Entsprechend waren sie zuerst etwas überrascht. "Ich beschäftige mich aber gern mit Menschen", begründet Burkhart seine Zusage im Gespräch mit kath.ch. Merz fügt hinzu: "Ich stürze mich gern in Unbekanntes."
So müsste Religion sein
Und so liefen sie mit und waren mehr und mehr beeindruckt von dem, was sie unterwegs erlebten: "Ich war überrascht, über die warme Atmosphäre unter den Pilgernden: Gemeinschaft und Liebe zu den anderen wurden spürbar", erzählt Burkhart rückblickend. "So müsste Religion eigentlich sein", meint der Konfessionslose nachdenklich.
"Ich habe mehr Respekt vor dem Christentum bekommen", ergänzt auch Merz. Alle drei bestätigen, dass sie trotz der beobachtenden Rolle immer mehr Teil des Projekts wurden. "Mit der Zeit kannten wir die Gruppe", so Merz, "wir sind die gleichen Kilometer gelaufen, wir haben mit ihnen gegessen, am selben Ort übernachtet, waren im Zimmer, wenn sie sich umzogen." 010: v.l.n.r.:
Anderthalb Stunden statt 15 Minuten
Das Drehen des Films wurde für die Filmschaffenden geradezu zu einer Pilgererfahrung: "Wir haben laufend herausgefunden, in welche Richtung es geht", erklärt Burkhart, und meint damit nicht etwa den Weg, sondern die Stossrichtung des Films.
Geplant war ursprünglich ein 15-minütiger Film in TV-Auflösung als Abschluss des Moduls "Dokumentarfilm" am Medieninstitut SAE. In Arbeit ist derzeit ein rund eine Stunde dauernder Film in Kino-Auflösung, für dessen Fertigstellung Hohl sich ein halbes Jahr von der Schule beurlauben liess.
Stativ darf nicht in Petersdom
Neu war auch die Erfahrung, dass das Geschehen durch äussere Umstände beeinflusst wurde. "Als Regisseur eines Spielfilms kann ich vieles bestimmen, nicht so bei einem Dokumentarfilm ", sagt Hohl. Ob sie etwa im Petersdom filmen dürften, war bis zuletzt unklar. Die zwei Monate vorher angefragte Drehbewilligung wurde zwei Tage vor dem Termin abgelehnt. Ein Test am Vortag verlief negativ: Die grosse Kamera und das Stativ durften nicht in den Petersdom. So musste der Abschlussgottesdienst mit einer kleinen Kamera ohne Stativ gefilmt werden.
Im Film wird zu sehen sein, wie die Pilger laufen und was sie unterwegs erleben, dazu hört man im Off-Text die Gedanken der Kerngruppe. "Wir haben bewusst keine Statements eingeholt", erklärt Burkhart. "Wir wollten begleiten und beobachten, jedoch nicht eingreifen."
"Schaut her und erzählt"
In einem zweiten Schritt ist die Innensicht der Pilger dazugekommen: Der neunköpfigen Gruppe, die den ganzen Weg von St. Gallen nach Rom gelaufen ist, sowie drei Personen, die das Projekt im Hintergrund begleiteten, wurde das Filmmaterial gezeigt. "Schaut und erzählt, was euch in dem Moment durch Kopf und Herz ging", erklärt Hohl. "Wir haben mit den Pilgern sozusagen eine Art Psychoanalyse gemacht", sagt er schmunzelnd.
Der Titel des Films, "Habemus feminas", spielt auf die Papstwahl an. "Da gibt es jedes Mal ein grosses Medienspektakel, der Ausspruch "Habemus papam" wird in die ganze Welt hinausposaunt", findet Hohl. Es sei kein Propagandafilm für das Frauenpapst- oder -priestertum, auch wenn dieses für die drei Männer so selbstverständlich und notwendig ist "wie die Luft zum Atmen." Der Titel sage lediglich, "dass es in der Kirche auch Frauen gibt. Und das wollen wir durchaus in die Welt hinausposaunen!"
Hinweis: Der Film "Habemus Feminas" erscheint im Frühling 2017. Es wird eine öffentliche Vorführung im Rahmen des Projekts "Für eine Kirche mit den Frauen" geben. Das genaue Datum wird auf der Homepage bekannt gegeben.
Wir dürfen an dieser Stelle unserer Feier unsere Dankbarkeit für all das aussprechen, was unser Projekt bewirkt hat und noch immer wirkt und für all die Menschen, die sich auf verschiedenste Weisen engagierten. Für uns ist das Kennzeichen dafür, dass wir im Geist des Evangeliums unterwegs waren und sind, dass viele sich als Freunde begegneten uns sich freundschaftlich verbunden wissen.
KERNTEAM
Zuallererst gebührt grosser Dank dem Kernteam des Projektes, welches sich während den letzten zwei Jahren zu 17 halbtägigen Sitzungen in Zürich getroffen hat. Es war von allen ein vollständig freiwilliges Engagement. Wir bewältigten die Aufgaben ohne Sekretariat mit vielen Freiwilligen und einigen bezahlten Profis. Dieser Dank geht an:
Lea Stocker. Sie ist unsere spirituelle Ärztin, die einzige Nichttheologin, die immer einen wichtigen und erfrischenden Aussenblick einbrachte und viele Menschen im Kanton Zürich auf das Projekt aufmerksam machen konnte.
Eva-Maria Faber findet die befreienden und richtigen Worte für die theologische Einordnung unseres Projektes. Sie hat einen unglaublichen Einsatz als Backoffice während der Pilgerzeit geleistet.
Priorin Irene hat ihre ganze Gemeinschaft mit auf den Weg genommen. Sie verwaltet die Finanzen, sie hat uns zur intensiven Medienarbeit ermuntert, die Liturgie des 2. Juli als Heft herausgebracht und dieses ganze Fest zusammen mit dem Verein Kloster Fahr organisiert, sodass auch wir anderen vom Kernteam heute einfach Gäste sein dürfen. Priorin Irene ist ausserdem über sich hinausgewachsen während der Zeit des Mitpilgerns von Assisi bis Rom.
Urban Fink hat vor drei Jahren den wichtigen Impuls gegeben, dass die Projektidee eine Arbeitsgruppe braucht.
Br. Damian Keller brachte seine Begeisterung und sein kritisches Nachfragen ins Projekt ein und bewog etliche seiner Mitbrüder dazu, sich für das Projekt zu engagieren. So ist es ein Mitbruder von ihm, der bereit ist, unsere Botschaft Papst Franziskus zu überreichen. Das Datum dieses Treffens kennen wir nicht.
Esther Rüthemann: ohne ihr geerdetes, spontanes und freudiges „Ja selbstverständlich laufe ich für dieses Anliegen nach Rom“ wäre nichts aus einer blossen Idee geworden.
Genauso Franz Mali. Seine treue Verlässlichkeit und seine nüchterne Betrachtensweise aller Fragen, die Köpfe und die Gemüter erhitzten, gehören zum Fundament des Projektes.
Er, Esther und ich sind aufgrund langer gemeinsamer Pilgererfahrung ein starkes, unzertrennliches Team gewesen für das Unterwegssein mit so vielen von St.Gallen bis Rom.
ROMPILGERINNEN UND MITPILGERINNEN TAGE-ODER WOCHENWEISE
Danke sagen möchten wir heute unseren tapferen und ausdauernden Rompilgerinnen: Claire Renggli, Mariette Mumentahler, Theri Steger, Cäcilia Koller, Silvia Letsch und Ursula Höfs und ebenso drei Pilgern, die uns von Siena bis Rom begleiteten und uns sehr unterstützten: Ursula Niedermann, Peter und Maria Gamper
Dankbar sind wir allen, die einen oder mehrere Tage oder sogar eine Woche mit uns unterwegs waren und uns spüren liessen, wie sie das Projekt mittragen.
REDAKTIONSTEAM, AUTORINNEN BLOG
Während eines ganzen Jahrs vor Beginn des eigentlichen Pilgerns schrieben Autorinnen und Autoren spirituelle Blogbeiträge für jeden Tag. Sie legten damit einen Boden, der Ausdruck dafür war, dass das grosse Miteinander und Füreinander von Männern und Frauen in der Kirche bereits lebt.
Ein grosses Dankeschön gehört unserem Redaktionsteam. Sie alle betreuten während einigen Wochen die Blogbeiträge und schalteten diese auf unserer Homepage auf: Willi Anderau, Jacqueline Keune, Maria Blittersdorf, Urban Fink und Eva-Maria Faber.
IMPULSE IM BISTUM ST.GALLEN
Einen wichtigen Boden legten im Bistum St.Gallen 22 Pastoralassistentinnen, Katechetinnen oder Freiwillige, die in ihrer Seelsorgeeinheit einen Abend zu einer bedeutenden Frau der Kirchengeschichte entwarfen und durchführten. Dadurch wurde das Projekt an vielen Orten vorgestellt und erreichte die Basis.
Sr. RUTH, ESCHENBACHER UND FAHRER SCHWESTERN
Unser Projekt wurde vom ersten Nachdenken an von Sr. Ruth Nussbaumer, Äbtissin im Kloster Eschenbach, begleitet. Der von ihr entworfene und bestickte Läufer ist einfach genial und bleibendes Symbol unseres Projektes. Nach unserer Rückkehr aus Rom stickte sich weitere Daten und die Namen der RompilgerInnen auf den Läufer. Zusammen mit Priska Schmid entwickelte sie auch 8 Transparente für den Pilgertag in Rom. Vergelt’s Gott!
BETERINNEN
Von Anfang an war für uns klar, dass die Mitte unseres Projektes der Geist von Jesus Christus ist. Wir baten alle Ordensgemeinschaften der Schweiz ums Gebet. Zu ihnen gesellten sich vor allem während des Pilgerns viele einzelne Menschen, die uns ihres Gebetes versicherten. Dieser Kraft verdanken wir auch unsere Gelassenheit in Bezug auf die Frage des Gelingens oder Scheiterns unseres Projektes.
VERNETZUNG ZU FRAUENGEMEINSCHAFTEN
Einen wichtigen Beitrag für das Wachsen des Projektes über die Landesgrenzen hinaus leisteten Simone Curau und Claire Renggli. Sie stellten das Projekt bei verschiedenen Gelegenheiten den Katholischen Frauengemeinschaften und Verbänden vor, sodass sich Pilgergruppen aus Graz, Südtirol und Oberösterreich auf den Weg nach Rom machten.
TAUTEAM
Eine grosse und wichtige Aufgabe übernahm für uns das Tauteam. Im Hintergrund waren Niklaus Kuster und Nadja Rudolf von Rohr tätig, sodass es für viele möglich wurde, in Italien während drei Wochen mit uns mitzupilgern. Sr. Imelda Steinegger, Beatrice und Patrick Hächler leiteten diese Wochen.
ORGANISATION ROMREISE UND REISEGRUPPEN, EINZELNE
Was wäre unser Projekt ohne all jene gewesen, die für den 2. Juli nach Rom reisten. Wir danken allen von Herzen. Besonders erwähnen wollen wir jene, die mit ihren Gruppen ein ganzes Programm in um und Rom organisierten. Tonja Jünger und Simone Curau schrieben vom SKF aus die Reise aus. Damian Kaeser und Franz Kreissl waren zusammen mit Sieber Reisen unterwegs.
CHORPROJEKT, ECHO VOM FROHBERG, ORGANISTINNEN
Die geniale Idee, den 2. Juli für einen Projektchor anzubieten, stammt auch aus dem Kloster Fahr. Ruth Mory-Wigger leitete und dirigierte die Proben in der Schweiz und meisterte die verschiedenen Auftritte in Rom.
An der Orgel begleiteten Antje Traub, Esther und Martin Hobi.
Eine wunderbare Sache bis heute ist die Begleitung durch das Echo vom Frohberg unter der Leitung von Guido Giacomuzzi.
SPENDERINNEN UND EINZELNE
Wir denken und danken heute allen Spenderinnen und Spendern. Es sind etliche Einzelpersonen, die uns unterstützt haben und nicht genannt sein wollen. Zu den Spendern gehören auch verschiedene Landeskirchen.
Wichtig ist uns zu erwähnen, dass wir von vielen einzelnen unterstützt wurden. Zum Beispiel sind hier: Walter und Judith Brander, Elisabeth Betschart und Silvan Hollenstein.
MEDIENSCHAFFENDE UND PROMOTORINNEN
Für uns im Hintergrund hat Remo Wiegand als Medienfachmann gearbeitet. Ihm verdanken wir die Idee, dass man Tag für Tag bis Siena mitlaufen konnte. Er entwarf den entsprechenden Flyer.
Mariette Mumenthaler hat dafür gesorgt, dass die französischsprachige Schweiz in den Medien vom Projekt erfuhr.
Sylvia Stam hat für kath.ch von Anfang bis Schluss in einer grossen Serie von Beiträgen über uns berichtet.
Multiplikatorenarbeit im Hintergrund leisteten verschiedene Leute.
FILMCREW
Ein Glücksfall für uns ist unser Filmemacher Silvan Hohl mit seiner Crew. Dass diese jungen Männer sich für unser Projekt begeisterten und im nächsten Frühjahr den Film „habemus feminas“ herausbringen werden, freut uns enorm. Wir nennen die Jungs spasseshalber „unsere boygroup“. Leider können sie heute nicht hier sein.
BISCHÖFE, ÄBTE
Ganz am Schluss ist es uns ein grosses Anliegen, ein grosses Dankeschön unseren Bischöfen und Äbten auszusprechen. Hätte Bischof Markus nicht ganz zu Beginn gesagt, er stünde hinter der Projekte, wären wir heute nicht hier. Hätte Bischof Felix nicht spontan zugesagt, am 19. Februar dieses Jahres für die Medienorientierung zur Verfügung zu stehen, hätte unser Projekt nicht die gleiche Verbreitung gefunden. Die Präsenz so vieler Benediktineräbte in Rom verleiht unserem Projekt ein grösseres Gewicht.
Es steht geschrieben: Wenn einer euch auf die rechte Backe schlägt, so haltet ihm auch die linke hin. Ich aber sage euch: das Gebot ist an die Männer gerichtet, die endlich aufhören sollen, einander die Schädel einzuschlagen. Euch aber ermuntere ich: Wenn einer euch in die Backen zwickt, haut ihm ruhig eins über die Ohren.
Es steht geschrieben: Die grösste Sünde ist die der Selbstüberhebung. Ich aber sage euch: Die grösste Sünde ist die der Selbsterniedrigung, denn dann unterliegt das Göttliche in euch.
Es steht geschrieben: Selig sind die Sanftmütigen. Ich aber sage euch: Wenn ihr euch nicht erhebt und den Aufstand wagt gegen die Zerstörung der Wälder und das Ozonloch, wird es keine Erde mehr geben, die ihr besitzen könnt.
Reinhild Traitler, Texte aus der Frauenbewegung. Aus: Felix Senn (Hg.), Widerstehen und Befreien. Edition Exodus
in den Abend hinein
„Jeden Abend sollte es eine Geste der Übergabe und der Entspannung sein: den Tag loslassen, mit allem, was in ihm war. Und verzichten auf all das, was nicht hat zu einem befriedigenden Ende geführt werden können, im Wissen, dass ein anderer Tag kommt. Man muss in die Nacht hinein sozusagen mit leeren, offenen Händen, mit denen man den Tag hat weggleiten lassen. Erst so kann man wirklich ausruhen. Und in diesen leeren und ausgeruhten Händen […] empfängt man beim Aufwachen einen neuen Tag.“
Etty Hillesum (1914-1943, Complete Works, 673)
für den Wiederbeginn im Alltag
Psalm 23
Nachdichtung von Toki Miyaschina (Japan)
Der Herr gibt mir für meine Arbeit das Tempo an. Ich brauche nicht zu hetzen. Er gibt mir immer wieder einen Augenblick der Stille, eine Atempause, in der ich zu mir komme. Er stellt mir Bilder vor die Seele, die mich sammeln und mir Gelassenheit geben. Oft lässt er mir mühelos irgendetwas gelingen und es überrascht mich selbst, wie zuversichtlich ich sein kann. Ich merke: Wenn man sich diesem Herrn anvertraut, bleibt das Herz ruhig. Obwohl ich sehr viel Arbeit habe, brauche ich doch den Frieden nicht zu verlieren. Er ist in jeder Stunde da und in allen Dingen, und so verliert alles andere sein bedrohliches Gesicht. Oft – mitten im Gedränge – gibt er mir ein Erlebnis, das mir Mut macht. Das ist, als ob mir einer eine Erfrischung reichte, und dann ist der Friede da und eine tiefe Geborgenheit. Ich spüre, wie meine Kraft dabei wächst, wie ich ausgeglichen werde und mir mein Tagewerk gelingt. Darüber hinaus ist es einfach schön zu wissen, dass ich meinem Herrn auf der Spur bin, und dass ich, jetzt und immer, bei IHM zuhause bin.
… sie verletzt uns – sie lehrt uns den aufrechten Gang
… sie ist Mittäterin von Machtmissbrauch und Geltungssucht
… sie ist Solidarische im Widerstand gegen Mächte des Bösen
… sie schenkt Freiräume, Weite, die wir selbst gestalten können
… sie hält wach die Sehnsucht nach dem Ganz-Anderen, nach dem „Mehr als alles“
Wie schütze ich mich, dass sie mich nicht immer wieder neu verletzt?
Wo finden wir Orte, wo wir klagen und manchmal weinen können über die zurück gebundenen Fähigkeiten und die abgeschnittenen Quellen?
Wie bestärken wir uns? Wo nähren wir unsere Hoffnung?
Wo schaffen wir Räume, wo geschwisterliche Kirche bereits heute erfahrbar wird?
Ich werde nie verstehen, wie das Geschlecht eines Menschen, die grundlegende, von Gott geschenkte Identität, über Zugehörigkeit bzw. Ausschluss entscheiden kann. Wie das, was niemandes Verdienst und niemandes Versagen ist, das eigene Geschlecht, darüber entscheiden kann, ob jemand mit Trost salben, Gottes Erbarmen auf eine Schuld legen oder seine Nähe im Brot erinnern darf oder nicht. Und ich kann nicht verstehen, wie die Kirche allein das Unrecht ausser-, nicht aber das innerhalb ihrer Mauern sehen kann. Und das ist es – Unrecht. Jacqueline Keune
schreib es dir nicht nur hinter die ohren
nicht nur auf die stirn
schreib es nicht nur in die hand
unter die füsse
schreib es nicht nur lass es strömen
herzwärts
dass gott dich liebt masslos
dass gott dir den himmel offen hält und du im hören zu sehen beginnst wenn er sagt
du bist mein geliebter sohn du bist meine geliebte tochter
Macht MACHT uns Angst? Weshalb? Stehlen wir uns aus der Verantwortung, wenn wir Macht ablehnen? Lieber machtlos? Mit welchen Folgen?
„… ein paar Orientierungs- und Nachdenksätze, die allen, die auf dem Weg in Verantwortung und Macht sind, helfen könnten, sich dieser Aufgabe zu stellen. So könnte ich mir diese Sätze vorstellen:
1. Gib dir Rechenschaft über die Rechtmässigkeit der Macht, die du besitzt. Ist es gerechte Macht? Setze sie für das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit, also für die ‚Schwachen‘ ein.
2. Sei jederzeit bereit, öffentlich Rechenschaft abzulegen über deine Entscheidungen.
3. ‚Dienen‘ bedeutet nicht Verzicht auf eine eigene Meinung, sondern erfordert profilierte Stellungnahme im Interesse der Schwachen.
4. Prüfe selbstkritisch den Gebrauch äusserer Zeichen der Macht. Vermeide alle Massnahmen, die Distanz schaffen zwischen den Brüdern und Schwestern und dir.
5. Bemühe dich um ‚Demut‘ in deinem Leben und um Zeichen, an denen andere sie erkennen können.
6. Lass dich nicht bedienen.
7. Suche dir eine Gruppe von Menschen, die dir zur Seite stehen und dir offen sagen, wenn dein Dienen in Herrschen übergeht.
8. Beziehe andere so viel als möglich in Entscheidungen ein. Sei bereit, Macht zu teilen.
9. Benutze deine Macht, um anderen Frauen auf den Weg zu helfen.
10. Deine Mitarbeiterinnen sollten die Möglichkeit haben, offen ihre Kritik an dir zu äussern.
11. Arbeite darauf hin, deine Machtbefugnis zeitlich zu begrenzen. Bereite dich und andere darauf vor, die Macht weiterzugeben.
12. Prüfe dich selbstkritisch, bete und arbeite.“
Bärbel von Wartenberg-Potter, in: Wir werden unsere Harfen nicht an die Weiden hängen. Engagement und Spiritualität. Kreuz Verlag, S. 88f.
Auch du bist Prophetin in dir tanzt das Licht und machtvoll erklingt uns dein Lied
Aus dir singt der Traum vom Sturz aller Täter vom Aufstand aller Opfer zur Freundschaft und Lebenslust
Auch du bist Prophetin ausgespannt zwischen Himmel und Erde in deinen Händen liegen Licht und Wahrheit und du erzählst von Unrecht und Schmerz und vom kommenden Leben das leise, unaufhaltsam unter uns Gestalt annimmt.
Du Urbild von Mann und Frau, Der Du beide, Mann und Frau, Dir zum Bilde geschaffen hast, vergib uns, dass wir Dir nur männliche Namen gegeben und weibliche vorenthalten haben. Lass uns Deine weiblichen Züge entdecken, lieben und aus ihnen leben.
Amen.
Berthild Boueke-v. Waldthausen
„Es gibt nichts, das keine Mutter hätte.“ Mit diesem Fanfarensatz beginnt das Buch „weiblich – weit wie der Himmel“ von Miriam und José Arguëlles. (…) „Es gibt nichts, das keine Mutter hätte“, so trompetet es hinein in eine Konfession, die nur den „Gottvater“ kennt, und in eine andere, die zwar – wenigstens – die „Gottmutter“ verehrt, aber ihr beileibe nicht den Rang einer „Gottmutter“ einräumt.
In einem Leben, wo sich alle unsere Urerfahrungen – und das gilt für Frauen wie für Männer – auf die Mutter beziehen, bietet uns das religiöse System, das uns Antwort geben will auf die tiefsten Fragen nach „woher“ und „wohin“ keine Mutter und keine Frauengestalt an: da kann doch einfach etwas nicht stimmen!
aus: Ursa Krattiger, Die perlmutterne Mönchin, S. 123/129
Gottesnamen aus einem Frauengottesdienst
Weibliche Kraft, die du liebevoll strahlst und wärmst – alles ist von dir durchdrungen
Du / einfach Du / Gott Göttin / Bruder, Schwester / Sonne, Mond / Stern / Blume, Musik, Gesang / Du / einfach Du / Licht und Schatten / Du / immer nur / Du
Allumfassendes SEIN / warm und gut ist es da / lass mich den Widerstand aufgeben. Mach mich offen und vergib mir
Du meine Vertraute... die mir immer zuhört, du meine Geborgenheit, meine Wärme, meine Kraft.....
Sprudelndi Quelle, Du machsch mich läbig, reinigsch mich und erfrischisch mich.
Ich dank Dir, dass Du bisch und mich umgisch!
Gott, Du bist die, die immer mit mir auf dem Weg ist. Amen.
Du mein Gegenüber / ich danke Dir für Dein Dasein zu jeder Zeit.
Du mini Standflächi uf dere ich sicher mit beide Füess Platz han.
DU / immer neu / immer anders / immer!
Du Wärmende / Zärtliche / umfange mich und nehme mich auf in deine Ruhe.
O Frau, segne mich, damit ich dich segne!
Du, komm her, lass Dich umarmen für die kleinen Gänseblümchen.
Winterthur, Sept. 1999
Die Sophia ist eine schillernde Grösse, die in einer Vielfalt von Bildern und Symbolen Aspekte der Menschenfreundlichkeit und Güte Gottes darstellt. (…) Im Buch der Weisheit wird die Sophia sogar als Geliebte des Herrn des Weltalls vorgestellt, als Beisitzerin (Paredros) seines Thrones und Mystin (Eingeweihte) seines Wissens (Weish 8,3; 9,4). (…) In der alten Tradition der Baumgöttinnen Palästinas und Ägyptens schenkt sie bei Jesus Sirach den Weisheitssuchenden Zuflucht und Nahrung (Sir 24,19ff.).
Silvia Schroer, Jesus Sophia, in: Doris Strahm/Regula Strobel, Vom Verlangen nach Heilwerden, S. 113
Ich glaube an Gott, der Frau und Mann zum Ebenbild schuf
Ich glaube an Gott, der Frau und Mann zum Ebenbild Gottes schuf, der die Welt schuf und beiden Geschlechtern die Pflege der Erde anvertraute.
Ich glaube an Jesus, Gottes Kind, von Gott erwählt, geboren von der Frau Maria, der Frauen zuhörte und sie liebte; der in ihren Häusern weilte, der das Reich Gottes mit ihnen besprach, der Frauen als Schüler in seiner Gefolgschaft hatte und von Frauen finanzielle Hilfe empfing.
Ich glaube an Jesus, der mit der Frau am Brunnen über Theologie sprach und sich ihr zuerst als Messias zu erkennen gab, der sie dazu bewegte, die grosse Nachricht in der Stadt zu verkünden.
Ich glaube an Jesus, der gesalbt wurde, von einer Frau in Simons Haus, der die Gast weilenden Männer tadelte, die sie verachteten.
Ich glaube an Jesus, der sagte, dass man ihrer Tat gedenken wird – als Dienst an Jesus. (…)
Ich glaube an Jesus, der von Gott sprach als von einer Frau, die den verlorenen Groschen sucht, als von einer Frau, die beim Wischen nach dem Verlorenen sucht. (…)
Ich glaube an Jesus, der zuerst Maria Magdalena erschien, der sie mit der brennenden Botschaft beauftragte: Geh und verkünde…
Ich glaube an die Ganzheit des Erlösers, in dem weder Jude noch Grieche ist, weder Sklave noch Freier, weder Mann noch Frau; denn wir sind alle eins in der Erlösung.
Ich glaube an den Heiligen Geist, wie er sich bewegt über dem Wasser der Schöpfung und über der Erde.
Ich glaube an den Heiligen Geist, den weiblichen Geist Gottes, der wie eine Henne uns Leben gab und uns gebar und uns bedeckt mit ihren Flügeln.
… von Gott gewollte, liebevoll geschaffene Geschöpfe: Frauen und Männer
… einen zärtlichen, geduldigen Umgang mit meinem Körper übe ich Tag für Tag.
Zerbrechlich bin ich
zerbrechlich bin ich verwundbar zerbrechlich mein Geist verwundbar mein Leib zerbrechlich verwundbar meine Seele
zerbrechlich sein heisst transparent bleiben aussen und innen kommunizieren miteinander
zerbrechlich sein heisst ungesichert sein solidarisch mit den Ungesicherten mit den Verwundeten
zerbrechlich sein heisst brauchbar sein für alles Zarte zerbrechlich sein heisst Heimat sein für den Allerzerbrechlichsten für Gott
nach Elisabeth Bernet aus: Bleib stehen, es fällt ein Stern zur Erde
Dies ist mein Leib. Mit Haut und Haar und einem Geschlecht. Geschaffen, Gott zum Bild, und darum ist da nichts an uns, was nicht Gott ähnlich wäre. Dies ist mein Leib. So grundlegend dieser Satz für eine jede und einen jeden ist, so grundlegend ist er es für die Kirche, die Sonntag für Sonntag auf einen Leib hinweist. Und doch: Was alles wurde an Menschen, wurde an Frauen unrein und unanständig genannt? Was alles musste bedeckt und weggeschnürt, mit Schweigen belegt, vergrössert und verkleinert werden, und was alles müsste liebevoll angesehen wund berührt werden – wie beim aussätzigen Menschen, dass wir uns denn selber wieder als schön, ganz und gut sehen könnten? Dies ist mein Leib. Der unförmige, der versehrte, der preisgekrönte, der entstellte, der verlangende, der niederkommende, der erschrockene, der geborene, der sterbende. Und nichts ist da an ihm, was nicht Gott ähnlich wäre.
Jacqueline Keune (aus: von Bedenken und Zusagen, S. 65)
Gebet
Du hast mich geträumt, Gott wie ich den aufrechten Gang übe und niederknien lerne, schöner als ich jetzt bin, glücklicher als ich mich traue, freier als bei uns erlaubt.
Hör nicht auf, mich zu träumen, Gott. Ich will nicht aufhören, mich zu erinnern, dass ich dein Baum bin, gepflanzt an den Wasserbächen des Lebens.
Die «Kirche mit* den Frauen» leuchtet wie ein heller Stern an meinem Kirchenhimmel. Denn noch immer leuchten Begegnungen und Erlebnisse des 2. Juli 2016 in meinen Alltag hinein. Aus einiger zeitlicher und räumlicher Distanz kristallisieren sich zwei Dinge heraus. Dankbarkeit und Ermutigung.
Grössten Respekt und riesige Dankbarkeit empfinde ich dem Kernteam und allen Pilgernden gegenüber, insbesondere jenen, die den ganzen Weg zu Fuss gegangen sind! Aus meiner Sicht hat sich jeder einzelne Schritt gelohnt: die vielen kleinen Schritte der Organisation im Hintergrund ebenso wie die gegangenen Schritte unterwegs. Grosse Dankbarkeit empfinde ich auch Ruth gegenüber. Das Singen im Projektchor war ein wahrer Genuss, Lebens- und Glaubensfreude pur. Schon jetzt freue ich mich auf den Pilgertag am 19. März 2017 aus Anlass der Verleihung des Herbert Haag Preises. Wir singen doch wieder, oder?
Grosse Dankbarkeit empfinde ich auch all jenen gegenüber, die das Projekt in unsichtbarer Weise unterstützt haben. Das waren nur schon in meinem kleinen Umfeld nicht wenige! Tief unter die Haut ging mir das schweigende Gehen auf den Petersdom zu, das singende Besteigen der Treppenstufen und der Einzug ins «Herz» unserer Kirche, jenes «Herz», das in diesem Moment so viel mehr war als ein Kunstwerk aus Steinen. Ich fühlte eine überwältigende Verbundenheit untereinander und mit allen, die das Projekt in Gebet und Gedanken mitgetragen haben. Gänsehaut trotz Gluthitze!
Die «Kirche mit* den Frauen» ist für mich Ermutigung fürs Weitergehen, Schritt für Schritt, voller Freude und Vertrauen im Wissen darum, dass ich nicht alleine bin auf diesem Weg. Ich möchte Gangart und Tempo der Pilgergruppe übernehmen, denn aus meiner Sicht ist es genau jene Beharrlichkeit und Geduld in feinfühligem Miteinander, die uns weiterbringt. Die Pilgergruppe hat es uns vorgemacht. Nun liegt es an uns allen, mutige Zeichen zu setzen für geschwisterliches Miteinander, damit der Stern weiterhin hell leuchtet am Kirchenhimmel und als wegweisender Orientierungspunkt wahrgenommen wird.
Dies ist meine Grundstimmung. Warum? Gestärkt worden bin ich durch die Gemeinschaft der Glaubenden an Jesus Christus und den Einsatz für eine geschwisterliche Kirche - sei es am 2. Mai in St. Gallen, während des Pilgerns durch die Schweiz oder während der Zeit in Rom, besonders am Kundgebungstag am 2. Juli.
Mich nicht entmutigen lassen, muss ich mich in der Realität, zurück in der Schweiz, in meinem Einsatz als Spitalseelsorgerin. Hier sind mir manchmal die Hände gebunden. Z.B., wenn ein Patient oder eine Patientin wünscht, dass ich die Krankensalbung spende. Das darf ich nicht. Niemandem rede ich die Krankensalbung aus, weil ich sie nicht spenden darf. Denn die Sakramente sind sichtbare Zeichen der Nähe und Liebe Gottes, sie sind Schätze unseres Glaubens. Also muss ich telefonieren und organisieren bis ein Priester kommen kann, manchmal mit 1/2 Stunde Anfahrtsweg - und ich bin vor Ort. ... Doch ich muss unbedingt erwähnen, dass die Patienten und Patientinnen, mich spüren lassen und mir viel Mut schenken, dass ich als Frau, als Seelsorgerin in der kath. Kirche, voll akzepiert werde. Diese Spannung zwischen sein und nicht dürfen ist für mich oft sehr gross. Das Evangelium, der Glaube, auch in den Zeichen der Sakramente, ist kein Besitz mit Exklusivrecht!
... Zu Hause gestaltete ich Transparente mit dem Logo in allen vier Landessprachen. Wir steckten sie auf Wanderstöcke oder hielten sie in der Hand und trugen sie durch Rom. Von der Engelsburg bis zum Petersplatz blies der Wind in die Transparente und ich rief erfreut "Der Heilige Geist unterstützt uns!" Eine Frau, auch Theologin, die neben mir ging, wollte das Projekt für eine Kirche mit* den Frauen unbedingt unterstützen und war extra mit dem Nachtzug von Passau nach Rom gereist.
Gestärkt sein und sich nicht entmutigen lassen, dieses Bild (s.o.) ist für mich symbolträchtig! Auf dem Petersplatz angekommen, mussten wir mit einer Sicherheitsperson des Vatikans die Transparente, auch die aus dem Kloster Fahr, d.h., alle Transparente, die sichtbar waren, in der Garderobe für Touristen deponieren. Banner durften in San Pietro mitgenommen werden, Transparente nicht. Doch jenes auf Rumantsch Grischun "Baselgia cun* las dunnas" wurde nicht konfisziert, da Pilger es schnell zusammenlegen und über den Querbalken des Pilgerkreuzes hängten. So konnten sie es in den Petersdom hineintragen.
Mut macht mir auch dieses Gebet, das aus der Ostkirche stammt:
Komm Heiliger Geist
Komm, Heiliger Geist, heilige uns! Erfülle unsere Herzen mit brennender Sehnsucht nach der Wahrheit, dem Weg und dem vollen Leben.
Entzünde in uns Dein Feuer, daß wir selbst zum LICHTE werden, das leuchtet, wärmt und tröstet. Laß unsere schwerfälligen Zungen Worte finden, die von Deiner Liebe sprechen.
Schaffe uns neu, daß wir Menschen Deiner Liebe werden, Deine Heiligen, sichtbare Worte GOTTES. Dann werden wir das Antlitz der Erde erneuern, und alles wird neu geschaffen.
Komm, Heiliger Geist, heilige uns, gib uns Mut und stärke uns, bleibe allzeit bei uns und führe uns. AMEN.
Der 2. Mai wie auch der 2. Juli 2016 haben einiges in mir losgetreten. Auch wenn der Pilgerabschluss vom 2. Juli 2016 nun schon wieder 2 Monate zurückliegt, wirken diese Tage immer noch in mir nach.
Der 2. Mai war ein so überwältigender Start in der Kathedrale St. Gallen und der 2. Juli als Abschluss mit der Pilgergruppe in Rom. Ich durfte an beiden Tagen dabei sein. Mir fliesst das Herz auch heute noch über, wenn ich an den 2. Juli in Rom denke, an den Weg durch die ewige Stadt und von der Engelsburg zum und in den Petersdom. Der Gottesdienst mit all den vielen Menschen, Männern und Frauen, die das Projekt für eine Kirche mit* den Frauen unterstützen, war so ehrlich, echt, bereichernd und ergreifend. Vor allem ging es dabei um das Projekt und um die Botschaft!
Ich bin mir bewusst, dass Euer Ziel liebe Pilger, der Papst war bzw. ein Treffen mit dem Papst, an welchem Ihr Eure Botschaft überbringen wolltet. Verständlich somit auch die Enttäuschung vieler, als dies nicht geklappt hat. Auch ich hatte für Euch gehofft, dass Ihr dem Papst persönlich das Anliegen für eine Kirche mit* den Frauen übergeben könntet. Nur, was wäre gewesen, wenn Papst Franziskus, wie von vielen erhofft, beim Abschlussgottesdienst dabei gewesen wäre? Wäre dann nicht er die Hauptperson gewesen und nicht mehr die Botschaft und das Anliegen? Wäre die Botschaft bei einer offiziellen Übergabe an Papst Franziskus nicht auch auf eine gewisse Art und Weise in manchen Köpfen abgegeben worden? Vielleicht wäre das Anliegen damit eingeengt und kanalisiert worden - bürokratisiert, in bestimmte Bahnen gelenkt und weiblich vielleicht passend gesehen in ein Korsett gezwängt worden? Wir sind dazu aufgerufen, das Anliegen und die Botschaft weiter zu tragen - nach Innen und Aussen zu tragen. Der Raum dafür ist offen, weit und frei!
Bei mir haben der 2. Mai und der 2. Juli eines Baches gleich ein Rad in Bewegung gesetzt - wie Wasser ein Mühlrad - das verzahnt mit weiteren Rädern und Rädchen etwas in Gang gesetzt hat. Das eine oder andere Zahnrädchen werde ich noch ölen müssen und dort wo es mal klemmt, werde ich einen Schubs brauen - aber es läuft, es sprudelt, es hat sich was in Gang gesetzt und ich bin dabei nicht alleine.
Es wurde langsam dunkel in Emmaus. Die Jüngerinnen und Jünger lassen den noch unerkannten Jesus nicht weiter ziehen, wollten sich mit ihm hinsetzen, über das Erlebte der letzten Tage austauschen, gemeinsam Trost finden und Erklärungen für das Unverständliche.
Das ist Kirche, wie ich sie mir wünsche und wie sie an vielen Orten auf der Welt gelebt wird. Frauen, Männer und Kinder sind gemeinsam unterwegs, mit wachen Augen und hörenden Herzen für das, was sie und die Menschen um sie herum freut, bewegt oder belastet.
Wie in Emmaus ist es aber auch in unserer Kirche dämmerig, das Licht wird schwächer. Viele engagierte Frauen sind müde und enttäuscht. Und doch ist da eine Ahnung, eine Hoffnung sogar, dass eine geschwisterliche Kirche möglich ist.
Das ist es, was sich der Schweizerische Katholische Frauenbund von diesem Projekt erhofft: Dass sich die Herren unserer Kirche mit uns Frauen hinsetzen – so, wie der auferstandene Christus in Emmaus - und wir unser Wissen und unsere Erfahrungen als Theologinnen und Haushalterinnen, als Gebärende und Sterbebegleiterinnen einbringen und mitentscheiden können, wo Entscheidungen gefragt sind.
Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen. Die SKF-Reisegruppe wird die letzte Etappe zum Petersplatz mitpilgern und dabei sein, wenn diese Botschaft am 2. Juli übergeben wird.
Als Getaufte bin ich Teil dieser Kirche. Ich liebe diese Kirche. In ihr habe ich meine Berufung und meinen Platz gefunden. Seit dreissig Jahren lebe ich als Benediktinerin im Kloster Fahr. In meiner Funktion als Priorin kann ich vieles mitgestalten.
In der Kirchengeschichte bis heute haben Frauen in den Klöstern und somit in der Kirche Grosses bewirkt. Sie haben in Wort und Tat das Evangelium verkündet.
Wir Frauen werden in Entscheidungsprozessen der Kirche oft nicht beigezogen.
Wer aber die Frauen nicht fragt und sie nicht hören will, schneidet sich von wertvollen Erfahrungen und Charismen ab, die vielen Menschen zugutekommen könnten.
Im Projekt „Für eine Kirche mit* den Frauen“ bin ich engagierten Menschen begegnet. Menschen, die sich auf den Weg machen für eine geschwisterliche Kirche, für ein Miteinander von Männern und Frauen.
Für dieses Anliegen stehe auch ich ein. Deshalb werde ich die letzte Etappe von Assisi bis Rom mitpilgern.
Ich engagiere mich im Projekt Kirche mit*den Frauen, weil ich in allen Menschen Jesus suche.
Es war schon immer schwierig, Jesus zu erkennen: Die Augen der Jünger waren mit Blindheit geschlagen auf dem Weg nach Emmaus.
Es ist schwierig, Jesus in Menschengestalt zu erkennen, denn Jesus hat viele Gesichter. Er erscheint uns in der Gestalt des Armen, der Kranken und der Unterdrückten. Das sagt Jesus selber. Doch nirgends sagt er, dass es bestimmte biologisch-maskuline Merkmale brauche, um ihn darzustellen. Der Leiter der Eucharistiefeier, also der Priester, stellt auch Jesus dar. Und es gibt Männer, die meinen, das könnten nur sie tun, weil sie eben diese biologischen Merkmale haben. Deshalb verbietet Mann den Frauen, die Messe zu feiern oder in der Messe zu predigen.
Braucht die Kirche die Frauen? Nein – nicht brauchen - ihr seid ja die Kirche, ihr stellt Jesus dar! So geht denn hinaus, um zu Fuss zu predigen, und wandert mit Jesus nach Emmaus und wandert nach Rom, damit uns Männern die Augen aufgehen und die Herzen brennen.
Meine Biographie in dieser Kirche ist von Frauen geprägt – meiner Mutter als erste, die mich genährt hat – mir den Weg in eine Heimat mitbereitet hat in diese Welt hinein jedoch auch zu einem Glaubenskontext. Auch wenn Vieles Fragen aufgeworfen hat und fragwürdig erschien, diese spirituelle Heimat war mir wichtig. Über die Jahre entdeckte ich immer wieder, entstand für mich das Bild, dass diese Kirche wie ein grosser Garten ist, in dem es „Beete“ gibt, die bereit sind oder darauf warten, darin zu „gärtnern“, das MEINE einzubringen – manches, ohne dass ich es gesucht habe. Immer wieder hat mir dieses Mitwirken Begegnungen und Wegabschnitte geschenkt, in denen ich mit Frauen Visionen teilen und entwickeln konnte. Nie ganz auszuschliessen auch der Schmerz über die strukturellen Begrenzungen auf Grund des „Frauseins“. Nichts desto trotz dachte ich immer wieder, dass ich mich durch diese „Dinge“ nicht aus meiner Heimat im Glauben vertreiben lassen möchte. Ich möchte als Frau darin meine Möglichkeiten leben und andere in diesen kostbaren Garten mitnehmen. Ich möchte mit ihnen leben und immer wieder neu entdecken, was die Apostelin der Auferstehung, Maria von Magdala uns gezeigt hat: es geht, es geht weiter – wie auch immer, vielleicht anders als geglaubt, gedacht, geträumt. Damit es geht, lohnt es sich zu gehen…. Deshalb bin ich froh, dass Ihr dieses Suchen nach Dialog, und Gleichheit im Tun unter die Füsse nehmt. Maria von Magdala ist es, die mich schon oft aus Erschrecken und Erstarrung herausgeholt hat und mir sagt: Entwickle, lebe und Tanze deine Choreographie im Garten des Glauben und der Kirche.
Wir sind auf der Suche nach der Kraft, die uns aus den Häusern, aus den zu engen Schuhen und aus den Gräbern treibt.
Aufstehen und mich dem Leben in die Arme werfen – nicht erst am jüngsten Tag, nicht erst, wenn es nichts mehr kostet und niemandem mehr wehtut.
Sich ausstrecken nach allem, was noch aussteht, und nicht nur nach dem Zugebilligten. Uns erwartet das Leben. Wann, wenn nicht jetzt? (Luzia Sutter Rehmann)
Ich pilgere mit, weil ich überzeugt bin, dass dieses Anliegen einen längst fälligen Wunsch an die Verantwortlichen in unserer Kirche formuliert.
Ich verstehe unser Projekt in erster Linie in der Perspektive des Verhältnisses von Frauen und Männern in der Kirche: Es ist nicht ein ausschliessliches „Frauenprojekt“ ohne Bezug zu Männern, als gelte es nur, dass Frauen sich mit Ellbogen in einer anonymen Struktur behaupten oder hinaufkämpfen. Es geht um das Verhältnis von Frauen und Männern (hier zunächst) in der Katholischen Kirche, um das Miteinander und Zueinander. Dieses Miteinander oder Zueinander ist für mich das Kernthema: Deshalb versuchen wir, beide Blickwinkel einzubeziehen, weil wir uns nicht nur etwas für die – und von den – Frauen wünschen, sondern wesentlich auch von den Männern und für diese.
Meine Hoffnung besteht darin, dass sich viele in unserer Kirche mit gutem Willen und Augenmass diesem Anliegen annehmen. Es braucht noch viel Detailarbeit, wie und wo dieser Wunsch umgesetzt werden kann.
Dabei werden wir Acht geben müssen, dass unser Anliegen nicht durch Polemiken aus den vergangenen Jahrzehnten so überlagert wird, dass es seinen eigenen Charakter verliert und festgefahrene Fronten bestimmend werden.
Ich bin überzeugt, dass dieses Projekt ein neuer Ansatz ist, der den Dialog und das Miteinander an oberste Stelle setzt.
Der Heilige Geist führt auch heute unsere Kirche. Seien wir bereit für Fremdes und Neues, denn Gott ist grösser als unser Herz.
Viele Menschen sind unterwegs. Viele suchen Gesprächspartner.
Einen Dialog mit Christus können sie sich aber überhaupt nicht vorstellen. Denn in der Kirche, die der Leib Christi ist, fühlen sie sich nicht ernst genommen.
Viele Menschen sehnen sich nach innerer Heimat und Weggefährtinnen, aber machen in der Kirche die Erfahrung von Heimatlosigkeit und Abweisung. Sie begegnen in der Kirche nicht der grenzenlosen Liebe Gottes, sondern dem Urteil der Pharisäer.
Ich möchte, dass die Kirche den Menschen den Zugang zu Gott nicht durch überkommene Formen versperrt, sondern durch wirklich gelebte Liebe öffnet. Auf dass ein wirkliches gemeinsames Unterwegssein auf Augenhöhe möglich ist. Darum engagiere ich mich in diesem Projekt.
Ansprache am Frauenvereinsgottesdienst vom 15.08.2016:
Der Leitgedanke unseres Miteinanders in diesem Frauenvereinsgottesdienstes ist: „Min Dienscht tue“.
Welche Assoziationen kommen bei Ihnen da auf? Dienst-Pflicht? Dienst-Leistung? Dienst-nach-Vorschrift? Militärdienst gar?Dienst und Dienen sind spannungsgeladene Begriffe. Wir verwenden sie in sehr ambivalentem Verständnis.
Lukas erzählt uns fast nebenbei folgende Episode: „Einmal war Jesus von einem Pharisäer eingeladen, bei ihm zu essen. Als nun eine Sünderin davon hörte, dass Jesus im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäss voll wohlriechendem Öl.“ Er sagt dies so selbstverständlich, dass man den Skandal beinahe überlesen könnte. Die «Sünderin» war – so kann man es durchaus verstehen – bis anhin fremden Wünschen «zu Diensten». Sie stand zur Verfügung und lebte so in Sünde. Sie verschafft sich – selbstverständlich uneingeladen – Zugang ins Haus des Pharisäers. Eigentlich eine Ungeheuerlichkeit, die sie sich da herausnimmt. Sie, die Verachtete, die Randständige in den Augen der «Gerechten», sie tritt ungerufen und unerwünscht in das fremde Haus ein und tritt zum Gast hin, zu Jesus. Sie wäscht seine Füsse mit ihren Tränen. Sie trocknet sie mit ihrem Haar und sie salbt sie mit kostbarem Öl.
Stellen sie sich mal diese Szene vor und versetzen sie sich damit in die heutige Zeit – unglaublich, was da geschieht. Sie, die bisher tat, was von ihr gewünscht wurde, passiv wie eine Sklavin derer, die ihre Dienste bestimmten und verlangten, sie wandelt sich von der Dienerin der Wünsche anderer zur Handelnden ihres eigenen Willens. Sie bedient nicht mehr, sie tritt in den Dienst, den sie selber für richtig erachtet, wider alle Gepflogenheiten. Da scheint Selbstbewusstsein auf, wo vorher Selbstverleugnung war. Da gewinnt sie Achtung, wo sie zuvor ein Leben lang nur Verachtung traf.
Da handelt sie, die bisher nur zur Hand ging... Das war eine zeichensetzende Wandlung einer Frau, und das in jener Zeit.
Zeichen setzen: Das wollten auch die PilgerInnen, die am 2. Mai in St. Gallen aufgebrochen sind und einen Weg von 1'200 Kilometern unter die Füsse genommen haben. Ihr Ziel war Rom, und sie trugen die Botschaft «Kirche mit* den Frauen» zum Papst. Auch sie waren nicht eingeladen. Auch sie haben aus Sicht der konservativen Lehrmeinung «ungehörige Vorstellungen». Sie wollen nicht mehr nur da in der Kirche mitarbeiten, wo der männliche Klerus ihnen Dienste zuweist. Sie möchten in unserer Kirche einen ebenbürtigen Dialog unter Brüdern und Schwestern aufnehmen. Sie haben eine Vorstellung davon, wie sie als gleichwertige Dienerinnen der Kirche auf Augenhöhe mit deren Dienern aktiv in den kirchlichen Dienst treten wollen. Sie wurden zwar nicht gross empfangen in Rom. Aber ihre Botschaft wurde gehört! Davon bin ich überzeugt, wenn ich an die Worte von Papst Franziskus denke, der sagt:
„Das ist es, was ich euch zu sagen habe. Ich höre gerne Fragen, weil sie mich zum Nachdenken bringen, und ich fühle mich wie der Torwart, der da steht und darauf wartet, wohin der Ball fliegt…“
Und ebenso sagt er: „Die Rolle der Frau in der Kirche ist kein Feminismus, sie ist ein Recht! Es ist das Recht einer Getauften mit den Charismen und Gaben, die der Geist geschenkt hat“. „Kirche ist Leben, und Leben bedeutet immer auch handeln“. Auch das sagt er, Franziskus, unser Papst.
Er hat in seiner Rede vor den versammelten Generaloberinnen aller Nationen an Pfingsten klar und unmissverständlich zugesagt, den Dienst der Frauen in der Kirche als Diakoninnen zu prüfen. Der Diakon ist das soziale Gewissen der kirchlichen Gemeinschaft, gehört zum katholischen Klerus und ist deshalb heute ausschliesslich für Männer offen.
Und Papst Franziskus will das – davon gehe ich aus – in allem Ernst des erleuchtenden Heiligen Geistes von Pfingsten angehen. Nein, das ist kein Nachgeben auf den sanften Druck von PilgerInnen aus der Schweiz. Das ist Einsicht, die zur Überzeugung gelangt in das Recht wie in die Notwendigkeit des gleichwertigen Dienstes der Frauen für die Kirche. Und es ist ein Zeichen der anerkennenden Wertschätzung. Franziskus wünscht sich ausdrücklich Frauen als Tätige im Dienst, nicht als Bedienstete.
Tätig sein setzt ein Selbstbewusstsein der eigenen Berufung voraus. Sie ist nur in einer aktiven Rolle zu verwirklichen. Und sie setzt ein für die kirchliche Tradition neues, bereicherndes Selbstverständnis der Frauen voraus. Sie wollen einen Schritt weg von den unteren hierarchischen Stufen auf eine Begegnungsebene auf gleicher Augenhöhe tun. Fast so, wie die Sünderin vor über 2000 Jahren Unerhörtes wagte. So, wie die Pilgerinnen und ihre über 1600 Begleiterinnen und Begleiter mit Kraft und Mut und überzeugt von Ihrer Sendung unterwegs waren. So, wie alle Frauen nach ihrer eigenen Vorstellung zukünftig in den Dienst der Kirche treten möchten.
Aus heiteren Himmel bin ich ab Chiavenna zur Pilgergruppe „Kirche mit* den Frauen“ gestossen und bis nach Rom mitgepilgert.
Ich habe sofort eine vertraute, liebevolle Aufnahme gefunden und bin mit dem Projekt gewachsen.
Wichtige Momente waren zum Beispiel die Erzählung vom beschnittenen Baum. Er brauchte diesen Eingriff, damit er weiter wachsen konnte. Bei mir entfaltet sich vieles und ich spüre durch das Pilgern Kraft, die mich antreibt. Bei einem andern Impuls konnte ich Lebens-Lasten in Form eines Steines abwerfen. Das tat gut. Das wirkt nach.
Ich finde bei mir heute: Gelassenheit, Durchatmen und neues Entdecken.
Seit ich zuhause wieder angekommen bin, empfinde ich eine große Freiheit für das Projekt und mich.
Ich danke allen, die mir geholfen haben: ich empfange Freiheit, Gleichheit, schwesterlich und brüderlich.
Diese Allerheiligenlitanei entstand im Bistum St.Gallen für den Pilgersegnungsgottesdienst vom 2. Mai 2016. Die genannten Frauen wurden in verschiedenen Pfarreien und Seelsorgeeinheiten vorgestellt. Die Litanei wurde am 2. Juli vor dem Grab der Heiligen Katharina von Siena in Rom nochmals gesungen.
Allerheiligenlitanei (V. = Vorsängerin / A. = Alle)
V./ A. Herr, erbarme Dich
V./ A. Christus, erbarme Dich
V./ A. Herr, erbarme Dich
V./ A. Christus höre uns
V./ A. Christus erhöre uns
V. Gott, Vater und Mutter im Himmel, A.erbarme dich unser
V. Jesus, Weggefährte
V. Sophia, heilige Weisheit
V. Gott, dreieinig in Liebe
V. Heilige Maria, mütterliche Begleiterin, A.bitte für uns V. Heilige Wiborada, priesterliche Ratgeberin, V. Heilige Maria de Mattias, gehorsame Rebellin, V. Heilige Margaritha, kluge Bändigerin des Bösen, V. Heilige Verena, Migrantin, die uns das Christentum verkündet hat, V. Weibliches Antlitz Gottes, nährende Bäckerin, A.schaue auf uns. V. Heilige Hildegard von Bingen, kritische Visionärin, A.bitte für uns. V. Heiligmässige Dorothee Wyss, ringende und segnende Frau, V. Madeleine Delbrêl, Mystikerin der Strasse, V. Heilige Idda von Toggenburg, Beschützerin der Fallenden, V. Heilige Elisabeth von Thüringen, radikale Dienerin der Armen und Kranken, V. Hanna, mutig Vertrauende und weise Begleitende, V. Silja Walter, Mund, der anbetend das Kommen Gottes bekennt, V. Mutige Rahab, lebenslustige Beschützerin, V. Geschmähte Mary Ward, Prophetin einer Zeit, die nicht dir gehörte, V. Stolze Judith, listige Wortführerin für dein Volk, V. Durstige Frau am Jakobsbrunnen, zur Quelle für andere Gewordene, V. Heilige Teresa von Ávila, humorvolle Seelenführerin, V. Heilige Maria von Magdala, Apostelin der Auferstehung, V. Heilige Katharina von Siena, leidenschaftliche Kämpferin für die Kirche, V. All ihr kraftvollen und vertrauenden Frauen, A.betet für uns
V./ A. Herr, erbarme Dich
V./ A. Christus, erbarme Dich
V./ A. Herr, erbarme Dich
V./ A. Christus höre uns
V./ A. Christus erhöre uns
V. Gott, Vater und Mutter im Himmel, A.erbarme dich unser
Das Projekt „Für eine Kirche mit* den Frauen“ ist auf Erfahrungen gewachsen, die Esther Rüthemann, Franz Mali und ich zusammen mit Christian Rutishauser SJ im Jahr 2011 gemacht hatten. Wir pilgerten damals zu viert von Menzingen (Lassalle-Haus Bad Schönbrunn, Bildungshaus der Schweizer Jesuiten) nach Jerusalem. Während sieben Monaten waren wir unterwegs durch 11 Länder und legten insgesamt 4300 Kilometer zu Fuss und als Pilger zurück. Durch die Schweiz und am Schluss von Amman nach Jerusalem wurden wir von einer festen Gruppe begleitet. In der Mitte, in Istanbul, gesellte sich eine Reisegruppe zu uns, die den ersten Tag der zweiten Hälfte mitpilgerte. Wir schrieben fast täglich Blogbeiträge (Archiv von http://blog.lassalle-haus.org/ ) und schalteten über facebook Kurznachrichten und mit der Zeit auch kleine Filme auf. Diese können unter folgenden Stichworten im Internet gefunden werden: „Zu Fuss nach Jerusalem LassalleHaus“. Die Filme sind ungefähr eine Minute lang. Ein schönes Beispiel aus der Türkei: https://www.youtube.com/watch?v=yRDz9YA7F4o
Die Pilgererfahrungen hielten wir in drei verschiedenen Büchern fest:
- Vier Pilger ein Ziel, Zu Fuss nach Jerusalem, Echter Verlag 2015 (dieses Buch schrieben wir zu viert)
- Zu Fuss nach Jerusalem, Mein Pilgerweg für Dialog und Frieden, Patmos Verlag 2013 (dieses Buch schrieb Christian Rutishauser)
- Zu Fuss bis Jerusalem, Pilgergedichte, Echter Verlag 2012 (dieses Buch schriebe Hildegard Aepli)
Der Film von Christof Wolf (Loyola Productions, München) über unseren Pilgerweg heisst: Die Schrittweisen. Der Film kann über das Lassalle-Haus ( ) für 25 CHF erworben werden.
Cécile Es ist mir ein grosses Bedürfnis, dem Kernteam und der Pilgergruppe meinen herzlichsten Dank auszusprechen. Danke für die Vision: Sie war kein Hirngespinst. Sie hat bereits etwas bewirkt und wird weiter wirken. Danke für die Kraft: Im Gottesdienst vom 2. Mai spürte ich eine ungeheure Kraft, die von der Pilgergruppe ausging. Die Feier hat mich tief im Herzen berührt und zu Tränen gerührt. Danke für den Mut: Ihr steht für das Anliegen ein und ermutigt damit uns Frauen, es euch gleich zu tun. Wir haben so viele Talente und Fähigkeiten, aber es geschieht so vieles im Stillen. Über den Glauben reden, fällt so vielen Frauen schwer. Danke für das Miteinander: Es gefällt mir, dass von Anfang an Männer mit ins Boot geholt wurden. Auch ich bin überzeugt, dass Veränderungen in der Kirche nur gemeinsam möglich sind. Danke für den Brief an Papst Franzisksu: Darin kommt das Anliegen wunderbar zum Ausdruck. Im Vordergrund stehen grundsätzliche Forderungen nach Gleichberechtigung von gleichwertigen Menschen. Danke für den Durchhaltewillen: Dafür, dass die Pilgergruppe trotz wenig Aussicht auf eine Audienz die 1000 Kilometer unter die Füsse genommen hat, habt ihr meine grösste Bewunderung! Ihr seid damit glaubwürdig und unterstreicht, wie wichtig das Anliegen ist.
Andrea Ich durfte beim Projekt "für eine Kirche* mit den Frauen" dabei sein und bin die ersten acht Tage mitgepilgert. Für mich ein eindrückliches und unvergessliches Erlebnis. Ich durfte wunderbare Menschen kennen lernen, glückliche Momente erleben, faszinierende Landschaften entdecken, Gemeinschaft und Vertrauen, die Freude am Glauben und Gott spüren – ich kam als anderer Mensch zurück. Dank den täglichen Blogs durfte ich auch zu Hause weiter mit der Gruppe "unterwegs sein" und am 2. Juli erlebte ich den Abschluss in Rom mit.
Und auch heute noch, drei Monate nach dem Start am 2. Mai in St.Gallen, bin ich in Gedanken oft beim Pilgern, bei den Menschen, die ich kennen lernte und die besondere Stimmung, das Miteinander singen und beten, fehlen mir. .....und ich träume von einer neuen Kirche und einem neuen "Pilgererlebnis".
Antonia Ich schaue täglich auf der Homepage „Für eine Kirche mit *den Frauen“ nach, ob wieder ein neuer Beitrag auf eurem Blog ist. Ich lese die Beiträge mit grossen Interesse. Der Blog- Beitrag von der Priorin Irene „die Füsse…“ erinnerten mich ganz fest an meine Füsse, die ich auf der „Assisi-Wanderung bekam. Obwohl ich gute Wanderschuhe hatte, konnte ich nach einigen Tagen nur noch mit den „Birkenstöcken“ pilgern. Es war wohl die Hitze, die mir an den Füssen zu schaffen machten. Aufgeben wollte ich nicht, ich wollte Assisi zu Fuss erreichen. Die Mitpilgernden staunten, dass ich nicht aufgab, einer meinte, nicht einmal im Militär hätte er solche Blasen gesehen.
Ich war täglich in Gedanken mit euch. Denn mir ist es auch ein sehr grosses Anliegen, „für eine Kirche mit* den Frauen“ auf dem Weg zu sein.
Der 2. Juli war für mich aus der Ferne ein tiefes Erlebnis, als ich all die Leute auf den Fotos im Petersdom sah. Allzu gerne wäre ich auch bei euch gewesen.
Euer Projekt wirkt in mir nach. Ich werde von euch an der nächsten Pfarreiratssitzung erzählen. Die Pfarreiratsmitglieder fragen, was wir machen könnten.
Sofia Nach einem, im Vergleich zu anderen Pilgerinnen und Pilgern, kurzen Weg, den ich von Greccio aus mitpilgerte, kam ich am 2. Juli in Rom an.. es war ein überwältigendes Gefühl. Ein Gefühl der Zufriedenheit, des Glücks, angekommen zu sein. Angekommen auch im Sinne für etwas eingestanden zu haben. Für etwas, woran über Jahrhunderte hinweg selten und auch erfolglos gerüttelt wurde.
Mit jedem Kilometer pilgerte ich für uns Frauen in der Kirche, für meine Überzeugung, für Ehrenhaftigkeit, Individualität, Stärke, Intellekt, persönliche Entwicklung und dafür, dass diese auch positioniert eingesetzt werden können. Dafür, dass diese anerkannt, respektiert und gelebt werden, für eine einheitliche, starke Christenheit. Denn gerade durch Entwicklung und Respekt sind Menschen im Stande Veränderungen, etwas Nachhaltiges zu erreichen. Gandhi hat den weisen Satz gesagt: „Du musst die Veränderung sein, die du in der Welt sehen willst“. Also, wer etwas verändern will, muss bereit sein, erst bei sich Veränderungen zu bewirken. Gandhis weiser Satz hat nichts an Aktualität eingebüsst.
Annette (KDFB Diözese Rottenburg-Stuttgart) Ich war vom 1.-4.7. in Rom. Vom 2.7. bin ich ganz beseelt und tief beeindruckt zurückgekommen. Es klingt immer noch alles nach. Ich bin überzeugt, es wird weitergehen. Wie weiß ich noch nicht - aber ihr habt etwas angestoßen, das nicht mehr aufzuhalten ist.
Agnes Habe drüber nachgedacht, wie das Pilgerprojekt auf mich gewirkt hat: Ich hatte versprochen, dass ich jeden Tag mindestens eine Viertelstunde im Gebet für die Pilgergruppe verweile, und das habe ich eingehalten. Einmal war es im Gottesdienst, dann in einer Kapelle am Weg, auch bei mir zu Hause vor der Kerze in der Stille, in einer Meditation im Arbogast, im Klösterli Maria Hilf oder einfach auf dem Wanderweg mit dem Rosenkranz. Und das hat speziell auf mich gewirkt und gab auch mir Kraft! Es war anders als jetzt! Auch die Tage mit dem Car nach Rom und in Rom selber haben mich überrascht, da ich die Hitze gut ertrug, wie sonst nicht! Unsere St.Gallergruppe wurde gut betreut durch Franz Kreissl und Damian Kaeser und nicht zu vergessen, den Chauffeur Meinrad Zünd! Es war ein einmaliges Erlebnis und ich möchte dafür herzlich danken!
Die erste Bildgalerie auf unserer Homepage ist dem Läufer gewidmet, dem 150 Jahre alten Leinen, einst von Hand gewoben im Zisterzienserinnenkloster Eschenbach Luzern. Dieses Leinen wurde von Sr. Ruth Nussbaumer bestickt. In diesem Blogbeitrag erläutere ich das Kunstwerk von Sr. Ruth:
Zuerst platzierte sie die Mitte, das Kreuz, das Kennzeichen von uns ChristInnen. Es ist das Zeichen dafür, dass wir an Gott glauben, der und die Beziehung ist: Beziehung zwischen Himmel und Erde, Beziehung zwischen Gott und Mensch, Beziehung zu Vergangenheit, in der Gegenwart, in die Zukunft hinein und in Ewigkeit. Dann stickte sie das Monogramm IHS, die griechische Abkürzung für den Namen von Jesus (siehe https://de.wikipedia.org/wiki/IHS). Darum herum im Kreis folgt der Satz des Herzensgebetes: Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich unser. Es ist der Satz, den der blinde Bettler Bartimäus Jesus zuruft, weil er ihm begegnen will. Es ist der Ruf derer, die mit Gott Beziehung auf Augenhöhe suchen (siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Jesusgebet).
Nachdem die Mitte des Läufers und damit die Mitte des Projektes „Für eine Kirche mit* den Frauen“ gesetzt war, stickte Sr. Ruth das Datum, an welchem die Projektidee geboren wurde und meinen Namen dazu: 15. 09. 2013. Über der Mitte entstand ein neuer Kreis mit den 8 Namen des Kernteams, welches seit April 2014 in monatlichen Sitzungen für das Projekt arbeitete: Esther Rüthemann, Eva-Maria Faber, Priorin Irene Gassmann, Lea Stocker, Hildegard Aepli, Br. Damian Keller, Franz Mali, Urban Fink.
Dann begann Sr. Ruth der linken Seite entlang Daten und wichtige Ereignisse für das Projekt einzusticken. Da findet sich zum Beispiel auch der Tag der Papstwahl von Franziskus. Ein prominentes Datum ist der 19. Februar 2016 in Bern, Medienkonferenz zusammen mit Bischof Felix Gmür. Und selbstverständlich fehlen der 2. Mai sowie der 2. Juli 2016 als Start- und Schlusstag in St.Gallen und Rom zusammen mit Bischof Markus Büchel nicht.
Während des Pilgerns tauchte der Wunsch auf, dass auch die Namen der Frauen dazukommen mögen, die den ganzen Weg von St.Gallen bis Rom gepilgert waren. Diese Arbeit hat Sr. Ruth bereits unter die Finger genommen. So finden sich nun auch die folgenden Namen auf dem Läufer: Claire Renggli, Mariette Mumenthaler, Cäcilia Koller, Theri Steger, Silvia Letsch und Ursula Höfs.
Obwohl Sr. Ruth schon so viele Zahlen und Text auf den Läufer gestickt hat, bleibt viel weisser und leerer Raum. Das Projekt ist nicht abgeschlossen. Es wollte etwas anstossen, etwas auf den Weg bringen, Türen und Herzen anrühren und dem Heiligen Geist Raum für sein Wirken lassen.
Auf den Blogbeitrag "Foto gesucht" haben verschiedene Leute reagiert mit Fotos und einem kleinen Film vom Einzug in den Petersdom. Vielen Dank!
Das beste Bild wurde uns von Bischof Markus Büchel geschickt. Er hatte noch in der Sakristei Franz Mali von hinten fotografiert. Dass Bischof Markus unseren Blog so aufmerksam weiter verfolgt und sich die Mühe macht, uns seine Bilder zu schicken, hat mich sehr gefreut. Hier seine Aufnahme von einem kleinen, aber denkwürdigen Augenblick. Hildegard Aepli
Seit ich wieder daheim im Kloster bin, träume ich jede Nacht vom Pilgern. Es sind keine aufregenden Träume, im Gegenteil, es handelt sich um alltägliche Pilgererfahrungen. All diesen Träumen gemeinsam ist das Zusammensein in der Gruppe. Wir sind miteinander im Gespräch. Wir sind unterwegs in der malerischen umbrischen Natur. Wir beten, singen und feiern miteinander. Wir sind da füreinander und helfen einander.
Diese Nachtträume sind ein Spiegel meines Traums von einer geschwisterlichen Kirche. Beim Pilgern, auch wenn es für mich zeitweise sehr strapaziös war, habe ich Kirche erfahren, wie ich sie mir vom Evangelium her vorstelle. In diesen Pilgertagen wurde mein Traum von Kirche Wirklichkeit: Menschen, die sich nicht ausgesucht haben, sind miteinander auf dem Weg, Freundschaften entstehen. Lebens- und Glaubenserfahrungen werden geteilt. Jede und jeder trägt mit ihren und seinen Gaben und Fähigkeiten zum Wohl der anderen, zum Wohl der Gruppe bei.
«Wenn eine alleine träumt, ist es nur ein Traum. Wenn aber viele gemeinsam träumen, so ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit. Träumt unsern Traum!» haben wir am 2. Juli an unserem Pilgertag in Rom gemeinsam gesungen. Ich bin seither gewiss, ich träume den Traum einer geschwisterlichen Kirche nicht allein. Die vielen Menschen, die einen Tag oder mehrere Tage mitgepilgert sind, die mit uns in Rom gefeiert haben oder das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» nach ihren vielfältigen Möglichkeiten mitgetragen haben, sie alle träumen gemeinsam diesen Traum! Es ist der Beginn einer neuen Wirklichkeit.
Jeden Morgen, wenn ich erwache und mich an den nächtlichen Pilgertraum erinnere, erfüllt mich das mit grosser Freude. Es stärkt mich, meinen Tag-Traum einer geschwisterlichen Kirche weiter zu träumen.
2. Juli in Rom. In der Sakristei des Petersdoms. Die Bischöfe, Äbte, Priester, der Diakon und die Ministranten machen sich für die Eucharistiefeier bereit. Stolen für Diakone sind offenbar nicht im Überfluss da, aber Franz Kreissl weiss sich zu helfen. Er heftet die beiden Enden der Stola, damit sie quer über seine Albe fällt, kurzerhand mit einem Button „Kirche mit* den Frauen“ zusammen. Derweil zieht auch Pilger Franz Mali die Gewänder an. Zum Schluss nimmt er seinen grasgrünen Rucksack, den er von St.Gallen bis Rom getragen hat und probiert aus, wie er diesen zum Einzug am besten auf den Rücken bringen kann. Der Sakristan greift ein. Das geht nicht. Ein Rucksack passt nicht über ein Messgewand. Der Rucksack soll doch von Br. Beat, der in seiner Kapuzinerkutte dasteht und als Ministrant wirken wird, getragen werden. Nein, insistiert Franz, auf gar keinen Fall. Er ist mit diesem Rucksack nach Rom gelaufen, nicht Beat. Er wird mit diesem Rucksack samt angehängtem Schild „Chiesa con* le donne“ in den Petersdom einziehen und ihn wie seine Mitpilgerinnen vor dem Kathedraaltar abstellen. Dem Sakristan sei, so hörte man sagen, sei beinahe der Kinnladen runtergefallen.
Nun wird ein solches Foto gesucht: Wer hat Franz im weissen Messgewand samt grasgrünem Rucksack von hinten fotografiert?
Wir staunten – wir, die restlichen Sieben des Projektkernteams – als Priorin Irene Gassmann an einer unserer Sitzungen Ende 2015 sagte, dass sie sich entschieden habe, ein Stück mit uns zu pilgern. Die Strecke von Assisi bis Rom hatte sie sich vorgenommen. Sie, die noch nie pilgern war. Sie, die ihr Kloster noch nie für ein solches Abenteuer verlassen hatte. Sie, die stabilitas loci als Lebensstil gewählt hatte. Wir staunten nicht nur, nein, wir freuten uns. Sehr sogar.
Sofort begannen einige von den Sieben Pläne zu schmieden. Die Priorin musste als Pilgerin ausgerüstet werden. So bekam sie zu Weihnachten schon mal Socken aus Merinowolle. Im Frühjahr erhielt sie ein Geschenk in einer Transa-Tasche überreicht: eine Bluse und ein Shirt, beides Merinowolle. Jemand legte eine gebrauchte Regenjacke, einen Regenschutz und ein Glarnertüechli dazu. Wir rieten der Priorin, nicht im ordentlichen Schwesternsommerkleid zu pilgern, sondern Wanderhosen anzuschaffen. Sie nahm die Ratschläge dankbar entgegen und begann zu trainieren. Einmal tauchte sie mit Rucksack und in Wanderschuhen zur Sitzung in Zürich auf. Sie war zu uns gepilgert vom Kloster Fahr ins Centrum 66 am Hirschengraben.
Und dann stand sie einige Monate später im Pilgergewand und ohne Schleier vor uns in Assisi und wir fielen ihr um den Hals. Die Freude, dass sie nun die letzten Pilgerstrecken und den Abschlusstag in Rom mit uns sein würde, war riesig. Sofort stellten wir ein Bild auf Facebook, weil in Assisi zusätzlich zu ihr auch noch ein weiteres Mitglied des Projektkernteams zu Besuch weilte: Br. Damian Keller. Die Kommentare waren erheiternd: Welche ist denn die Priorin? Wären nicht die Namen dazu geschrieben gewesen, wäre sie nicht erkannt worden.
Sie genoss das Draussensein, die Blumenpracht, die Landschaften, die Stunde im Schweigen, die persönlichen Gespräche, die Gemütlichkeit abends, die rundum neuen Erfahrungen. Aber schon am ersten Tag begannen sich ihre Füsse in den Vordergrund zu schieben. Blasen entwickelten sich. Am rechten und am linken Fuss. An den Zehen. An den Fersen. Irgendwann sogar noch seitlich und unter den Fersen. Die Füsse der Priorin zwangen die Pilgerin zu Laufpausen. Dann vermisste sie die Gruppe, den Rhythmus des Pilgerns. Sie unternahm einen neuen Versuch in ihren Sandalen. Mal mit Socken, mal barfuss. Es half nichts. Die Blasen vermehrten sich. Sie litt. Sie blieb tapfer. Sie liess sich verarzten. Sie nahm jede Hilfe an. Aber die Blasen blieben und verheilten zu langsam. Die Füsse nahmen die ganze Aufmerksamkeit der Ordensfrau in Anspruch und sie hatte für gar nichts anderes Zeit, als sich um sich selber und die Füsse zu kümmern.
So kam die Priorin, wie sie uns sagte, trotzdem – trotz noch unverheilten Füssen –, gestärkt und erholt nach Hause. Sie träume noch immer jede Nacht vom Pilgern. Es seien nur gute Träume, fügt sie an.
Im Nachklang zu unserem Pilgern nach Rom taucht bei mir immer wieder ein einzelner Tag auf, den ich damals gerne als Blog festgehalten hätte, aber dazu keine Zeit fand. Später waren andere Themen vordringlicher. Es war der letzte Tag, an dem Claire ganz mitlaufen konnte. Ich versuche heute, über einen Monat später, diesen 21. Mai zurückzuholen und seine Ereignisse aufzuzeichnen. Wir nahmen an diesem Samstag die erste Etappe von Fidenza nach Fornovo di Taro im Apennin unter die Füsse. Es war der erste Pilgertag für unsere zwei Journalistinnen vom Zürcher Forum. Nadja und Pia waren am Vorabend in Fidenza angekommen und trafen in der Rezeption des Hotels Astoria fast gleichzeitig wie wir in dieser Unterkunft ein.
Der neue Tag, ein strahlender Sommertag, begann hektisch. Wir hatten im Hotel darum gebeten, früher frühstücken zu dürfen, weil wir eine Tour von beinahe 30 km vor uns wussten. Wir wollten um 7 Uhr loslaufen. Die Frau, die für unser Frühstück zuständig war, hatte schlechte Laune und versuchte nicht, dies zu verbergen. Sie brauchte gefühlte Ewigkeiten für einen Capuccino. Zusätzlich gestresst wurde die Arme von Claire und Mariette, die beschlossen hatten, für die schweren Rucksäcke an diesem Tag ein Taxi zu organisieren, so dass wir alle mit leichtem Tagesgepäck laufen konnten. Die Frühstücksfrau musste sich also auch noch um ein Taxi kümmern. Es musste geklärt werden, wo die Gepäcksstücke im Hotel zu lagern seien und welches das Ziel für den Taxifahrer war. Letzteres war ausgerechnet an diesem Tag nicht ganz einfach, weil Franz am Zielort mit der Pfarrei und einem Exerzitien Haus Kontakt aufgenommen hatte. Von beiden besass er nur vage oder gar keine Rückmeldung. Als dann plötzlich in der Pilgergruppe Uneinigkeit über den Zeitpunkt des Loslaufens auftauchte, war die gute Morgenstimmung endgültig am Kippen. Mit beinahe einer halben Stunde Verspätung machten wir uns schliesslich auf den Weg. Die Unsicherheit darüber, ob wir unser Gepäck je wiedersehen würden, begleitete einige noch eine ganze Weile.
Das Schöne beim Pilgern ist aber, dass durch das Laufen die Dinge, die gerade noch so viel Staub aufwirbeln konnten, recht schnell in den Hintergrund treten. An diesem Tag wurde unsere Aufmerksamkeit von der hügeligen Wiesenlandschaft in Anspruch genommen, nachdem wir tagelang flache Strecken durch die Poebene hinter uns wussten. Und da Regen die Angelegenheiten des Wetters immer aufmischte, fehlte auch an diesem Tag ein Stück mit klebrigem Schlamm nicht. Auch ein Umweg gehörte dazu und das Überqueren eines Baches. Bald bekamen wir einen ersten Eindruck, was das Laufen in den Hügeln Italiens bedeutet: eine heftige Anstrengung! Wir erklommen steile Hügel auf schnurgeraden Strassen und auf deren Kuppen ging es oft gleich steil wieder abwärts, vorausschauend und wissend, dass diese Hügel wellenartig angeordnet waren und genau unseren Weg kreuzten. Also hiess es immer wieder Aufstieg und Abstieg, Aufstieg und Abstieg. Am Ende eines solchen Abstiegs trafen wir einen Bauern, der zu erzählen wusste, dass kürzlich eine Pilgerin heruntergepurzelt sei. Weil ihr Rucksack so unglücklich auf ihren Kopf fiel, musste sie in ein Spital eingeliefert werden.
In Erinnerung sind mir von diesem Tag zwei weitere Begegnungen mit Einheimischen. Auf einer Hügelkuppe angelangt, sahen wir dem Ende unserer Wasservorräte entgegen. Wir fragten bei zwei Frauen, die auf einer Bank vor grossen Häusern sassen, ob Trinkwasser zur Verfügung stünde. Die eine führte uns hinters Haus und öffnete einen Wasserhahn. Danach wollten wir im Schatten dieses Hauses unseren Tagesimpuls halten und fragten die zweite Frau, ob wir einen Moment noch verweilen dürften für unser Gebet. Sie gab keine richtige Antwort, verschwand Richtung Haus, knallte die Türe zu und lugte später heimlich hinter einem Vorhang hervor. Als wir um unser Pilgertuch herum standen, ein Lied sangen und uns auf den Text des Evangeliums konzentrierten, hörte ich sie deutlich laut sagen: Ist das noch normal, was die da machen? Jetzt knallte sie auch das Fenster zu.
Am frühen Nachmittag waren unsere Wasserflaschen schon wieder leer. Nochmals baten wir bei einem Haus, wo ein laut bellender Hund anzeigte, dass es bewohnt war, zuerst einen Jungen und danach seinen Vater um Wasser. Jetzt waren wir bei herrlich hilfsbereiten und freundlichen Menschen gelandet. Wir kamen ins Gespräch, erklärten, wofür wir pilgerten und erhielten bald auch noch vom eigenen Käse und als Proviant eine grosse Wurst geschenkt. Fornovo di Taro sei nicht mehr weit, nur noch etwa 12 km, meinten die Leute. Das bedeutete für uns aber weitere vier Stunden Unterwegssein an diesem heissen Tag. Es war bereits 13.30 Uhr geworden. Das Gute war, dass es von nun an praktisch nur noch abwärts ging, denn unser Zielort lag in der Talsohle am Fluss.
Und noch einmal spielte uns der Regen der Vortage einen kleinen Streich. Bevor wir an den Flusspfad des Taro gelangten, mussten wir durch einen Tunnel unter einer Autobahn hindurch. Dieser Tunnel war überflutet. Das Wasser hatte nicht abfliessen können. Ich selber stapfte als erste in meinen Schuhen hindurch, sodass es für die anderen ein Leichtes war zu sehen, dass das Wasser längst tiefer war und meine Füsse im Nu durchnässt hatte. Also Schuhe ausziehen und waten. Die einen schätzten nach kleinem innerem Fluchen die Abkühlung. Wir genossen trotz den Strapazen dieses langen Pilgertages die Landschaft entlang des Flusses, bevor die letzten Herausforderungen dieses Tages auf uns warteten.
Wir fanden die Unterkunft in Fornovo problemlos und stapften hinter der zuständigen Frau aus der Pfarrei in die dorfeigene Pilgerherberge hoch. Oben, etwa im dritten Stock angelangt, sowieso schon todmüde, „löschte es fast allen total ab“, denn diese Unterkunft war nun einfach eine Katastrophe. Schummrige Zimmer, ein einziges schmutziges Bad für 11 Personen, nicht genügend Betten in engen Räumen, einfach nichts Gemütliches oder Erholsames. Als plötzlich auffiel, dass unser Gepäck gar nicht hier deponiert worden war, fiel der Stimmungspegel auf unter null. Esther, Franz und ich hielten kurz Rücksprache miteinander und beschlossen, dass Esther die müde und frustrierte Truppe mit einem Apéro bei Laune halten sollte, während Franz und ich versuchen würden, unser Gepäck in der zweiten Unterkunft – dem besagten Exerzitien Haus – ausfindig zu machen. Wir sprachen den ersten Mann mit einem Auto an und fragten ihn, ob er nicht Zeit hätte, uns zu diesem Haus zu fahren. Der nette Mann tat es und verliess unsertwegen die Geburtstagsfeier seines Sohnes für einen Moment. Das Exerzitien Haus befand sich nochmals einige Kilometer ausserhalb des Ortes. Als wir es gefunden hatten, begannen sich die Dinge langsam zum Guten zu wenden: Endlich sind Sie da, hiess es. Wir erwarten Sie. Die Zimmer sind bereit und der Tisch ist gedeckt. Um welche Zeit würden Sie gerne essen? Ihr Gepäck steht im Eingangsbereich. Wir atmeten auf. Jetzt mussten wir nur noch herausfinden, wie wir unsere Leute an diesen Ort transportieren konnten, denn an Laufen war an diesem Tag wirklich nicht mehr zu denken. Kein Problem, äusserte sich der pakistanische Diakon des Hauses. Ich hole Sie in drei Fahrten. Als auf die dritte Fahrt nur noch Franz, Esther und ich warteten, umarmten wir uns zu dritt. Was für ein Tag! Welche Emotionen! Welches Auf und Ab! Es ist geschafft.
An kaum einem Abend schmeckte die Pasta so ausgezeichnet. Vor allem aber ist mir in eindrücklicher Erinnerung, wie die Freundlichkeit von Menschen Balsam für die Seele ist. Der Diakon und seine Frau beherbergten uns so unglaublich fürsorglich, dass die Strapazen dieses Tages im Nu vergessen waren.
Mit dem Projekt „Für eine Kirche mit* den Frauen“ wollten wir ein Zeichen setzen. Das heisst, wir wollten etwas tun, um einem wichtigen Anliegen unserer Zeit eine öffentliche Wirkung zu geben: Wir nahmen 1200 Kilometer unter die Füsse, wir pilgerten von St.Gallen nach Rom, um Papst Franziskus das Anliegen zu überbringen, dass Männer in der Katholischen Kirche nicht mehr ohne Frauen über Rolle, Stellung und Aufgabe von Frauen und die Belange der Kirche überhaupt diskutieren und entscheiden, sondern nur noch mit Frauen.
Ganz zu Beginn des Projektes stellte sich das Kernteam die Frage, was es für die Pilgergruppe und das Unternehmen überhaupt bedeuten würde, wenn wir in Rom bei unserer Ankunft nicht empfangen, wenn das Projekt aus diesem Blickwinkel scheitern würde. Die Antwort, auf die wir uns einigten, hiess: Wir machen den Weg trotzdem. Wir gehen trotzdem. Wir machen uns mit dem Projekt unabhängig davon, was im Moment als „Resultat“ gesehen wird. Wir machen uns unabhängig von der Erwartung, in Rom sofort auf offene Türen zu stossen. Wir waren überzeugt, das Zeichen des Pilgerweges wirkt trotzdem.
Jetzt ist es so gekommen, wie viele vermutet hatten und wie wir durch zwei Briefe aus dem Vatikan zum Voraus unmissverständlich unterrichtet worden waren: Papst Franziskus konnte uns am 2. Juli nicht empfangen, weil dieser Tag bereits in seiner Ferienzeit lag. Wir hatten es im Kernteam abgelehnt, um eine Audienz an einem früheren Datum zu bitten, weil die nach Rom angereisten Gruppen sich auch auf den 2. Juli ausgerichtet hatten, viele gar erst am 1. Juli anreisen konnten. Wir wollten diese UnterstützerInnen nicht von einer etwaigen früheren Begegnung mit dem Papst ausschliessen.
Für mich bekommt unser Vorhaben unter dem Blickwinkel, dass wir ein Zeichen setzen wollten, seit der Rückkehr einen immer grösseren Stellenwert. Der Vergleich mit einem Kunstprojekt fällt mir ein. Das Ziel ist nicht in erster Linie ein sofort sichtbares Ergebnis, sondern eine Wirkung in der Tiefe.
Ich wünsche mir, dass unser Projekt, - welches nicht nur die PilgerInnen, Romreisenden, die AutorInnen unseres Blogs und andere Engagierte einschliesst, sondern genauso die vielen Gebete, die Initiativen zuhause, das Mitgehen aus der Ferne, die kritischen Stimmen, das Kopfschütteln – als unmissverständliches Zeichen unserer Zeit weiter wirkt. Ja, ich sehe es bereits einem Samenkorn gleich weiter gedeihen. Ich hoffe, dass dieses Samenkorn eines Tages, aber hoffentlich Schritt für Schritt, Frucht bringen wird.
Ihr lieben PilgerInnen mit grossem Interesse und Mitgefühl habe ich eure Vorbereitungs- und Pilgerzeit mitverfolgt. Aus dem Blog folgendes Zitat: „ich halte es in diesen Zeiten für ungerecht, wenn man starke und zum Guten begabte Geister zurückstösst, nur weil es sich um Frauen handelt.“ Teresa von Avila. Dies wurde vor fast 500 Jahren geschrieben!! Ein weiteres Zitat: „Innerlichkeit und Widerstand sind Zwillingsschwestern…“) Geburtswehen für etwas Neues, Lebendiges? Für einen langen, be-geist-erten Schnuuf!
Ihr Lieben, nun ist der grosse Tag vorbei und die Pilgerreise beendet! Bei Hören der Sendung von Fr. Ueltschi im SRF2 war mir, als wäre ich wieder mit dabei. Diese pilgernde Kirche,Hildegard und Franz, ihr habt es so gut dargestellt, was dies bedeuten könnte. Das ist, was Ihr auch mir vermittelt habt während "meiner" Pilgerwoche mit euch. Was mich weiter trägt und was ich auch als das Wesentlichste betone bei meinem Erzählen über die Pilgererfahrungen mit euch. Es ist einfach grossartig, was Ihr alle zusammen geleistet und vorgelebt habt.
Natürlich ist es im Nachhinein schade, dass Ihr nicht gleich nach eurer Ankunft zum Papst geeilt seid, als er noch in Rom weilte. Doch er wird die Botschaft wohl früher oder später zu lesen bekommen und auch mehr über den ganzen Weg, den Ihr auf euch genommen habt, erfahren.
Liebe Frauen und Männer, liebe alle Mit sehr grossem Interesse und tiefer Verbundenheit zum grossen Anliegen ‚kirche-mit*‘ verfolge ich seit Anfang täglich eure Nachrichten. Erstmals habe ich vor zwei Jahren vom Projekt gehört, als wir in Assisi dem Ehepaar Hächler begegneten. Sie waren am Rekognoszieren der Etappen um Assisi - und ich habe Feuer gefangen für das Projekt, die Idee, das Anliegen.
Ich danke euch herzlich für die sehr anregende Berichterstattung - sie liess mich im Herzen mitwandern und mitfreuen und mittragen und mitleiden und vor allem hoffen und glauben. Heute ist nun der Tag, und ich hoffe so, dass er Spuren für die Frauen in der Kirche hinterlässt, ja, ich glaube daran, er wird es.
Wie kann ich mittun, um das Feuer und den Schwung von dieser starken Pilgerreise weiter in den Alltag mitzunehmen? Gibt es konkret eine Gruppe in Luzern, wo ich mitarbeiten, mittragen kann?
Liebe PilgerInnen Ich hoffe, Sie sind alle wohlbehalten an Ihren Heimatorten zurückgekommen. Wie es Ihnen wohl nach zwei Monaten Pilgern im Alltag geht? Mit einem kleine Gruss aus Hildesheim möchte ich sagen: DANKE für die Initiatvie DANKE für das Gehen und Beten SEGEN möge Ihnen zuteilwerden FRAUEN im Bistum Hildesheim haben Ihren Weg betend begleitet. Ich bin fest davon überzeugt, das Projekt wirkt und wird weiter wirken.
Liebe PilgerInnen Mein Herz ist voller Dankbarkeit über das Erlebte in Italien mit euch. Alles war gut organisiert und hat geklappt. Die Aufnahme in die Gruppe am Samstagabend in Perugia, draussen vor dem Restaurant, hat mich tief berührt. Das Pilgern hat mir zugesagt: das Unbeschwerte, der Spass, die Spiritualität, das Schweigen. Meine Erfahrung - das Projekt belebt unsere Kirche neu, es ist ein Schritt, der Gewicht hat! Ganz herzlichen Dank.
Mes chers compagnons de route, de chemin, de forêt, de pierrier, de rivière, de boue, de pluie, de soleil, de Hügel,…
L’abbé Pierre (fondateur d’Emmaüs) disait qu’il faut toujours garder les deux yeux ouverts, un œil ouvert sur les injustices dans le monde pour les combattre et un œil ouvert sur la beauté du monde pour rendre grâce.
C’est ce que nous avons fait durant ces deux mois: un œil ouvert et des pieds pour combattre une inégalité femmes/hommes dans l’Eglise et un autre œil pour admirer tous les merveilleux paysages que nous avons eu la joie de parcourir sur plus de 1200 km mais aussi sur toutes les personnes qui nous ont soutenus en pensée, en prière, en intentions en nous accompagnant de loin ou de près. Et chaque jour, nous avons rendu grâce en chantant notre reconnaissance.
Cette reconnaissance, c’est aussi la mienne depuis mon retour! reconnaissance de vous avoir connus, de ce chemin parcouru ensemble! vous avez enrichi ma vie, merci!
La vie a repris son cours et même en retraite, chaque jour n’a que 24 heures! j’ai vraiment eu une grande pensée pour tous ceux qui ont repris le travail dès leur retour. J’espère que vous avez fait le pas avec légèreté.
Et quelques nouvelles de mon bras! il va bien, toujours plâtré avec seulement une petite nouveauté: au lieu des deux os cassés du bras, il a un 3ème os cassé dans le poignet (Handgelenk). J’apprends la patience! et mon gourou me manque…comme vous tous!
Je vous souhaite le meilleur, bon repos et bonnes vacances, un temps de joie et l’envie de vous revoir…pas trop tard!
Hier die Aussagen von verschiedenen Leuten, die in Rom am grossen Schlusstag dabei waren:
Taten, nicht nur Worte Ich achte das Pilgern für eine Kirche mit den Frauen als Bekräftigung eines ehrlichen Bestrebens. Nicht nur mit dem Wort, sondern auch mit den Füssen stehen sie zu ihrer Überzeugung. Wer mit soviel Kraft und Durchhaltewillen für ein Anliegen einsteht, verdient grossen Respekt. So vertreten die Pilgerinnen für mich glaubwürdig eine Selbstverständlichkeit, nämlich dass künftig Frauen und Männer gemeinsam zusammenwirken, mitgestalten und mitentscheiden. Aus diesem Grunde habe ich den langen Reisverschluss als Zeichen des Miteinanders in den Petersdom mitgetragen. Unsere Kirche, die ich liebe, kann nur gewinnen, wenn Frauen ihre Gaben und Charismen besser als bisher einbringen können.
Fridolin Eisenring, pens. Kanzler des Bistums St.Gallen, Lichtensteig
Das Glas ist halbvoll
Zusammen mit vielen Verbündeten aus dem Deutschsprachigen Kulturraum für eine geschwisterliche Kirche zu gehen, hat mich begeistert und bestärkt. Das Glas ist halbvoll! Auch ohne die erhoffte Anwesenheit von Papst Franziskus ist es uns gelungen, einen Meilenstein in der Erneuerung unserer Kirche zu setzen. Liebe Frauen und Männer, die sich für eine geschwisterliche Kirche einsetzen, wir lassen uns die Freude am Glauben nicht nehmen!
Simone Curau-Aepli, Präsidentin des Schweizerischen Katholischen Frauenbundes (mit Sitz in Luzern), Weinfelden
Ein heisses Pflaster Ich bin berührt von einem «dreifachen UND» im Herzen von Rom: Rom ist am 2. Juli wortwörtlich ein heisses Pflaster mit stechender Sonne und brennendem Thema. Frauen und Männer, darunter Bischöfe, Äbte und Ordensleute, tragen singend und in Stille das Anliegen «Kirche mit* den Frauen» in den Petersdom. Mitten drin pilgere ich mit meiner Traurigkeit über das Aussenvorstehen von uns Frauen und mit meiner Zuversicht, jetzt und zukünftig in einer lebendigen und geschwisterlichen Kirche mitzugestalten.
Die Kraft der Gemeinschaft Ich bin aufgewühlt und berührt von dieser Reise nach Rom und dem Schlusstag. Kirche* mit den Frauen zeigt mir noch deutlicher auf, wie wichtig es ist bewusst im Leben zu stehen und wahrzunehmen. Durch das tägliche Lesen des Blogs bin ich bereits in Gedanken mit der Pilgergruppe mitgegangen. Vorwärts zu gehen und zu vertrauen, immer wieder den Dialog zu suchen und selbstbewusst hinzustehen bringt uns alle weiter. Die Kraft der Gemeinschaft und der achtsame Umgang miteinander, hat mich besonders am 2. Juli tief beeindruckt und aufgewühlt. Es bestärkt mich darin den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.
Regula Senn, Präsidentin des Katholischen Frauenbundes St. Gallen-Appenzell, Degersheim
Es ist Zeit! Ich sage es kurz und bündig: Es wäre schon lange an der Zeit, den Frauen in der Kirche mehr Unterstützung und Verantwortung zu geben! Um das zu unterstreichen bin ich gerne nach Rom gereist, es war ein gewaltiges Erlebnis. Was ich hier erlebt habe, ist hoffentlich ein weiterer kleiner Schritt in diese Richtung.
Rosmarie Manser, ehemalige Kirchenverwaltungsrätin, Rentnerin, Wilen bei Will
Ein Zeichen setzen Ich bin nach Rom gekommen um solidarisch mit den vielen Frauen und Männern auch ein Zeichen zusetzen. Der Schweigemarsch zum Petersplatz hat mich sehr bewegt. Am Ziel mit Hunderten von Gleichgesinnten. Mit Vertauen Schritt für Schritt für eine Kirche mit den Frauen. Es wird sich lohnen. Ich hoffe für unsere Kirche, vor allem für unsere jüngeren Frauen.
Einen Prozess in Gang gesetzt Ich bin für diesen Pilgertag bequem per Flugzeug angereist. Cäcilia, die den ganzen Weg von St. Gallen nach Rom zu Fuss gegangen ist, sagte zu mir: „für Frauen wie dich, habe ich den Weg gemacht“. Ich bin unendlich dankbar für dieses Projekt und für die Menschen, die so viel Herzblut investiert haben! Es hat unzählige Menschen äusserlich und vor allem innerlich bewegt und einen unaufhaltsamen Prozess in Gang gesetzt. Schlussendlich werden alle profitieren vom Reichtum der Begabungen, die die Frauen bereit sind auf allen Ebenen der Kirche einzubringen. Wie sträflich wäre es, noch länger darauf zu verzichten.
Das Ziel erreicht! Wir haben unser Ziel erreicht! Mit dem Pilgerprojekt „Für eine Kirche mit* den Frauen“ wollten wir für die Menschen hier und für die Katholische Kirche insgesamt ein Zeichen setzen. Dafür sind wir 1200 Kilometer zu Fuss von St.Gallen nach Rom gelaufen. Wir bringen damit zum Ausdruck, dass uns diese Kirche am Herzen liegt, dass wir uns für diese Kirche Zukunft wünschen und dass wir überzeugt sind, dass diese Zukunft im Miteinander von Männern und Frauen liegt. Das Zeichen wirkt. Es bewegt viele Menschen. Ich hoffe, dass sie aus der Resignation aufstehen, hier und jetzt neu beginnen, ihren Glauben mit uns zu suchen und zu leben!
Hildegard Aepli, Initiantin des Projektes, Pastoralamt Bistum St.Gallen
Hier im Petersdom des Vatikans am Kathedra-Altar das Ziel einer eindrücklichen Wallfahrt zu feiern, ist ein grosses Geschenk und erfüllt uns mit tiefer Freude. Wir feiern Eucharistie in Dankbarkeit für alle, die diese Wallfahrt zum Thema „Kirche mit*den Frauen“ begleitet haben – durch ihr Gebet in den Pfarreien, durch gute Gedanken und Wünsche, durch das Mitpilgern einer Wegstrecke oder durch die Wallfahrt nach Rom zum Heiligen Jahr der Barmherzigkeit und das Mitgehen des heutigen Pilgertages. Besonderen Dank und Anerkennung gilt der Pilger-Kerngruppe und dem erweiterten Team, die die Idee – und wie mir zunächst schien eine etwas „verrückte“ Idee – mutig aufgenommen haben und wie die Hl. Wiborada von St. Gallen bis Rom den Weg unter die Füsse nahmen. Grosse Anerkennung für Euren Mut, Eure Geduld, sogar Bischöfe von Eurem Projekt zu überzeugen, und vor allem das zweimonatige Durchhaltevermögen. Der Weg über Berg und Tal, durch Nässe und Hitze, die vielen unerwarteten Überraschungen und Herausforderungen sind weit mehr als eine grosse physische Leistung – der Weg ist geistige und geistliche Erfahrung, die nur ihr persönlich ausloten könnt. Dieses Durchstehen ist aber auch beredtes Zeugnis für die Liebe zu einer Kirche, in der Frauen und Männer miteinander auf dem Weg sind. Synodale Kirche, wie das zweite vatikanische Konzil als „Volk Gottes unterwegs“ sie zeichnete, bedarf des Engagements aller Getauften.
Liebe Pilgerinnen, ihr seid bereit, Kirche in unserer Zeit durch Euer Engagement mitzutragen und mitzugestalten. Dabei vergesst ihr nicht, dass wir über die Ortskirche hinaus Universalkirche sind. Papst Franziskus öffnet uns den Blick weltweiter Verantwortung in eindrücklicher Weise. Durch sein Wirken bezeugt er aber auch, dass er eine synodale Kirche will, in der alle Dienste und Charismen zusammenwirken und miteinander nach den „Zeichen der Zeit“ fragen. Beredtes Zeugnis dafür ist die Art und Weise, wie er die Familiensynode einberief und die Realität aller Bistümer und Kulturen ins Gespräch brachte. Dass während den Verhandlungen das 50-Jahr-Jubiläum der Einführung der Bischofssynoden gefeiert wurde, darf programmatisch angesehen werden, wie der Heilige Vater die Kirche sieht. Aufbrechen – beschwingt unterwegs Sein – müde werden – Enttäuschungen erleben – einander auf die Nerven gehen – Freude teilen – aufeinander angewiesen sein – und immer allem zum Trotz nicht aufgeben – sind nicht nur Erfahrungen, die Pilgerinnen und Pilger auf dem Weg von der Schweiz nach Rom teilen; es sind auch Erfahrungen auf dem gemeinsamen Pilgerweg der Kirche.
Schon der Weg des Volkes Gottes im Alten Bund durch die Wüste – in die Verheissene Freiheit – war eine permanente Prüfung und auch Provokation… Wer das Vertrauen in die Bundestreue Gottes nicht verlor und auf sie baute, konnte in der konkreten Geschichte erfahren wie die Worte des Propheten Zefanja tragen und immer neu ermutigen: „Fürchte dich nicht, lass die Hände nicht sinken! Der Herr, dein Gott, ist in deiner Mitte!“. Hören wir sie auch als Weisung für unseren Weg! – Ein grosses Vorbild für dieses Vertrauen ist uns Maria, deren Fest wir heute feiern.
Sie hat aus dieser Zusage gelebt und die herausfordernde Botschaft des Engels mit einem gläubigen Fiat angenommen. Darum kehren viele Worte des kurzen Zefanjastextes in der Verkündigung an Maria wieder: „Freue dich (Ave)! Fürchte dich nicht! Der Herr ist mit dir.“ Mit dem Sohn Marias, der Tochter Zions, kommt der wahre Retter der Welt.
Aber eines hat Maria verstanden: Wenn auch die betagte Elisabeth schwanger ist, braucht sie meine Hilfe…
Liebe Mitchristen
Ist es nicht ein besonderes Zeichen, dass wir die Ankunft in Rom am Fest Mariä Heimsuchung feiern? Darin liegt Weisung und Kraft.
„Kirche mit*den Frauen“ darf für sich in Anspruch nehmen, dass biblisch die Mensch-werdung Gottes zunächst eine Geschichte „mit den Frauen“ war. Die Verheissung an Maria, die Information des Engels, dass auch Elisabeth ein Kind erwartet, der spontane Aufbruch Marias, um Elisabeth zu helfen – alles ist Beziehung des Geheimnisses Gottes mit den Menschen – und zwar mit ganz konkreten Menschen. Die junge Frau Maria erwartet ein Kind, mit einer unerhörten Verheissung, die sie gar nicht fassen und begreifen kann. Und was tut sie? Was ein guter Mensch tut. Sie bricht auf, um der betagten Elisabeth zu helfen, die von Gott auch beschenkt wurde, aber rein menschlich jetzt ihre Hilfe brauchte. Und wie reagiert Maria auf das Unbegreifliche, das sich in der Begegnung ereignete? Die beiden Frauen diskutieren nicht, sie eröffnen nicht einen gelehrten Disput, sie beraten sich nicht mit Schriftgelehrten – nein. In der unerschütterlichen Freude darüber, dass Gott ist und dass er in der Geschichte der Menschen gegenwärtig ist, singen und tanzen sie. Maria stimmt das Magnifikat an. „Meine Seele preist die Grösse des Herrn – Magnificat anima mea Dominum.“ Im frohen und staunenden Erzählen der Taten Gottes in der Geschichte erschliesst sich für die beiden Frauen immer tiefer das Geheimnis der Begegnung, das durch Elisabeth und Maria sich offenbart: Im Kind Jesus kommt Gott als Mensch in diese Welt, um uns zu erlösen und den Weg zu Gott neu zu erschliessen, der für uns wie ein guter Vater und eine liebende Mutter ist. Geheimnis des Glaubens.
Schwestern und Brüder
Wenn die Gottesmutter Maria „Urbild der Kirche“ genannt wird, wenn wir in der Freude über die Gegenwart Christi in der communio der Getauften betend und singend unterwegs sind, weist uns dies in zwei Richtungen:
1. Wir dürfen auf dem Weg immer wieder erfahren, dass „die Freude an Gott unsere Kraft ist“, wie es im Psalmvers heisst.
2. Die Kirche ist ein ganzer Organismus erst aus allen Teilen – nur so ist sie lebendig und entfaltet eine glaubwürdige Wirkkraft für ihre Sendung in die Welt. Paulus spricht davon, dass es in dieser Einheit nicht mehr Sklaven und Freie, Juden und Heiden, Mann und Frau gibt, sondern Brüder und Schwestern, die dem EINEN dienen, Christus.
Wenn eine Gruppe durch die geschichtliche und kulturbedingte Entwicklung zu kurz kommt, darf sie erwarten, dass sie Gehör findet, wenn sie ihre Anliegen vorbringt. Das Projekt „Kirche mit*den Frauen“ trägt deshalb ihre Erwartungen nach Rom mit der innigen Bitte, dass auf allen Hierarchiestufen die Frauen mehr Gehör finden, dass nicht nur von Männern über die Frauen geredet und entschieden wird, sondern mit den Frauen. Papst Franziskus selbst hat dieses Anliegen schon mehrmals auf eindrückliche Weise angesprochen und will durch die eingeleitete Kurienreform auch Zeichen setzen. Erst kürzlich sagte er im Zusammenhang mit der Erneuerung des Laienrates, wie die Presse berichtet:
Nach der Bilanz – der Blick nach vorn. Viel sei noch zu tun, um die „neuen Herausforderungen der Realität anzunehmen“. Genau hier setze seine Kurienreform an, für die er um Unterstützung bitte. Das neue Dikasterium, das aus Laien- und Familienrat sowie der Päpstlichen Akademie für das Leben gebildet wird, solle sich speziell seine beiden Schreiben „Evangelii gaudium“ und „Amoris laetitia“ zur Richtschnur nehmen.
Es ist zu erwarten, dass in diesen Gesprächen mehr Frauen mitdenken und mitreden als bei der Synode selbst. Das Engagement der öffentlichen Aktion „Kirche mit*den Frauen“, das während den letzten Wochen viele Tausende Menschen bewegt hat, möge den Kirchenleitenden auf der Ebene der Universalkirche wie in den Ortskirchen ein Zeichen der Bereitschaft sein, auch in den sehr säkularisierten Gesellschaften Kirche glaubwürdig zu gestalten und sich zu engagieren. In diesem Geist beten wir in dieser Eucharistiefeier für den Heiligen Vater und seine Kurienmitarbeitenden, wir teilen miteinander die „Freude an Gott“ und tragen unsere Anliegen und Bitten freimütig vor.
Unser Projekt entstand vor bald drei Jahren mit einem Blitzgedanken: Wäre nicht jetzt, mit diesem Papst der Zeitpunkt, «Für eine Kirche mit* den Frauen» nach Rom zu pilgern? Der Gedanke war mir unangenehm. Ich wollte nicht noch einmal die Strapazen des Pilgerns auf mich nehmen. Ich wollte das schwierige Thema der Frauen in der Kirche lieber ruhen lassen. Dann entschied ich mich, dem Gedanken immerhin eine Chance zu geben. Im Wissen darum, dass unsere Gedanken drei Quellen haben können – sie können direkt von Gott kommen, es können eigene Gedanken sein oder auch Gedanken der Versuchung, der Ablenkung vom Wesentlichen – in diesem Wissen wollte ich den Blitzgedanken prüfen. Es zeigte sich sofort, dass diese Projektidee fast uneingeschränkt offene Türen fand bei den Mitpilgernden, in den Bistümern St.Gallen und Basel, im Kernteam und bei den sehr sehr vielen, die sich engagierten und es bis heute tun: mit eigenen Initiativen über die Schweiz hinaus, betend, im Mitpilgern, durch finanzielle Unterstützung. Das Projekt hat Hand und Fuss bekommen. Es ist ein Graswurzelprojekt, sagte jemand, eines, das die Menschen an der Basis und in Verantwortungspositionen erreicht, das ihre tiefe Sehnsucht, selbstverständlich gläubig und katholisch sein zu dürfen, anspricht. Eines, das die Glut unter der Asche entfacht.
Wir Rompilgerinnen und -pilger waren während zwei Monaten eine pilgernde Kirche. Wir lebten einfach, wir nahmen enorme Strapazen auf uns, wir litten an Verschiedenem, erlebten Hunger, Durst, den Trost eines Bettes oder eines guten Wortes, die Schönheit und die Herausforderung der Natur und des Wetters. Wir waren als Gruppe nie abgeschlossen. Immer wieder stiessen neue Mitpilgernde zu uns, während wir andere gerade verabschiedeten. Wir lebten unseren Glauben. Wir beteten, sangen, erzählten von unserem Leben und spürten, wie gross die Sehnsucht ist, den Glauben erleben und teilen zu dürfen.
Für mich ist durch die Zeit der Vorbereitung und des Pilgerns klar geworden: Der Blitzgedanke von damals ist kein Hirngespinst. Es ist ein Gedanke Gottes. Gott sieht und spricht durch uns, dass die Zeit in unseren Ländern reif ist, das Charisma, die Kraft und jegliche Gaben von Frauen für die Kirche zu nutzen. Diesem Gedanken Gottes sind wir und seid ihr gefolgt. Durch unser Hiersein drücken wir aus, dass wir bereit sind, ein neues Miteinander zu wagen. Wir sind bereit, uns auf Augenhöhe, gleichberechtigt, geschwisterlich und dialogisch für die Menschen von heute in der Kirche einzubringen und zur Verfügung zu stellen.
Statement Esther bei Katharina von Siena
Wir stehen hier am Grab der Heiligen Katharina von Siena, einer Frau, die sich beharrlich für eine gute Zukunft der Kirche eingesetzt hat. Sie hat nicht aufgehört Briefe zu schreiben und auf die Anliegen ihrer Zeit aufmerksam zu machen.
Wir schliessen uns ihrem Engagement und dem mutiger Menschen an, mit Kraft, Freude und einem starken Glauben. Dieser Sack voller Anliegen, den wir seit Beginn der Wallfahrt am 2. Mai mittragen und dem immer wieder neue Bitten hinzugefügt wurden, steht symbolisch für das Mitgehen von so vielen; Einzelpersonen, Gemeinschaften, für die unterschiedlichen Initiativen in Bistümern, Klöstern, Dekanaten und Pfarreien. Er beinhaltet die Sehnsucht der Grossmutter, die sich um ihre Kinder und Kindeskinder sorgt, des gläubigen Mannes, der sich wünscht, dass die Zeichen der Kirche wieder sprechen, des ungewollt Einsamen, der Jugendlichen, die sich nach Liebe und Aufgehoben sein sehnt, jene des arbeitslosen Vaters, der reformierten Pfarrerin, die mit ihren Schwestern leidet, die Sehnsucht von unzähligen Frauen und Männern. Wir legen ihn nieder für eine Zukunft der Kirche, in der Frauen und Männer sich entfalten können und gemeinsam am Reich Gottes bauen, damit wir selbstverständlich den Glauben teilen, beten und die Welt verändern.
Statement Franz im Petersdom zu den Fürbitten
Seit dem 2. Mai tragen wir einen Sack mit Anliegen mit, geschrieben auf kleinen oder grösseren Zettelchen, und zunächst eingesammelt beim Eröffnungsgottesdienst in St. Gallen. Unterwegs haben uns Leute weitere zugesteckt.
Diese Bitten und Fürbitten so vieler Menschen haben wir bis hierher nach Rom gebracht. Jeden Tag hat diesen Sack mit den Bitten und Fürbitten jemand anderer im Rucksack mitgetragen und besonders für jene Menschen gebetet und ihrer Bitten gedacht, die sie / er jetzt auf dem Rücken trug.
Heute legen wir diesen Sack mit den Bitten auf den Läufer vor dem Altar hier in der Apostelkirche des hl. Petrus nieder. Mit ihm legen wir in Stille auch alle Anliegen von uns vor Gott hin, die heute hier sind – die Bitten, die jetzt im Raum sind.
Meine persönliche Bitte an diesem Tag ist: Dass Männer in unserer Kirche nicht nur die Arbeit mit den Frauen teilen, sondern auch die Verantwortung und dass uns der Hl. Geist in allem Tun und Denken leite.
Nun steht dieser Pilgerweg kurz vor seiner Vollendung. In ein paar Stunden werden wir den Tiber überqueren um den Ort zu erreichen, der seit vielen Jahrhunderten das Ziel der Rompilgerinnen und –pilger ist. Sankt Peter, mit dem Grab des Apostels, der Jesus so besonders impulsiv gefolgt ist, mit Haupt und Haaren. Den Ort, wo der Nachfolger dieses Petrus die Geschicke der Kirche lenkt.
Die Heilige Katharina von Siena begleitet Ihre Pilgerreise von St. Gallen nach Rom in besonderer Weise:
- Die letzten sieben Blogs auf der Homepage von Kirche mit* vor Ihrem Abmarsch gehörten Katharina von Siena.
- An Katharinas Geburts- und Lebensort Siena gönnten Sie sich Anfang Juni einen Ruhetag. Nebenbei bemerkt: Auch die Stadt Siena hatte darauf bestanden, eine Reliquie ihrer berühmten Tochter zu erhalten. So wurde bereits fünf Jahre nach Katharinas Tod in einer Prozession ihr Haupt aus Rom in die Basilica di San Domenico in Siena gebracht.
- Heute nun, in ihrer Grabeskirche, mache ich mir mit Ihnen Gedanken über den Rat der Katharina für die Kirche. Was hat Katharina von Siena der Kirche heute zu sagen?
A. Katharinas innere Haltung
Um Katharinas Haltung besser zu verstehen, fasse ich drei wichtige Stationen aus Katharinas Leben zusammen und deute sie. Erstens ist Katharina geprägt von einer Christusvision: Christus lächelt sie an; der lächelnde Christus liebt sie. Die Erfahrung, dass der lächelnde Christus sie liebt, ist prägend. Leben wir auch aus dieser Erfahrung? Zweitens: Katharina ist in ihrer eigenen Liebe, in ihrem Glauben und in ihrer Urteilskraft innerlich gefestigt durch eine lange, intensive Phase der Zurückgezogenheit. So hat sie gelernt, ihre «innere Zelle» immer und überall bewohnen zu können. Haben auch wir unsere «innere Zelle» gefunden, die uns stark macht im Glauben, in der Liebe, im Urteilen? Drittens: Katharina folgt einem Sendungsauftrag. Er führt sie zu Kranken und Gefangenen, zu Politikern und Päpsten hinaus, einmal bittend, einmal ermahnend, einmal motivierend, einmal drängend, immer aber um das Heil der Menschen willen. Kennen wir unsere je eigene Sendung? Und nehmen wir sie angemessen wahr, und zwar um das Heil der Menschen willen?
In der Kanonisationsbulle schreibt Papst Pius II. 1461: «Niemand kam zu ihr, der nicht weiser und besser fortging. Ihre Gelehrsamkeit war (von Gott) eingegeben, nicht (durch Studium) erworben. Wie war mehr Lehrerin als Schülerin, so dass sie auch Professoren und Bischöfen von hohem Ansehen auf die schwierigsten Fragen hinsichtlich der göttlichen Dinge mit grosser Weisheit Antwort gab.»
B. Was würde diese Katharina also der Kirche heute raten?
1. Katharinas Rat ist von der Art her sicher von praktischer Natur. In ihren Briefen stehen immer praktisch-politische Aspekte im Vordergrund. Es sind also keine Abhandlungen über theologische Fragen. Einst von zwei berühmten Theologen der Zeit auf ihr theologisches Wissen getestet, verblüfft sie diese wegen ihres glänzenden Wissens und tadelt sie, sie sollten ablassen von ihrer aufgeblähten Wissenschaft, denn diese bringe ihnen selbst das Verderben und den anderen Menschen wenig Nutzen. In Katharinas Sinn ist es also wichtig, dass Sie Ihren Adressaten ganz praktische Vorschläge machen. Praktisch heisst dabei nicht nur konkret, sondern auch praktikabel.
2. Dann wäre ihr Rat wohl auch wie oben gesehen, sehr direkt. Es wäre wohl eine aktive Einmischung, auch ohne dass sie gefragt würde. Deshalb wird ihr Beichtvater relativ früh schon angefeindet, weil er nicht dafür sorgen kann, dass sie endlich die Klappe hält. Doch Katharina bleibt dabei; selbstbewusst, wortgewaltig und mit unbeschreiblichem Charisma erinnert sie an moralische Verpflichtungen Gott und der Welt gegenüber. Warten Sie also nicht, bis Sie gefragt werden. Seien Sie unkonventionell und – wie dieser Pilgerzug – voll von echt frommer Phantasie. Papst Johannes Paul II. schreibt 1980 in «Amantissima Providentia» von einem «Glauben, der das Wort glühend macht beim Aufzeigen von Fehlhaltungen, der es aber süss macht bis zur Zärtlichkeit beim Ermahnen von Lauen und beim Bestärken von Schwachen. Hier ist nichts Dürftiges oder Konventionelles, sondern echte Kraft, auch in der Frömmigkeit.»
3. Katharina ist furchtlos und fordert dasselbe ohne Wenn und Aber auch von den Amtsträgern.Papst Urban VI. war darob sehr beschämt und schreibt: «Seht Mitbrüder, wie tadelnswert wir in den Augen des Herrn sind, da wir so furchtsam sind. Diese kleine Frau hier beschämt uns! (…) Wo wir uns fürchten, steht sie furchtlos und ermutigt uns mit Überzeugungskraft. Wir sollten uns schämen!» Seien Sie also gottesfürchtig und gerade deshalb furchtlos. Kirche mit* ist Kirche ohne Angst.
4. Sogenannt progressiv wäre Katharina nicht. Sie hat sich immer innerhalb der kirchlichen Lehre bewegt, mit einer kaum zu überbietenden, heute vielleicht nicht überall leicht nachvollziehbaren Loyalität gegenüber dem Papst, den sie ihrem «süssen Christus auf Erden» nennt. Sie würde alles tun, was die Kirche sagt. «Und selbst wenn der Papst ein fleischgewordener Teufel wäre, statt eines gütigen Vaters, so müssten wir ihm dennoch gehorchen, nicht seiner Person wegen, sondern Gottes wegen. Denn Christus will, dass wir seinem Stellvertreter gehorchen.» (Brief 207) Seien Sie sich bewusst, dass echte und nachhaltige Veränderung von innen kommt.
5. Katharinas Reden wären keinesüffisanten, besserwisserische Reden gegenüber jenen, die sie im Unrecht sieht. Sind die Amtsträger lasterhaft, so «sollen sie euch missfallen, und ihr sollt ihre Fehler verabscheuen, euch aber bemühen, in Liebe und heiligem Gebet sie neu zu kleiden» (Dialogus, Kap. 120). Aber intensiv – leidenschaftlich – echt und glaubwürdig und damit bestimmt auch anstrengend wäre Katharina. Sie haben für diese Pilgerfahrt viele Anstrengen auf sich genommen. Es macht also nichts, wenn es auch für die Verantwortlichen der Kirche anstrengend wird. Rilke nennt Katharina «das Gewissen ihrer Zeit». Das darf Kirche mit* heute sein.
6. Befragt zum Grund unseres heutigen Pilgertags in Rom, zur Kirche mit den Frauen, wäre sie eine Art «Antiprogramm». Katharina würde nicht sagen: «Kirche mit den Frauen». Dieses Thema hat sie nicht im Blick. Frau oder Mann ist für sie, spätestes nach ihrem Sendungsauftrag, kaum mehr ein Thema. Sie würde sagen: «Die Kirche ist Christus, ich bin Christus, und jetzt wird gesagt, was nicht richtig läuft.». Und dann könnte Katharinas Antiprogramm inhaltlich wieder ganz ähnlich sein wie das Anliegen, das Sie, liebe Pilgerinnen und Pilger nach Rom tragen. Katharina würde von stinkenden Gewächsen reden und davon, dass der Papst, die Kardinäle und die Bischöfe eine Verpflichtung haben, den Garten der Kirche blühend zu machen; sie würde sich dem Streitgespräch stellen wollen, würde wieder und wieder hartnäckig einstehen, sie würde sich weigern, die Kirche deswegen zu verlassen, sie würde beten, weitermachen…
C. Schluss
Sie alle, die Sie zwei Monate durchgehalten haben, mit Blasen und Schmerzen, Regen und Hitze, tragen das Anliegen, dass zum Garten der Kirche ebenso Männer wie auch Frauen hundertprozentig dazugehören, nun nach Rom. Sie sind mitgetragen von Gedanken und Gebeten vieler Sympathisantinnen und Sympathisanten. Was daraus wird, ist noch nicht abzuschätzen.
Ganz sicher aber erschöpft sich das Anliegen einer Kirche mit* den Frauen noch lange nicht. So gebe ich Ihnen und uns allen zum Schluss eine Ermahnung von Katharina mit auf den Weg: «Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten». Ich werde mich auch bemühen durchzuhalten.
Liebe Pilgerinnen und Pilger "Für eine Kirche mit* den Frauen"!
Ihr seid zu Fuss, mit dem Fahrrad, im Car, dem Zug, im Flugzeug oder mit dem Auto nach Rom gekommen. Ihr alle habt einen grossen Weg auf euch genommen, um für die Zukunft unserer Kirche ein Zeichen zu setzen, um zum Ausdruck zu bringen, dass in unseren Bistümern und Ländern die Zeit reif ist, die Frauen gleichberechtigt in das Nachdenken, Entscheiden und Gestalten der Katholischen Kirche einzubeziehen. Im Namen des Projektkernteams begrüsse ich euch alle ganz herzlich zu diesem gemeinsamen Tag in Rom. Das Pilgern von beharrlichen Frauen und einem Mann von St.Gallen bis Rom hat viele Menschen erreicht, weit über unsere Gemeinschaft hier hinaus. All jene, die uns heute in Gedanken oder auch über Radio Maria verbunden sind, grüssen wir ganz herzlich.
Esther Rüthemann: Berührt, bewegt
Wir sind berührt und bewegt, den Tränen nahe und voller Freude, dass so viele sich aufmachten, präsent sind und einstehen für ein gemeinsames Anliegen, für eine lebendige Kirche, zu der die Menschen gerne dazugehören und sich zuhause fühlen, in der sie sich einlassen, aufeinander zugehen und gemeinsam weitergehen. Wir sind erfüllt voll Dankbarkeit. Schön, dass ihr da seid.
Franz Mali: "Für eine Kirche mit* den Frauen"
Wir sind am Ziel unserer Wallfahrt angekommen – gut angekommen, mit Blessuren und einem grossen Schatz von Erfahrungen. Der lange Fussweg hat uns Pilgerinnen und Pilger weich und dünnhäutig gemacht, in grosser Aufmerksamkeit miteinander umzugehen, gemeinsam Lösungen zu suchen und miteinander zu denken. Als Priester trage ich dieses Anliegen "Für eine Kirche mit* den Frauen" mit hierher. Wir möchten es Papst Franziskus, dem Nachfolger Petri, in die Hand legen, damit wir in unserer pilgernden Kirche auf dem Weg zu einem Miteinander von Frauen und Männern auf Augenhöhe und gemeinsamer Verantwortung voranschreiten.
Der römische Auftritt von „Kirche mit*“ am 2. Juli war grandios, und wir werden beharrlich weitergehen.
Was in den vergangenen zwei Monaten geschehen ist, lässt sich kaum zusammenfassen. Die Blogbeiträge lassen ahnen, was sich alles auf dem Weg der Pilgergruppe ereignete – für sie und für die über 1000 Menschen, die sich der Pilgergruppe auf einer oder mehreren Etappen angeschlossen haben. Auf der Mailadresse kamen täglich mehrere Mails an, oft sehr berührend, sehr persönlich: Auch Daheimgebliebene haben sich mit dem Projekt auseinandergesetzt, haben ihre Erfahrungen, ihre Wünsche, ihre Sehnsüchte artikuliert. So haben sich viele Menschen in verschiedenen Weisen auf einen Weg gemacht, haben neu gespürt, was es heisst, als Christin und Christ unterwegs zu sein, was es heisst, gemeinsam Kirche zu sein, als Frauen und Männer, in einem umfassenden „mit*“. Sie haben neue Erfahrungen mit selbst und ihrem Glauben gemacht. Und all das geschah auch und sehr intensiv am 2. Juli in Rom.
In ersten Bilanzen der Medien waren oft die Worte „ohne Papst“ und „enttäuscht“ zu lesen. Tatsächlich, wir sind am 2. Juli dem Papst nicht persönlich begegnet. Aber das war nicht das „ein und alles“ des Projektes! Als wir vor vielen Monaten den Termin am 2. Juli fixiert haben, haben wir nicht vorher abgeklärt, ob Papst Franziskus uns an diesem Datum überhaupt begegnen kann – und das wäre das Minimum gewesen, um das Projekt ganz auf eine solche Begegnung abzustellen. Seit längerem war in etwa und seit einigen Tagen definitiv abzusehen, dass sie nicht möglich sein würde. Doch daran hing das Projekt nicht. Wir wollten ein Zeichen setzen und wir haben ein Zeichen gesetzt, und dieses Zeichen wird auch bei Papst Franziskus ankommen! Der Weg zu ihm ist nun einmal nicht so einfach. Die Nähe, die Papst Franziskus auf Bildschirmen ausstrahlt, lässt zu leicht übersehen, dass er der Vorsteher einer Weltkirche ist, der zwangsläufig nur selektiv weiss, was an ihn herangetragen wird.
Der Pilgertag in Rom war aber gewiss nicht „ohne“, sondern „mit“. Wer daran teilnahm, war an diesem Tag ganz und gar „mit“: mit anderen Menschen, die sich mit den Pilgerinnen verbunden hatten, mit vielen Menschen, aus der Schweiz, Österreich, Deutschland, Ungarn, Lettland ... Es war schade, dass in manchen Reaktionen weniger dieses „mit“, als das „ohne den Papst“ thematisiert wurde. Als wären diese vielen, ca. 500, die durch römische Strassen gezogen sind, durchsichtig, unsichtbar. Dabei trugen sie Transparente, auf Wanderstöcke geknüpft – alles spontane Initiativen, wir hatten das nicht so geplant und eingefädelt! Dabei spielten unüberhörbar Alphörner, dieselben, die schon auf dem Splügenpass im Schnee gespielt hatten! Dabei war ein Chor zu hören! Dabei waren mehrere Bischöfe und Äbte, aus der Schweiz, Österreich und Deutschland, mit unterwegs auf dem Stationenweg in Rom!
Als wir vor mehr als zwei Jahren mit der Planung des Projektes begonnen haben, hätte ich persönlich nicht gedacht, dass daraus so etwas Grosses wird. Ich bin einfach nur dankbar – dankbar vor allem all jenen, die – physisch oder geistig – mit uns waren, dankbar auch Papst Franziskus, der Impulse der Ermutigung gibt, ohne die dieses Projekt nicht gewachsen wäre.
Der Zielpunkt unseres Pilgerweges ist heute erreicht, am wunderbaren Fest der Heimsuchung Marias. Es könnte kaum besser passen! Man könnte das Evangelium heute also so beginnen lassen: „Nach einiger Zeit der Vorbereitung machte sich Maria auf den Weg und eilte vom Bergland der Provinz Raetia – so nannten die Römer damals die Ostschweiz – in die Hauptstadt Rom in der Provinz Latium. Sie ging ...
Nous ne pouvons terminer la description des trois membres du groupe de base (Hildegard, Esther et Franz) sans être admiratifs de leur fonctionnement à trois têtes et trois cœurs. Nous avons senti une vive amitié et une merveilleuse solidarité entre vous à travers votre capacité de saisir ensemble différentes situations et de leur donner des réponses adéquates. Quel plaisir de vous entendre dans une petite église romane chanter à trois voix « Take, o take me as I am » ou encore le chant orthodoxe « Agios o Theos », un vrai moment d'émotion. „Vertrauen ist ein Schritt“.
Unser erster Kontakt mit Esther liess uns nicht nur ihre Verbundenheit mit Ihrem Umfeld in Jona entdecken, sondern auch ihre Gastfreundschaft. Denn am Anfang des Jahres hat Esther ein Treffen aller am Pilgern Interessierten organisiert, damit wir uns kennenlernen konnten und um uns einige praktischen Erfahrungen aus ihrer langen Pilgerreise nach Jerusalem weiterzugeben. Dabei demonstrierte sie uns sogar die Verwendung ihrer aufblasbaren Schlafmatte vor. Der Erstkontakt mit ihr machte uns die Entscheidung leicht, uns mit ihr und der Pilgerkerngruppe auf den Weg zu machen.
Auch nach unserem gemeinsamen Unterwegssein wird Esther uns ein strahlendes Beispiel von Lebensfreude, von Jugendlichkeit und von sich verströmendem Enthusiasmus bleiben. Ihre körperliche Ausdauer erlaubt ihr, voranzugehen und sich in den unmöglichsten Situationen wohlzufühlen, was uns jeweils eine Motivationsspritze war, wenn wir selber keine Energie mehr hatten.
Esthers Spontaneität und ihre positive Sicht auf die Dinge erleichtern ihr, Menschen kennenzulernen und Netzwerke zu schaffen, das beweisen all die vielen Leute aus ihrem Umfeld, welche sich über sie auf die eine oder andere Art für das Projekt engagieren; wir denken dabei z.B. an die drei Alphornbläser, welche uns dem Gewitter zum Trotz auf dem Splügenpass empfangen haben.
Dank ihrer Phantasie und Erfahrung lässt sie ihren Glauben mit Hilfe von Gesten, Worten und Zeichen lebensnah sichtbar werden, sei das durch das Legen eines Mandalas aus Naturmaterialien, durch einen mit Goldstaub durchsetzten Segen oder das Auslegen des Evangeliums durch einen Bibliolog.
Ihre körperliche Fitness zeigt sich besonders deutlich, wenn sie den Ententanz hört. Die täglichen Shibashiübungen tragen auf jeden Fall dazu bei, ihre Präsenz in der Gruppe zu steigern und ihr Humor hilft uns, die Härten des Pilgerweges zu vergessen. Nur manchmal spielt ihr ihre Spontaneität einen Streich, wenn ihre Worte falsch verstanden werden.
Wenn Ihr seht, dass Esther sich am Bein oder am Arm kratzt, bietet ihr Parapic an oder seid ihr selber ein Parapic.
Wir danken Dir, Esther, für die, die Du bist und für das, was Du uns gegeben hast: Du hast uns bereichert.
Geschrieben von drei Händen und zwei Köpfen
Claire et Mariette
original français :
Notre premier contact avec Esther nous a permis de découvrir non seulement son milieu de vie à Jona mais aussi sa capacité d'accueil. En effet au début de l'année, Esther a réuni les intéressées au pèlerinage pour faire connaissance et pour nous donner quelques informations pratiques glânées lors de son périple pédestre à Jérusalem. Elle nous a même fait une démonstration pratique de son matelas gonflable de poche. Faire sa connaissance nous a tout de suite motivées pour prendre le chemin avec elle et le groupe de base.
Maintenant que nous sommes arrivés à Rome, nous pouvons dire qu'Esther restera pour nous un exemple lumineux par sa joie de vivre, sa jeunesse et son enthousiasme communicatif. Sa force physique lui permet d'aller de l'avant et de se montrer à l'aise dans n'importe quelle situation, ce qui nous a aidé à parfaire notre endurance.
La spontanéité d'Esther et sa vision positive des événements lui facilitent la création de relations et de réseaux, preuve en sont les personnes de son entourage qu'elle a motivé de participer d'une façon ou d'une autre à ce projet; nous pensons à ces trois joueurs de cor des alpes qui ont bravé la tempête pour nous accueillir en haut du Splügen.
Grâce à son imagination et son expérience, elle rend visible sa foi par des gestes, des mots et des signes proches de notre vécu, que ça soit à travers l'élaboration d'un mandala à partir d'éléments de la nature, d'une bénédiction parsemée de poussière d'or ou encore l'explication d'un évangile sous forme de Bibliologue.
Son aisance corporelle se met facilement en mouvement lorsqu'elle entend la danse des canards. Les exercices quotidiens de Shibashi contribuent certainement à dynamiser sa présence dans le groupe et son humour nous fait parfois oublier la dureté du pèlerinage. Mais parfois aussi la spontanéité de ses mots risque de lui jouer de mauvais tours lorsqu'ils sont mal compris.
Si vous voyez Esther se gratter la jambe ou le bras, offrez lui du parapic ou soyez vous-même un parapic.
Merci à toi Esther pour ce que tu es et ce que tu nous as donné : tu nous as enrichies.
Mit diesem Schreiben überbringen wir – die Verantwortlichen und Mitwirkenden des Projektes „Für eine Kirche mit den Frauen – Ihnen unsere Anliegen und unsere Sorgen, unsere Erfahrungen und unsere Überzeugungen.
Auf den Weg gebracht hat uns Ihr Vorbild: die Weise, wie Sie Zeichen setzen. Papst Franziskus, Sie bewirken, dass viele Menschen inner- und ausserhalb der Kirche aufhorchen, ja aufatmen. Ihre Worte und Gesten rühren an und erinnern an das Wesentliche des christlichen Glaubens. Sie nähren die Hoffnung auf ein menschlicheres Gesicht der Kirche. Dabei kritisieren Sie Selbstbezogenheit und rufen auf zu einer Kirche, die auf dem Weg ist und die „aus sich selbst herausgeht“ (EG 21).
Deswegen wollten auch wir ein Zeichen setzen. Eine Pilgergruppe pilgerte seit dem 2. Mai 2016, dem Festtag der hl. Wiborada, von St. Gallen aus „Für eine Kirche mit den Frauen“ nach Rom. Für das Miteinander von Männern und Frauen auf allen Ebenen, für eine geschwisterliche und dialogische Kirche nahmen sie 1000 km unter die Füsse. Vorbereitet wurde dies durch einen über zweijährigen Weg, auf dem viele Menschen sich engagierten und an Gebeten, Feiern, Vorträgen und ähnlichen Veranstaltungen teilnahmen. Auf einer Internetseite wurden seit einem Jahr täglich geistliche Impulse aufgeschaltet. Frauenverbände, Klöster und verschiedene Institutionen, viele Einzelpersonen, Männer und Frauen, Bischöfe und Ordensobere haben uns unterstützt.
Warum das alles?
Wir leiden darunter, dass viele Frauen sich in unserer Kirche fremd, nicht ernst genommen oder unwillkommen fühlen, weil sie zu wenig in verantwortlichen Gremien eingebunden und an Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Diese Anfragen von vielen lagen zuoberst in unserem Gepäck, und wir vertrauen sie nun Ihnen, als Hirten und Lehrer unserer Kirche, an.
Wir bringen Erfahrungen mit. Zu allererst viele positive Erfahrungen, wie Frauen und Männer einander im kirchlichen Leben ergänzen. Wir haben dies auch auf dem Weg der Vorbereitung dieses Projektes erfahren: Frauen und Männer haben sich gemeinsam „Für eine Kirche mit den Frauen“ engagiert. In der Schweiz arbeiten auch im pastoralen Dienst Frauen und Männer miteinander, da Frauen als Laienseelsorgerinnen (Pastoralassistentinnen) wirken können. Es wird von vielen Menschen geschätzt, dass in der Seelsorge auf diese Weise geistliche Erfahrungen und Sichtweisen auch von Frauen zum Tragen kommen können.
Das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen“ hat keinen konkreten Forderungskatalog entwickelt, denn wir wollen nicht behaupten, wir wüssten schon im Detail, welche Gestalt diese Kirche mit den Frauen haben könnte. Wir wollen dafür nicht ohne Dialog auch mit Ihnen, mit kirchenleitenden Instanzen der Gesamtkirche und der Ortskirchen Vorschläge vorlegen.
Unsere Gruppe ist gewiss nicht „repräsentativ“, weder für eine europäische Kirche noch für die weltweite Kirche. Wir beanspruchen deswegen auch nicht, auf einem einzuschlagenden Weg selbst als Gruppe eine Rolle zu spielen.
Wir wollen ein Zeichen setzen. Mit diesem Zeichen wollen wir den Wunsch (unseren Wunsch und den Wunsch vieler Menschen) zum Ausdruck bringen, dass Männer der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion einerseits und über die Belange der Kirche im Allgemeinen andererseits nachdenken und entscheiden.
Lieber Papst Franziskus, wir bitten Sie, in den Institutionen des Vatikans und in den gesamtkirchlichen Entscheidungsprozessen dafür zu sorgen, dass künftig Frauen mitwirken, mitgestalten und mitentscheiden können. Wir bitten Sie, entsprechende Ermutigungen und Weisungen auch für die Ortskirchen zu geben. Frauen und Männer unserer Kirche warten darauf und werden es Ihnen danken – und die Kirche kann dabei nur gewinnen, wenn Frauen ihre Gaben und Charismen besser als bisher einbringen können.
Wir danken Ihnen für Ihr segensreiches Wirken und für Ihre Aufmerksamkeit für unsere Anliegen.
Hildegard Aepli, Pastoralassistentin und Mitarbeiterin im Amt für Pastoral und Bildung im Bistum St. Gallen
Prof. Dr. Eva-Maria Faber, Professorin für Dogmatik und Fundamentaltheologie an der Theologischen Hochschule Chur
Dr. Urban Fink-Wagner, Historiker und Theologe, Geschäftsführer der Inländischen Mission
Sr. Irene Gassmann OSB, Priorin des Benediktinerinnenklosters Fahr
Br. Damian Keller, Provinzvikar der Schweizer Kapuziner und Verantwortlicher für die Brüder der Deutschschweiz, Postulatsleiter aller deutschsprachigen Kapuzinerprovinzen, Priester und Psychologe
Prof. Dr. Franz Mali, Professor für Patristik, Geschichte der Alten Kirchen und christlich-orientalische Sprachen an der Theologischen Fakultät Fribourg, Priester der Diözese Graz-Seckau
Esther Rüthemann, Pastoralassistentin im Bistum St. Gallen
Franz est né avec une auréole et un GPS. Quelle merveilleuse trouvaille. Grâce à son GPS, Franz nous a menés par monts et par vaux, par des pierriers, des forêts interdites, le long des chemins non tracés et à travers des rivières dont les ponts avaient curieusement disparu. Etait-ce du courage ou de l'inconscience lorsque Franz nous a menés au petit matin le long d'une autoroute ou encore lors de traversées en plein milieu de rond point à huit routes? Partout il a mené petits ou grands groupes avec une maîtrise époustouflante et une attention à chacun. Toujours en tête, il adaptait son rhythme pour que chacun puisse suivre sans trop d'efforts surhumains. Et encore durant la marche, il lui arrivait de téléphoner pour confirmer la réservation d'un gîte, d'une salle de paroisse ou encore d'un ostello. Il n'oubliait pas de regarder sa montre pour proposer des „pauses bio“, la minute lui était plus importante que le lieu, si bien que les uns cachaient les autres à défaut d'arbres.
Franz: une force de la nature!
A peine arrivé au logis, sa douche prise, sa lessive faite, il se mettait à l'ordinateur qu'il ne quittait plus même pendant le repas pour écrire le déroulement de la journée sur un blog, calculer le nombre de kilomètres effort ou encore prévoir le trajet de la journée suivante.
Franz, un homme qui porte le projet „Eglise avec* les femmes“ à travers son être et toutes ses actions. La parité demandée en Eglise, il la vit à chaque instant, que ce soit dans le concret des tâches pour le groupe (peler des carottes), que ce soit lors des célébrations. Jamais il ne se met en avant, il a toujours le souci de donner le maximum d'espace aux autres membres du groupe de base. Il est d'une humilité exemplaire, on peut le dire même si sa tête est déjà rougie par le soleil d'Italie. Et continuons de lui tresser une auréole en soulevant sa disponibilité et son extrême générosité. Comme dirait Lea, membre du groupe de base, s'il était plus jeune et pas prêtre, elle le marierait volontiers.
A lui seul, Franz est aussi un rond point, celui des questions et des réponses qui le mettent au défi de dire non.
Merci à toi Franz pour ce que tu es, mais aussi pour nous avoir donné une image encourageante de l'Eglise.
Composition à trois mains et deux têtes Mariette et Claire
7.00 Wir verlassen das Hotel, um so früh wie möglich in den Petersdom hinein zu kommen. Wir wollen abklären, wie die Dinge vor Ort aussehen für den Gottesdienst am 2. Juli. Es gibt bereits sehr lange Schlangen vor den Kontrollpunkten. Die Menschen sind für die letzte Audienz vor der Sommerpause des Papstes gekommen. Wir beschliessen, später am Tag zurückzukommen.
Nach dem Frühstück bauen wir unser Pilgerbüro in einem der Schlafzimmer auf und widmen uns den Impulsen und dem Ablauf des Gottesdienstes. Es tauchen viele Fragen auf, die mit den uns noch nicht vertrauten Örtlichkeiten zusammen hängen.
11.30 Wir fahren mit einem Taxi zur Piazza del Popolo. Wir wollen alle Kirchen, die wir am 2. Juli besuchen, aufsuchen und uns vergewissern, dass die gemachten Reservationen intakt sind. Das Taxi lädt und vor einer Kirche aus, die von einer grossen Menschenmenge versperrt ist. Wir denken, es sei die von uns gesuchte S.M. del Popolo. Bald ist es klar, dass hier gerade die Abschiedsfeier von Bud Spencer stattfindet und wir keine Chance haben, mit irgend jemandem zu sprechen, der Bescheid wüsste. Hmm.
11.45 Wir beschliessen, den Weg von S.M. der Popolo zur nächsten Kirche S.M. Sopra Minerva abzulaufen mit dem Blick darauf, dass wir am Samstag 500 Personen sein könnten. Das geht gut, merken wir, es gibt viele Fussgängerzonen. Super!
12.15 Wir treffen in S.M. Sopra Minerva ein. Wir finden niemanden, der uns unsere Fragen beantworten könnte. Wir klingeln mehrmals beim Sekretariat. Niemand öffnet. Wir telefonieren. Der Beantworter sagt, dass das Sekretariat ab 14 Uhr geöffnet sei. Oh, nein!
12.30 Wir beschliessen zu warten und in der Zwischenzeit Mittag zu essen. Fein.
14.00 Das Sekretariat bleibt geschlossen. Dafür finden wir in der Kirche den Sakristan. Er weiss von keiner Gruppe, die am 2. Juli bei ihnen zum Gebet angemeldet wäre. Er kann uns nicht helfen. Wir müssen mit dem zuständigen Pfarrer sprechen. Der kommt erst um 17 Uhr. Waaaas?!
14.30 Wir laufen den Weg zur Piazza S.M. del Popolo zurück. Die Kirche ist nicht zugänglich. Die Frau am Tor sagt uns, dass sie keine Reservation für den 2. Juli vorliegen habe. Wir kommen im Gespräch mit ihr darauf, dass wir uns aber in der Kirche geirrt haben. S.M. del Popolo befindet sich auf der andern Seite des Platzes. Shit!
15.30 Die Kirche S.M. der Popolo ist bis 16 Uhr geschlossen. Wir warten. Dann können wir im Büro mit einem zuständigen Priester sprechen. Er weiss von keiner Reservation für den 2. Juli. Aber es geht. Er trägt den Anlass ein. Huch!
16.15 Franz schreibt eine Mail an seinen Doktoranden, der zur Gemeinschaft von Sopra Minerva gehört. Er schildert ihm unsere Situation. Ein paar Minuten später hat er schon Antwort. Alles kein Problem. Wir sind am Samstag erwartet. Uff! Wir nehmen ein Taxi zum Petersdom
17.00 Wir hätten gerne an der Messe beim Altar teilgenommen, wo auch wir am Samstag feiern werden, aber wir sind wegen der Warteschlangen bei den Sicherheitskontrollen zu spät. Wir werden nicht mehr zugelassen. Oh je.
17.15 Wir suchen die Sakristei des Petersdoms. Franz darf hinein. Er erfährt, dass für Bischof Markus Büchel eine Messfeier am Samstag eingetragen sei. Jupi. Dann aber erfahren wir, dass kein Antrag für Orgelbenützung vorliegt. Ach. Wir verlassen den Dom und beginnen zu telefonieren. Niemand meldet sich. Franz schreibt eine offizielle Mail. Hoffen wir das Beste!
Wie sagte doch Fra Bernardino, in dessen Einsiedelei wir eine Nacht verbrachten: Pilgern braucht Geduld und Entschlossenheit. Voilà!
Wenn man neben dem Ehepaar Gamper herläuft oder neben ihnen im Restaurant sitzt, kriegt man eine ordentliche Portion Humor, gewürzt mit genügend Tiefgründigkeit ab. Die beiden sind meistens nicht weit voneinander entfernt zu finden. Sie reden den urchigen, kantigen Rheintalerdialekt und brauchen nicht viele Worte, sodass man am Anfang nicht sofort weiss, ob sie es gut mit einem meinen oder doch nicht. Sie meinen es aber sehr gut mit einem. Maria und Peter heissen sie. Peter könnte eine moderne Version von Bruder Klaus sein und Maria am ehesten eine Ostschweizer Indianerin. Sie hat lange, weisse Haare und eine grüne Metallbrille. Er das sonnengegerbte Gesicht eines Alpöhis, umrahmt von weissen Haaren und Bart. Beide sind sie sportlich-schlank gebaut. Die beiden sind seit Siena dabei. Sie bewältigten nicht nur die täglich zu pilgernden Kilometer spielend, sondern brachten und bringen gute Stimmung unter uns und haben einen Blick für die Gruppe, es fällt ihnen auf, wenn jemand hintennachhinkt oder etwas braucht. Überfürsorglichkeit ist ihnen aber fremd, sondern pragmatisch und ohne viel Aufsehens bringen sie einen Schluck Wasser oder nehmen jemandem eine zu schwer gewordene Last ab. Peter hat noch eine weitere Gabe zur Verfügung gestellt. Er ist nicht nur pensionierter Schreiner, er hat sich auch geoutet als Heiler. So ging er zum Beispiel immer wieder hinter Mariette her mit ihrem im Gips liegenden Unterarm. Wir wissen, dass ihr frischer Bruch danach kaum schmerzte und der Arm trotz stundenlangen Gehens in der prallen Sonne nicht anschwoll. Weitere Erklärungen haben wir nicht. Es gibt noch andere Müsterchen. Maria und Peter lassen sich in keine Kategorie einordnen. Sie sind überzeugte Katholiken aus der Ostschweiz und können Witze reissen, die den Stempel der Jugendfreiheit nicht verdienen. Sie haben zusammen ein grosses Geschäft geführt, kommen, wenn es sein muss, fidel ohne Luxus aus, und sind gerne dabei, wenn die Runde gut getränkt und das Essen fein ist. Sie kennen den Ernst des Lebens und bringen uns alle immer wieder zu lachen. Sie sind feingespürige Menschen und bodenständig wie es eben gute Rheintaler sind. Und es gibt keine Bemerkung, auf die sie nicht einen trockenen, träfen Spruch erwidern können. Es ist schön mit Euch, Maria und Peter!
"Sie kommen auf vielen Wegen und Himmelsrichtungen für den letzten Pilgertag am 2. Juli in Rom", so schrieben die Pilgerinnen gestern auf der Facebookseite. Wie wahr! Gestern meldete sich sogar noch jemand, der auch zu Fuss aus der Schweiz gepilgert ist und am Freitag ankommen wird! Und ich bin schon gespannt, wen ich heute am Flughafen Zürich treffen werde. Ausserdem: aus allen Himmelsrichtungen kommen gute Wünsche, Dank, Ermutigung - gerade auch dafür sei gedankt!
Viele haben hier seit mehreren Wochen den Weg der Pilgergruppe verfolgt. Sicherlich wird auch nach dem Pilgertag am Samstag noch geschrieben werden, und auf der Medienseite kommt ohnehin eine Meldung nach der anderen dazu. Wer am Samstag nicht in Rom sein kann, aber doch dabei sein möchte: Unter dem Hashtag #kirchemit wird getwittert! Und daran kann jede und jeder sich beteiligen - in Rom und anderswo. Twittert, warum Ihr das Projekt unterstützt, ob Ihr mitgelaufen seid, physisch oder geistig, die besten Zitate aus dem Blog ...
Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie: die Menschen nach Rom und die Wünsche für sie. In alle Himmelsrichtungen gehen sie: unsere Wünsche, unsere Bitten, unsere Botschaft. Wenn Ihr mitmacht: auch auf Twitter.
Und dann waren Sie da. 40 Frauen und Männer, die durch die Nacht hindurch aus der Schweiz zu uns nach Labaro am Stadtrand Roms gefahren sind. Plötzlich waren wir nicht mehr die überschaubare Pilgergruppe, sondern eine Menschenmasse auf dem direkten Weg zum Petersplatz auf den Radwegen entlang des Tibers. Die Kuppel des Petersdoms sahen wir schon von Weitem, und dann von immer näher, bis wir davor standen: Wir sind angekommen!!! Wir sind berührt und dankbar für diese Solidarität und Begleitung am letzten Tag nach sieben strapaziösen, reichen Wochen zu Fuss von St. Gallen nach Rom. Und wir sind auch geschafft, glücklich und freuen uns auf die nächsten Pilgerschritte am 2. Juli.
Beim Apéro auf der Dachterrasse unseres Hotels, wo wir auch mit Abt Präses Christian Haidinger aus Österreich anstossen konnten, erreichte uns der Brief aus dem Staatssekretariat des Vatikans, dass der Papst um unser Projekt weiss, aber in den Sommermonaten keine offiziellen Termine wahrnimmt.
Das Zugehen auf Rom war ein aussergewöhnliches Ereignis: Schon vor dem Loslaufen erlebten wir sehr viel Unterstützung, als eine Gruppe von 50 Frauen des SKF (Schweizerischer Katholischer Frauenbund) vor unserem Hotel in Labaro zu uns stiess: Sie waren die ganze Nacht im Car durchgefahren, hatten sehr wenig geschlafen, waren mit guten Schuhen und Tagesrucksack ausgerüstet und liefen mit uns die letzte Etappe nach Rom hinein. Auch Sr. Elisabeth Schwerdt und der Sakristan ihrer Pfarrei in Augsburg waren zu uns gestossen.
Wir sind auf dem einfachsten Weg vom Stadtrand ausserhalb der Ringautobahn dem Tiber entlang gelaufen: auf dem Veloweg bis zur Brücke vor der Engelsburg. Dort stiegen wir die Treppe hinauf, und zuerst die Kuppel, dann die Fassade tauchten hinter der Brücke auf. Das Zulaufen auf den Petersplatz war besonders emotional: Wir begannen spontan unser Pilgerlied zu singen: «Vertrauen ist ein Schritt…»
Auf dem Petersplatz lagen wir uns in den Armen und vielen drückte es Tränen der Freude aus den Augen.
Den Tag beschlossen wir als grosse Gruppe in der Kapelle des Campo Santo Teutonico mit einer Dankandacht für das gute Ankommen, die viele Unterstützung und den Segen Gottes auf unserem ganzen Weg.
Bis Freitag werden noch mehrere Gruppen von PilgerInnen zu uns stossen: aus Schweiz, die mit dem Flugzeug oder anders kommen werden; aus Südtirol, die seit einigen Tagen zu Fuss unterwegs sind; aus Österreich, wo einige zu Fuss unterwegs sind und eine grosse Gruppe mit dem Car am Freitag ankommen wird; einzelne aus Ungarn und Lettland…
Und noch viele andere werden an unserem Abschlusspilgertag am 2. Juli mit dabei sein, um das Anliegen «Für eine Kirche mit* den Frauen» zu unterstützen.
Pilgern ist für mich eine gute Gelegenheit, die von Ignatius vielgerühmte Indifferenz zu üben. Denn während der Alltag mit seinen Regelmässigkeit mich versucht, mich zunehmend auf diese zu fixieren und so unfrei zu werden für das, was von Gott her einbrechen will, ist beim Pilgern kein Tag wie der andere, und wenig davon abhängig, wie ich es organisiere, sondern vor allem davon, wie ich mich dazu stelle und worin ich wurzle.
Früher in diesem Blog stand ganz in diesem Sinne einmal: Wenn Luxus, dann Luxus. Wenn Zumutung, dann Zumutung. Heute war wiedermal ein Tag der Zumutungen.
Wir wanderten den ganzen Tag lang auf Asphalt – zuerst auf der Autobahn, sozusagen als GeisterläuferInnen. Danach entlang einer langen Hauptstrasse, die abwechselnd gesäumt war von Schilf, Brombeerstauden und Laubbäumen. Es kamen uns also ständig in italienischer Manier fahrende Autos, Motorfahrzeuge und Lastwagen entgegen, teils mit herzlich winkenden, teils mit verärgert gestikulierenden Chauffeurs. Die vordersten in unseren Reihen waren – insbesondere in den Kurven – damit beschäftigt, die Fahrzeuge runterzubremsen.
Das war die Kulisse. Mit jeder vergangenen Stunde nahm die sengende Hitze auch zu. Dazu kam, dass alle paar hundert Meter in staubig-abfallverschmutzten Nischen der Sträucher am Strassenrand knapp bekleidete, junge Frauen, ja Teenager aus Ghana, Nigeria und Rumänien sassen. Als wir für kurze Zeit auf der Rückseite der die Strasse säumenden Sträucher gingen, sahen wir auch durchgelegene Matratzen im Abfall und Staub liegen, an einem Ast einen Plastiksack voller gebrauchter Kondome. Dies am Rande eines Feldes, das der Bauer mit dem Traktor gerade bestellte. Die Unwürdigkeit der Situation, des Dreckes, Lärmes und Verkehrs, in denen diese Frauen warten und ihre seelenlose Arbeit verrichten, hat uns zugesetzt. Es war nicht ganz einfach, gleichzeitig die Würde dieser aufgetakelten jungen Frauen zu sehen, die ihnen als Menschen eigentlich innewohnt und kurz aufstrahlte, wenn sie unseren Gruss mit einem Lachen oder gar einem erstaunten Strahlen erwiderten.
Die Begegnung mit den Prostituierten spiegelte uns unsere privilegierte Lebenssituation, relativierte unseren erschöpfenden, heissen Asphalttag, forderte uns heraus, nicht wegzuschauen von diesen Frauen, die auch in allen unseren Heimatstädten leben, gut zu unterscheiden zwischen der Unwürde ihrer Situation und ihrer Menschlichkeit – und die Spannung zwischen beidem auszuhalten. Und den Blick zu schärfen, dass Gott von überall her einbricht – auch im Gesicht der Freudenmädchen am Strassenrand.
In Augsburg hat am Samstag, 25. Juni ein Aktionstag zu dem Projekt: „Für eine Kirche mit Frauen“ stattgefunden. Um 13:30 Uhr trafen wir uns in einer Gruppe von 24 Frauen und Männern an dem Marienwallfahrtsort St. Maria Alber in Friedberg und sind in 3 Etappen bis zur Moritzkirche in Augsburg gelaufen, in der um 18 Uhr der Vorabendgottesdienst zum Thema „ Für eine Kirche mit…“ besonders gestaltet wurde.
An insgesamt drei Stationen gab es religiöse Impulse: An der ersten Station haben wir uns gegenseitig gesegnet und uns bewusst gemacht, dass alle, Frauen wie Männer, Gesegnete sind und zum Segen für andere werden. Die 2. Station lud uns in ein halbstündiges Schweigen ein zum Thema: „Wir sind gelebtes Evangelium: Was ist mein Evangelium“. Daran schloss sich ein Emmausgang an, in dem ein reger inhaltlicher Austausch über die eigenen Visionen von Kirche stattfand. An der 3. Station haben wir unsere Taufe erneuert und uns bewusst gemacht, dass wir als Getaufte alle in gleicher Weise zum christlichen Dienst berufen sind.
Um 18 Uhr sind die PilgerInnen zusammen mit Abt Theodor Hausmann (OSB), Sr. Elisabeth Schwerdt CJ und dem Stadtdekan von Augsburg, Pfarrer Helmut Haug in den Gottesdienst eingezogen. Einige der PilgerInnen haben in der Predigt ihre Früchte des Pilgerns zum Thema: „Was ist mein Evangelium“ vorgetragen. Nach der Kommunion wurde das Magnifikat getanzt.
Im Anschluss an den Gottesdienst gab Sr. Elisabeth Schwerdt CJ Informationen zum Schweizer Pilgerprojekt: „Für eine Kirche mit den Frauen“ und alle hatten die Möglichkeit, Anliegen an den Papst zum Thema „Frauen in der Kirche“ aufzuschreiben. Sr. Elisabeth Schwerdt CJ wird am Montag, den 27. Juni nach Rom fliegen und die letzte Etappe mitpilgern. Die Anliegen der Augsburger werden von ihr mit nach Rom genommen und sollen zusammen mit den Anliegen der Pilgergruppe am 2. Juli dem Papst oder seinem Stellvertreter überreicht werden.
Für alle war es ein bewegender, gesegneter und hoffnungsvoller Tag.
Seit drei Tagen stehen wir um 04.00 Uhr auf, damit wir eine Stunde später als Gruppe lospilgern können. Die Sommerhitze Italiens ist ausgebrochen und strapaziert die letzten Tage – auch den heutigen Sonntag – noch einmal neu. Gestern erlebten wir in diesen frühen Morgenstunden zum letzten Mal die Schönheit der Berge. Lange konnten wir im Schatten über Stock und Stein laufen lauschigen Waldwegen entlang.
Heute Sonntag war eine Route angesagt, die mehrheitlich einer Hauptstrasse entlang führte. Die ersten zwei Stunden hatten wir Ruhe vor dem Verkehr. Danach waren die Laufstunden mühsam, weil wir ohne Trottoir zum Teil sehr schnell entgegenkommende Autos ertragen mussten. Da war nach 9 Kilometern die Pause in einer Bar sehr willkommen. Kurz nachdem wir wieder in die Gänge gekommen waren, stolperte Mariette aufgrund eines Lochs in der Strasse und stürzte über Esther auf den Boden. Dass sie sich nicht wieder lachend oder scherzend erhob, deuteten wir als schlechtes Zeichen. Unsere Lea – Mitglied des Kernteams und seit Greccio bei uns – war sofort zur Stelle und konnte die ersten wichtigen Fragen stellen und den schmerzenden Unterarm untersuchen. Ganz verblüfft stellten wir auch fest, dass bereits zwei Carabinieri um uns herum standen und mit unserer Gruppe zusammen den Verkehr regelten. Mariette wollte sofort weiter pilgern, aber es war nicht einmal ans Aufstehen zu denken. Und dann setzten die Schmerzen ein und heftige Schweissausbrüche liessen uns bald entscheiden, dass die Ambulanz zu rufen sei. Lea begleitete Mariette ins Spital nach Rieti, während wir tapfer weiter unseres Weges gingen.
Jetzt sind beide zurück. Mariette bekam zusammen mit Claire ein Bett in einem B&B. Wir anderen haben die Luftmatratzen und Seidenschlafsäcke auf den kühlen Boden des Pfarreiheims von Passo Corese ausgebreitet. Die letzten Laufstunden hatten uns zugesetzt, denn die Hitze ist jetzt erbarmungslos.
Sur Hildegard, on pourrait écrire tout un livre tant elle regorge de facettes variées. Ce livre se fera certainement mais malheureusement, je n’en serai pas l’auteure puisque je connais Hildegard depuis le 2 mai. Donc je me contenterai de la décrire telle que je l’ai découverte durant ces 1200 km de marche pour une « Eglise avec* les femmes ». Mais d’emblée, j’aimerais dire que je suis très contente d’avoir fait sa connaissance, ce fut une grande chance !
La sûreté de sa démarche dandinante avec ses longues jambes donne déjà une première image de sa personnalité : elle survole les chemins comme elle survole les événements. Ce qui ne l’empêche pas d’être très présente à tout ce qui se passe. On a l’impression que Hildegard a des yeux partout ou plutôt des ondes qui perçoivent merveilleusement bien l’atmosphère du moment. Ce qui lui permet de passer d’un rire éclatant à un moment de profonde spiritualité. En quelques mots, elle arrive à dégager un thème de réflexion lors des moments d’Impuls ou à partir de la réalité du vécu des personnes partager des intentions de prière lors des messes.
Sa présence d’esprit est impressionnante. S’agit-il de lancer un chant, elle est là ! s’agit-il de trouver une façon de faire sécher son linge, elle est là ! mais elle est aussi présente à soutenir quelqu’un en difficulté lors de la marche ou à s’activer pour des achats pour la communauté ou la vaisselle. Dans le concret, cela veut aussi dire que lors de l’arrivée, quand nous sommes en train de barboter dans nos réflexions à savoir par quoi nous allons commencer notre « remise en ordre », elle est déjà sous la douche et la lessive suit rapidement. Sa rapidité de pensée lui permet d’empoigner les événements avec efficacité.
Le groupe lui tient à cœur et on a l’impression qu’elle tire sa force des relations avec les personnes qui l’entourent. Dans le langage actuel, on dirait d’elle qu’elle est une empowered woman, une femme de caractère avec des capacités à la fois de management et d’humour. Pour nous, Hildegard représente aussi une femme de vision qui a la capacité d’enthousiasmer des foules, de prendre des initiatives et les mener jusqu’au bout. N’a-t-elle pas à partir d’une idée lancé notre marche pour une « Eglise avec* les femmes » avec la force de déplacer des montagnes ou de faire activer la cause des femmes dans l’Eglise ? Son engagement est tellement fort que parfois, cela limite une certaine ouverture à d’autres façons de faire ou de penser.
Sa générosité ne fait jamais défaut. Une générosité matérielle mais aussi celle qui lui permet de voir en chacune et chacun ce qui est bon, de croire en la femme et en l’homme et d’œuvrer pour le bien de tous.
Merci Hildegard pour ce que tu es, merci pour toi. Merci de nous avoir conduits/es à Rome.
Wie lässt sich ihr Gang beschreiben? Das fragte ich mich und übte mich darin, ein Stück in ähnlicher Körperhaltung zu gehen wie sie. So kam das Bild: Wie wenn FussballerInnen nach Match oder Training den Rasen Richtung Kabine verlassen. O-beinig und mit locker baumelnden Armen.
Ursula ist unsere Spezialistin für Romreisen. Sie stiess in Chiavenna zu uns mit einem Rucksack, der erstens viel zu klein und zweitens völlig ungeeignet für Weitwanderer war. Der Rucksack hing schwer an ihrem Rücken, weil ein Hüftgurt fehlte. Schuhe baumelten hinten herum, die dicke Isomatte war unten lose drangebunden, Zahnbürste und Zahnpaste schauten zu einem Seitenfach heraus, manchmal auch noch ein Löffel.
Sie fing bereits am ersten Tag so riesige Blasen auf, dass wohl jede andere Pilgerin sofort wieder aufgegeben hätte. Sie verlor binnen kurzer Zeit zwei Fussnägel. Sie hatte nichts vorreserviert für alle weiteren Etappen, sodass wir dachten, dass sie uns wohl bald wieder verlassen würde. Aber nein.
Ursula steht mit uns vor den Toren Roms. Wir wissen unterdessen, dass sie vor dem Hirnschlag mit Folge einer linksseitigen Lähmung Marathonläuferin war. Wir beobachten, dass sie im Laufe der Wochen mit der schwerer gewordenen Zunge besser zurechtkommt, das Sprechen ihr leichter fällt. Wir lernten mit ihr zusammen, dass Pilgerstöcke für sie keine Hilfe sind, dass es besser ist, sie fällt mal sanft oder auch hart in einen Graben und kommt mit Hilfe unserer Hände wieder hoch.
Ursula ist nicht wie wir anderen mit Outdoorsachen ausgerüstet. Sie trägt dünne farbige Sommerblusen. Sie läuft ohne Sonnenbrille und ist so braun gebrannt, wie sonst niemand. Wir beschlossen, ihr über die Journalistinnen vom Zürcher Forum einen neuen Rucksack zu bestellen, 45 plus 10 Liter Volumen. Als wir ihr diesen überreichen durften, konnte sie diese Aufmerksamkeit kaum fassen. So etwas habe sie noch nie erlebt.
Wir wissen, Ursula ist nicht erst am Ziel glücklich, sondern Tag für Tag. Sie schafft es, trotz vielfältiger Beeinträchtigung in ein neues Leben zu laufen. Ursula ist von Herzen dankbar, dass sie in unserer Gruppe mitpilgern darf.
1. Spannend ist das Pilgerleben, ultreia Miteinander nach Rom zu streben, ultreia
Ref. Esther, Franz und Hildegard führen uns seit unserem Start für die Kirche mit den Frauen – bis nach Rom!
2. Hart ist unser Pilgerleben, ultreia Denn wir gehen oft im Regen, ultreia / Ref.
3. Wenn die Füsse nicht mehr tragen, ultreia Fährt Claire Lasten mit dem Wagen, ultreia / Ref.
4. Immer kommen neue Leute, ultreia Bin gespannt, wer ist das heute, ultreia / Ref.
5. Weh’ den Schuhen an den Füssen, ultreia Wenn durch Schlamm und Dreck sie müssen, ultreia / Ref.
6. Wenn wir durch die Landschaft sausen, ultreia Braucht’s ab und zu auch Biopausen, ultreia / Ref.
7. Jeden Abend stellt sich die Frage, ultreia Wie wird das nächste Nachtgelage, ultreia / Ref.
8. Eure Salbung unsrer Füsse war famos. Und die Überraschung war wirklich riesengross. Damit habt ihr uns Mut gemacht und uns wieder auf Kurs gebracht. Dass erfrischt wir weiter wandern – bis nach Rom.
9. Unverdrossen gehn wir Frauen, ultreia Weil wir es dem Papst zutrauen, ultreia Dass er was verändern mag, in der Kirche wird es Tag. Drum ihr Frauen, ohne Zagen – bis nach Rom!
Cäcilia, Silvia, Ursula, Mariette, Claire, Theri (mit Hilfe von Vreni)
Wettbewerb: zu welcher Liedmelodie werden Strophen und Refrain gesungen? Antworten an: (Richtige Antworten samt Adresse werden mit Postkarte aus Rom belohnt.)
Wir RompilgerInnen und mit uns viele, viele Mitpilgernde haben in den letzten sieben Wochen immer wieder Menschen kennen gelernt, mit denen sich ganz unkompliziert, ganz leicht Gespräche entwickelten: Woher kommst du? Wie bist du auf das Projekt gestossen? Wie geht es dir mit dem Laufen? Hattest du schon Pilgererfahrung? So oder ähnlich begannen diese Gespräche. Manchmal entwickelte sich daraus ein echtes Teilen von Weg- und Lebenserfahrung, eine Anteilnahme an einer Mitpilgerin, einem Mitpilger, ein Erzählen und Zuhören. Zugleich lebten wir unseren christlichen Glauben Tag für Tag mit kleinen Momenten des Innehaltens, im Hören auf das Evangelium und einem grossen Schweigen während einer Stunde. Ab und zu ergab sich auch ein spontaner Austausch, wie zum Beispiel heute über ein Bibelwort, welches einem wichtig ist. Dass diese Dimension des Glaubens selbstverständlich dazu gehörte und gleichzeitig im Unterwegssein viel Leichtigkeit und Humor Platz hatte, verband die jeweiligen Gruppen. Dieses Freundschaftsnetz der kleinen Schicksalsgemeinschaften unterwegs trug dann am stärksten, wenn es jemandem nicht gut ging. Kleine Aufmerksamkeiten, aufmunternde Worte, ein spontanes Hilfsangebot, manchmal einfach die hingehaltene Flasche Wasser wirkten Wunder.
Es ist dieser gelebte Geist der Freundschaft, der mich schon jetzt dankbar auf die Zeit des Pilgerns zurückschauen lässt.
Seit wir durch Italien pilgern, gehört es dazu, dass wir von Hunden laut, auch mal aggressiv oder ab und zu eher mit heiserem Gebell begrüsst werden. Die Hunde sind fast immer hinter Zäunen und rasen, wenn unser Pilgertross vorbeizieht, auf und ab. Manche drehen sich im Kreis oder bleiben ohrenbetäubend bellend stehen. An den grossen Toren der Anwesen hängt immer das Schild: Attenti ai cani. Für Pilger ist diese italienische Gepflogenheit angenehm. Wir hatten gar nie mit echten Hundeangriffen von hinten oder von vorn zu kämpfen. Richtig verärgern konnten uns nur jene Vierbeiner, die hinterhältig warteten und dann losbellten, wenn die ersten von uns genau auf ihrer Höhe auftauchten.
Gestern machten wir eine neue Erfahrung mit Hunden. Zur Einsiedelei La Romita, unserer Unterkunft in den Martani-Bergen, gehörten etwa vier grosse, weisse Schäferhunde. Diese bellten kaum bei unserer Ankunft und vermittelten sofort das Gefühl, dass wir dazugehörten. Schon bald war klar, dass diese Hunde in der Ermitage die gleichen Rechte haben, wie die Gäste: sie kamen zum Nachtgebet und liessen sich von einigen der PilgerInnen streicheln. Sie strichen um unsere Beine während des Abendessens. Nachts lagen sie nicht auf dem Boden, sondern auf den Tischen im Innenhof. Irgendwann stahlen sie uns Socken, die in den Schuhen vor unseren Schlafzellen standen. Ich fand meine linke Socke feucht und schmutzig in einem der Innenhöfe. Mühsam fanden wir, dass wir überall auf den Hundekot gefasst sein mussten. Eine ganz eigene Erfahrung von: Attenti ai cani.
Durch Beatrice und Patrick Hächler werden wir in diesen Tagen seit Assisi bis Greccio auf unserem Weg nach Rom geleitet. Die beiden haben die Wege zum Gutteil persönlich rekognosziert und die Unterkünfte gesucht.
Sie führen uns auf die Spuren von Clara und Franz von Assisi und seine Spiritualität, der in diesen Regionen oft unterwegs war. So sind wir heute in der Einsiedelei «La Romita» angekommen, einer Einsiedelei, die Fra Bernardino seit 1991 aus einer Ruine wieder aufgebaut hat. 25 Jahre lang, so erzählt er, hatte er vorher in San Damiano für Touristen über das Leben des hl. Franziskus erzählt. «Warum», so fragte er sich eines Tages, «erzähle ich immer nur über den Wiederaufbau durch den hl. Franziskus und packe nicht selber an?». In der Folge machte er sich selber daran, dieses mit Ausnahme einer kleinen Kapelle völlig verfallene ehemalige Franziskanerkloster mit Hilfe vieler Freiwilliger wieder in Stand zu setzen. Jetzt ist es ein Anziehungsort nicht nur für Pilger geworden, sondern auch für Menschen aus dem Dorf und andere, die Abstand, Ruhe, Stille, Einsamkeit und Gebet suchen.
Der Weg hierher führte uns über die Martani-Berge. Die Etappe füllte den ganzen Tag und alle sind müde ob der vielen leichten und manchmal auch steilen Ab- und Anstiege. Das Ehepaar Hächler führt uns auf wunderbare Wege über Gipfel und Kreten, die weite Ausblicke ermöglichen, und in franziskanisch einfache Unterkünfte, wo wir uns manchmal selber versorgen und kochen. Es sind schöne Erfahrungen und die Begegnung mit Fra Bernardino ist grossartig! Danke, Ehepaar Hächler!
Franz
PS.: Alle Tagesetappen können auf Google-Maps angesehen werden: siehe: www.kirche-mit.ch/de/die-pilgerroute.html
Nach einem steilen Aufstieg auf den Höhenweg von Assisi zu den Carceri treffen wir am Rand eine Frau mit grossem Rucksack: «Sie sehen auch aus wie eine Pilgerin!», sagt jemand von uns. «Ja, wir pilgern für eine Kirche mit den Frauen nach Rom», lautet die spontane Antwort. Ganz verdattert stellen auch wir uns vor. Die gegenseitige Freude ist riesig. Die beiden stellen sich als Maria und Ingrid aus Graz vor: Sie sind von Florenz losgelaufen, wo sie am 2. Juli, unserem Abschlusstag, auch für das gemeinsame Anliegen einstehen wollen.
Nur mit groben Karten ausgerüstet, haben sie sich auch schon einmal ganz erbärmlich verlaufen. Sie merkten nach schönen Bergwanderwegen erst am späten Nachmittag, dass sie nur zwei Kilometer vom morgendlichen Start wieder ins Tal heruntergekommen sind. Sie haben ihre Unterkünfte nicht vorreserviert, sondern suchen von Tag zu Tag.
Welch herrliche und wundersame Überraschung für uns: Maria sagte nur: «Ich war sicher, dass wir euch einmal unterwegs treffen werden!» Besonders für mich war diese Begegnung bewegend, habe ich doch zwei Frauen aus meiner Heimat getroffen, die das gleiche Ziel vor Augen haben.
Über sie könne ich keinen Blog schreiben, weil sie nicht eine so auffällige Person sei, prophezeite mir Cäcilia. Ich finde an ihr eine schöne, bescheidene Seite. Cäcilia kann sich gut zurücknehmen. Ihre Sorge um andere, z. B. dass sich die Gruppe der RompilgerInnen immer wieder gut zusammenfindet und gemeinsam weiterkommt, empfinde ich als aufmerksame Sorgfalt. Auf der anderen Seite ist sie sehr grosszügig. Immer wieder steuert sie etwas bei für ein gemeinsames Glas Wein oder eine Kaffeerunde.
Das Stichwort «Kaffee» zieht sich für Cäcilia durch das ganze Pilgern hindurch. Sie schätzt und würdigt es, wann immer es nach einigen Kilometern des Laufens einen richtig guten Halt an einer Bar gibt. Eine Tasse Kaffee, scheint mir, wirkt für sie wie Benzin. Ich liess mir sagen, dass zur Kaffeeliebe unterdessen noch diejenige zum Grappa hinzugekommen sei, womit sich abends ein Pilgertag sehr gut abrunden lässt.
Cäcilia trägt den prall gefülltesten Rucksack von allen mit. Man munkelt, dass sie vier Paar Schuhe darin untergebracht habe. Und noch in Assisi sind aus den Tiefen ihrer Schätze Dinge ans Tageslicht gekommen, die wir –wir kennen unterdessen alle Habseligkeiten voneinander – natürlich sofort bemerkten und kommentierten.
Cäcilia hat ein breites Wissen. Wir konnten schon ein paarmal von ihr profitieren, wenn wir an Orten vorbeikamen, wo italienische Komponisten geboren oder verehrt werden. Beim Wohnort von Giuseppe Verdi liess sie sich anspornen und sang kurzerhand eine Arie aus dem Gefangenenchor.
Sie trägt ein schönes Buch mit, welches wir am 2. Juli Papst Franziskus überreichen wollen. Darin sammelt sie die Namen, beziehungsweise die Unterschriften aller, die am 2. Mai in St.Gallen oder seither unterwegs dem Projekt begegnet sind.
Zum vierten Mal stehen sie morgens zur Zeit unseres Abmarsches vor unseren Unterkünften. Einmal am 2. Mai in St.Gallen, dann in Thusis, in Pianazzo und jetzt in Assisi. Ich spreche von der Filmcrew, die das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» mit ihren Kameras und Mikrophonen begleitet: Silvan M. Hohl, Nino Burkart, Ahron Merz.
Die Idee für den Dokumentarfilm stammt von Silvan Hohl. Der ausgebildete Fotograf studiert jetzt Filmregie. Nachdem seine Mutter im Zürcher Forum gelesen hatte, dass eine Gruppe von Frauen und Männern nach Rom pilgern will und ein grosses Anliegen mit sich trägt, übertrug sich ihre Begeisterung über diese Idee auf den Sohn. Dieser war auf der Suche nach einem guten Thema oder Projekt für die Abschlussarbeit. Er meldete sich beim Kernteam und unterbreitete ein sehr sympathisches Konzept. Unsere erste Frage betraf die Finanzierung. Aber diesbezüglich wurden wir schnell mit der Auskunft beruhigt, dass die jungen Leute das Vorhaben mit Crowdfunding berappen würden. Sie schrieben alle Kirchgemeinden an und baten um 10 CHF. Wie wir vernahmen, ist ihr Projekt längst auch finanziell aufgegleist.
Die RompilgerInnen und die jeweiligen Gruppen oder Tagespilger sind jedes Mal von Neuem beeindruckt von den drei jungen Männern, die an den jeweiligen Pilgertagen ein unglaubliches Pensum bewältigen. Sie rennen voraus, bleiben an filmisch interessanten Orten stehen, sind bald weit hinter uns und überholen uns doch immer wieder. Es gibt keine gestellten Szenen, keine Interviews unterwegs, sondern nur beobachtende Kamera. Im August haben wir einen gemeinsamen Termin, an welchem den PilgerInnen das geschnittene Filmmaterial gezeigt wird und wir aus dem Rückblick Kommentare machen können.
Begeistert sind wir vom Titel des Films «Habemus feminas»! Wir hoffen, dass wir im Frühjahr 2017 einen Termin finden, wo zu einer Filmvernissage eingeladen werden kann.
(P.S. unter der Mailadresse kann man die eigene Mailadresse deponieren, wenn man an weiteren Anlässen des Projektes «Für eine Kirche mit* den Frauen» interessiert ist.)
Mit einem sonderbaren Gefühl und erhobenen Armen lasse ich auf dem Weg zur Unterkirche der Basilica San Francesco die Sicherheitskontrolle über mich ergehen. Ausgestattet mit Kopfhörern und einem Empfangsgerät auf der Brust folgen wir P. Thomas, einem deutschsprachigen Minoriten, der in der 60-köpfigen internationalen Gemeinschaft hier lebt und Führungen anbietet.
Eine kleine Auswahl seines reichhaltigen kunsthistorischen, theologischen und seelsorgerlichen Wissens über diesen einzigartigen Ort, der Grablege des hl. Franziskus, will er uns in der folgenden Stunde weitergeben. Die prächtig ausgemalte Unterkirche wurde nach dem Armutsideal des Franziskus gestaltet: Die Kindheitsgeschichte Jesu in einem Flügel des Querschiffes und die Passion und Auferstehung auf der gegenüberliegenden Seite illustrieren die Erniedrigung des Gottessohnes, ein Gedanke, der Franziskus in seiner Spiritualität bestimmt hat: Gott macht sich klein im Kind, Gott macht sich schwach auf dem Weg zu Kreuz und Tod. In der Vierung steht der Altar über dem Sarkophag mit dem Leichnam des hl. Franziskus: Gott, der sich in dieser einfachen Gestalt des Brotes der Eucharistie allen reicht und schenkt. Auf diesem Weg der unerwarteten Erniedrigung begegnet Franziskus Gott.
Seine Berufung könnte besonders illustriert sein im Fresko der sogenannten Vogelpredigt in der Unterkirche: Franziskus läuft da, hält das Evangelienbuch im Arm und redet zur Schöpfung, zu Bäumen, Pflanzen und Vögeln: «Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!» (Mk 16,15)
Ähnlich ist dies im Fresko der Oberkirche wiedergegeben, wo Franziskus in der Ruine der Kirche von San Damiano kniet und der Gekreuzigte mit ihm spricht: In dieser Baustelle von Kirche erfährt er die Lebendigkeit Gottes. Es ist die Sehnsucht nach Freiheit und Leben, die er nicht erstickt, sondern die Franziskus aufbrechen lässt, die ihn in Bewegung bringt.
In diese Bewegung und in diese Baustelle reiht sich unser Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» ein. Wir machen Schritt für Schritt und lassen uns jeden Tag vom Evangelium ansprechen, um es der ganzen Schöpfung weiterzusagen und Gott staunend zu preisen.
«Diese Kette aus gebrannter, afrikanischer Erde lege ich dir gerne bei. Ihr geht über so viel Erde und auf unterschiedlichen Wegen nach Rom. Bitte nehmt die Frauen Afrikas mit. Sie haben es nötig». Diese Worte standen in einem Brief, den ich von Leila, einer Kollegin von uns, die zurzeit in einem Einsatz in Tansania lebt, bekam. Weiter schrieb sie, dass sie uns im Gebet und in Gedanken begleiten werde.
Wir sind froh um solche Zusagen: Vom-mit-uns-unterwegs-sein. Ordensgemeinschaften und Einzelpersonen, Bekannte und Unbekannte, Freundinnen und Frauengemeinschaften, Kirchenverwaltungen und Bistumsleitungen, Frauen und Männer aus der Schweiz und dem Ausland beten seit Beginn für uns und das Anliegen – für eine Kirche mit* den Frauen. Wir spüren diese Verbundenheit. Es ist als ob wir auf einem Teppich aus guten Gedanken, geflochten aus Gebet und Kraft, eingewobener Freude und Bitte, Hoffnung und Sehnsucht mit hinein geknüpft, nach Rom pilgern – ja fast auf einem Fliegenden dahingleiten. Für all das sind wir von Herzen dankbar. Wir sind berührt von der grossen Sympathie und dem Mitgefühl auf dem Blog, im Facebook, via Internet und per SMS. Danke euch allen.
So gehen wir gemeinsam für eine geschwisterliche Kirche.
Wenn Silvia jetzt, nach sechs Wochen pilgern, nach «ihrem Wort» gefragt wird, sagt sie verschmitzt lachend: Gelassenheit. Die unterdessen allein lebende Mutter von fünf Kindern und neun Enkelkindern hat nicht nur einen grossen äusseren, sondern einen genauso grossen inneren Weg gemacht. Das Unterwegssein in einer Gruppe, das ständige Sich-anpassen-müssen, nicht individuell entscheiden können oder auch gewöhnungsbedüftige Unterkünfte, die Nächte mit andern Schnarchenden rechts und links machten ihr wirklich zu schaffen. Hinzu kam ein von Tag zu Tag grösser werdender Schmerz am rechten Bein. Auf die Zähne beissen, half bald nicht mehr. Silvia musste zu Schmerzmitteln greifen und schliesslich schweren Herzens einen Arzt aufsuchen. Das bedeutete für sie ein Unterbruch mit Ruhetag und das Aufgeben der Vorstellung, jeden Kilometer des Weges gegangen zu sein. Die Ungewissheit darüber, wie sich die Situation mit den Schmerzen entwickeln würde, liess sie ernsthaft darüber nachdenken, ob sie die Gruppe verlassen, eine längere Pause einsetzen und ab Siena auf einem direkteren Weg alleine nach Rom laufen müsse. Vor allem Silvia, aber genauso wir alle sind sehr glücklich darüber, dass sich die Schmerzen nach dem Arztbesuch und entsprechenden Hilfsmitteln zurückgezogen haben und sie darüber hinaus mit einer wunderschönen Gelassenheit beschenkt worden ist.
Dieses neue «Gut» hat grandiose Auswirkungen. In einer Austauschrunde darüber, was wir unterwegs alles verloren haben, zählt Silvia gravierende Verluste auf: die Regenhose, die Isomatte und die Sonnenbrille. Dazu kommt ein Bügel der Lesebrille. Silvia betont, dass sie diese Dinge nicht verloren, sondern liegen gelassen hat. Mühe bereiten ihr diese Verluste nicht, obwohl wir dauernd mit Regenwetter zu rechnen haben und einige Nächte auf der Matte bevorstehen. Die Brille hängt schief im Gesicht. Aber eben so what…!?!
Wir freuen uns an vielem, was Silvia in unsere Gruppe einbringt. Sie ist bibeltheologisch und kirchengeschichtlich versiert. Sie findet ganz leicht mit immer neuen Menschen in gute Gespräche. Sie kann sich wehren, gut über sich lachen und lustige Geschichten aus ihrem grossen Familiennetz erzählen. Eine Anekdote von zwei Jungs einer Freundin, der eine drei- der andere fünfjährig, muss hier erwähnt werden. Die beiden unterhalten sich über Oldtimer. Was ist das ein Oldtimer, fragt der eine? Olzheimer – sagt der andere – sind Autos, mit denen alte Leute transportiert werden, die nicht mehr selber fahren können.
Die neue Gruppe, die in Perugia zu uns stiess und in zwei Tagesetappen bis Assisi mitpilgerte, hat in Kürze echte Pilgererfahrungen gemacht.
Der Empfang der neu Angereisten war durch heftigste Gewitter begleitet. Mindestens dreimal entluden sich die Wasserfluten über uns. Was für ein Glück, dass wir an diesem Tag nicht laufen mussten. Am Tag darauf sahen wir entlang von überschwemmten Weizenfeldern oder zerzausten Reben, welche Wucht das Unwetter hatte. Als wir abends in unserer Unterkunft, einem ehemaligen Castello in San Gregorio ankamen, war schnell klar, dass für den Moment weder Wasser noch Strom zur Verfügung standen. Auch das Folgen des Unwetters. Die einen wuschen sich behelfsmässig mit einem Rest Wasser aus den Trinkflaschen. Andere zückten eine Packung Feuchttücher. Wieder andere machten gar nichts, aber löschten den Durst mit einer vorsorglich eingekauften Flasche Bier.
Der zweite Pilgertag mit Ziel Assisi führte über herrlichste Wege. Jetzt werden wir von Patrick und Beatrice Hächler (beauftragt durch das Tauteam) begleitet. Sie haben die Route bis Greccio sehr sorgfältig rekognosziert. Nach einem stetigen Hügelauf und Hügelab gelangten wir schliesslich an ein grosses Zwischenziel: Assisi – der Ort des Heiligen Franziskus und der Heiligen Clara, wo wir jetzt drei Tage verweilen dürfen. Wir traten still und sehr bewegt durch die Pforte in der Mauer bei San Francesco ein und begrüssten einander mit «pace e bene». Grosse Momente! Viele Emotionen!
Schwester Imeldas Morgenimpuls machte uns mit dem seligen Bruder Johannes von Pian del Carpine vertraut. Er war ein Mitbruder von Franziskus. Ein Bruder der ersten Zeit mit vielen Begabungen und einer grossen Schaffenskraft. Über ihn wurde geschrieben: Er war für die Seinen, wie eine Henne, die sich um ihre Kücken kümmert, wie eine Glucke, unter deren Flügel die Kleinen geborgen sind. Dieses biblische Gottesbild ermunterte uns, in der Stunde des Schweigens darüber nachzudenken, wie Gott denn für uns ist. Wir nahmen uns Zeit ein eigenes Bild in uns hochsteigen zu lassen. Viel Schönes teilten wir einander mit:
Für mich ist Gott wie ein Baum mit starken Wurzeln. Er wächst dem Leben entgegen und seine Äste reichen bis in den Himmel, sind dem Himmel nah. Nichts bringt ihn so leicht ins Wanken.
Gott stelle ich mir wie Schallwellen, Radiowellen oder Mikrowellen vor. Wir sehen diese Wellen nicht, aber die Wellen bewirken etwas. Sie lassen Töne erklingen, wir können Radio damit hören oder etwas erwärmen. Gott ist aber mehr als das, er ist wie Nanowellen, die Mehr als das ist, was wir bis jetzt kennen, die beleben und erwärmen und Neues in den Menschen bewirken. Wohl eher ein technisches Bild, ein Bild für Männer.
Gott ist Liebe, weit wie das Meer, wie im bekannten Lied.
Gott ist für mich eine Pilgergruppe, die auf ein Ziel hingeht, weiter immer weiter, vertrauend, dass es immer eine Lösung gibt, Schritt für Schritt.
Gott ist wie eine Freundin, die mit mir schweigen kann.
Gott ist wie der Wind. Manchmal eine leichte Brise, die mich zart streichelt, dann starker Sturm, der bewegt und vorwärtstreibt. Ich darf/muss meine Segel nur in diesen Wind stellen.
Er ist Freund, Kumpel und Liebe.
Ich stelle mir Gott als Radarwellen vor, die auch in den Untiefen des Wassers alles sehen. Nichts ist ihm verborgen.
Gott ist mehr als alles, mehr als die Summe von allem.
Gott spüre ich als Kraft in meinem Rücken. Vielleicht weil ich weniger Rückenweh habe während des Pilgerns. Und vielleicht, weil ich ihm mehr Aufmerksamkeit schenken muss.
Gott ist ein warmes weiches Bett. Dieses Bild hat mir ein Schüler einst gegeben und es ist mehr als passend für das Unterwegssein und weil wir immer wieder in einem neuen Bett schlafen.
Gott ist in dir und mir.
Diese Vielfallt ist in unserer Pilgergruppe entstanden. Und was ist dein/euer Bild?
Le 2 mai, lors de la célébration d’envoi dans la cathédrale de St-Gall, nous disions : nous allons à Rome. Et durant 6 semaines, nous avons marché avec cette idée. Depuis Perugia, j’ai l’impression que notre notion du temps a changé. L’aller s’est transformé en « arriver » ! dans deux semaines, nous atteindrons Rome, si tout va bien ! mais comment en douter puisque jusqu’à maintenant tout s’est merveilleusement passé ! Les problèmes ont été résolus, l’un après l’autre avec bienveillance et intelligence !
Nous avons eu la merveilleuse chance hier d’avoir un jour de congé ! arrivés le soir d’avant, nous nous sommes réjouis de cette journée de détente et de tourisme à Perugia. Tourisme d’autant plus que Perugia pour fêter le passage de l’époque médievale à la Renaissance (an 1416) avait organisé une grande fête médiévale avec différents jeux, tournois et surtout un Corso historique ! Si le matin nous a permis de nous rendre à l’Oratorio San Bernardino pour la messe sous le soleil, l’après-midi, ce fut le déchaînement des éléments. Un orage d’une violence s’est abattu sur Perugia et ses environs. Je pourrais dire « plusieurs orages plus violents l’un que l’autre » nous ont obligés de nous abriter partout, sous les arcs, dans l’entrée des magasins ou restaurants !
Et ce matin, premier réflexe : un regard vers l’extérieur pour découvrir au-delà du brouillard quelques rayons du soleil ! Ouf, nous étions du bon côté ! Hier, nous avions pris congé de 9 personnes qui nous ont accompagnés depuis Sienne et ce matin, nous avons pu accueillir 8 nouvelles personnes dont notre nouveau guide Patrick. Ce dernier, se basant sur sa carte et sa mémoire nous a mené à bon port. Mais nous avons été horrifiés des dégâts causés par les orages de hier. Routes coupées, champs dévastés, inondés, éboulements et surtout des céréales complètement à plat et champs détruits ! Une vraie désolation. Même que nous avons dû composer avec et modifier parfois notre trajectoire en moins mal : chemins complètement inondés que nous avons dû suivre pour les plus solides avec leurs gros souliers ou à pieds nus !
Le chemin nous a conduit à l’oasi S.Gregorio en traversant le Tibre, chemin forestier ou asphalté avec toujours un regard sur le paysage où au loin apparaissait Assise ! quelle merveilleuse perspective !
„Eine tolle Idee“, finden viele Menschen. Darunter sind nicht wenige, die für sich jedoch keine Möglichkeit sehen, die Pilgergruppe nach Rom zu begleiten oder selbst nach Rom zu kommen. Sie begleiten - davon sprechen viele Mails - die Rompilger gedanklich und im Gebet.
Verschiedene Gruppierungen haben darüber hinaus kurz entschlossen vor Ort einen Anlass gestaltet.
So riefen auch die Referate Frauenseelsorge und Männerseelsorge sowie die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands kfd des Bistums Fulda für den 11. Juni zu einem Pilgertag auf. Der Flyer schilderte die Anliegen des Projektes „Für eine Kirche mit* den Frauen“ und kündigte an: „Wir schliessen uns ihrem Anliegen an und gehen einen Tag mit. Wie sie sind wir der Überzeugung, dass jede Veränderung mit dem ersten Schritt beginnt. Wir teilen im Gespräch, durch Impulse und im Gebet, wie aktuell, ermutigend und kraftvoll die Botschaft Jesu Christi ist“.
Die Einladung lautete: „Frauen und Männer unterwegs – für eine Kirche mit den Frauen. Kommt mit auf den Weg! Folgt unserem Papst Franziskus, der aufruft zu einer Kirche, die auf dem Weg ist und aus sich selbst herausgeht“.
Und so war es dann auch! 27 Frauen und Männer folgten der Einladung!
Die kfd-Vorsitzende im Bistum Fulda Bettina Faber-Ruffing schrieb der Pilgergruppe per Mail: „Heute sind wir auf dem ökumenischen Jakobsweg von Schlüchtern nach Bad Soden-Salmünster solidarisch mit euch unterwegs gewesen“.
Danke für diese Initiative - und wir tragen auch in Eurem Namen die gemeinsamen Anliegen weiter bis nach Rom!
In unserer Austauschrunde mit der Gruppe «Siena – Perugia» äussern wir uns zu den Fragen: Was habe ich während des Pilgerns verloren (auch im übertragenen Sinn)? Was habe ich gewonnen?
F: ich habe meine Dickhäutigkeit verloren. Ich bin dünnhäutig geworden.
E: ich habe einen Zahn verloren. Gewonnen habe ich die Übung in Gelassenheit, dass ich mir deshalb nicht viele Sorgen mache.
H: ich habe die Angst verloren, eines Tages in einem Altersheim leben zu müssen, wegen der Erfahrung beim Pilgern, dass ich ganz gut leben kann, auch wenn alles anders ist, als ich es alleine tun würde.
C: ich habe die Angst vor den Sorgen verloren, weil alles immer aufgeht.
M: ich habe den guten Schlaf verloren. Gewonnen habe ich Gemeinschaft unter Gleichgesinnten. Wir sind uns nicht fremd, obwohl wir uns vor ein paar Tagen noch nicht kannten.
S: ich habe die Isomatte und die Regenhose und das Waschmittel liegen gelassen. Gewonnen habe ich Gelassenheit.
Y: ich habe meine Orientierungslosigkeit verloren, weil ich jetzt sorglos hinter Franz herlaufen kann.
E: ich habe die Angst vor dem Pilgern verloren, weil ich mich fragte, ob ich es schaffe. Gewonnen habe ich Freude.
R: ich habe die Verantwortung für alles zuhause abgeben können. Gewonnen habe ich Vertrauen, dass das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» gut kommt.
S: ich habe die Geschäftigkeit verloren. Ich geniesse das Dasein, das Wandern. Nichts anderes.
C: ich habe die Wäscheleine verloren und damit die Vorstellung, alles alleine managen zu müssen.
R: ich habe den Respekt vor den vielen Kilometern verloren.
T: ich habe die Idee, dass man mit 70 zu alt sei zum Pilgern verloren.
H: ich habe die Zuversicht gewonnen, dass es beim Pilgern gut herauskommt, gewonnen.
U: ich habe mit meinem Körper eine Grenzerfahrung gemacht. Und – ich kann nicht fotografieren, weil meine beiden Handys nicht funktionieren.
M: ich habe die Angst vor der Gruppe verloren.
P: ich habe Sympathie gewonnen, Menschen kennen gelernt und ihnen meine Geschichte anvertraut.
U: ich habe meine Sandalen, 2 Zehennägel und die Stöcke verloren. Die Last, die ich trage, ist weniger schwer. Ich habe Gemeinschaft gefunden, fühle mich geborgen, darf mich fallen lassen.
I: ich bin froh, dass es Menschen gibt, die offen sind für spirituelle Impulse und auch Interesse an geschichtlichen Entwicklungen haben.
M: ich darf bis Rom mitpilgern!! Ich darf Teil von diesem Projekt sein. Das passt. Das isch uuhuäräguet.
P: Ich habe mich geoutet und ich habe Freunde gewonnen.
S: ich habe die Rückenschmerzen verloren und das Zeitgefühl. Gefunden habe ich die Erkenntnis, was wirklich wesentlich ist in meinem Leben.
K: ich habe Menschen kennen gelernt.
H: Seit ich zwei Taschenlampen und zwei Sonnenhüte mitnehme, verliere ich nichts mehr.
A: ich habe Glück im Herzen gewonnen und zwar am Morgen, am Abend und in der Nacht.
In den letzten Wochen haben uns Pilgernde immer wieder Journalistinnen begleitet. Einige wanderten mit, andere suchten Kontakt per Telefon.
Von Fidenza nach Avenza begleiteten uns Pia Stadler und Nadja Hoffmann vom Zürcher Forum. Sie machten die Etappe über den Apennin mit und erlebten mit uns alle Wetter und genauso viel Pilgerglück. Wir freuen uns auf ihren Beitrag, der kommende Woche am Donnerstag bei den LeserInnen eintreffen wird. Der Artikel ist gross aufgezogen: 3-seitige Hauptgeschichte plus Titelblatt. (https://forum-pfarrblatt.ch/).
Mit der frei schaffenden Journalistin Anna Miller fand ein längeres Telefongespräch statt. Die Verbindung von der Schweiz nach Siena zum Kloster Abbazia dell’ Osservanza war nicht optimal, aber doch möglich. Frau Miller ist noch auf der Suche, wo sie das Interview platzieren kann.
Immer wieder ruft Laura Jacober von Radio Maria an. Sie hat schon ein paarmal kurz Meldungen von unserem jeweiligen Ort des Unterwegsseins aufgeschaltet. Von den HörerInnen von Radio Maria bekommen wir auch per Mail hie und da eine Rückmeldung. Einmal wurden wir ausdrücklich gebeten, bei Radio Maria vorzusprechen und zu bitten, häufiger über das Projekt zu berichten.
Mitten in wunderschönster Landschaft der Toskana besuchte uns Kathrin Ueltschi von SRF Kultur. Sie wanderte einen Tag mit dem Mikrofon in der Hand mit und erlebte uns auch an zwei Übernachtungsorten. Sie wird am 3. Juli auf SRF 2 in der Sendung Perspektiven um 8.30 Uhr einen Beitrag über das Projekt aufschalten. Wir sind jetzt schon gespannt auf dieses Hörereignis! Der Beitrag kann auch im Nachhinein online gehört werden.
Von Siena bis Perugia wandert Sylvia Stam mit. Wir wissen, dass sie nicht hier ist, um zu recherchieren, sondern dass sie während einer Woche ihrer Ferien mitpilgert. Sie hat aber durchblicken lassen, dass sie zuhause für kath.ch einen Bericht schreiben wird. Dieser wird gegen Ende der kommenden Woche über www.kath.ch zu lesen sein. Sylvia hat mehrfach über das Projekt berichtet. Sie sagt, dass die Beiträge auf grossen Anklang gestossen seien. Diese können über die Homepage von kath.ch unter den Stichworten «Stam und Aepli» abgerufen werden.
Wenn ich hinter Theri herlaufe und ihre Laufart auf mich wirken lasse, kommt mir eine Massaifrau in den Sinn. Von ihr geht eine Ruhe aus. Eine Gelassenheit, ein ruhiges Dranbleiben. Das hat bestimmt auch damit zu tun, dass sie uns erzählt hatte, einige Zeit ihres Lebens in Afrika gelebt zu haben. Theri fällt in der Gruppe nicht auf. Sie ist aber stets präsent und konzentriert. Sie gehört zum Typus der stillen Menschen, die tief gründen.
Theri haben wir einmal verloren. Bei einer Pause tauchte sie einfach nicht mehr auf und niemand wusste genau, wann sie zuletzt gesehen worden war. Als wir Telefonkontakt herstellen konnten, blieb sie ganz ruhig und liess sich sagen, dass sie uns über den anders eingeschlagenen Weg auch wieder könne.
Theri hat aber auch Humor. Ein kleines Beispiel: An einem unserer Schlammtage rutschte sie aus und hatte danach auch schmutzige Hände. Sie wusch sie aber ungeniert in der nächsten Pfütze. Als eine Tagespilgerin das sah, zog diese aus ihrem Gepäck eine Flasche mit Desinfektionsmittel hervor und fragte Theri, ob sie davon nehmen wolle. Ist das ein Witz? fragte sie ganz erstaunt zurück.
Theri ist äusserst praktisch veranlagt. In ihrem Gepäck finden sich Sicherheitsnadeln, Gummiringe, ein Holzbrettli und ein scharfes Küchenmesser geschützt von einem halben Korken. Des Weiteren gibt es da eine lange Schnur für die Wäsche zu finden und ein paar Wäscheklammern. Den «Jute statt Plastiksack» ersetzte sie durch einen Tagesrucksack, weil wir anderen immer wieder fragten, ob das nicht unpraktisch sei, mit einer Stofftasche zu wandern. Auf einen wärmeren Schlafsack hat sie verzichtet, dafür trägt sie zwei Tücher mit afrikanischen Mustern mit, die vielfältig eingesetzt werden können: als Morgenmantel, als Vorhang im Kajütenbett, gegen Sonnenbrand über die Schultern gelegt, als Sommerrock, für den Mittagsschlaf zum Draufliegen und als leichte Decke natürlich auch.
Die aussergewöhnliche Feier des Fronleichnamsfestes in Camaiore bleibt auch unterwegs in meinen Gedanken und in meinem Herzen. Ich erinnere mich an die Fronleichnamsprozessionen aus meiner Kindheit. Im ganzen Dorf wurden Altäre errichtet und die Strassen und Plätze mit Blumen geschmückt. Liebevoll wurde alles arrangiert, damit die Prozession feierlich und würdevoll stattfinden konnte.
Prozession hat etwas zu tun mit vorangehen. Dann sind auch wir Pilger in einer Art Prozession. Wir schreiten voran, Schritt für Schritt – wie es in einem unserer Lieder heisst – unserem Ziel entgegen.
Aber eigentlich ist ja das ganze Leben ein Voranschreiten, eine Prozession. Nur wer bereit ist, sich zu bewegen, sich durch das Leben verändern zu lassen, sich von festgefahrenen Vorstellungen zu verabschieden und dazu zu lernen, kann auf die Dauer bestehen.
So gesehen dürfen wir alle darauf gespannt sein, wie unser Weg als Prozess, oder als Prozession unser Leben verändern wird, vorausgesetzt wir sind auch bereit.
Uns RompilgerInnen ist aufgefallen, dass viele von denen, die uns einen oder mehrere Tage auf unserem Weg begleiten, beim Abschied Tränen in den Augen haben. Einmal stellten wir uns in der Gruppe die Frage, warum das wohl so sei. Es kamen verschiedene Antwortmöglichkeiten zusammen:
Pilgern ist etwas ganz Einfaches. Wir treten heraus aus der Komplexität unseres Alltags, aus dem Stress des Berufslebens. Die Einfachheit tut gut. Sie befreit.
Der klare Tagesrhythmus eines Pilgertages spricht an, ordnet, nimmt mit.
Pilgern ist auch sehr herausfordernd und anstrengend. Die gemeinsam bestandenen Strapazen verbinden.
Neue Mitpilgernde gehören selbstverständlich zur bestehenden Gruppe. Wir sind jeden Tag bereit, neue Pilgernde willkommen zu heissen und andere wieder zu verabschieden.
In der Pilgergruppe erleben wir und die Gäste, die dazu stossen Gemeinschaft, ein Stück Himmel auf Erden. Beim Abschied entsteht die Frage in den Köpfen: Sehen wir uns wieder? Hoffentlich!
Wir kommen uns nah. Lustige, leichte, aber auch ernsthafte Gespräche wechseln sich laufend ab.
Wir sind gemeinsam Gefahren ausgesetzt.
Wir können einander nichts vormachen. Wir erleben uns mit unseren Stärken und Schwächen. So sind wir glaubwürdige Kirche unterwegs.
Die gleiche Gesinnung verbindet. So konzentriert erlebt man das im Alltag kaum.
Losgelöst von zuhause, draussen in der Natur unterwegs, fühlt man sich dem Himmel näher.
Das Projekt rührt an die Sehnsucht vieler, miteinander Kirche sein zu können: unkompliziert und selbstverständlich zum Glauben stehen zu können, erleben heute viele nicht mehr.
Der Schmerz von vielen, die in der Kirche arbeiten und an der Kirche leiden, bekommt Platz.
Wir wagen es, einer Vision zu trauen und uns für sie zu investieren.
Das Projekt bewegt schon jetzt etwas.
Ich komme mir vor wie eine Schnecke, die ihr Haus mit sich trägt, in dem alles drin ist.
Laufen macht müde. Wenn man müde ist, kann man oft nur noch lachen oder weinen.
Pilger setzen sich dem Weg, dem Wetter, sich selber und der Gruppe aus. Pilgern macht dünnhäutig und demütig. Das verbindet uns, das macht das Abschiednehmen schwerer.
Diese Aufzählung ist ein Brainstorming von uns, die nicht Abschied nehmen mussten. Spannend wäre für uns zu hören, wie jene ihre Tränen beschreiben würden, die sie beim Heimgehen erlebten.
Seit wir ab Siena mit der vom Tauteam organisierten Tour und Gruppe unterwegs sind, kommen sich die RompilgerInnen vor wie in den Ferien. Ab und zu fällt der Ausdruck: das ist für uns jetzt Luxuspilgern. Denn:
Die Etappen sind in den ersten drei Tagen wesentlich kürzer gewesen, sodass wir auch früher am Tagesziel eingetroffen sind und mehr Zeit für die Erholung bleibt.
Wir haben ein Begleitfahrzeug, welches Kari Gisler aus Bürglen gekonnt durch die Landschaft fährt. Jeden Mittag sucht das Team mit ihm - Sr. Imelda und Claire gehören dazu - einen Platz aus, der auf unserer Route liegt, wo wir im Schatten picknicken können. Sie bereiten auf Tischen oder Parkbänken Gemüse, Früchte, Brot, Käse und Aufschnitt vor. Einmal war das ein ruhiger Platz vor einer sehr alten Kirche. Nach dem Mittagessen besichtigten einige den Kirchenraum und begannen spontan zu singen. Die herrliche Akustik lockte fast alle Mitpilger in die Kirche. Wir sangen ein Taizélied nach dem andern. Mehrstimmig. Das gemeinsame Singen wirkte so erfrischend wie ein Mittagsschlaf.
Die Wege, die wir jetzt begehen, hat Br. Niklaus Kuster nicht nur auf der Karte, sondern bereits mit den Füssen erkundet. Es sind unglaublich tolle Strecken. Wir müssen nur mehr kurze Abschnitte auf befahrenen Strassen laufen. Wir können uns kaum sattsehen an der phantastischen Landschaft und entdecken dauernd Postkartensujets.
Wenn wir am Ziel eines Tages ankommen, ist das Begleitteam bereits da und weiss Bescheid über die wichtigsten Fragen: wie sieht die Zimmereinteilung aus, gibt es WIFI, wann ist das Abendessen, wann Frühstück, gibt es einen Laden, wo kann ein Bier oder ein Glas Wein getrunken werden etc.
Nur heute war alles ein wenig anders: Wir sind in Montepulciano bei den Dominikanern einquartiert. Sie stellen uns den Trakt, der den Scouts gehört, zur Verfügung. Es dauerte, bis überhaupt jemand die Tür öffnete und bis wir schliesslich eintreten durften. In den grossen Zimmern mit Stockbetten ist es nicht sonderlich sauber. Bei den Duschen und den Toiletten sah es so aus, dass es nahelag, ein wenig zu putzen. Die zwei Duschen, die zur Verfügung stehen, verleiten einige zur Katzenwäsche.
So leben Pilger: wenn Luxus, dann Luxus. Wenn Zumutung, dann Zumutung.
Seit Siena können wir die wunderbare Landschaft der Toskana geniessen. Meist führt uns die Route auf Hügel und Kreten mit herrlichen Aus- und Rundblicken: Von Siena nach Cuna konnten wir beinahe den ganzen Tag lang die Silhouette der Stadt Siena mit der eindrücklichen Kuppel des Duomo und dessen gestreiftem Turm am Horizont sehen; abgesetzt davon den überdimensional schlanken Stadtturm, dessen herausragende Höhe man erst aus der Ferne richtig einschätzen kann.
Gestern und heute waren wir grossteils wieder auf Hügeln unterwegs, unterbrochen von Abstiegen in sanfte Täler, wo uns brückenlose Pfade durch Bäche überraschten: Da hiess es Schuhe ausziehen und federnden Schrittes durch das Wasser laufen. An anderer Stelle waren die Feldwege beinahe zugewachsen, sodass es zunächst galt, einen Schleichweg durch das hohe Gras auszutreten. Oft begleitet uns meterhoher Ginster, der herrlich gelb blüht und intensiv duftet.
Das Tauteam mit Nadia Rudolf von Rohr, Sr. Imelda Steinegger und Br. Niklaus Kuster OFMCap (vgl. http://www.tauteam.ch) hat für uns diese wunderbaren Wege und die Unterkünfte (zusammen mit Brigitte Minder) organisiert. Sie kennen diese Wege aus eigener Erfahrung und wir können davon profitieren. Sr. Imelda gibt uns Schätze aus ihrer franziskanischen Spiritualität weiter, von denen wir in unserer täglichen Schweigestunde verkosten können. Ganz aufrichtigen Dank euch allen!
Das Pilgern für eine Kirche mit* den Frauen hat uns zusammengebracht. Wir teilen zurzeit alles, Freud und Leid. Wir sind aufeinander hin unterwegs, sind voneinander abhängig und lernen uns immer besser kennen. Wir sind zu einer Gemeinschaft gewachsen und wir brauchen einander.
Alle leben wir sonst mehr oder weniger alleine mit mehr oder weniger ausgeprägten Eigenheiten. Das bringt auch Schwierigkeiten mit sich, wie man sich vorstellen kann.
Heute aber will ich von den Liebesdiensten erzählen, die täglich geschenkt werden.
- jeder und jede bietet Hand an beim Überqueren eines Bächleins, beim Rucksack packen, beim Balanceakt über die Steine und beim Richten des Mittagessens
- eine initiiert das gemeinsamen Kochen und den nötigen Einkauf dazu
- jemand übernimmt den Rotwein beim Essen oder richtet den Apéro her
- alle lernen von denen, die mehr wissen über Pflanzen, Geschichte und Theologie
- eine wäscht dem anderen das verschwitze Hemd und die andere hängt die Wäscheleine auf
- jeden Tag trägt jemand den Sack mit den Anliegen, die am 2. Mai im Gottesdienst gesammelt wurden und immer wieder ergänzt werden
- jedes aufmunternde Wort, das ehrliche Nachfragen und Weitergebenen von Tips, Salben und Pflästeri ist Gold wert
- wir singen und beten für- und miteinander
- einer trägt der anderen das Wasser und teilt mit ihr
- es ist eine Wohltat, wenn einem jemand am Abend die müden Füsse massiert und ein ganz besonderer Moment war das Füsse waschen und salben bei den Rompilgerinnen in der Küche der Pilgerherberge in Monteriggioni
- und vieles mehr...
Wir helfen einander, sind für einander da, nehmen die Zuneigung an und geniessen die Zuwendungen.
Aujourd’hui, un nouveau groupe nous a rejoint et nous a fait le plaisir de marcher avec nous.
Aujourd’hui aussi, c’est le moment d’adresser un grand merci au Kerngruppe Hildegard, Esther et Franz pour leur amitié durant ces 5 semaines, de St-Gall à Sienne. Avec eux, nous avons traversé les Alpes, la plaine du Pô, les Apennins et la Toscane. Toujours, ils ont su par leur enthousiasme, leur humour nous motiver et nous conduire sur le chemin d’une Eglise avec les femmes. Leur spiritualité, leur profondeur et leur ouverture nous ont permis de grandir dans notre foi. Leurs compétences d’animation, d’utiliser le GPS pour choisir le bon chemin, leur sensibilité ont conduit notre groupe à respecter les particularités de chacun et à se sentir à l’aise…au-delà des pieds endoloris.
Pour tous cela, nous vous sommes reconnaissants et nous vous assurons de notre amitié.
Im idyllisch gelegenen Bed & Breakfast «Il canto del Sole/Sonnengesang», und nachdem gestern die Gruppe vom Tauteam zu uns gestossen und heute mit Freude mitgewandert ist, möchten wir sechs Rompilgerinnen es nicht unterlassen, Hildegard, Esther und Franz vom Kernteam ein Kränzchen zu winden! Sie haben uns von St. Gallen bis Siena kompetent, humor- und liebevoll durch Sonnen- und Regentage, über Stock und Stein geführt, mit täglichen Impulsen und sonntäglichen Gottesdiensten unsere Seelen genährt, schwierige Situationen stets mit Humor aufgefangen und uns mit ihren reichen Pilgererfahrungen stets geholfen.
Nun nähern wir uns unserem Ziel: Rom! Wir freuen uns, dass wir dieses gemeinsam erreichen werden und danken dem Kernteam herzlich für all ihre Arbeit.
Claire, Mariette, Cäcilia, Theri, Ursula und Silvia
Elle parle schampar guet Thurgauer Dialekt, liebt es aber, wenn jemand von uns mit ihr Französisch spricht. Sie hat Ostschweizer und Walliser Wurzeln, aber einen Berner Namen und wohnt in La Chaux-de-Fonds.
Sie läuft wie ein Juraührchen in einem festen Rhythmus: linker Fuss und rechter Stockeinsatz, rechter Fuss und linker Stockeinsatz. Dabei ist der Kopf eher gegen abe gerichtet. Mir fällt da manchmal ein: Gring achä u secklä… Den lustigsten Sturz in Form eines violetten Purzelbaums sahen wir von ihr. Violett wegen ihres Ponchos.
Mariette hat Humor. Sie ist initiativ für unsere Gruppe und zuhause für die Grünen. Sie boykottiert Nestlé ausser beim Pilgern. Wenn wir in unseren Unterkünften ankommen, bezieht sie ihr Bett und verschwindet dann ungeduscht mit Claire. Ankommen heisst für sie, in aller Ruhe ein oder zwei Gläser Bier trinken. Wenn sie dann zurückkommt, gibt es auch kein Gschtürm mehr bei den Duschen.
Mariette geht auf die siebzig zu. Sie ist noch unglaublich zwäg. Wir staunen. Nur manchmal, wenn es aufwärtsgeht, sind wir ihr zu schnell. Oder wenn sie Entli, Schwänli und schöni Dörfli sieht, will sie fotografieren und nicht einfach weiter pilgern.
Am liebsten diskutiert sie mit uns über Kühe mit oder Kühe ohne Hörner. Wehe, wenn du anderer Meinung bist.
Der grosse Weg von St.Gallen bis Siena mit langen Etappen und wenig freien Tagen ist geschafft. Wir hatten zum Teil sehr strenge Abschnitte zu bewältigen. Aber wir sind weit gekommen. Wir sind bis Siena gelaufen! So sagen wir einander mit Freude, ja Ergriffenheit und so stossen wir am Abend mit einem Glas Wein an.
In Siena sind unterdessen auch die Mitpilgernden zu uns gestossen, die auf den nächsten Abschnitten eine, zwei oder gar drei Wochen mit uns unterwegs sein werden. Die einen laufen bis Perugia, andere bis Assisi und wieder andere bis Grecchio oder Rom mit. An diesen Orten stossen auch jeweils wieder neue Leute zu uns.
Das neue für die RompilgerInnen ist, dass sie sich unterdessen gut kennen gelernt und als Gruppe gefunden haben. Jetzt wird die feste Gruppe aufgebrochen. Wir spüren es bereits schon jetzt: Wir werden von den neu Angekommenen mitgetragen. Mit dieser neuen Kraft geht es morgen weiter in Begleitung von Sr. Imelda Steinegger. Sie vertritt in dieser Woche das Tauteam und ist für die Organisation des ganzen Pilgertrosses verantwortlich. Sie wird den Weg der «Kirche mit* den Frauen» mit franziskanischer Spiritualität nähren. Für diese Unterstützung sind wir von Herzen dankbar.
Wir haben uns im Agriturismo La Poggiarella nach einem feinen selbst gekochten Risottoessen darüber ausgetauscht, welche Pilgererfahrung bisher die wichtigste war.
Mariette: Als wir nach einem 30 km- Marsch eine Station nach Chiavenna nass, müde und frierend in einem Pfarrhaus ankamen, welches nicht geheizt und nicht besonders gemütlich war, staunte ich, dass sich niemand beschwerte. Später gingen wir zusammen essen und bestellten Pizzoccheri. Die schmeckten ausgezeichnet. Die Tischgemeinschaft, die sich an diesem Abend entwickelte, war wunderbar.
Claire: Es löst sich alles von selber. Man muss sich gar nicht so viele Sorgen machen. Es lohnt sich nicht, sich Sorgen zu machen.
Esther: Der Boden, auf dem wir täglich gehen, trägt. Das ist ein Bild für mich, ein Gleichnis. Ich brauche in meinem Alltag auch einen festen Grund. Das ist mein Glaube. Der trägt. Deshalb habe ich erdbraun als Farbe auch gerne.
Vreni: Es war eine spontane Entscheidung, von Lucca bis Siena mitzupilgern. Zunächst war es ein gutes Gefühl, danach tauchten Zweifel auf. Aber das Wissen, dass die Gruppe trägt, auch mich trägt, unterstützte mich. Dieses Projekt trägt nach Rom und danach auch weiter.
Theri: Mir ist aufgefallen, wie wenig ich brauche. Das Wenige, die Einfachheit gefällt mir. Die Last des Haben-müssens fällt ab. Von der Natur wird uns jeden Tag soviel geschenkt.
Franz: Das Dranbleiben am Ende eines Tages ist eine Herausforderung. Wenn man es sich aussuchen könnte, würde man einige Kilometer vor dem Ziel aufhören zu laufen. Übertragen auf das Leben: am Steinigen dranbleiben und bis ans Ziel gehen. Sich nicht vorher ins Gras setzen und das Ziel aus den Augen verlieren.
Cäcilia: Der Lebensweg hat viele Ähnlichkeiten mit dem Pilgerweg. Am Morgen ist das Gehen einfach und leicht wie in der Jugendzeit. Gegen Ende des Lebens werden wir Menschen versucht, den Weg abzukürzen. Es lohnt sich, dranzubleiben und durchzuhalten bis zum Schluss.
Silvia: Am Abend kann man kaum mehr laufen. Aber am Morgen des neuen Tages geht es wieder. Pilgern wie das Leben ist eine Gratwanderung. Bei schönem Wetter ist es einfach. Bei Nebel und Regen ist es schwierig.
Mariette: Manche Feldwege sind durch Bauabfälle verbessert worden. Es liegen von abgebrochenen Häusern Stücke von Plättli oder Ziegeln. Der Weg lebt auch von Dingen, die Menschen einst brauchten und die man neu verwendet (Recylcing), damit wir Pilger besser laufen können.
Ursula: für mich hat sich ein Netz aufgetan. Ich gehöre dazu. Die Liebe der Gruppe gibt mir Kraft, weiter zu gehen und bis zu Ende zu gehen. Die Gegenwart der Gruppe tut unendlich gut und erweitert meinen Horizont.
Hildegard: An vielen Abenden kommen wir zum Ortsschild, welches das Dorf oder die Stadt anzeigt, wo wir ausruhen und die Nacht verbringen werden. Oft ist es von diesem Schild bis zur Herberge nochmals ein weiter Weg. Das ist für mich ein Bild für die Beziehungen zu Menschen und zu Gott. Ich denke, dass ich einen Menschen kenne, dass ich schon bei ihm angekommen bis. Oder ich glaube, dass ich Gott erfasst habe. Bis ich aber wirklich da bin, wo es ein Bett, Brot, Wein und Tischgemeinschaft gibt, wo mein Herz brennt und mir die Augen aufgehen, ist es nochmals ein langer Weg und ein mühsames Stück Arbeit.
Wir wandern frühmorgens im stillen Städtchen San Gimignano los. Der 2. Juni ist in Italien ein Feiertag, Tag der Republik. Alle PilgerInnen sind froh, dass es nicht regnet. Wir sind auf Dauerregen eingestellt. Einheimische sprachen davon, dass das Wetter erst ab Freitag oder Samstag trockener wird. Auf den ersten Stücken laufen wir auf Asphalt und können immer wieder durch Olivenhaine hindurch auf die unvergleichliche Kulisse von San Gimignano zurückschauen, bis wir abzweigen und auf Feldwegen weiterziehen. Nach kurzer Zeit kommt uns ein Pilger entgegen. Es zeigt sich, dass es ein Franzose ist, der von Sizilien her durch ganz Italien läuft. Er macht uns darauf aufmerksam, dass wir als nächstes ein Stück schlickigen Lehmpfad vor uns hätten.
Nachdem wir die erste «Rutschbahn» bewältigt haben, putzen wir an Grasbüscheln etwas unsere Schuhe und denken, dass wir schon Schlimmeres erlebt haben. Noch kleben keine kilogrammschweren Klumpen an unseren Schuhen. Danach folgen immer wieder solche Abschnitte. Die Aufstiege brauchen viel Kraft und die Abstiege Geschicklichkeit. Die Wanderstöcke sind eine Hilfe. Wir kommen an diesem Tag schlecht voran, müssen immer wieder innehalten, von Grasbüschel zu Grasbüschel balancieren und die besten Stellen zum Weiterkommen suchen. Ein einziger Gedanke begleitet uns: Zum Glück regnet es nicht. Diese Strecke mit zusätzlichem Regen zu bewältigen, stellen wir uns noch viel schlimmer vor.
Bei einer Trinkpause merken wir, dass Theri nicht nachkommt. Auch das italienische Paar, das zu uns aufschliesst, sagt, dass sie hinter ihnen niemand mehr gesehen hätten. Was tun? Soll jemand zurückgehen? Nein. Es gab zwei Möglichkeiten, eine andere Route zu wählen. Nach einer Weile findet Esther einen Ort ohne Funkloch und die Telefonverbindung zu Theri kann hergestellt werden. Wir treffen sie eine Stunde später wieder. Und fast gleichzeitig mit ihr zusammen stösst Christina zu uns. Sie lebt seit 38 Jahren in der Nähe von Siena und hat durch eine Menzingerschwester erfahren, dass wir nach Rom pilgern. Sie belgeitet uns zwei Tage lang. Kaum ist unsere Gruppe beieinander, setzt der Regen ein. Zum Glück befinden wir uns auf einer Strasse. An einem Tag wie diesem, ist Laufen auf Asphalt eine richtige Erholung.
Um die Mittagszeit halten wir Ausschau nach einem Dach. Eine Frau, die gerade zum Fester herausschaut, sprechen wir an. Ja, natürlich dürfen wir in ihrem Gartenhaus picknicken. Sie räumt Flaschen und Kisten vom Tisch, ordnet die Stühle. Das schmutzige Tischtuch drehen wir um und schon können wir unser Picknick ausbreiten. Die Frau schenkt uns roten und weissen Wein und eine grosse Flasche frisches Wasser. Kurz bevor wir aufbrechen, bringt sie einen ganzen Sack voller frisch gekochter Eier. Wir tütschen zum Abschluss die Eier und singen als Dankeschön unser Pilgerlied: «Vertrauen ist ein Schritt, Vertrauen ist Schritt für Schritt, Vertrauen ist gehen, immer weiter gehen». Wir erklären der Frau, weshalb wir nach Rom laufen. Sie begrüsst das Projekt sofort mit dem Kommentar: Wir Frauen wurden das ganze Leben lang angehalten zu dienen.
Bis in der Ferne das traumhafte Städtchen Monteriggione sichtbar wird, laufen wir nochmals fast vier Stunden. Die Überraschung, die uns an diesem Ort Katharina, eine Bekannte mit St.Galler Wurzeln bereitet, lässt alle Strapazen vergessen. Sie hat sämtliche toskanische Spezialitäten für ein Antipasto mitgebracht. Sie und ihre Mutter wollen ein Zeichen setzen für das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen». Vergelt’s Gott.
Gestern wie heute genossen wir die Toscana in ihrer ganzen Schönheit. Auf verschlungenen Pfaden ging es auf und ab und hinter jedem Hügel zeigte sich uns eine atemberaubende Landschaft mit Zypressen, Olivenbäumen, Pinien und den verschiedensten Blumen – wie aus dem Ferienprospekt. Wir gehen getrost und zielstrebig. Wie es dazu kommt, beschreibt der Artikel, der vergangene Woche in der Südostschweiz abgedruckt wurde, er zeigt wie wir unterwegs sind, jeden Tag neu:
Viele Wege führen nach Rom
Wir haben die Alpen überquert, die Poebene durchschritten, den Apennin hinter uns gelassen und sind auf abwechslungsreichen Wegen jetzt in der Toscana angekommen. Mühelos gehen wir auf ihnen, denn wir können Franz folgen, der uns mit dem GPS vorangeht. Er sagt: nach der Kirche rechts, beim nächsten Schild links, hier folgen wir der Via francigena und dort gehen wir besser durch den Wald und nehmen die Abkürzung... Er hat in akribischer Genauigkeit den ganzen Weg von St. Gallen bis Rom anhand von Karten, mit dem GPS und via Goggle earth vorbereitet. Er ist Wegbereiter, Navigator und Stern von Bethlehem, der uns nach Rom führt. Er will grosse Strassen vermeiden, schöne Abschnitte finden und den direkten Weg gehen. Ihm verdanken wir das unbeschwerte Pilgern. Wir können reden, umherschauen und müssen uns nicht um Abzweiger kümmern.
Es gibt Wege, die lieben wir, und andere, die müssen wir einfach gehen. Schöne, gar romantische Wege sind Flussuferpfade, gesäumt von Pappeln und Robinien, weil sie uns einen Teppich aus Blüten und Flaum bereiten, auf denen wir wie Königinnen dahin schreiten. Für den Waldlehrpfad fehlt es leider an Zeit und Italienischkenntnis, dafür tut das saftig frische Lindengrün der neuen Blätter unserer Seele gut. Wir geniessen den weichen Waldboden zwischen Kiefern und Ahorn, Eichen und Buchen, der übersät ist mit Nadeln und Zapfen.
Ein krasser Gegensatz und eine Herausforderung dazu, ist das Gehen auf Asphalt entlang einer gut befahrenen Strasse. Dort ist es lärmig, stickig, hart. Wenn wir toten Bisamratten ausweichen müssen, ist es keine Erbauung. Wenn dann aber ein LKW-Fahrer die Warnblinker stellt, so die hinter ihm fahrenden Autos anhält, damit wir die Strasse sicher überqueren können, freuen wir uns an seiner Aufmerksamkeit.
Irrwege gehören auch, aber spärlich dazu. Erst zweimal haben wir uns verlaufen und beide Male war es nicht des Wegbereiters Fehler, sondern die nicht aktualisierte Karte. Das hatte einmal einen kleinen Dschungeltrip und das zweite Mal eine schlammige Herausforderung zur Folge. Denn zurück wollten wir beide Male natürlich nicht und nahmen darum die Abkürzung durch das Unterholz zum einen und den frischangesäten Acker zum anderen in Kauf. Den Ackerweg beendeten wir schnell, denn schon nach zwei Schritten klebte so viel Erde an unseren Sohlen, dass das Weitergehen mühsam wurde.
Für einmal suchte Franz einen schönen Wanderweg aus. Leider hat ihm der Himmel einen Strich durch die Rechnung gemacht und liess es aus vollen Kübeln regnen. In null Komma Nix verwandelte sich der Weg in ein Bächlein und unser Gehen in eine Akrobatiknummer.
Alle diese Wege führen uns nach Rom und wir sind auf ihnen glücklich und zufrieden, weil wir gehen können, weil wir Italien in seiner unterschiedlichen Schönheit kennenlernen und weil die Begegnungen mit Menschen darauf berührend und schön sind. Velofahrer drehen sich um und rufen uns bon camino zu. Von Balkonen herunter werden neugierig Fragen gestellt und überall ernten wir Respekt, gar Bewunderung für unser Unterwegssein zu Fuss und unser Anliegen für eine Kirche mit* den Frauen.
Seit zehn Tagen kann Claire nicht mehr mitlaufen. Das stete und oft lange tägliche Gehen hat sie überanstrengt. Die erste Etappe im Apennin mit dem vielen steilen Auf- und Abwärtslaufen haben sie vorläufig lahmgelegt. Seither ist sie mit einem Auto begleitend mit uns unterwegs. Zunächst wurde sie von netten Leuten der Unterkünfte gefahren und mit ihr immer ein Teil unseres Gepäcks. Jetzt hat Claire eine neue Selbständigkeit erlangt. Sie macht unsere Etappen im Mietauto mit. Man könnte sagen, dass die RompilgerInnen jetzt mit einem Besenwagen unterwegs sind. Wir sind froh, einige Kilos unseres Gepäcks abgeben zu dürfen und dass für einzelne der Gang zum Arzt leicht gemacht ist, denn immer wieder spürt jemand die Strapazen der vergangenen 4 Wochen in Form von besonderen Schmerzen.
Ich habe Claire einmal gefragt, ob sie sich nicht zuhause kurieren wolle. Ich merkte sofort, dass das die falsche Frage war! Kommt für Claire gar nicht in Frage. Das Dabeibleiben in der Gruppe auf das gemeinsame Ziel zu, die tägliche Unterstützung unseres Projektes lässt sie sich wegen ein paar Schmerzen nicht nehmen.
Claire hat eine Sturmfrisur, obwohl sie kein Cabriolet fährt. Sie liest im Bett oder mit hochgelagerten Beinen im Auto in einem Buch über Papst Franziskus. Sie hat kein Problem kaputte Pneus reparieren zu lassen und sich über Google Earth über unsere Strecke ein Bild zu machen. Wenn wir PilgerInnen halb kaputt am Zielort eintreffen, steht sie da, wie auf die Minute bestellt und weiss Bescheid über die Unterkunft, geeignete Restaurants und wo es zum Apero ein gutes Glas Weisswein gibt.
Nur heute spürten wir, dass Claire nicht mehr als Pilgerin, sondern als Autofahrerin denkt. Der Rastplatz für das Mittagessen, meinte sie, sei gar nicht mehr weit. Wir – schon seit geraumer Zeit hungrig – mussten aber noch zwanzig Minuten gehen.
Eine Gemeinde macht für die Via Francigena-Pilger Werbung: Herzlich willkommen in unseren schönen Wäldern! Tatsächlich führt die Route gegen Ende eines langen Tages durch wunderbare Wälder mit Sandböden. Wir geniessen das Rauschen des Windes, den Schatten, die Einsamkeit.
Plötzlich befinden wir uns auf einer Lichtung mit riesigem Parkplatz. Wir beschliessen eine Pause zu machen und setzen uns auf das Mäuerchen eines Hauses. Eine Werbeschild – etwas versteckt an der Hauswand – deutet darauf hin, dass sich hier ein Sexlokal befindet. Kein Mensch ist anwesend, der Parkplatz leer. Wir trinken Zitronenwasser aus unseren Flaschen.
Da fährt ein Auto vor und hält direkt vor unseren Füssen. Zuerst steigt ein Mann aus und fragt, ob für uns alles in Ordnung sei. Dann steigt eine junge, dunkelhäutige Frau in einem engen und kurzen Glitzerkleidchen aus. Ich bin sofort fasziniert von ihren Schuhen. Die Absätze sind so hoch, dass ich selber keine zehn Meter laufen könnte. Sie beginnt sofort mit uns zu sprechen. Ihre Stimme ist sehr hoch, etwas laut und sie krächzt. Waaas! Ihr lauft nach Rom?! Wieso denn das? Es gibt doch Autos. Warum wir das machen, fragt sie. Dass wir eine Wallfahrt machen, versteht sie nicht. Was ist das, fragt sie weiter. Eine religiöse Reise sagen wir ihr. Sie wirkt jetzt hysterisch. Wir merken, dass sie überhaupt nicht einordnen kann, was wir tun. Sie laufen nach Rom, dabei gibt es Autos, sagt sie immer wieder ungläubig zu ihrem Zuhälter.
Ich denke, dass ich diese Frau gerne fotografieren würde. Der Kontrast zwischen ihr und uns Pilger in diesem Wald ist riesig. Aber die beiden verschwinden jetzt im Etablissement. Wenig später taucht die junge Frau wieder auf und ruft von Weitem, wir sollten für sie beten. Ja, das machen wir, rufen wir zurück, und ob wir ein Foto von ihr machen dürften. Klar dürfen wir das. Sie trippelt nochmals zurück und stellt sich sofort zu uns für ein Bild. Wir zeigen ihr unseren Sack mit den vielen Fürbitten und Anliegen, die wir nach Rom tragen. Ob, sie auch eine Bitte aufschreiben wolle. Ja, sagt sie, aber schreiben könne sie nicht. Die junge Frau aus Nigeria ist Analphabetin. Wie sie laut ihre Bitte diktiert, kommen einigen von uns die Tränen. Sie wünscht sich einen guten Ehemann und ein besseres Leben. Das Leben, das sie hier führte, sei nicht gut. Und sie will für ihre Eltern und die Geschwister beten. Ob sie katholisch sei, fragen wir. Ja, der Vater. Nachdem wir ihr ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet haben, umarmt sie alle.
Sie geht zurück ins Haus. Wir schultern die Rucksäcke und setzen unseren Weg fort. Für eine Kirche mit* Frauen wie Helen aus Nigeria sind wir auch unterwegs nach Rom.
Hildegard
Das Herz der Mitte
Hunderte von Mitpilgern Lieder Alphornklänge das hält Schnee und Kälte ade ein Bett das nicht durchhängt klar doch das hält eine offene Baustelle die geschenkte Flasche Wein auch das hält Helen aus Nigeria Pfeil ins Herz
Sonntag, 29.05.2016: Beim Nachessen gestern haben Mariette, Claire und ich einige Beiträge zur Gestaltung der Eucharistiefeier besprochen. Wir beschlossen, unterwegs an einem Ort zu feiern. Ich hatte auf der Route gefunden, dass es etwa nach zweieinhalb Stunden laufen im Dorf Valpromaro eine kleine Kirche gibt. Wir beschlossen, auf gut Glück zu schauen, ob die Kirche oder die Casa del pellegrino, eine Pilgerherberge, offen sei. Vor einigen Tagen waren wir an einer solchen Pilgerherberge vorbeigelaufen, die geschlossen war. Von da her machte ich mir keine grosse Hoffnung.
Der Regen wurde nach unserem Start immer stärker, von einzelnen Pausen unterbrochen – ein Regentag würde es werden, sahen wir aus der Wetterprognose. So wusste ich nicht, ob wir an diesem Sonntag auf unserem Weg je Gottesdienst feiern könnten – bei geschlossener Kirche? Ohne Vordach? In der geschlossenen Herberge? Im Regen ist es nicht möglich… was tun? – Hoffen auf die Vorsehung.
In Valpromaro stand die Tür zur Casa del pellegrino offen. Ein junger Mann, Mirko, hiess uns willkommen und bot uns heissen Tee an: Durchnässt und kalt konnten wir die nassen Sachen ablegen und anschliessend in der Kirche daneben Sonntagsgottesdienst feiern! Eine grosse Freude!
Der Regen kam im Laufe des Tages schauerartig: Immer wieder gewaltige Regengüsse, unterbrochen von Pausen und ruhigem leichtem Regen. Für das Mittagspicknick suchten wir lange nach einem Unterstand: Eine Frau liess uns auf ihrer überdachten Terrasse hinter dem Haus Platz nehmen und brachte uns eine Flasche Rotwein. Welche schöne Sonntagsüberraschung! Danke!
PilgerInnen erleiden vieles, aber es wird ihnen auch vieles geschenkt: Zunächst erfreuen wir uns am heutigen Pilgertag an der sauberen, schönen Unterkunft in Camaiore in der «Locanda Le monache». Betten, die nicht durchhängen mit frisch duftenden Leintüchern, einem Frottiertuch, welches aus der Wäscherei kommt, sind für uns nicht selbstverständlich!
Beim Gang durch den Ort mit den Ziel, die Picknickvorräte für den nächsten Wandertag aufzustocken, merken wir, dass ein Fest vorbereitet wird und erfahren, dass hier eine sehr alte Fronleichnamstradition gepflegt wird. In der schnurgeraden Hauptgasse werden bis in die frühesten Morgenstunden hinein Sägemehlbilder auf den Boden gezaubert. Ganz am Anfang der Strasse sitzen Gruppen von SeniorInnen und Jugendlichen, die Blumenblüten zupfen oder zerschneiden und schön nach Farbe geordnet in Schachteln sammeln. Neben ihnen liegt gross das Logo des Jahres der Barmherzigkeit. Die lange Gasse wird in der Mitte abgesperrt, sodass die vielen Passanten nur auf schmalem Weg rechts und links weitergehen können. Einige Männer tragen grosse, mit verschiedenen Motiven ausgeschnittene Sperrholzplatten und legen sie an den Hauswänden ab. Säcke mit ganz verschieden farbigem Sägemehl werden angeschleppt. Immer mehr Leute tauchen auf und werden gleich in die Arbeiten einbezogen. Derweil verziehen wir uns in unsere Unterkunft für das Abendessen.
Die ganze Nacht über tut kaum jemand von unserer Gruppe ein Auge zu. Das muntere Geplauder, das von der zentralen Strasse des Ortes zu uns heraufdringt, ebbt nicht ab. Wie wir aber in früher Morgenstunde schauen, was über Nacht entstanden ist, bleiben uns Mund und Auge offen: die ganze Strasse ist in 14 Stationen zu Motiven des Jahres der Barmherzigkeit gestaltet. Alles mit farbigem Sägemehl, das Logo des Vatikans zum Jahr der Barmherzigkeit mit Blumen. Alles in einer Kreativität und mit einem Geschick, welche nur staunen lassen.
Camaiore bewahrt eine eigenständige katholische Tradition, in die Jung und Alt, Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche einbezogen sind. Die Nacht der Ausführung der Bodenbilder ist zugleich ein Volksfest. Am Tag darauf werden die Menschen nach dem Gottesdienst ihre Prozession über das «ausgelegte Evangelium» machen.
Unser Weg führt entlang der Bildstrecken. Wir ziehen weiter mit einem Jubel im Herzen über diese lebendige und eigenständige Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes.
Sonntagmorgen, 29.05.2016: Seit drei Tagen haben wir überdurchschnittlich lange Tagesetappen zu bewältigen. Gestern waren es 30.5 km, wobei nur ein kleiner Hügel – für Schweizer Verhältnisse – eingestreut war. Am Tag davor, Freitag, 27.05., waren es knapp 30 km: Da gingen wir allerdings über einen Berg: Aulla liegt auf 64 m ü.M. und wir hatten eine sehr schöne Wanderung auf einen Berg mit 553 m ü.M. und wieder herunter nach Avenza, das beinahe auf Meeresniveau liegt. Heute, Sonntag, liegt ein Weg von 25 km vor uns: von Camaiore nach Lucca. Unterwegs möchten wir Sonntagseucharistie feiern, auch wenn es sehr nach Regen ausschaut.
Vor der Ausschreibung des Mitpilgerns ab Siena hatte ich vor mehr als einem Jahr nur eine Grobplanung vorgenommen. Die Feinplanung mit den Unterkünften machte ich erst ab Herbst vergangenen Jahres: Besonders in der Poebene waren die Abstände zwischen den Unterkünften in Orten vorgegeben. Die Distanzen zwischen ihnen liessen sich nicht nach Wunsch dehnen, damit uns jetzt die langen Etappen erspart blieben. In der Ebene wäre es leichter gewesen, längere Tagesetappen zu machen.
Eine Änderung unseres Tagesplans nach der Ausschreibung der Programme für das Mitpilgern ab Siena über Perugia, Assisi bis nach Greccio kam danach nicht mehr in Frage: So haben wir jetzt ein paar lange Etappen zu bewältigen, die herausfordernd sind. Ich hoffe, wir kommen gut an – und haben gute Unterkünfte zum täglichen Ausruhen.
Morgens um 7 Uhr stehen wir vor der Abbazia San Caprasio in Aulla. Neue Mitpilger kommen heute keine dazu, aber wir verabschieden Nicole aus Luzern. Sie ist die vergangenen vier Tage mit uns gepilgert. Nach Lied und Gebet in der Kirche kündigt Franz an, dass die Strecke am Vormittag über den Berg und nachmittags der Strasse entlang zuerst nach Sarzano und dann nach Avenza führe.
Wir geniessen den Aufstieg hinein in stille und noch kühle Wälder. Schon bald sehen wir Aulla von oben und ganz schnell sehen wir nur noch die bewaldeten Hügel. Aus dem Nichts überrascht und ein Örtchen, das rund um einen Hügel geklebt, wunderbar anzuschauen ist. Gepflegte Olivenhaine und eine immer wieder herrliche Flora erfreuen uns. Es folgt ein Abstieg und wieder ein Aufstieg. Unsere Gruppe zieht es heute immer wieder auseinander. Die Wärme und die Anstrengung der Aufstiege oder der doch steinige Weg machen einigen zu schaffen. Es braucht für alle Geduld.
Der höchste Punkt ist heute nicht gleichzeitig der Aussichtspunkt. Der erste Blick auf das Meer lässt noch auf sich warten. Plötzlich aber bleiben Nadja und Pia, die beiden Journalistinnen des Zürcher Forums (sie wandern seit einer Woche mit uns mit) stehen. Sie haben durch die Bäume hindurch in der Ferne das Meer erblickt. Wir sind ans Meer gepilgert! Ans Meer! Unglaublich, wie weit wir gekommen sind!
In Sarzano wartet Claire auf uns. Sie kann seit einigen Tagen wegen Hüftbeschwerden nicht mitpilgern. Sie begleitet uns und erleichtert die Tagestouren, indem sie mal im Taxi und jetzt mit dem Auto von Bärbel aus Mindelheim unser Gepäck befördert. Bärbel hat die Tage über Fronleichnam gewählt, um mitzupilgern. Auf der Piazza beim Duomo von Sarzano machen wir also mit Claire eine Pause. Es ist bereits 14 Uhr. Wir erfahren von Franz, dass wir noch 14 Kilometer zu gehen haben. Uff. Das ist weit. Und es ist heiss. Jetzt heisst es, der sehr befahrenen Hauptstrasse entlang zu gehen. Zum Glück gibt es nach einer Stunde einen Weg entlang eines Kanals und zum Schluss auf einer Nebenstrasse parallel zu den Zuggleisen.
Auf der ganzen Nachmittagsstrecke kann die Gruppe gut zusammenbleiben. Den gemütlichen Pilgertrott auf ebenem Gelände können alle gut mithalten. Kurz vor Avenza wird für die Via Francigena-Pilger wegen einer Baustelle ein Umweg angezeigt. Franz gefällt das gar nicht. Er sieht, dass das unsere Tour nochmals verlängern würde. Zum Glück sehen wir, dass sich die Bauarbeiter von der Baustelle zurückziehen und in den Feierabend abfahren. Wir suchen durch die Absperrungen hindurch Schlupflöcher und finden sie. Niemand hat etwas dagegen. Niemand murrt.
Ich finde es unglaublich, was die Gruppe der RompilgerInnen bewältigt. Die mitpilgernden Gäste und die vielen, die auf ihre Weise von zuhause aus «mitgehen», helfen uns sehr.
Samstag, 21. Mai 2016: Am Morgen wissen wir in Fidenza, dass unsere Route wohl nicht mehr so flach sein wird, wie wir es durch mehrere Tage in der Po-Ebene hatten: Da war es einfach flach und die langen Geraden forderten uns teils heraus, sei es auf den Landstrassen, sei es auf dem Damm des Po.
Der Einstieg in den Appenin war von bestem Wetter begleitet. Immer wieder ergaben sich von Hügeln aus schöne Blicke zurück über die Po-Ebene, vereinzelt machten wir im fernen Dunst sogar die Silhouette der Alpen aus. Kontinuierlich stieg der Weg an. Doch ungewohnt für uns führte der Weg manchmal die Flanken der Hügel hinauf und auf der anderen Seite wieder hinunter. Da es an den Vortagen geregnet hatte, waren die Feldwege teils sehr weich und schlammig. Die Querung eines Baches war nicht möglich, weil die Brücke fehlte und der Wasserstand zu hoch war. So mussten wir einen Umweg nehmen, der die Tagesstrecke empfindlich verlängern sollte, gleichzeitig aber auch wieder einen steilen Hügel hinauf und hinunter. Einige von uns wurden müde ob dieser nicht mehr gewohnten An- und Abstiege, sodass wir den letzten Hügel bei Felegara umgingen. Die kürzere Strecke entlang der Hauptstrasse nach Fornovo vermieden wir und folgten dem Wanderweg im Auwald entlang dem Taro.
Doch plötzlich bei einer Autobahnunterführung schien Endstation zu sein: Sie war noch völlig überschwemmt – bis zu dreissig Zentimeter tief. Einige stapften mutig in den Schuhen durch den See, die meisten durchquerten das Regenwasser barfuss.
Die Unterkunftsuche in Fornovo gestaltete sich besonders, denn ich hatte wohl vor Monaten in der Pfarrei eine Reservation in einem Exerzitienhaus ausserhalb der Stadt gemacht, aber nie eine verlässliche Antwort bekommen. So meinte ich, das Pilgerquartier neben dem Duomo sei für uns vorgesehen – mit sieben schmuddeligen Betten ohne Wäsche für elf PilgerInnen. Nach einigem Hin und Her erfuhren wir aber, dass im Exerzitienhaus alles für unsere Ankunft vorbereitet war: schöne Zweibettzimmer und das sorgfältig zubereitete Nachtessen. Welch wunderbare Überraschung an diesem 30 km langen anstrengenden Tag!
Sonntag, 22. Mai 2016: Nach einer äusserst freundlichen Aufnahme und einer gemütlichen Nacht brechen wir auf. Die Route verspricht wieder hügelig zu werden: Auf über 800 m über Meer müssen wir aufsteigen und folgen den Wegweisern der Via Francigena: Streckenlänge 22 km. Die Landschaft finden wir eindrücklich. Nach einem ersten wackeren Anstieg geht es bergab, bevor ein langer kontinuierlicher Anstieg uns sehr zu schaffen macht. Die niedrige Kilometerzahl liess uns eine gemütliche Siesta auf dem Kirchhof im Dorf in Bardone machen, von wo wir einen herrlichen Blick zurück ins Tal hatten. An manchen Stellen ist der Anstieg sehr steil, und einige von uns bekommen Mühe. Als es heisst, es ginge nur noch fünf Kilometer, führt der Weg allerdings wieder ins Tal und schliesslich müssen wir wieder ins Dorf Cassio hinauf. Beinahe am Ende der Kräfte finden wir die gemütliche Unterkunft.
Sind die Töne noch im Ohr der Geigen von Cremona im Auge noch vom Dom die filigranen Arkaden und die Rosette der himmelweisende Turm das Baptisterium verschlossen ist nicht Vorahnung
Après la pluie le beau temps, une vérité de la Palisse mais qui aujourd’hui prend tout son sens !
La journée de hier garnie de pluie, de chemins transformés en boue et en ruisseaux, nous restera en mémoire. Heureusement, un fourneau central a permis de sécher nos chaussures et chaussettes et un excellent risotto a permis de nous réchauffer et de fêter dignement l’anniversaire d’Ursula avec des profiteroles spécialement cuits pour l’occasion. Le vin aidant, une belle ambiance a agrémenté le souper de convivialité avec les autres « pellegrini ».
Et ô merveille, ce matin un soleil éclatant nous a accueillis ! quelle joie de découvrir toute cette nature lavée et revitalisée par la pluie du jour d’avant. Même les oiseaux ont pris leur plus belle voix pour nous charmer de leurs chants mélodieux ! Premier bout en direction du col de la Bella Cisa en suivant la route ! et tout à coup, au loin, un merveilleux spectacle s’offre à nous : les Alpes ! cela nous a permis de mesurer toute la distance parcourue ! dire que nous étions de l’autre côté ! un grand moment d’émotion ! Arrivés au col, un chant de louange pour dire toute notre joie. Puis un chemin de crête nous permet de progresser vers notre objectif du jour Pontremoli ! toute la journée, nous suivons des chemins forestiers tantôt bien aménagés, tantôt laissés à l’abandon ! A un moment, un panneau Deviazione nous indique que le pont prévu n’existait plus ! Heureusement, le détour indiqué nous invite à une pause bien mérité sur la terrasse d’un bistro, l’occasion de pique-niquer et de faire connaissance avec une équipe de joyeux lurons : 4 séniors qui chaque mois se retrouvent pour faire une étape de la Via Francigena ! Moment de partage et surtout pour notre guide bien aimé d’ajuster son GPS ! nous les retrouverons de temps en temps, particulièrement vers la fin du trajet pour admirer les merveilleux calvaires qui longent notre dernière descente qui nous conduit à l’accueil des Pellegrini à l’Ospitale San Lorenzo. En résumé, une journée magnifique, un chemin de toute beauté avec beaucoup de dénivellations « acceptables » !!! il faut aussi dire que sans notre grand sac (pour quelques-uns), tout est plus facile !
„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir denn da hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“
Kurt Marti
Eher zufällig realisierte ich, dass die Pilgerroute ‚Kirche mit* den Frauen‘ unweit von unserem Feriendomizil vorbei führte. Ich habe mich spontan entschieden, mit den Frauen und Männern auf den Weg zu gehen. Tagesetappe Tréviglio – Crema; 21 km. Am Vorabend, zu sehr später Stunde, entschieden sich mein Mann Bruno und ein Freund Sebastian aus München ebenfalls mit zu pilgern.
Wohl doch etwas erstaunt begrüsste uns die Pilgergruppe mit 11 RompilgerInnen vor der Basilica di San Martino, vielleicht weil sie nicht mit Zuwachs gerechnet haben, vielleicht auch, weil wir 3 Neuen nach der sehr herzlichen und freundlichen Begrüssung gleich ins nächste Ristorante stürmten um uns mit Frühstück und Proviant zu versorgen.
Wir durften einen wunderbaren Tag erleben, herzlichen Dank für die Gastfreundschaft und die vielen guten Gespräche unterwegs.
Euch RompilgerInnen wünschen wir gute Wege und dass euer/unser Anliegen Gehör finden möge. Wir begleiten euch in Gedanken und empfehlen allen Unentschlossenen sich euch für eine oder mehrere Etappen anzuschliessen.
Doris Ziegler, Synodale der röm.-kath. Kirche im Kanton Zürich, Fraktion Winterthur Bruno aus Pfungen und Sebastian aus München
Letzter Tag in der Poebene. Wir laufen vom Verdi-Dorf Busseto nach Fidenza. Lange Strecken geht es entlang von kleinen abseitigen Strassen. Schön gemütlich. Ruhig. Irgendwann sehen wir in der Ferne den Hochgeschwindigkeitszug durchbrausen, den Freccia Rossa: Er verbindet in wenigen Stunden Zugfahrt Mailand mit Rom.
Einige Laufkilometer später führt unser Strässchen direkt entlang der Zugslinie und parallel zu ihr der Autobahn. Der Lärmpegel ist gleichmässig. Der Verkehrsfluss auch. Und auch der Freccia Rossa flitzt in regelmässigen Abständen in die eine oder die andere Richtung.
Wir könnten mit dem Flugzeug mit unserem Anliegen in einem halben Tag im Vatikan ankommen. Auf der Autobahn wäre die Reise gut in einem Tag machbar. Genauso mit dem Zug. Wir aber laufen während fast 8 Wochen zu Fuss nach Rom. Wir spüren jeden Kilometer in den Füssen, am Rücken, in den Gedanken. Wenn wir Hunger und Durst haben, wenn wir durchnässt sind, schwitzen, wenn es gefährlich ist am Strassenrand, die Hunde bellen und wenn die Tagesetappen einfach lang sind. Wir nehmen uns Zeit.
Das Projekt «Für eine Kirche mit* den Frauen» ist eine Leib-Geschichte. Wir sind «Leib Christi» mit dem grossen Wunsch im Herzen und Schritt für Schritt, dass unsere geliebte Kirche sich dem Dialog mit den Frauen öffnet, um sich Zukunft zu geben.
Während ich bei traumhaftem (Früh-)Sommerwetter daheim auf dem Balkon sitze und ein wenig das sonntagnachmittägliche Dolce fa niente geniesse, wandern meine Gedanken immer wieder zur Pilgergruppe, die – wie facebook und der Blog berichten – inzwischen den Apennin erreicht haben. Meine Vorstellungen, wie es sich heute wohl läuft – bei ähnlichen warmen Temperaturen wie hier und mit dem Auf und Ab der Landschaft –, nähren sich aus den Erfahrungen des vergangenen Pfingstwochenendes. Mein Mann und ich hatten die Freude, die Pilgergruppe drei Tage bei wunderbarem Wetter, aber noch flacher Landschaft entlang der Adda, begleiten zu dürfen. 73 km. Für die Pilgergruppe eher Peanuts, für uns aber nicht ohne.
Sind inzwischen alle blasenfrei? Haben sie heute wohl jemanden, der oder die die schweren Rucksäcke chauffiert? Wie sehr würde ich es ihnen gönnen. Es ist ja doch schon ziemlich warm zum Wandern. ...und das nach dem gestrigen anstrengenden Tag. 32 km – ich dachte, ich lese nicht richtig. Können das alle durchhalten? Hoffentlich gönnt sich einen Erholungstag, wer es wirklich braucht...
Noch sehr präsent sind mir unsere Erlebnisse des vergangenen Wochenendes. Dazu tragen auch die kleinen Videoclips bei, die ich aufgenommen hatte und immer wieder anschauen bzw. vor allem anhören „muss“ (ein Beispiel hier). Kurze Aufnahmen von Momenten des gemeinsamen Gesangs. Sei es beim Nachtessen im Restaurant, beim morgendlichen Impuls oder – mich besonders bewegend – bei der Abschiedsrunde am Pfingstmontag in der Kirche von Crema.
Warum berührt und beschäftigt mich dieses Projekt so sehr?
Natürlich weil der Wunsch nach einer Kirche mit* den Frauen zutiefst auch der meine – der unsere – ist und wir dankbar sind für alle, die sich dafür einsetzen. Aus unseren Erfahrungen als Seelsorger- und Pfarreileiter-Ehepaar ist uns das Partnerschaftlich-Kirche-Sein(-Können) sowohl aus theologischen und pastoralen wie auch aus persönlichen Gründen ein Herzensanliegen.
Doch da ist noch mehr, was mich so intensiv dranbleiben lässt, was ich aber nicht so einfach in Worte fassen kann. Es ist die hartnäckige Unaufgeregtheit – mir fällt kein passenderer Ausdruck ein – mit der die Kerngruppe unterwegs ist.
Jenseits von Verbissenheit (oder gar der mir aus kirchlichen Kreisen rund um die Themen der Gleichberechtigung der Geschlechter vertrauten – und nachvollziehbaren – Bitterkeit) gehen sie mit grossem Vertrauen, innerer Ruhe (zumindest wirkt es so) und kraftvoller Gelassenheit Schritt für Schritt auf dem Weg, den sie seit Hildegards zündender Idee eingeschlagen haben – und stecken damit andere an. Auch mich. Ich finde mich wieder in dieser Haltung und möchte sie ebenfalls weitertragen in unsere Pfarrei und unser privates Umfeld. Ich spüre viel Kraft und viel Geist darin, viel gute und inspirierende Geistkraft, und glaube daran, dass sie etwas bewegen kann und wird. Wie schön, ein kleiner Teil davon sein zu können, wie schön, dass das Projekt so breit geöffnet wurde und das Netz der Verbundenheit immer weiter wächst.
„Vertrauen ist ein Schritt, vertrauen ist Schritt für Schritt, Vertrauen ist gehen, immer weiter gehen“. Dieser Kanon (wie hier im Video aus der Liturgie in St. Gallen) begleitet auch mich schon lange, ab jetzt aber werde ich ihn wohl stets mit diesem Projekt verbinden: Er wurde für mich konkret an jedem neuen Pilgertag und er lebt in der Haltung, die das ganze Projekt trägt und die zu spüren mir gut tat und gut tut. Danke auch dafür!
Seit dem Pilgerstart am 2. Mai in St. Gallen sind die Schwestern vom Kloster Fahr „Feuer und Flamme“ und brennen für das Projekt „Kirche mit*“.
Der Pilgerplan mit den Tagesetappen hängt prominent am „schwarzen Brett“ vor dem Eingang ins Refektorium. Jeden Morgen druckt Sr. Petra den Blog von der Webseite aus und hängt diesen neben den Pilgerplan. Mit grosser Anteilnahme, Staunen und Mitfühlen werden die Erfahrungen und Zeugnisse der Pilgerinnen und Pilger gelesen. Im Aufenthaltsraum hat Sr. Franziska eine Italien-Karte ausgelegt. So kann die Pilgerroute auch geografisch mitverfolgt werden. Beim Kaffee und in der Rekreation wird über das Pilgerprojekt und Neuigkeiten aus Rom ausgetauscht. Das Projekt „Kirche mit*“ prägt das Leben im Kloster Fahr.
In den Gottesdiensten formulieren die Schwestern Fürbitten für die Pilgerinnen und Pilger und tragen so das Anliegen «Für eine Kirche mit den Frauen» mit im Gebet.
Die Pförtnerin wird immer wieder gefragt, ob die Priorin schon zurück sei aus Rom. „Nein, die ist noch hier, sie geht erst Mitte Juni ab Assisi mit“ gibt Sr. Ruth zur Antwort und fügt mit Begeisterung hinzu: „Und wir alle gehen mit – in Gedanken!“
Die Gruppe der RompilgerInnen besteht aus sechs Deutschschweizer Frauen, einer Frau aus der Romandie, einer Deutschen und einem Österreicher.
Die beiden letzteren sollen heute hervorgehoben werden:
Ursula: Sie kommt aus Ludwigsburg, ist pensioniert und freut sich jeden Tag aufs Neue, dass sie überhaupt mitpilgern kann. Sie ist in Chiavanna zu uns gestossen, hatte aber seit dem 2. Mai die Strecke von Ludwigsburg zum Bodensee mit einer Freundin zurückgelegt. Dann folgte sie uns mit den ÖV nach Chiavenna.
Ich staune jeden Tag über sie. Es ist für sie gesundheitlich ein kleines Wunder, dass sie mitpilgern kann. Sie ist am schlechtesten ausgerüstet von uns allen, läuft seit Beginn mit Blasen an den Füssen und hat trotzdem ständig die Freude ins Gesicht geschrieben. Über eine Pilgerin, die seit gestern zu uns gestossen ist, besorgten wir ihr einen neuen Rucksack. Sie ist glücklich. Dass Ursula die deutschen KatholikInnen in unserer Gruppe vertritt, erfüllt uns mit grösstem Respekt.
Franz: Er stammt aus Oberzeiring, einem Dorf in der Steiermark. Er wohnt aber seit bald zwei Jahrzehnten in Freiburg / Fribourg, wo er Professor für Alte Kirchengeschichte und orientalische Sprachen ist. Er gehört von Anfang an zu den Unterstützern des Projektes «Für eine Kirche mit* den Frauen». Er hat die ganze Route ab St.Gallen bis Perugia vorbereitet und auf den Abschnitten zwischen Zillis und Siena auch Unterkünfte reserviert. Täglich ist er nun mehrfach herausgefordert, die Pilgergruppe auf ihrem Weg weiter zu führen und die Kontakte zu den Unterkünften zu halten. Zudem lässt er sich auf alle technischen Probleme, die wir mit unseren Geräten haben, ansprechen. Die «Kirche mit* den Frauen» wäre ohne diese grossartige Unterstützung aus Österreich nicht da, wo sie jetzt ist.
Wir beginnen unseren neuen Pilgertag in der Kathedrale von Cremona. Alle sind angetan vom Bau, der Stimmung und der Malerei. Die Akustik ist erhebend. Wir stehen im Kreis und singen «schweige und höre» und stellen uns damit auf einen Regentag ein. Bevor wir unseres Weges gehen, wollen wir noch einen Blick ins Baptisterium werfen. Leider ist es abgeschlossen. Wir stehen etwas unschlüssig herum und merken, dass für einige eine «Biopause = Pinkelpause» angesagt wäre. Ich spreche einen Kleriker an, der gerade aus der Kathedrale tritt. Ja, es gibt eine Toilette. Etwa sechs Leute von uns müssten hin. Der Priester ist gestresst und lotst uns trotzdem wieder in die Kathedrale hinein Richtung Sakristei. Er spricht französisch mit uns. Ein gutes Französisch. Er arbeitet als Offizial und auf der Bischöflichen Kanzlei. Ich sage ihm, während die ersten die Toilette der Sakristei benutzen, dass ich auch eine Mitarbeiterin des Bischofs sei. Eine Katechetin? Nein. Er beginnt Zeitung zu lesen. Ich bin an der Reihe für die Toilette. Als ich wieder komme, erklärt er den Damen die Geschichte der Kathedrale. Aus dem Lautsprecher vernehmen wir, dass gerade eine Liturgie begonnen hat. Wir meinen verstanden zu haben, dass er konzelebrieren sollte. Aber er scheint plötzlich Zeit zu haben. Wir erzählen ihm, dass wir für die Kirche mit* den Frauen nach Rom pilgern. Das weiss er bereits. Offenbar hat ihm eine andere Mitpilgerin schon einen unserer neuen italienischen Flyer in die Hand gedrückt. Was er dazu meine, fragen wir. Er setzt bei den biblischen Frauen Martha und Maria an. Es wären bei diesem Besuch im Hause des Lazarus mindestens 16 Leute anwesend gewesen: zwölf Apostel, Jesus, Martha, Maria und Lazarus. Wenn da alle nur gebetet hätten, wie die Maria – das ginge nicht. Er sei selber eine Martha. Wir schauen auf die Uhr. Upps, wir müssen weiter. Leider ohne die Konklusion seiner Gedanken zu den biblischen Frauen und zu unserem Projekt zu kennen. Aber wir konnten dank der Biopause im Bistum Cremona einem wichtigen Mitarbeiter unser Anliegen nahe bringen.
Heute verabschieden wir uns von Busseto, dem Verdi-Land. Weit hinter uns liegen die verschneiten Gipfel der Alpen, vor uns die sanften Hügel des Appenin.
Verdis berühmte Oper Nabucco inspiriert mich, ein wenig über die menschliche Freiheit nachzudenken. Die Oper handelt von der Babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel. Die Israeliten halten, bestärkt durch ihre religiösen Führer, am Glauben fest, dass Gott dem Volk Israel schon vor vielen hundert Jahren die Freiheit geschenkt hatte, und dass er diese Zusage niemals zurücknimmt. Dies gilt bis heute. Gott möchte, dass der Mensch frei ist. Die Kehrseite der Medaille ist, dass wir Menschen oft Schwierigkeiten haben, mit dieser Freiheit richtig umzugehen. Viele Menschen waren deshalb dankbar dafür, dass die Kirche früher genaue Leitplanken setzte. Mit dem 2. Vaticanum wurden viele dieser engen Grenzen gesprengt. Das Konzil sprach dem menschlichen Gewissen und damit dem einzelnen Menschen die höchst mögliche Würde zu. Leider ist die Kirche immer versucht, diese Zusage zurückzunehmen. Wer nämlich die Freiheit ernst nimmt, muss auch mit dem Scheitern und dem Mangel rechnen.
Die Kirche hat damit grosse Mühe. Zu gross ist die Diskrepanz zwischen hohem Ideal und der tatsächlich gelebten Realität. Statt zwischen Gott und dem Menschen zu vermitteln, fällt sie oft in die Rolle einer Verwalterin der Sakramente.
Ich gehe unter anderem dafür nach Rom, dass die Kirche ernst nimmt, was sie verkündet: Jeder Mensch ist durch die Taufe geistbegabt, unabhängig von Alter, Geschlecht, Rasse, sexueller Orientierung. Gott nimmt unserer Freiheit radikal ernst. – Höchste Zeit, dass die Kirche es ihm gleichtut!
Zu unserem Tagesablauf gehört am Morgen ein kleiner Impuls, bei dem wir den Läufer auslegen, singen, beten und einen Bibeltext des Tages hören. Anschliessend gehen wir eine Stunde schweigend. Oft, so wie heute, laufen wir jede für sich im Schutz des Regenschirms oder des Caps, sehr kompakt als Gruppe. Wir sehen, spüren und hören einander und sind doch ist jede für sich. Aus meiner heutigen Stunde ein paar Impressionen:
Die Poebene ist wirklich flach, kein Hügel in Sicht und die 20 Höhenmeter, die Franz vorausgesagt hat, liegen schon hinter uns. Heissen die weissen Vögel wirklich Silberreiher? Die Stunde Schweigen ist die Zeit fürs Gebet und Nachdenken über den Bibeltext. Ich glaube mein rechter Schuh lässt langsam Wasser rein. Der linke fühlt sich trocken an. Wie grün alles ist. Was hat Hildegard vorgelesen? Jakobusbrief glaube ich. Ich widme mich dem Herzensgebet: Jesus Christus, du Sohn… der rechte Fuss ist definitiv nass. Ob hier Reis wächst? Sieht zwar aus wie Mais. Die Hosenstösse von Franz sind auch nass. Und seine Socken? Er hat sich bis jetzt noch nie beklagt. Wird wahrscheinlich trocken sein. Was wollte ich? Ach ja, von vorne: Jesus Christus du Sohn des lebendigen… in Assisi schreibe ich Sylvia und Damian eine Karte. Und in Rom freue ich mich auf Kilian, der hat noch ein Geschenk für mich. So lässig. Ob die anderen den Text noch wissen? Was denken sie? Schöner Weg heute, einfach ein bisschen feucht. Gott sei Dank müssen wir nicht der Strasse entlanggehen und werden nicht auch noch von der Seite angespritzt. Der Podamm ist hoch. Wann stieg das Wasser wohl das letzte Mal bis hier her? Jesus Christus, du Sohn des lebendigen Gottes… hoffentlich gibt es zur Mittagspause ein Restaurant, in das wir einkehren und wenigstens im Trockenen essen können. Ich habe schon wieder Hunger. Die Brioche con Crema gibt kaum was her. Die Gastfreundschaft im Priesterseminars war grossartig, die Betten super. Franz hat tatsächlich unsere italienischen Flyer für eine Kirche mit den Frauen dort verteilt. Langsam könnte der Regen aufhören. Der Schuh ist wirklich nicht dicht, obwohl es ein Goretextmodel ist.
Es ist schön so in der Mitte der Gruppe zu gehen, wie das Kücken, das beschützt wird rund um. Im Schatten deiner Flügel… ach der Psalmtext von vorgestern ist mir präsenter, als der von heute. Cäcilia läuft wieder gut, die Blase schmerzt wohl nicht mehr so.
Jetzt noch ein Gewitter. So grusig, wäck pfui! Aber der Schirm hält was er verspricht. Jesus Christus, … Wieso halten die vorderen? Die Stunde im Schweigen ist schon um – das ging aber schnell.
Angelehnt an den Titel des Films „Sleepless in Seatle“ sammle ich meine mehr oder weniger schlaflosen Nachterfahrungen. Hier auf dem Steinboden in einem der Pfarreisäle des freundlichen Don Angelo ist es eine ganz besondere Erfahrung. Über mir an der Decke leuchtet im Sekundentakt die rote Lampe des modernen Beamers um die Wette mit der blauen Lampe der Stereoanlage hinter mir.
Nach einer wohligen Nacht und leckerem Frühstück im ***Hotel Palace im schönen Städtchen CREMA sind wir 21 km weiter südlich in San Bassano in der Pfarrei von Don Angelo angekommen. In zwei Sälen mit Steinplattenböden dürfen wir unsere Matten und Schlafsäcke ausbreiten, duschen und die staubigen Socken waschen.
Heut war der erste Tag, an dem nur die acht RompilgerInnen weiterliefen. Am Vorabend, wie auch heute Morgen mussten wir uns von Mitpilgern aus Winterthur und den zwei Steirern A verabschieden, "arrivederci a Roma".
Wie an jedem Tag führte uns Franz zielsicher mit Hilfe seines Garmins und Google Earth durch Wege und Nebenstrassen, vorbei an einem Fluss und vielen Kanälen, Getreidefeldern mit Mohnblüten durchsetzt, einer Flussentenfarm und riesigen, schattenspendenden Pappelplantagen.
Nur einmal endete der Weg im Urwald, und wir mussten über einen Graben und einen Abhang hinauf klettern. Was kann uns schon beunruhigen: unser Tagesmotto aus dem Psalm 63 lautete: Jubeln kann ich unter dem Schatten deiner Flügel...
Gedanklich bin ich durch Cäcilia schon seit langer Zeit mit dieser Pilgerreise verbunden. Mit grosser Freude erfüllte mich, dass sie mit auf diesen Weg gehen kann. Dass der Dom am 2. Mai mit Menschen, die dieses Projekt und das grosse Anliegen der Kirche teilen, gefüllt war, hat auch mich überwältigt. Bei meinen Kurzbesuchen ...
Ich hoffe, es geht euch gut und ihr seid zuversichtlich-pfingstlich unterwegs! Die Verbundenheit mit euch gibt mir neuen Schwung, mich in der Kirche einzubringen. Ich trug heute im Pfingstgottesdienst den Button "Kirche mit* den Frauen" und ...
Die Ankündigung von Papst Franziskus, die Zulassung von Frauen zum Diakonat durch eine Kommission prüfen zu lassen, erregte vor und in den Pfingsttagen Aufsehen. Humorvoll zeigten manche auf die Pilgergruppe, die gerade in Norditalien unterwegs ist: „Das ging ja schnell!“, hiess es. „Hat allein schon die Überquerung der Alpen Wunder bewirkt?“. Manche fügten an: „Was wird erst sein, wenn die PilgerInnen auf Siena zulaufen??“.
Nun: Umkehren werden die PilgerInnen deswegen nicht, denn ...
Pfingstsonntag: Gestern und heute folgten wir dem Lauf der Adda, einem Fluss, der zunächst den Lago di Como speist und aus dem See heraus in Richtung Po fliesst. Sehr schnell wird es ein breiter Fluss, der zeitweise recht zügig, aber meist sehr ruhig dahingleitet. Wir finden unseren Wanderweg in den Wäldern am Ufer, teils rechts, teils links. Die Bäume spenden wunderbaren Schatten. An bestimmten Abschnitten ist es völlig ruhig: nur das vielfältige Zwitschern der Vögel ist zu hören, hie und da ein Blesshuhn, das aufgeregt schnatternd vom Nest ablenken will. Am meisten fasziniert uns der seltene Anblick eines Schwans, der aus seiner eigenen Ruhe heraus zum Flug anhebt. Vereinzelt überholten uns Mountainbiker oder es kamen uns Reiter hoch zu Ross entgegen.
Der gesamte Weg war dicht bestreut mit Robinienblüten und dem Flaum der Pappeln. Der Fluss war zeitweise gleichmässig weiss bestreut wie mit Puderzucker oder an anderen Stellen zusammengeschoben in Bändern wie das Geschiebe auf einem Gletscher. Das Wetter war schön, auf offenem Gelände wehte uns noch ein frisches Lüftchen entgegen. Gegen Ende des Tages sahen wir auch noch die weissen Spitzen der Alpen, die wir vor gar nicht so langer Zeit erst hinter uns gelassen hatten.
Wind wirbelt Gedanken jagt Schwermut ins Pfefferland schiebt zu raschem Gang bremst zur Bedächtigkeit schlägt ins Gesicht fordert alle Kraft und streicht um Ohr und Wange zärtliche Hand
Stell Dir vor, da ist ein Mann, in dessen Angesicht die Menschen erleben, dass sie sein dürfen, wie sie sind. Er erzählt nicht nur von Liebe, jede seiner Handlungen und Gesten ist erfahrbare Liebe.
Eigentlich wollten wir zu viert nach Rom laufen mit Mitpilgermöglichkeiten für 20 bis 30 Personen auf vier Etappen. Schön organisiert vom Reisebüro Lichtensteig für die Strecke in der Schweiz und vom Tauteam für drei Wochen nella bella Italia zwischen Siena und Greccio. So hatten wir uns das vorgestellt.
Immer wieder aber hörten wir von Frauen, die Freude am Projekt hatten und sich überlegten, den ganzen Weg nach Rom unter die Füsse zu nehmen. Esther lud sie Anfang Januar zu einem Treffen ein und bot ihnen an, dass sie sich unserer kleinen Pilgergruppe anschliessen könnten. Bis Mitte März wuchs die Gruppe auf acht PilgerInnen an.
Dann beschlossen wir, mehr Medienarbeit zu machen und gerieten an eine diskrete Kraft, die vom ersten Augenblick an Feuer für das Projekt fing und keinen Moment zögerte, uns klar zu machen, dass man auf der ganzen Strecke mitlaufen können sollte. 1000 PilgerInnen «für eine Kirche mit* den Frauen» ist die Zahl, die seither kursiert. Dieser Vorschlag unseres Medienmitarbeiters brachte viel Arbeit, ja Stress mit sich, denn: wenn Menschen jeden Tag mitpilgern sollen, müssen die Startpunkte jeden Tag nicht aus dem Blauen gegriffen, sondern für die Pilgergruppe mit den Übernachtungsorten übereinstimmen und nicht kilometerweit von den jeweiligen Hotels entfernt sein. Diese Monsterarbeit leistete Franz für uns.
Jeden Tag seit dem Start am 2. Mai sind wir von neuem überrascht. Dass über die himmelblauen Auffahrtstage Scharen von Menschen am Morgen früh bei Kirchen oder Bahnhöfen standen, überwältigte uns und sprengte jede Vorstellung. Dass bei sehr schlechten Bedingungen in Splügen Frauen und Männer sich uns anschlossen, berührte und stärkte uns sehr. Dass in Chiavenna eine Frau aus Ludwigsburg zu uns stiess und meinte, sie pilgere mit uns nach Rom, überforderte uns im ersten Augenblick. Dass in Lecco für die Pfingsttage wiederum einige Pilger auftauchten, freut uns einfach sehr.
Was uns in den nächsten Tagen und Wochen erwarten wird: wir freuen uns auf 1000 MitpilgerInnen.
Sie pilgern mit am Tag mit den 130 Menschen. Zwischen Maienfeld und Chur. Judith und Walter. Judith mitten in der Schar. Walter hinten, wo abwechselnd Esther oder ich schauen, dass alle mitkommen und dabeibleiben können. Im Laufe des Tages wächst bei Walter die Idee, uns über den Splügenpass zu begleiten. Er hat mitbekommen, wie dankbar die Rompilgerinnen es annehmen, wenn ihnen die Rucksäcke abgenommen werden. Kurz vor dem Tagesziel, auf dem Spielplatz von Haldenstein - der Metzger von Wattwil mit seiner Crew grilliert für uns alle eine Wurst und schenkt Getränke aus, die Mitpilger Markus aus Weesen uns spendiert - äussert er seinen Gedanken. Selbstverständlich nehmen wir sein Angebot, unser Gepäck über den Splügenpassen zu fugen, sehr gerne an. Tagesrucksäcke sollten wir aber haben, weil der Wetterbericht schlecht ist für diesen Tag.
Ein paar Tage später nähern wir uns der Unterkunft in Splügen. Walter steht bereits da und winkt uns entgegen. Im Auto bringt er 8 Tagesrucksäcke mit, die Judith bei Banken und im Manor gratis erhalten hat. Für einen guten Zweck, hatte sie erklärt. Auch dabei hat er laminierte Logoschilder "Kirche mit* den Frauen" und "Chiese con* le donne", die wir künftig an unsere Rucksäcke hängen. Judith kommt erst am kommenden Tag mit den ÖV’s nach. Sie wird in Splügen unsere ganze Bagage übernehmen und mit dem Auto über den Pass fahren, während Walter uns wieder begleitet. Aufmerksam und hilfsbereit.
Der Aufstieg auf den Splügenpass ist zunächst schweisstreibend. Wir sind zu warm angezogen. Dann wird der Regen immer stärker. Mit jedem Höhenmeter spüren wir auch die Kälte. Handschuhe und Mützen sind im Einsatz. Endlich können wir im alten Zollhaus unterstehen. Die drei Mitpilgerinnen aus Schmerikon packen ihre Köstlichkeiten aus und teilen mit uns: heisse Bouillon und ein Zwieback-Früchtebrot. Mmmh, wie das schmeckt. Aber dann geht es weiter. Die halbe Stunde auf die Passhöhe hängt an. Wind und Regen peitschen ins Gesicht. Regenschirme werden weggeblasen oder umgestülpt. Dann plötzlich, wir meinen nicht recht zu hören, werden wir von Alphornklängen empfangen. Drei Musiker des «Echo vom Frohberg» aus Tann stehen im Windschatten. Uns steigen Tränen in die Augen. Unglaublich ist das. Und dann sehen wir auch Judith. Sie hat ein kleines Buffet aufgebaut und schenkt heisse Getränke aus, offeriert Kägifret. Wir sind überwältigt von diesen Überraschungen. Tee schlürfend, erfahren wir auf 2113 Metern über Meer, dass Judith und Walter ihren 36. Hochzeitstag feiern. Sie schenken uns diesen Tag.
Es gibt keine Worte für das, was wir fühlen. Wir können die Fülle nicht fassen. Sind überwältigt. Tief dankbar.
Da zieht ein eifriges Trüpplein Pilger/innen durchs Land. Seit dem 2. Mai auf dem Weg von St. Gallen nach Rom. Zwei Monate. 60 Etappen. 1000 km. Ankunft am 2. Juli in Rom.
Begleitet von Abschnitt zu Abschnitt in ändernder Zahl; von Freunden, Gleichgesinnten, Zugeneigten, und dem ein oder andren neugierigen Wanderer des gleichen Weges.
Als wahrscheinlich eine der jüngeren oder jüngsten bin ich einige Tage in der Schar mit vielen Tagespilgern mit den Pilgerinnen und Pilgern mitgelaufen.
Dies bleibt mir nach diesen Tagen zu sagen: ich bin tief beeindruckt von euch allen,
Nachdem ich vom Projekt erfahren habe, war für mich klar, dass ich aus Solidarität zwei Tagesetappen mitpilgern wollte. Ich wählte dazu die Strecke von Splügen nach Chiavenna. Der Alpentransit war bei regnerischen und sehr kühlen Wetterbedingungen für alle Pilger eine grosse Herausforderung. Ein Aufsteller waren dann die drei Alphornbläser auf der Passhöhe, die uns nicht nur überraschten, sondern für den Rest der Etappe durchs Valchiavenna beflügelten.
Den 2. Tag begannen wir mit einem Impuls bei der Kirche in Pianazzo und wurden dann von einem Filmteam, das in einer Doku-Arbeit das „Pilgern auf ein Ziel hin“ filmisch verarbeitet, bis Chiavenna begleitet. Die Via Spluga führte uns dem wilden Fluss Liro, durch prächtige Kastanien- und Birkenwälder mit blühendem Ginster, entlang. Die vielen Felsblöcke und Nebelschwaden gaben dabei der Szenerie ein mystisches Aussehen. Trotz des häufigen Regens war für mich auch diese Pilgeretappe ein tolles Erlebnis, denn wenn die Gruppe stimmt, ist das Wetter nebensächlich!
11.05.2016: Beim Start am Morgen in Pianazzo schien es, als ob der Tag vielleicht doch trocken bleiben würde. Unter wenigem Nieseln starteten wir. Bald legten die Skeptiker ihren Poncho ab, weil es wirklich trocken blieb. Die Sicht in das Tal und die steilen Hänge war klar, der Himmel allerdings mit dichten Wolken verhangen. Der Abstieg der Strasse entlang ging gut, die Blicke in die senkrechte Tiefe waren aufregend, weil die Sicht nicht durch Nebel verschleiert war.
Der Himmel allerdings blieb bedeckt. Im weiteren Tal war noch eine Wolkendecke zu sehen. Als wir in diese Nebelschicht eintauchen, beginnt es zunächst leicht, dann immer mehr zu regnen. Der Wanderweg dem Wildbach entlang ist sehr steinig, ja sogar quer durch Felsbrocken hindurch, wo teils leichte Kletterqualitäten gefordert sind. Von den Bäumen tropft es unaufhörlich, das Laufen im langen Poncho ist mühsam, weil man die Tritte nicht immer genau sieht. Unter dem Regencape werde ich sehr langsam aber gleichmässig nass. Die Pelerine scheint sich mit Wasser vollzusaugen. Ich spüre, dass die Socken kühl werden, die Haut darunter langsam aber sicher kühler wird und der Platz in den Schuhen kleiner wird, denn auch die Schuhe lassen allmählich Wasser durch, obwohl sie mit Goretex ausgestattet sind.
Für die Mittagspause suchen wir in San Giacomo Filippo vergeblich eine Bar. Schliesslich finden wir unter einem offenen Dach am Ende eines Parkplatzes neben einem geschlossenen Restaurant Bänke, auf denen wir uns für das Picknick einrichten können. Eine Wäscheleine hängt zwischen zwei Säulen, auf der einige ihre durchnässten Ponchos aufhängen. Die letzten Kilometer nach Chiavenna regnet es nicht mehr. In der Jugendherberge können wir uns eines Wärmeventilators bedienen, um den wir alle unsere nassen Sachen zu platzieren versuchen. Die Hausherrin schärft mir allerdings ein, dass dieser die Nacht über allerdings abstellt werden muss – zu gefährlich! Am Morgen sind gerade einmal die Schuhe von einigen trocken, die sie recht nahe an das Gerät gestellt hatten, alle anderen ziehen mindestens leicht feuchte Kleider wieder an.
12.05.2016: Der erste Blick aus dem Fenster verrät: Es regnet. Die Aussichten sind nicht rosig: Wohl den ganzen Tag wird es regnen, vielleicht hellt es am späten Nachmittag auf. Wir haben eine Monstertour vor uns: mindestens 31-32 km von Chiavenna bis Colico. Elvira, die Hausherrin der Jugendherberge, empfahl mir am Abend eine Route durch die Ebene, um einen Berg zu meiden. Es ist allerdings auch eine Route die streckenweise an Hauptstrassen entlangführt.
Die Route ist flach, wir laufen sehr viel auf Velowegen, doch es regnet den ganzen Tag. Die Gischt der fahrenden Autos schreckt mich davon ab, die geplanten Abschnitte auf den Hauptstrassen zu laufen. Ich nehme längere Wege in Kauf, um den Überlandverkehr zu meiden. So wird aus dieser Tagesetappe die längste und vielleicht ermüdendste des bisherigen Weges, bis wir endlich in der Unterkunft in Colico eintreffen – wieder nass bis auf die Haut.
PS: Wir erfahren, dass es heute über den Splügenpass Schneeketten brauchte, um den Pass zu überqueren – so viel schneite es.
Meine Pilgererfahrungen beschränken sich auf paar wenige einzelne Tage und es hat mir – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen – auch noch nie so richtig den Ärmel reingezogen. Und trotzdem bedeutet es mir unendlich viel, meine Freundin Esther Rüthemann einen Tag auf ihrem Pilgerweg nach Rom begleiten zu dürfen. Ich bewundere sie und die anderen Rompilgernden für diesen langen Fussweg, der doch so viel mehr ist als eine sportliche Leistung.
Eine Karawanserei ist eine ummauerte Herberge an Karawanenstrassen. Reisende konnten dort mit ihren Tieren und Handelswaren sicher nächtigen und sich dort mit Lebensmitteln versorgen. Grosse Karawansereien dienten zugleich als Warenlager und Handelsplatz für Im- und Exportwaren.
Es war für uns eine ganz besondere Freude, dass die Pilgeretappen durch Graubünden geführt haben. Herzlichen Dank an alle, die an diesen Wegstücken dabei waren, ein ganz besonderes Erlebnis. Heute
"Laudatu si mi signore cum tucte le tue creature" - Gelobt seist Du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen (aus: der Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi)
6. Pilgertag: Es war die Stunde, die wir schweigend gingen, Chur lag hinter uns und ...
Welch eine Pilgerstart- Woche, einfach ergreifend! So viele Menschen. Immer wieder sind mir die Tränen in die Augen gestiegen vor lauter Berührtheit. Zum Beispiel in der Kathedrale in St. Gallen, wo wir bereits 1 Stunde vor Beginn des Gottesdienstes in der Kirche eintrafen, um Plätze zu reservieren. Ja, für einen Gottesdienst am Montagmorgen Plätze reservieren!
Die Gallier, es gibt sie noch. Wenn ich mich recht erinnere, waren sie bei Asterix und Obelix das widerspenstige Völkchen, das sich nicht unterkriegen liess. In der Schweiz gibt es sie noch. Es sind meist Frauen, doch auch Männer, mit denen ich eine Woche lang von St. Gallen Richtung Rom ziehen durfte. Und heute als krönenden Abschluss beim Pilgern ...
Anders als ihr pilgern wir verbunden mit euch; gestern und heute am Muttertags Gottesdienst haben mehrere Hundert Menschen an euch gedacht (pastoralraum beldeggersee) sich mit euch verbunden Reissverschluss Rose war uns sinnige Stütze:
neulich sah ich einen reissverschluss gott und hab dabei an das heute gedacht
zahn um zahn du bist anders gott
neulich sah ich einen reissversschluss gott zahn um zahn verschlossen
du bist anders gott
du suchst das verbindende offen suchst du das verlorene
du suchst das mütterliche im mann das männliche im du als Frau
du gott bist da in uns und um uns
du für uns menschenwohnung
weniger reiss mehr als schluss
immer wieder anfangen
zahn um zahn Frau UND Mann Licht UND Dunkel oben UND unten Du UND Ich
Im heute schon für morgen mit euch verbunden herzlich thomi
An diesem wunderschönen Bild bin ich gerade vorbeigekommen und bin sehr berührt davon. Ich möchte das euch allen gehenden Frauen in Nachbarstal hinüberschicken zum Muttertag! Ob mit oder ohne Kinder, in jedem Alter, immer wieder seid ihr es, die Gott zur Welt bringt und mit mütterlicher Sorgsamkeit nährt. Seid gesegnet! Liebe Grüsse Karin
Am Mittwoch traf ich mich mit 4 Frauen der kath.Frauengemeinschaft Buchs/Grabs zum Mitpilgern von Rüti nach Buchs. Ich erlebte einen beeindruckenden Tag mit dem Ziel in unserer Kirche. Am Abend dachte ich, du könntest doch noch einen Tag weiterpilgern. Und so fing es an: ...
Chur erwartet uns mit dem ersten Markttag in diesem Jahr: Nusstorte, Käse, Salate und frisches Brot. Emsige Händler tischen ihre Ware üppig auf in der schmucken Altstadt, kurz vor acht Uhr. Das Kernteam begrüsst im Hof vor der Kathedrale 70 Männer und Frauen, die sich am Samstag mit Kirche mit* den Frauen auf den Weg nach Thusis aufmachen.
Teil sein einer Bewegung an diesem einen Tag. Mitlaufen ...
Täglich zur späteren Morgenzeit hält die Pilgergruppe inne. Zeit für den biblischen Impuls, bestehend aus einem Abschnitt aus der Bibel und einer Mini-Predigt. Allein schon die Orte der kurzen Besinnung sind inspirierende Bilder, die es mit jeder Kathedrale aufnehmen können. Gestern fand der biblische Impuls einen Steinwurf von einer Autobahnraststätte entfernt. Heute sassen wir ...
«Wenn es nur einmal so ganz stille wäre. Wenn das Zufällige und Ungefähre verstummte und das nachbarliche Lachen, wenn das Geräusch, das meine Sinne machen, mich nicht so sehr verhinderte am Wachen -:
Dann könnte ich in einem tausendfachen Gedanken bis an deinen Rand dich denken
und dich besitzen (nur ein Lächeln lang), um dich an alles Leben zu verschenken wie einen Dank.»
Was für ein gutes Gehen heute. Keinen Rucksack, kein Gewicht, keinen Schmerz. Meinem rechten Fuss geht es wieder blendend. Was geholfen hat weiss ich nicht genau. Vielleicht die Bachblütensalbe von Andrea, Anitas Massage, die Akupressur von Damian, die moderne Homöopathie von Rosmarie, das Kühlen, Entspannen oder Bewegen? Auf alle Fälle - es geht.
Zum Schuss ein kleines Rätsel: Welcher Fuss gehört zu mir?
Heute zog ein beachtlicher Pilgerstrom von Frauen und Männern durch die Bündner Herrschaft und weiter bis Chur. Ein farbiges und friedliches Miteinander, verbunden durch die Vision von „Kirche mit* den Frauen“.
Esther staunte nicht schlecht, als sie von ihrem erhöhten Posten am Bahnhof Maienfeld alle Mitglieder der vorbeigehenden Zweierreihe zählte. Bis zur Mittagszeit wanderten tatsächlich 150 Pilgerinnen und Pilger mit.
Das Wetter war prächtig und die Wege durch die Rebberge idyllisch.
Bis zum zweiten Halt am Rheindamm unterhalb von Zizers plätscherten allerlei Gespräche durch die Reihen. Freuden, Sorgen und Geschichten wurden da geteilt, zwischen vertrauten Menschen und solchen, die sich eben erst kennengelernt hatten.
Nach dem Tagesimpuls setzte die Einladung zum Schweigen einen neuen Akzent, und im stillen Gehen führte wohl manch eine das Gespräch im Gebet weiter, oder genoss den Blick auf den fliessenden Rhein, das Flirren der Blätter im Wind, oder die Schrift des Wurzelwerkes auf dem Pfad.
Ich empfinde es als Privileg, hier heute für einen halben Tag mitpilgern zu dürfen. Nur wer gesund und stark ist, vermag eine kürzere oder längere Wegstrecke mitzugehen. Dabei sein können jene, welche über ihre Zeit verfügen können.
Es tröstet mich, dass das Miteinander heute weit über die Anwesenden hinausgeht. In einem der grossen Rucksäcke werden alle gesammelten Gebetsanliegen bewahrt. Es gibt Gemeinschaften und Zugewandte, welche die Pilgernden im Geiste begleiten. Viele der Wandernden tragen in ihren Herzen andere Menschen mit, auch Beeinträchtigte, Kranke, Ausgeschlossene oder Verstorbene.
Verbundenheit in dieser Weise setzt sich über Zeit und Raum hinweg.
Nach dem Mittagshalt lasse ich die grosse Gruppe weiterziehen, weil meine körperlichen Möglichkeiten erschöpft sind. Ich schicke ihr all meine guten Wünsche mit. Was ich in diesen Stunden erlebt habe, ist wahrlich lebendige Kirche unterwegs.
Pilgern entdecken – erste Erfahrungen. Es ist mehr als Wandern. Es ist ein gemeinsames Gehen mit Menschen, die ich nicht kenne, aber beim Gehen, beim Essen, beim Schweigen, beim Gespräch kennen lerne. Und mit immer neuen TagespilgerInnen, bis zu 150 an einem Tag. Pilgern in der Gruppe – sich Einfügen in eine Gemeinschaft. Nicht unbedingt im eigenen Tempo unterwegs sein. Die grosse Gruppe von Pilgerinnen und Pilgern erfordert, dass das Tempo sehr geführt sein muss. Nicht zu schnell, nicht zu ungleichmässig… Also Schritt um Schritt und immer die Aufmerksamkeit für die Dynamik der Gruppe, für die Anforderungen des Weges. Pilgern oder die Achtsamkeit des Gehens.
In route avec mon sac de près de 9 kg… quand tout à coup j’entends quelqu’un qui s’approche de moi : « Donne-moi ton sac et tu prends le mien ! » Merci à cette dame qui par la suite s’avéra être la responsable du centre paroissial de Buchs. Le lendemain, c’est la fille qui insiste pour prendre mon sac. A St-Luzisteig, l’une d’entre nous se sent mal. Aussitôt son sac est pris en charge et nous découvrons que nous sommes quatre à porter différents sacs selon nos forces et nos compétences. Merveilleuse solidarité entre les sacs qui nous a permis d’entrer en contact entre nous.
Was für ein Tag! So viele schöne Momente: 89 Frauen und Männer und ein Hund pilgern heute mit uns. Ihre Zuwendung, Solidarität und Empathie berühren mich sehr und eine grosse Dankbarkeit macht sich in mir breit. Gerne erzähle ich davon, was mir Grossartiges geschehen ist und teile die riesige Freude mit euch.
Seit gestern Nachmittag plagt mich ein starker Schmerz im rechten Fuss. So, dass ich schon angefangen habe, komisch zu gehen. Da tauchte die Idee auf, eine Fussmassage könnte guttun. Und schon bald machte die Masseurin Anita den Wunsch durch eine Terminverschiebung möglich – welch ein Genuss. Die gleiche Anita hat mir heute noch eine Murmelfettsalbe zugesteckt, die sie entbehren kann. Auch für die ehrliche Sorge meiner Mitpilgerinnen und deren Rat und Tat bin ich unheimlich dankbar. Ich schmiere und salbe, mache kalte Bäder und halte meinen Fuss ruhig, sofern das möglich ist beim Pilgern. Als Lea mir anbietet, den schweren Rucksack heute für mich zu tragen, fliege ich fast schmerzfrei bis ans Ziel nach Maienfeld. Viele der Tagespilger folgen ihrem Beispiel und entlasten die Rompilgerinnen für ein Wegstück. Am Abend sagt Elisabeth: «Engel tragen schwere Rucksäcke.» Danke, dass ihr uns diese Wohltat gegönnt habt.
Liliane pilgert eine Tagesetappe mit. Während einer Stunde trägt sie den Rucksack von Mariette, unserer Rompilgerin. In einer Pause kommt sie recht still und sagt, dass sie schwer beeindruckt sei: was muss es für diese Rompilgerin für ein Anliegen sein, dasss sie bereit ist, diesen Rucksack während zwei Monaten nach Rom zu tragen?!
Mein Onkel Franz sagt: das Projekt "Für Kirche mit* den Frauen" ist ein Graswurzelprojekt. Ein Projekt vom Boden. Es erneuert sich immer wieder vom Boden her.
Ivo Ledergerber, der bekannte Lyriker aus St.Gallen, verglich die Atmosphäre der Liturgie vom 2. Mai mit der Aufbruchsstimmung des 2. Vatikanischen Konzils.
Sr. Elisabeth, die Mary-Ward-Schwester aus Augsburg, die eine Woche mit uns pilgert, freut sich, dass die Mitschwestern des Generalates in Rom das Projekt verfolgen und beten.
Als wir uns auf dem Vorplatz des Bahnhofs in Teufen heute morgen treffen, kommen ein gutes Dutzend neue Pilger dazu! Schliesslich sind wir dann eine Gruppe von 38 Pilgerinnen und Pilger an diesem Tag! Welch eine schöne Überraschung! Personen, die diesen Tag oder vielleicht noch den einen oder anderen in dieser oder der kommenden Woche mitlaufen werden - wie es die Arbeit und die Familie erlauben.
In Gais lädt uns der Tagespilger Reinhold zu einer Pause bei sich zuhause ein und offeriert uns Sitzgelegenheiten und Getränke! Wie schön ist es, so gastfreundlich willkommen geheissen zu werden!
Was für ein Pilgertag! Wir starten beim Bahnhof Teufen bei mildem Frühlingswetter. Die Wege, die über Bühler, Gais und schliesslich nach Rüthi führen, sind traumhaft, die Landschaft bezaubernd. Zarter Frühling, letzte Schneeflecken auf den Hügeln, dann sattes Grün, Löwenzahnwiesen. Der Alpstein, noch sehr weiss, verbirgt sich zeitweise in Nebelschwaden. Wolken, Sonne wechseln sich ab. Es gibt manch eine Steigung, um die Hauptstrasse zu vermeiden und wir merken, dass die grosse Gruppe ihre eigene Zeit braucht, um vorwärts zu kommen.
Um die Mittagszeit fällt erster Regen. Die meisten behelfen sich mit Regenschirmen. Bis zur Kirche Eggerstanden sind wir aber schon wieder getrocknet vom Sonnenschein. Später aber hören wir, dass in der Nähe ein Gewitter sich entlädt. Kurz vor dem Abstieg ins Rheintal beginnt es stark zu regenen, dann trommelt der Hagel auf uns nieder und geht über in Dauerregen. Wir haben an diesem Tag das ganze Material testen können: halten die Schuhe der Nässe stand? Wofür taugt der Regenschirm? Braucht es Regenhose, das Regencape, die Rucksackhülle?
In der Kirche Rüthi werden wir empfangen, begrüsst von Richard, Barbara und Roman. Die Kerzen brennen. Tropfnass betreten wir das Gotteshaus und fühlen uns geborgen in der Heimatkirche unseres Bischofs. Wir singen und beten und vergessen für einen Moment, wie nass wir sind.
Der warme Tee, eine Stück Zopf und ein Munzbrügeli wecken unsere Lebensgeister wieder. Danke für den Empfang und die Gastfreundschaft.
Der Segensgottesdienst am Morgen war überwältigend: Die Kathedrale von St. Gallen war bis in die letze Reihe gefüllt, die Buntheit beeindruckend, die Stimmung voller Erwartung und Zuversicht.
Beinahe 300 Leute sind noch die erste kurze Etappe bis Teufen mitgelaufen. Jetzt ist die Pilgergruppe in Teufen gut angekommen, müde und zugleich froh.
Das Schweizer Fernsehen sehr ansprechend in seiner Abendausgabe der Tagesschau:
Auf der Facebook-Seite des Bistums St. Gallen wie auch auf der Seite "Für eine Kirche mit den Frauen" haben mehrere schon Fotos und Eindrücke gepostet:
Auf www.kath.ch schrieb Sylvia Stam einen ausführlichen Artikel.
Gefolgt von einem Interview mit Hildegard Aepli.
Auch Teleostschweiz brachte es in seinen Abendnachrichten.
Die Anstiege auf unserer kurzen Etappe machten einigen zu schaffen. Doch insbesondere der bewegende Gottesdienst und die vielen Begegnungen waren erfüllend. Dankbar und müde sind wir in unserer gediegenen Unterkunft angekommen, wo wir zum Znacht Salat und eine reichhaltige Gerstensuppe genossen.
«Du hast mich aus dir herausgezogen» betet Katharina. Sie spürt bis in jede Zelle ihres Körpers die bedingungslose Zuneigung und Würdigung Gottes. Gott liebt sie, sie liebt Gott und mit dieser Gottesliebe liebt sie die Menschen, die mit ihr unterwegs sind
Katharina liebte ihre Kirche bis in ihren Tod; noch auf dem Sterbebett äussert sie, sie habe alles, ihr ganzes Leben für die Kirche gegeben, sich «geopfert» für die Kirche, für Papst und Bischöfe, damit die Kirche sich erneuere
In den Jahren 1377/78 diktiert Katharina ihren «Dialogus», das «Buch von der göttlichen Vorsehung». Katharina beginnt mit den vier wichtigsten Bitten, auf die sie eine Antwort von Christus wünschte
Im Frühsommer 2013 gingen meine Freundin und ich auf dem Pilgerweg Via Francigena von Pavia nach Rom und kamen auch nach Piacenza. Nach unserer Ankunft erkundeten wir die Stadt. An einem verfallendem Haus entdeckten wir eine steinerne Tafel mit folgender Inschrift: «Caterina, Pilgerin der Liebe für Glauben und Freiheit logierte 1376 in unserem Haus.»
Mit diesem Gedenkstein ehrt die Stadt Siena ihre heilige Katharina. Katharina scheint auch im heutigen Siena gegenwärtig zu sein: in und um ihr Geburtshaus, am Brunnen «Fontebranda», wo der Vater eine Färberei betrieb; in der Dominikanerkirche, wo ihr Haupt beerdigt und eine der ältesten bildlichen Darstellungen zu finden ist
Ich bin seit 22 Jahren verheiratet, und ich meine ganz glücklich. Wie viel davon ich zu diesem Glück beitrage, bin ich mir zwischendurch nicht so sicher. Ich gebe mir Mühe den Macho in Grenzen zu halten, meine bescheidenen Beiträge an Haushalt und Kindererziehung zu leisten, nicht zu oft den beleidigten Prinzen zu spielen
Mein ganzes Leben lang habe ich gelernt zu differenzieren, keine pauschalen Aussagen zu machen oder gar Urteile zu fällen – und dann das – ausgerechnet aus dem Mund meiner Supervisorin, einer modernen, emanzipierten, psychologisch geschulten Therapeutin
Ich hatte gerade einen Karriereschritt hinter mir und war nicht mehr «nur» zuständig für die Jugendarbeit in der Stadt, sondern für die pastorale Entwicklung in eben dieser Stadt
Die Rollen waren klar verteilt: der Vater katholisch, politisch, gewerkschaftlich engagiert, in der Kirche und Pfarrei aktiv und präsent … so sollte es sein. Die Mutter zwar auch katholisch, aber bei weitem nicht so nach aussen gewandt und aktiv
Ich hatte das Glück, dass ich als Berufsanfänger alle paar Wochen die Supervision besuchen konnte. Die Supervisorin, etwa 25 Jahre älter, war mir eine grosse Unterstützung in der Klärung vieler Fragen und beruflicher Herausforderungen
Ausgewachsen mit fünf älteren Schwestern, früh ins Internat gekommen, immer der jüngste und meist der Schwächste in der Klasse, lernte ich meine Zunge als Waffe einzusetzen. Nun kann das Wort als Klinge zwar manchmal Dinge präzise klären, es kann aber auch verletzen
Frau und Mann gemeinsam sind Abbild Gottes, gehören zu einem vollständigen Bild des Mensch-Seins. Aufeinander verwiesen dürfen wir voneinander lernen, was es heisst Mensch und Abbild Gottes zu sein. Sieben Erfahrungen von Franz Kreissl und Damian Kaeser-Casutt
Rabbi Sussja von Anipoli pflegte auf seinen Wanderungen von Ort zu Ort den Menschen zu sagen: «Ich fürchte mich nicht davor, keine Antwort zu finden, wenn ich nach meinem Tod vom Allmächtigen gefragt werde: Sussja, warum warst du deinem Volk nicht ein so grosser Führer wie Mose oder ein so feuriger Prophet wie Elija oder ein so berühmter Schriftgelehrter wie Rabbi Akiba?!
Diese Gedanken von Edith Stein haben ihren Lebensweg bis zur Ermordung in Ausschwitz geprägt. Die tiefste Sehnsucht des Menschen ist auf Liebe und Geborgenheit ausgerichtet
Hingabe ist ein wunderschönes Wort. Es verweist auf unser inneres oder äußeres Tun. Es vollzieht eine innere oder äußere Bewegung nach, auch die Bewegung Gottes zu uns oder Gottes Fliessen in die Schöpfung hinein
Manchmal ist es sehr schwer, genau meine eigene Grenze zu finden. Mit ganzer Begeisterung gebe ich mich einem Menschen, einer Sache, einem Ideal hin … um irgendwann festzustellen, dass Ich mich gar nicht mehr hingebe, weil es mich nicht mehr gibt
Vieles auf dem Weg ist umsonst: Die Luft und die Sonne umsonst, das Lächeln der anderen umsonst – Gott und das Leben umsonst. Geschenk. Gnade. Ein großer Reichtum, den wir nicht verlieren können ...
Der Pilgerweg gibt Gelegenheit, das Masshalten einzuüben: nicht zu viel essen, ruhig einmal den Hunger und den Durst spüren und dabei erfahren, dass der Geist wichtiger ist als der Bauch
Gehen. Gehen. Und beim Pilgern die Anstrengung und Entbehrung nicht scheuen. Lieber einmal auf dem Boden als allzu komfortabel schlafen. Auch das Geistliche findet sich oft im Einfachen und Mühsamen ...
Gehe den Weg ohne Eile, ohne Zeitdruck, ohne Stress. Viele haben keinen Zugang zur Erfahrung des Heiligen, weil sie keine Stille kennen und es immer eilig haben. Dem Geheimnis Gottes muss man sich vorsichtig nähern, ohne Hast, im menschlichen Rhythmus ...
Auch in Begleitung, mit einer Gruppe ist das Alleinsein wichtig: Du allein, in deiner Einzigartigkeit und Unvertretbarkeit auf dem Weg, im Angesicht des Himmels, im Angesicht der Erde, im Angesicht des Meeres - letztlich im Angesicht Gottes ...
Auf einem Pilgerweg geht es weniger ums Reden, sondern in erster Linie um das Hören: Hören auf dein Inneres, auf die Schöpfung, die dich umgibt, auf Gott. Suche unterwegs auch das Schweigen ...
Im August 1996 pilgerten wir auf dem Camino in Spanien nach Santiago de Compostela. In Spanien war für das leiblich Wohl zwar ausreichend gesorgt. Zahlreich waren schon damals die Herbergen, Einkaufsmöglichkeiten und Bars. Dafür war geistliche Nahrung spärlich ...
Auferstehung einmal ganz anders: Ungewöhnlich war der Ort des Plädoyers – Papst Franziskus macht‘s möglich: In einer Beilage zum „Osservatore Romano“ wurde Anfang März das Thema Frauenpredigt angesprochen. Zwei Ordensfrauen und der Theologe Enzo Bianchi, Gründer und Prior des Klosters Bose, machten sich ...
Der Auferstandene trägt Wundmale. Das macht ihn für die Seinen erkennbar: Der Auferstandene ist identisch mit dem Gekreuzigten.
Nicht so in St. Michael in München: Am Ende der diesjährigen Fastenzeit wurde das seit 1818/19 im Querschiff abgestellte Kruzifix, das die „gefällige Harmonie“ störte, wieder ...
Thomas war nicht live dabei. Er will keinem Gerücht aufsitzen. Ein möglicherweise sensationelles Comebacks Jesu? Klingt nicht sehr überzeugend, nach allem, was war: Verhaftung, Folter, Kreuzigung, Tod.
Noch nie hat es mich gestört, dass er nachgefragt hat. Dass er nicht ...
Ich bewundere die Direktheit von Paulus. Den Korinthern knallt er hin: „Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden. Ist aber Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und euer Glaube sinnlos.“ (1 Kor 15,12)
Am 30. März 1984 ist Karl Rahner SJ gestorben. In seiner letzten grossen öffentlichen Rede, Mitte Februar 1984 in Freiburg, meinte er ganz am Ende:
„Gewöhnlich spricht man ja mit einem gewissen salbungsvollen Pathos über die Hoffnung des Ewigen Lebens … Man denkt sich das Ewige Leben, das man schon seltsam als ,jenseitig‘ und ,nach‘ dem Tod weitergehend bezeichnet, zu sehr ...
Dass Johannes und Simon Petrus in unterschiedlichen Geschwindigkeiten zum Grab kommen, mag mit ihrem Alter, mit ihrer Kondition zusammenhängen. Der Jüngere lässt dem Älteren den Vortritt. Die Theologie interpretierte das als Respekt vor dem Primat des Petrus. Ein bisschen arg bemüht wirkt das schon ...
Wie schon auf dem Weg nach Gologotha, wie schon unterm Kreuz: Frauen! Sie sind da. Auch am Grab. Maria von Magdala ist sogar die erste. Petrus und Johannes sind erst im zweiten Anlauf dort zu finden. Wenn sie das leere Grab nicht mit eigenen Augen sehen, glauben sie nicht.
Da setzte sich Anne ans Klavier und sang lauthals dazu:
„Das könnte den Herren der Welt ja so passen, wenn erst nach dem Tod Gerechtigkeit käme, erst dann die Herrschaft der Herren, erst dann die Knechtschaft der Knechte vergessen ...
Eine kalte Februarnacht liegt über West Vancouver, Kanada. Ich bin allein zuhause und noch wach, als es an der Tür klingelt. Das kann nur meine Freundin sein.
Doch als ich die Tür öffne, steht vor mir eine Frau, nackt, zitternd, blutend. Lass mich rein, bitte, ich werde verfolgt. Gedanken wie Blitze in meinem Kopf. Ich öffne die Tür, sie stürzt hinein. Keine Zeit für Angst. Tür zu. Mit wenigen Schritten bin ich am Telefon und rufe die Polizei an. Wie lange kann das dauern ...
Das Telefon klingelt, mein früherer WG-Mitbewohner Stefan ist dran. „Wie geht`s dir? Was machst du? Wie gefällt es dir im Pfarramt?“ Und: „Du hast dich doch damals schon für Passionslieder interessiert. Ich habe eins geschrieben, darf ich es dir mal vorsingen?“
Ja. Singen am Telefon. Das finde ich gut. Dann höre ich es ...
Ob ich mit meiner Religionsklasse nicht auch mitkommen möchte ins Kunstzeughaus zu einer Ausstellung über die Menschenrechte. Meine Kollegin hatte eine Führung für die 2. Oberstufe organisiert. Ich sagte ihr zu und besprach wochenlang im Unterricht die Menschenrechte ...
Wenn ich die Augen schliesse, sehe ich es vor mir.
Über der Dorfstrasse, die sich durch das Dorf Mtae in den Usambarabergen windet, liegt der Vormittagsnebel. Ich bin unterwegs mit zwei Freundinnen, als uns eine Gruppe von Frauen entgegenkommt. Sie tragen schwere Last. Auf dem Kopf drei Meter lange Baumstämme oder schwere Wassereimer, auf dem Rücken ...
Es geschah vor Jahren, als ich in der Passionszeit den Gottesdienst in der Gethsemanekirche in Berlin-Prenzlauerberg besuchte. Wir feierten im Kreis, wir konnten einander sehen, in die Augen blicken.
In allem Leiden, auch hinter dem Stacheldraht des Lagers, erfährt Etty Hillesum stets den Wert des Lebens: „ich kann nichts dafür, es ist nun einmal so, es ist von elementarer Gewalt –: das Leben ist etwas Herrliches und Grosses“. Das erlaubt ihr auch, das Leiden in innerer Freiheit zu empfangen: „Wir dürfen zwar leiden, aber ...
Als die Bedrohung zunimmt und Etty Hillesum dem „Massenschicksal“ der Vernichtung ihres Volkes entgegenschaut und ihr immer bewusster wird, dass sie dieses Massenschicksal auf sich nehmen will, denkt sie über Tod und Leben nach:
Im Laufe der Monate wird Etty Hillesums Tagebuch mehr und mehr zu einem ständigen Dialog mit Gott, und zwar in einem zwiefachen Verhältnis, einem Gott aussen, in dessen Armen man trotz allem Elend geborgen ist, und einem Gott innen, für den man in uns um Platz kämpfen muss.
„Ich will dir helfen, Gott, dass du mich nicht verlässt, aber ich kann mich von vornherein für nichts verbürgen. Nur dies eine ...
Als die Situation der Juden immer schwieriger wird, kämpft Etty Hillesum damit, dass sie sich mit tausend kleinen Sorgen auseinandersetzen muss, und dabei das Wesentliche verliert. Matthäus 6, mit den Vögeln des Himmels und den Lilien des Feldes, wird ihr dabei zu einer wichtigen Losung.
„Man muss sie täglich bekämpfen wie Flöhe, die kleinen Sorgen ...
Etty Hillesum hätte Schriftstellerin werden wollen. Ihr Tagebuch ist bloss Material für späteres Schreiben. So sagt sie öfters, sie würde gerne eine Erzählung schreiben über „Das Mädchen, das nicht niederknien konnte“. Damit ist sie selbst gemeint. Sie wird dann dieses Niederknien erlernen und regelmässig praktizieren, ...
„Jeden Abend sollte es eine Geste der Übergabe und der Entspannung sein: den Tag loslassen, mit allem, was in ihm war. Und verzichten auf all das, was nicht hat zu einem befriedigenden Ende geführt werden können, im Wissen, dass ein anderer Tag kommt. Man muss in die Nacht hinein ...
Ganz kurz: Sie ist am 15. Januar 1914 in Middelburg, Holland, in einer jüdischen Familie geboren. In den 1930er Jahren studiert sie Rechtswissenschaft in Amsterdam, und lernt zugleich Russisch, liest Dostojewski und Rilke. 1941 lernt sie einen deutschen Juden namens Julius Spier kennen, der ihr enger Freund und zugleich ihr geistlicher Lehrer wird. Unter seiner Anleitung ...
Das Thema der verrückten Hoffnung, besungen, beschworen, gelebt: über die ‚verrückte Hoffnung’ des Liedermachers Wolf Biermann, den Traum des Martin Luther King, den Kampf eine Bischofs Kräutler am Amazonas für das Überleben der Indianer – ohne die verrückte Hoffnung gäbe es keinen Widerstand gegen die menschenfeindlichen Ungeheuerlichkeiten vieler Weltmechanismen.
Doch sie spielt schon in alltägliche Begegnungen hinein:
Für mich brachte es die Frage eines papierlosen Asylsuchenden ...
Der Papst schaut nicht mit einem ‚technischen Blick‘ auf die gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten, wie er einmal sagte. „Wenn die Politik wirklich dem Menschen dienen soll, darf sie nicht Sklave der Wirtschaft und der Finanzwelt sein.“ (24.9.2015 vor dem amerikanischen Kongress)
Ich denke, der Papst schaut mit dem Blick Gottes, mit dem Auge der Exodus-Befreiung und mit dem Auge des Reiches Gottes auf die gesellschaftliche Realität.
Mystiker und Mystikerinnen sind regelmässig mit Gott intim und gleichzeitig durch dessen Geist imprägniert. Sie drücken ihn und sich öffentlich aus. Sie sind erkennbar und machen sich verletzlich. Ob sich in ihnen der Gott Abrahams, Moses und Jesu ausspricht, das hören die Angesprochenen. Ob jemand eine Jüdisch-christliche Mystikerin, ein Mystiker ist, das wird ...
Nur von Weiten und etwas verschwommen, schon zu leise, um noch zu besteh‘n, sucht ein Lied sein Recht zu bekommen und man kann es schon nicht mehr versteh’n.
Mystische Erfahrungen stehen jedem und jeder offen, gerade in Situationen der ausgesprochenen Ur-Erfahrungen: wer etwa ein gerade geborenes Kind in den Armen hält oder den letzten Atemzug eines Menschen begleitet. Beim ersten Einatmen der Welt und bei ihrem letzten Ausatmen - da kann eine Seele erbeben und Gefühle kön-nen überschiessen, oft leise, nach innen gewendet. Viele umweht dann ...
‚Politik ist die Kunst des Möglichen.’ So lautet eine idealistische Definition Otto von Bismarcks. ‚Politik ist Machterhaltung‘, scheint realistischer. Aber so oder so hat Politik mit verschiedenen Optionen zu tun, sonst gäbe es keine unterscheidbaren Parteien. Und Optionen können mehr oder weniger von einer ganzheitlichen, schöpferischen Absicht geprägt sein, sie können Glück ...
Ich glaube, dass eine andere Welt möglich ist, dass eine gerechte Verteilung der Güter und eine Erde ohne Krieg möglich ist. Dass ein Wirtschaften möglich ist, dass der Befriedigung von rundbedürfnissen dient, und ein ganz neues Miteinander von Frauen und Männern, von Kindern und Erwachsenen, von Flüchtlingen und Einheimischen, von Kranken und Gesunden, von Armen und Reichen.
Jahrhundertlang hat die Kirche das Sekundäre zum Primären und das Primäre zum Sekundären gemacht. Wichtig waren das Gebet, die Versenkung, die Sakramente, besondere die Eucharistie – hier konnten sich Menschen komplett gegen Gott verfehlen. «Mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm ...», das war die Maxime: fromm sein. Die Maxime Jesu heisst solidarisch sein, heisst Nachfolge.
Nirgendwo in der Schrift lese ich, dass der Wanderrabbi zu denen, die sich auf Krücken vorwärts schleppten, als Aussätzige mit Klappern vor sich selber warnten, als Hungernde Schalen vor sich auf dem Boden hinstellten oder als Stumme ihre verzweifelten Arme in die Luft warfen, gesagt hätte, dass sie es im Himmel einmal schöner haben würden. Nein, er hat geheilt und befreit, wo er nur konnte. Und noch als Auferstandener hat er dem Petrus und dir und mir am See von Tiberias zugerufen: «Du aber folge mir nach!»
Wenn ich an Nachfolge denke, dann denke ich nicht an Höflichkeit oder das Blumenbeet, das ich der Nachbarin giesse, während sie in Ferien ist – das hat nichts mit Jesus zu tun. Wenn ich an Nachfolge denke, dann denke ich an vermeidbare Krankheiten, an abgeholzte Regenwälder, an ausbeuterische Arbeit, an heimat-, an land-, an obdachlos Gemachte, an Kinder, die am Durchfall sterben oder nicht wissen, was Schule ist. An Ignacio Ellacuría und Edith Stein denke ich, und vor allem an Mut.
«Nachfolge» ist ein Wort, das ich kaum mehr höre und lese – ein Wort, aus der Mode gekommen, out. In dagegen ist «Solidarität». Ich mag die frömmere Variante trotzdem, weil sie nicht allein ein Tun anzeigt, sondern auch in Beziehung steht.
Es geht in diesem Leben nicht allein um den ganz grossen Widerstand, den nur die wenigsten von uns zu leisten vermögen, weil sein Preis hoch ist. Es geht auch um den kleinen alltäglichen Widerstand gegen das Vergessen, gegen die Kälte, gegen die Zerstörung, gegen das Unrecht.
Oli – einer der Schüler, deren Religionslehrerin ich mal war –, Oli und ich, wir haben uns vom ersten Augenblick an nicht gemocht. Als ich zum ersten Mal vor der 4. Klasse stand und eben die Kinder begrüssen wollte, hat er sich bereits gemeldet und mir ebenso süffisant wie selbstbewusst von seiner Mutter ausrichten lassen, dass es egal sei, welche Note er in Religion heimbringe. Von da an hat er so ziemlich gemacht, was er wollte.
In der Erfahrung des Schönen bin ich ganz bei mir und ganz beim anderen. Mein Wollen, Wünschen und Denken kommen zur Ruhe: ich schaue und freue mich an dem, was ist. Es ist gut, wie es ist. «Das Schöne: das, was man nicht verändern will.»
«Wünsche im Märchen. Das Gefährliche an den Wünschen ist, dass sie erhört werden», notiert Simone Weil in ihr Notizheft. Das Töpfchen, das nicht mehr aufhört, Brei zu kochen, macht deutlich, dass der Wunsch zwar erfüllt, aber die tiefere Hoffnungsdimension gar nicht berührt wurde. Im Verlangen nach Nahrung liegt mehr; wir ersehnen eine Sättigung, die weit über die Sattheit des Bauches hinausgeht: Gemeinschaft, Geborgenheit, Glück, Heil …
Einschneidend und verstörend zugleich war für Simone Weil ihr Fabrikeinsatz 1934/1935. Als Frau fand sie sich ganz unten in der Hierarchie wieder – am Fliessband: einem unerbittlichen Akkord unterworfen, den Befehlen der Einrichter ausgesetzt, von Erschöpfung und Angst geplagt. «Für mich persönlich bedeutete die Fabrikarbeit, dass alle äusseren Gründe (vorher hatte ich sie als innere angesehen), auf denen das Gefühl meiner Würde, die Achtung meiner selbst beruhten, in zwei oder drei Wochen radikal zerbrachen unter der Gewalt eines täglichen brutalen Zwanges.»
«Die Zeit ist das Warten Gottes, der um unsere Liebe bettelt.»
In jeder Zeit, ob eintönig, zerstückelt oder voll, ist Gott abwesend gegenwärtig. Die Freiheit, mich in aller Gebrochenheit auf die Wirklichkeit einzulassen, das Leben in seiner Bruchstückhaftigkeit und Unvollkommenheit zu lieben, ist für Simone Weil getragen von der gewährenden Liebe Gottes.
«Warten ist die extremste Form der Passivität. Es bedeutet, der Zeit zu gehorchen. Die totale Unterwerfung unter die Zeit.» Diese Zeilen schreibt Simone Weil im Mai 1942. Es herrscht Krieg und Verfolgung in Europa. Die französische Philosophin jüdischen Ursprungs wartet mit ihren Eltern in Marseille auf ein Schiff, das sie in Sicherheit bringen wird. Warten – nichts tun können. Man möchte die Zeit beschleunigen… Wie nur die Zeit füllen?
Simone Weil wurde schon die Heilige des Wartens genannt. Das mag erstaunen, war sie doch in ihrem kurzen Leben äusserst aktiv. Man findet die Philosophielehrerin an Abendkursen für die Eisenbähnler, am Fliessband bei Renault, im spanischen Bürgerkrieg, in Versammlungen und an Protestmärschen, in Flüchtlingslagern … und immerzu schreibend.
Auf der Schwelle der Kirche und damit im Schnittpunkt der Welten – mit diesen Worten bezeichnete die französische Philosophin Simone Weil (1909–1943) ihre Beziehung zur katholischen Kirche.
Umkehr heisst mich neu ausrichten. Einen einfachen Lebensstil einüben – immer wieder. Die Not anderer mich berühren lassen und einstehen auch für ihre Rechte. Meine Verantwortung übernehmen und mich für nötige Veränderungen einsetzen.
Verzicht kann mir helfen, bei mir anzukommen. Was brauche ich wirklich? Nicht selten führt ein Weniger – nicht zu wenig – an Materiellem zu einem Mehr an Lebensqualität. Diese alte Weisheit und Kunst des Masshaltens ist ein wichtiger Gegenakzent in unserer so stark von Konsum geprägten Gesellschaft und ein zentraler Wert für einen nachhaltigen Lebensstil.
Angesichts von Not und der Missachtung grundlegender Rechte ist solidarisches Handeln gefragt. Das bedeutet, mich berühren zu lassen, Anteil nehmen und Anteil geben, teilen.
Vor wenigen Tagen haben Fastenopfer und Brot für alle eine Studie veröffentlicht, welche die Auswirkungen des Goldabbaus in Burkina Faso auf die Menschen und insbesondere auf die Frauen vor Ort untersucht.
«Esta es nuestra verdadera riqueza» – ein Plakat mit beeindruckenden Naturbildern steht am Ende des kolumbianischen Dorfes Cajamarca, da wo die Strasse den Anstieg in die Cordillera beginnt.
Es bedeutet mir viel, dass die Fastenzeit in unserer Tradition unter der Trias Nächstenliebe, Verzicht und Gebet steht. Diese verschiedenen Dimensionen ergänzen und bereichern sich gegenseitig.
Fastenzeit – österliche Busszeit – in dieser besonderen Zeit auf Ostern hin geht es um Umkehr und Erneuerung. Ich werde erinnert und ermutigt, mich wieder auszurichten, gerade da, wo Gewohnheiten oder Sachzwänge mich wegbringen, von dem, was wesentlich ist, von dem, was dem Leben dient.
Ignatius von Loyola geht davon aus, dass der Mensch die Fähigkeit in sich entdecken kann, lebensförderliche und lebensvernichtende Kräfte voneinander zu unterscheiden.
Wir haben es mit einer wirklichen Entscheidungssituation nur zu tun, wenn wir in das Dilemma von verschiedenen Optionen geraten, die uns alle richtig und gut erscheinen.
Wo bleibt das Leben stehen? Wo drängt sich Veränderung auf? Wo gilt es aufzubrechen?
Christinnen und Christen sind Menschen des Weges, des Unterwegsseins, schreibt die Redaktion Kirche mit. Dieses Unterwegssein ist ein Zeichen für Lebendigkeit. Es ist keine einmalige «Aktion», sondern vielmehr etwas Kontinuierliches.
Der Duft von Salböl hängt noch in der Luft, der Salzgeschmack der Tränen liegt noch auf der Zunge. Es ist das Schweigen und Erschrecken das sich bald mit Wortfetzen füllt Von Gier ist die Rede. Von schlechtem Ruf Von Beschämung. Von… Und alles durch eine Frau ...
Ich kam nie in Berührung mit dem Leib eines Fremden Das verbieten mir die Sitten meines Volkes Das verbietet mir meine Würde. Ich liefere mich nicht aus Jetzt habe ich alles aufgegeben: ...
Tanzen, hüpfen – eine Religion, die das Tanzen und Hüpfen verlernt hat, ist unfruchtbar. Sie mag noch so viele alte, heilige Riten in sich bewahren, aber ...
„Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit und nicht am Opfer.“ (Mt 12,7)
Im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo komme ich mit einer Ordensfrau ins Gespräch. Sie berichtet von den Schrecken des Krieges, davon, was die Bevölkerung und besonders die Frauen durchmachen mussten. Und noch Jahre nach offizieller Beendigung des Krieges werden Frauen vergewaltigt, nun ...
„Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27)
Messe in einem kleinen Ort in einer äusserst abgelegenen Region Kameruns.
Die Kirche ist brechend voll. Erstaunlich, wie viele Menschen auf eine Kirchenbank passen. Die zuletzt kommen, müssen dann doch stehen bleiben. Hier gibt es nicht nur Priester, Frauen und Kinder, auch Männer füllen die Bänke. Die Stimmung ist ausgelassen, ...
„… als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.“( 2 Kor 6,10)
Houssi sitzt in einem Dorf im Niger am Strassenrand und verkauft Erdnüsse. Sie hat sie in leeren Tomatenmarkdöschen portioniert. Sie verkauft nicht viel und es sind nur ein paar Francs, die sie den ganzen langen Tag über verdient. Aber sie hat ja Zeit. Bei uns würde sie in ihrem Alter ...
„Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)
Messe in Poko, einem Ort im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo.
Der Sonntag ist der Höhepunkt der Woche, da wird gefeiert! In Poko steht eine riesige Kirche, gebaut von deutschen Missionaren. Als ich sie sehe, frage ich mich, wie man so ein riesiges Gebäude mitten im Urwald bauen kann. Aber dann strömen die Menschen, oder besser gesagt ...
„Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.“ (2 Kor 12,10)
Bei meinen Aufenthalten in Afrika fasziniert es mich immer wieder, selbst in den schwächsten und vom Leid geplagtesten Frauen eine ungeahnte Stärke zu entdecken, eine Würde, die ihnen keiner nehmen kann. Eine dieser Frauen ist Salome.
Ich bin es müde geworden immer wieder die Klage zu hören, dass wir nicht miteinander Eucharistie – Abendmahl feiern können.
Feiern wir doch dort zusammen, wo unsere gemeinsame Basis vorhanden ist: Das gemeinsame Singen, gemeinsame Beten, gemeinsame Hören auf das Wort Gottes wird ...
Entwicklungen verlaufen nicht kontinuierlich, sondern in Wachstumsschüben. So ist die eine Konfession in der einen Thematik weiter fortgeschritten, die andere Konfession hat andere Reformen frühzeitig angepackt und ist daran gewachsen. So können wir voneinander lernen: Wir evangelischen Frauen ...
„Ihr alle nämlich, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus.“ (Galaterbrief 3, 27 und 28)
Die Taufe verbindet uns und macht uns zu Kindern Gottes – gleichwertig, gleichberechtigt unabhängig von Alter, Geschlecht, Status und Kirchenzugehörigkeit. Dies einzufordern in ...
Ich glaube nicht, dass Gott uns einst fragen wird, ob wir richtig geglaubt haben. Er wird uns fragen, ob wir aus dem Glauben heraus richtig gehandelt haben. Entscheidend für uns, unsere Glaubensgemeinschaft, unsere Welt ist, ob ...
„Seid alle eines Sinnes, voller Mitgefühl, liebt einander, übt Barmherzigkeit, seid demütig.“ (1. Petrusbrief 3,8)
Demut – ein altes Wort, das es verdient sich wieder vermehrt in unserer Spiritualität einzunisten. Demut hat nichts damit zu tun, sich klein zu machen oder ...
„Seid stets bereit, Rede und Antwort zu stehen, wenn jemand von Euch Rechenschaft fordert, über die Hoffnung, die in Euch ist. Tut es jedoch mit Sanftmut und Ehrfurcht, mit einem guten Gewissen.“ (1. Petrusbrief 3, 15)
Wie oft habe ich den gutgemeinten, aber falschen Satz gehört ...
Die Blogeinträge dieser Woche begannen mit der Berufungsvision des Antonius. Heute, an dessen Namenstag, schliessen sie mit den letzten Worten dieses grossen Heiligen:
Der Altvater Antonios sagte: „Es kommt eine Zeit, in der die Leute alle verrückt werden und wenn sie einen sehen, der nicht verrückt ist, dann ärgern sie sich über ihn und sagen: Du bist ...
Ein Mönch begegnete einmal auf der Wanderung einigen frommen Dienerinnen Gottes, und kaum hatte er sie erblickt, stahl er sich davon. Die Vorsteherin aber rief ...
Der grosse Abba Nisteroos wandert einmal mit einem Novizen durch die Wüste. Als sie einen Drachen sehen, ergreifen sie die Flucht. Da ruft der Bruder zu ihm: „Ich, Vater, ich habe ...
Abba Dulas, der Schüler des Abba Besarion, erzählte einmal: Als wir einmal am Ufer des Meeres entlangwanderten, bekam ich Durst, und ich sagte zum Abba Besarion: „Vater, ich habe ...
Als Abba Antonios einmal mit säuerlicher Stimmung und düsteren Gedanken in der Wüste sass, rief er zu Gott: »Herr, ich will gerettet werden, aber meine Überlegungen lassen es nicht zu. Was soll ich ...
Die österreichische Künstlerin Elisabeth Altenburg hatte sich für einen Wettbewerb auf die Suche nach einem zeitgenössischen Marienbild gemacht. Sehr schnell war ihr klar geworden, dass sie selbst diese junge Frau verkörpern wollte. Schwieriger war für sie aber die Frage, in welcher Haltung sie Maria darstellen sollte. Es entstand eine Serie von Bildern, von denen hier 16 zu sehen sind.
Als Alteingesessene wissen wir mit ihnen oft nicht umzugehen, mit den „Neu-Bekehrten“, den „Konvertiten“ oder wie wir sie noch nennen: Menschen, die erst als Erwachsene zum Glauben gefunden haben. Sie verunsichern uns, die wir schon lange dabei sind, in ihrer Begeisterung, ihrem Eifer, ihrer Entschiedenheit, weil sie die Worte Jesu sehr ernst nehmen und unvoreingenommen auf ihr Leben und unser Zusammensein anwenden.
In Österreich und in den alten Bundesländern Deutschlands sind die meisten Christinnen und Christen noch als Babys getauft worden. Stellvertretend für das Kind haben bei der Taufe Eltern und Paten ihren Glauben an Jesus Christus bekannt und versprochen, das Kind im christlichen Glauben zu erziehen. Viele von uns sind in der Tat auf diese Weise hineingewachsen in Glauben und Kirchlichkeit.
Im Buch Genesis heisst es: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn, als Mann und Frau schuf er sie.“ (Gen 1,27) Das hebräische Wort für „Abbild“ meint ein plastisches Standbild oder Figürchen zum Zweck der Repräsentation einer Macht. Parallel dazu wird ein anderes hebräisches Wort verwendet, das meist mit „Gestalt“ übersetzt wird. Es bezeichnet die ähnliche Beschaffenheit des Abgebildeten mit dem Vorbild. Der Mensch – eine Götterstatue?
Als Kind war ich einmal mit der Schule im Berliner Grips-Theater, einem Jugendtheater mit unkonventionellen Spielideen. Auf dem Programm stand ein Stück zur Sexualkunde. Während der Aufführung ging eine der Schauspielerinnen durch die Reihen und gratulierte allen Schülerinnen mit Handschlag: „Herzlichen Glückwunsch!"
Frau G. plagt sich seit einigen Monaten mit der Frage, ob sie eine Berufung „habe“. Wer ihre Lebensgeschichte kennt, könnte ihre Antwort bejahen oder lediglich an der Formulierung feilen. Nachdem Frau G. in der Schule gehört hatte, dass es so etwas gibt wie „an Gott glauben“, erlebte sie einmal bei einem Besuch, wie eine christliche Gruppe vor dem Essen miteinander betete: Alle schauten ernst in den Boden und murmelten unverständliche Worte.
Gott, Kirche, Gebet – ein grosses Geheimnis um diese Dinge hatte sich in Frau G.s Leben aufgetan. Ich bin überzeugt: In diesem Geheimnis hatte Gott begonnen, zu Frau G. zu rufen – leise und unscheinbar.
Vor kurzem erzählte mir Frau G., die in der DDR aufgewachsen ist, dass sie in der Schule immer wieder gefragt wurde, ob sie in die Kirche gehe oder an Gott glaube. Da niemand aus ihrer Klasse die Fragen bejahte, war das Thema zwar jedes Mal schnell wieder vom Tisch, aber eingeprägt hat sich ihr dennoch die Information, dass es so etwas gibt: an Gott glauben.
„Da machte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.“ (Genesis 2,7)
„Herr, unser Gott, in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt. Gib unseren Familien die Gnade, dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben und einander in der Liebe verbunden bleiben. Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft mit deinem Vaterhaus. …“(Tagesgebet vom Fest der Heiligen Familie)
„… In der Geburt deines Sohnes schenkst du uns das Heil; im Sterben des heiligen Stephanus zeigst du uns das Beispiel eines unerschrockenen Glaubenszeugen. Wir bitten dich: Stärke unsere Bereitschaft, deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, standhaft zu bekennen …“ (Schlussgebet vom 26.12.)
„Allmächtiger Gott, du hast den Menschen in seiner Würde wunderbar erschaffen und noch wunderbarer wiederhergestellt. Lass uns teilhaben an der Gottheit deines Sohnes, der unsere Menschennatur angenommen hat. Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.“ (Tagesgebet vom 25.12.)
„Allmächtiger Gott, in dieser heiligen Nacht bringen wir dir unsere Gaben dar. Nimm sie an und gib, dass wir durch den wunderbaren Tausch deinem Sohn gleichgestaltet werden, in dem unsere menschliche Natur mit deinem göttlichen Wesen vereint ist. Darum bitten wir …“ (Gabengebet der Messfeier in der Heiligen Nacht)
„Allmächtiger Gott, schon naht das Fest der Geburt deines Sohnes, der aus Maria, der Jungfrau, Fleisch angenommen hat, um unser Los zu teilen. Wir bitten dich: Dein ewiges Wort komme und wohne unter uns mit seinem Erbarmen, unser Herr Jesus Christus …“ (Tagesgebet vom 23.12.)
„Barmherziger Gott, du hast die Not des Menschen gesehen, der dem Tod verfallen war, und hast ihn erlöst durch die Ankunft deines Sohnes. Gib uns die Gnade, das Geheimnis der Menschwerdung in Ehrfurcht zu bekennen und in der Gemeinschaft mit unserem Erlöser das Heil zu finden. …“ (Tagesgebet vom 22.12.).
„Gnädiger Gott, du erfüllst uns mit Freude über das Kommen deines Sohnes in unserem Fleisch. Schenke uns bei seinem Kommen in Herrlichkeit das ewige Leben, das du uns verheissen hast. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.“ (Messbuch der röm.-kath. Kirche, Tagesgebet vom 21.12.)
Das lat. Wort spiritus gibt das griechische pneûma wieder: Atem, Wind, Geist, Hauch. Damit meint das Neue Testament den inneren Menschen, der offen ist für den Geist Gottes. Beide, der Geist Gottes und der Geist des Menschen, werden pneûma genannt. Der Mensch ist das geistige, das geistoffene, das spirituelle Wesen.
„Da machte Gott der HERR den Adam aus Staub von der Erde (adamah) und blies ihm den Atem des Lebens in seine Nase. Und so wurde der Mensch eine lebendige Seele“ (Genesis 2,7).
„Seele“ ist hier die Übersetzung der hebräischen næfæsh (Kehle, Hals, Person, in der griechischen Übersetzung meistens mit psychē wiedergegeben). Das hebräische Denken verwendet gern einzelne Organe wie Kehlkopf, Herz, Knochen oder Nieren, um über den ganzen Menschen zu sprechen. Wenn wir also „Seele“ übersetzen, ist es gut, die Kehle mitzuhören:
„Meine Kehle dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott“ (Psalm 42,3).
Besonders attraktiv ist dieses Wort auf den ersten Blick nicht. So wird es auch meist in verneinenden Sätzen gebraucht, etwa wenn jemand beteuert, er wolle nicht missionieren. Besonders Menschen, die im Auftrag der Kirche verkündigen, befürchten, als „missionarisch“ missverstanden zu werden, also manipulativ und aufdringlich zu sein, vielleicht die Schwäche des anderen auszunutzen oder gar Gewalt anzuwenden.
Uralt ist die Vorstellung einer Exkursions-Seele, einer Seele also, die den menschlichen Körper verlassen und auf Wanderschaft gehen kann. Mit dieser Vorstellung werden „out of body-experiences“ gedeutet, also besondere Erlebnisse des Getrenntseins von Leib und Seele. Vieles spricht dafür, dass die Vorstellung einer nicht nur vorübergehend, sondern definitiv ‚auswandernden‘ Seele die Verarbeitung des am Mitmenschen beobachteten Sterbens ist.
„Gott schuf also den Adam als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“ (Genesis 1,27). „Da sprach der Adam: Das ist doch Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch; man wird sie Männin nennen, weil sie vom Manne genommen ist“ (2,23).
Wir sind es gewohnt, Adam nicht nur als den Ur-Menschen, sondern auch als den Ur-Mann und Eva als die Ur-Frau zu sehen. Die ursprüngliche Wortbedeutung von „Adam“ ist jedoch: „Der von der Erde (Adamah) Genommene“. Adam ist also das lehmige, irdene Wesen.
Wer in Deutschland mit dem Zug fährt, wird oft mit den Worten verabschiedet: „Take care and good-bye!“ Wofür soll die reisende Person denn Sorge tragen, worum soll sie sich kümmern, wen oder was soll sie pflegen?
„Wait for the Lord, whose day is near. Wait for the Lord, keep watch, take heart”. Manchmal wache ich morgens auf und ein Lied schwirrt in meinem Kopf herum, ohne dass ich weiss, warum ...
Heute, am 12. Dezember, werden am späteren Nachmittag in verschiedenen Dörfern und Städten auf öffentlichen Plätzen unzählige Windlichter aufgestellt und entzündet ...
Termine, Aufgaben, Dinge, die zu erledigen sind, ein oftmals eng getakteter Alltag ... Manchmal muss es schnell gehen! Ich sitze im Auto auf dem Parkplatz des Altersheims – und ...
Begegnungen mit Asylsuchenden sind herausfordernd. Finden wir eine Sprache, in der wir uns gegenseitig verstehen? Manchmal spüre ich auch eine Zurückhaltung, ein gewisses Misstrauen ...
Unter der Woche habe ich oft mehrmals täglich einen Bahnübergang zu überqueren. Wenn ich zu Fuss unterwegs war, der durchdringende Signalton ertönte, die Lichter blinkten und sich die Schranken zu senken begannen, bin ich über Jahre hinweg immer gerannt ...
Heute feiern wir als katholische Kirche das Fest der unbefleckten Empfängnis – nicht die von Jesus, wie oft angenommen, sondern Mariens. Nicht nur bei Empfängnis und Geburt ihres Sohnes, sondern schon bei ihrer eigenen Empfängnis soll nicht alles so gelaufen sein, wie es bei normalen Menschen ist ...
Warten – Erwartung. Müsste ich ein Bild dazu malen, es wäre das einer sichtbar schwangeren Frau. Gewölbter Bauch, Brüste, die grösser sind als sonst. Vorbereitung auf das, was kommt ...
Lässt sich Versöhnung denken in einer Welt, in der zwei Drittel der Menschen zu den Armen gehören? In einer Welt, in der eine winzige Minderheit fast alles und die meisten Menschen fast nichts besitzen ...
Es gehört zu den schwer erträglichen Seiten der Geschichte: Ohne Opfer der Versöhnung, ohne „sacrifices“ der „victims“, wird unsere Welt nicht mehr heil ...
Versöhnung braucht ein Opfer, zumindest das Opfer des Verzichts auf Rache oder auf eine ausgleichende Gerechtigkeit. Versöhnung gibt es nicht umsonst ...
„Ich entschuldige mich.“ Der Satz fällt nicht leicht – und ist auch noch falsch. Niemand entschuldigt sich selbst. Gemeint ist vielmehr: „Ich bitte um Entschuldigung.“ Und hier wird es heikel ...
Manchmal können wir durch das Scheitern so total aus der Bahn geworfen werden, sodass der Grund, der uns bisher getragen hat, zu Grunde geht, wir in die Tiefe fallen ...
Wenn wir scheitern, Lebensentwürfe in Brüche gehen, ist in der Regel mit viel seelischem Schmerz verbunden. Es ist wichtig, diesen Schmerz zuzulassen, sich die Zeit zu lassen, die unsere Seele braucht, um die Trauer, die Enttäuschung, die mit dem Scheitern einhergehen, zu verarbeiten ...
Manchmal stürzt uns unsere Seele in eine Krise, indem sie uns etwas tun lässt, was uns in äussere und innere Bedrängnis führen kann, damit wir dadurch wachgerüttelt, inne halten, uns darauf besinnen, wohin wir laufen, wie sehr wir möglicherweise dabei sind, uns zu verrennen. Sehr ausdruckvoll beschreibt der Tiefenpsychologe C. G. Jung dieses Wirken der Seele ...
Im Rahmen der Salutogenese, die statt zu fragen, was macht Menschen krank, zuerst die Frage stellt, was macht Menschen gesund, kommt der Resilienz eine grosse Bedeutung zu ...
Ich kann nicht beurteilen, was die tieferen Gründe für das Scheitern vieler Lebensentwürfe ist, die auf ein ganzes Leben angelegt waren, will aber nicht ausschliessen, dass manche nicht hätten scheitern müssen, würden die davon Betroffenen die Krise und das vermeintliche Scheitern auch als Chance begreifen ...
Sollen unsere Lebensentscheidungen nicht nur ein Leben lang andauern, sondern auch dazu beitragen, dass wir zufrieden, glücklich, innerlich lebendig bleiben, bedarf es der Bereitschaft, flexibel zu sein, einmal getroffene Entscheidungen dynamisch entsprechend der jeweiligen Lebenssituation fortzuschreiben.
Henry David Thoreau, der über ein Jahr lang in einer Hütte, umgeben von einem See und Wäldern, gelebt hat, meint: „Das Mausern muss wie bei Vögeln eine Crisis in unserem Leben sein (...) Auch die Schlange wirft ihre Haut und die Raupe ihren wurmigen Rock infolge einer inneren Arbeit und Ausdehnung ab.“
Ein guter Mensch werden, ist das nicht eine Überforderung? Die Anregungen Gottes, die Ideen zum Guten können auch zu viele werden. Wo sollen wir anfangen, wenn wir die Nöte unserer Welt, die Probleme unserer Zeit sehen? Dann wird das, „was zuerst leicht und angenehm gewesen war, nun auf einmal schwer und lästig“.
„Ein einzigartiges Freisein von allem, was einen von irdischen Dingen abhängig machen könnte, zusammen mit voller Hinwendung zu allen guten Werken und Eignung und Verfügbarkeit für sie“.
Das Freiwerden durch die Ausrichtung auf Gott und das Ringen um Wahrhaftigkeit im Umgang mit uns selbst und mit der Realität machen uns aufnahmebereit für das Gute, das Gott getan haben will- und es gut zu tun.
„Bis jetzt wurde uns von Männern gesagt, wir müssten glauben. Das ist wahr, wir müssen es. Aber lasst uns weise sein und wissen, was wir zu glauben haben und was nicht, und uns nicht dazu bringen zu glauben, dass wir (Frauen) nichts tun können.“
Zur Freiheit gehört auch, dass wir in aller Weltzugewandtheit unabhängig werden von den Dingen, statt dass sie uns abhängig machen. Für Mary Ward scheint es: „eine freundliche Loslösung von verschiedenen Dingen dieser Welt zu sein, so als ob weder sie einen Anteil an mir hätten, noch ich an ihnen. Ich kann sie gleichermaßen besitzen oder entbehren; ich kann sie sehen, ohne sie zu lieben; ich kann sie mögen, ohne in ihnen zu leben.”
Mary Ward machte ziemlich genau vor vierhundert Jahren (um Allerheiligen 1615) eine zentrale geistliche Erfahrung, in der es um diese Eigenschaften ging: frei, wahrhaftig und gut. Von der Freiheit schrieb sie unter anderem, sie bestehe darin, dass wir alles zu Gott zurückbringen und in Beziehung zu ihm setzen sollen (refer to God).
Mary Ward war überzeugt, dass wir, wenn wir Gott aufrichtig suchen, jederzeit einen freien und offenen Zugang zu ihm haben: „Gott ist an allen Orten anwesend. Er sieht mich nicht als strenger Richter an, der mit Härte blickt, um zu strafen, vielmehr mit Liebe mit dem Verlangen, mir seine besonderen Gnadengaben mitzuteilen.“
Mary Ward (1585-1645), die uns in dieser Woche begleiten wird, ist 1621 in zwei Monaten von Trier nach Rom gepilgert. Sie tat es, um vom Papst die Erlaubnis für ihre Ordensgemeinschaft zu erhalten, für einen Frauenorden nach dem Vorbild der Jesuiten, in Unabhängigkeit von Ortsbischöfen und Männerorden, nur dem Papst unterstellt – für den Dienst in der Kirche und an den Menschen.
Wir haben jeden Augenblick die Wahl, uns auf dem Weg der Sinne, durch alles, was da ist, „nah ist“, in die Verbundenheit mit dem Göttlichen hinein nehmen zu lassen. Wir können es aber auch sein lassen und vom Ganzen - „vom Land, das sie das Leben nennen“ - getrennt weiter leben.
Über die Haut kommen wir mit unserer Mitwelt in Berührung. Berührungen sind für unser Überleben so wichtig wie die Luft zum Atmen. Wir nehmen über die Haut, das grösste Sinnesorgan des Menschen, Wärme und Kälte wahr, aber auch Zärtlichkeit und Liebe.
SCHMECKEN – Einfach nur schmecken! „Wo sonst Worte gesprochen werden, fliessen Funde“. Die Süsse schmecken, die sich im Gaumen verdichtet, mehrdeutig, sonnig, erdig... Dazu lädt uns Rilke im ersten Teil seiner Sonette an Orpheus heute ein, um klar zu werden, wach und transparent.
RIECHEN – einfach nur riechen! Das Wasser, die Luft, die Blumen... den Duft eines frischen Apfels oder Brotes verkosten... Oder stellen sie sich im Verlaufe des Tages doch immer wieder mal die Frage: Was rieche ich gerade? „Von deinen Sinnen hinausgesandt...
Im Hören, wir könnten auch sagen: im Wahrnehmen, Aufnehmen, im Gewahr werden, finden wir zum Du und zwar in dreifacher Weise: Wir finden immer mehr zu dem, was wir im Tiefsten sind, wir werden durchlässiger für das göttliche Geheimnis in uns und im „ausgespannten Schatten der Dinge“ und wir werden wach und aufmerksam für unsere Mitmenschen.
GEHEN – Einfach nur gehen! Aber wohin gehen? „Von deinen Sinnen hinausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand...“[1] Rilke berührt mit dem Wort Sehnsucht die Tiefen unseres Lebens, weckt das Heimweh nach jenem Urgrund von Sinn, den wir Gott nennen, und gibt uns damit auch die Richtung unseres Gehens an. Dabei sind es die Sinne, die uns senden und den Weg weisen an den äussersten Rand unserer Sehnsucht.
[1] Das Gedicht von Rilke findest du im ersten Beitrag vom 2. November.
Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht, dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht. Aber die Worte, eh jeder beginnt, diese wolkigen Worte, sind: Von deinen Sinnen hinausgesandt, geh bis an deiner Sehnsucht Rand; gieb mir Gewand.
Heute wird an vielen Orten, in vielen Kirchen an all jene gedacht, die im vergangen Jahr verstorben sind. Ihre Namen werden laut ausgesprochen. Während dieser Gedenkfeier höre ich immer mehr als einfach nur Namen; Bilder werden wach in mir, Geschichten, lebendige Erinnerungen. Und diese Erinnerungen schaffen Beziehungzwischen uns und den Toten.
Heute ist es eine Frage, die in mir wach wird, die ich uns allen so ins Gepäck lege für die Reise «Kirche mit». Eine Frage, die, so höre ich in Gesprächen, viele von uns beschäftigt - uns am Leben hält:
In der Zeit, in der ich diesen Blog schreibe, fällt mir ein Buch unverhofft ins Auge, das schon einige Jahre „tot“ bei mir zu Hause im Regal steht. Ich schlage es auf und lese bei Dorothee Sölle die Geschichte von den «dreizehn Rosen».
Lieben heisstauch sterben: «Kirche mit» – meint Mann und Frau. Beide lieben sie die Kirche. Und wer liebt, sei es die Kirche oder einen Menschen, Mann oder Frau, jung oder alt, wer wirklich liebt, schliesst im Grunde sterben mit ein. Denn wenn ich wirklich liebe, verschenke ich etwas von mir selber, was ich so nicht mehr zurückbekomme. Wer innig liebt, intim, verschenkt sich, wird eins. Das beschreibt der französische Ausdruck dafür wunderschön: «la petite mort», der kleine Tod, für jenen Augenblick nach dem Eins werden, dem innig-nahen Ineinander, hörbar, wortlos voller Worte.
Heute wird vor allem in Spitälern, Pflegeheimen und Hospizen gestorben. Früher war das anders: Der Tod war ein vertrauter Begleiter, er gehörte zum Leben, war ein Bestandteil des Lebens. Verstorbene wurden bis zur Beerdigung zu Hause aufgebahrt, und die Nachbarn kamen ins Haus um dem Verstorbenen „Adieu zu sagen“, um gemeinsam zu beten.
Beim Sterben, beim «Gehen zu den Toten»- oder wenn er - der Tod - auf mich zukommt, verschlägt es mir im ersten Augenblick manchmal die Stimme. Das ist ein Triumpf, den ich dem Tod nicht gönne. Deshalb ist das «Wir bitten das Kondolieren am Grab zu unterlassen» oder «die Beerdigung fand im engsten Familienkreisstatt» für mich wirklich keine Hilfe. Was brauchen wir, um von einem Menschen Abschied nehmen zu können? Was ist für die Angehörigen hilfreich, was für die Freunde und Bekannten?
Das Kernteam von «Kirche mit» hat die Impulse dieser Woche überschrieben mit: «Sterben/Tod». Seit ich um das Thema weiss, habe ich dieses mitgenommen auf den Weg ins Leben– in das unsere. Ergänzend überschreibe ich, was ich im Gepäck auf die innere Reise dieser Woche mitnehme mit: «Sterben-Tod-Leben».
Denn für mich gehören Leben und Tod zusammen. Sie sind nicht zweierlei, sondern Teil eines Ganzen. Es gibt nicht entweder Tod oder Leben sondern vielmehr Leben UND Tod.
Denn stark wie der Tod ist die Liebe. Hart wie das Grab ist meine Leidenschaft. Ihre Flammen Feuerflammen, Flammen Jahs. Wassermassen können die Liebe nicht löschen, und Fluten sie nicht überschwemmen. (Hld 8,6f.)
Liebe hat kein Geschlecht, Liebes-Räume hingegen schon.
Bild: Neolithische Keramikfigur einer sitzenden Frau (6400 - 5800 v.Chr.) Bibel + Orient Museum Fribourg
Liebesakte sind nicht selbstverständlich Höhenflüge. Sie sind Grenzgänge, Übergang in einen andern Bewusstseinszustand. Türen, Fenster, aber auch das Bett, ja der eigene Körper mit seinen Öffnungen sind Schwellen im Übergang vom Alltag in den „siebten Himmel“ von Erotik und Liebe.
Beschwörungen (rites de passages) helfen, Übergänge zu gestalten, damit Unheil abgewehrt und Gelingen ermöglicht wird.
Bild: Liebespaar auf einem Bett. (Altbabylonisches Terrakotta-Relief - 1900-1700 v.Chr.)
Von draussen hinein in den Schutzraum eines Hauses. Hier ist der Ort für Zweisamkeit, für Gemeinschaft, Geborgenheit im Vaterhaus, im Mutterhaus, in den eigenen vier Wänden.
Doch wehe wenn der Schutz zum Schrecken wird, wenn nichts von drinnen nach draussen dringt, sexuelle Gewalt verbreitet ist im Haus Davids, im Vaterhaus (2 Sam 13,20), toleriert wird im Haus Siseras
Bild: Tagträumendes Mädchen auf dem Bett in ihrem Gemach (Ägypt. Tonscherbe, 12. Jhd. v.Chr.)
Wieder ist es eine Frau im Hohelied, die, der potentiellen Gefahr zum Trotz, ihren Geliebten auffordert, mit ihr die Einsamkeit der Steppe aufzusuchen.
Auf. Gehen wir hinaus aufs Feld! (1 Saqm 20,11) so sagt auch Jonatan zu David, weil in der Stadt Sauls kein Platz ist für Rückzug und Vertraulichkeit. Der Liebesschwur und auch der zärtliche Abschied finden draussen in der Steppe statt.
Französische Buchillustration, 13. Jh: David und Jonatan als Liebespaar
Die Stadt, der öffentliche Raum überhaupt, als anrüchig und gefahrvoll gilt er für die Frau (vgl. Ri 19; Spr 7). Nicht so für die Geliebte des Hohelieds, die gängige Muster durchbricht:
Auf meinem Bett in den Nächten suchte ich den, den ich liebe wie mein Leben. Ich suchte ihn, doch ich fand ihn nicht. Ich will aufstehen, will herumgehen in der Stadt, in Strassen, auf Plätzen suchen will ich den, den ich wie mein Leben liebe. Ich suchte ihn, doch ich fand ihn nicht. (Hld 3,1-2)
Bild: Assyrische Darstellung einer Stadt. Deutlich erkennbar die Stadtburg
DER GARTEN, ein Stück Natur, gleichzeitig ein Stück Kultur, gehegt und gepflegt, Nutzgarten und Lustgarten, Blüten und Früchte in allen Farben und Formen, voll betörender Düfte. Der erste Garten in Eden, darin der Erdling – Adam, Mann und Frau. Im Garten werden sie ein Fleisch, ohne Scham. In ihrem Begehren, im Essen und im Erkennen schwingt Erotik mit, aber auch Grenzüberschreitung
Ist es Liebe? Sex as Crime! Darum geht es doch im Alten Testament, in den Beziehungsgeschichten von Abraham, Sara und Hagar, Lot und seinen Töchtern, Sichem und Dina, Juda und Tamar, Josef und Frau Potifar, Simson und Delila, David und Batseba, Amnon und Tamar…
Fast immer geht es um Herrschaftsausübung, oft um die Zeugung von – männlichem – Nachwuchs, selten um Erotik und Liebe.
Nicht so im „Lied der Lieder“, dem Hohelied der hebräischen Bibel, dieser Sammlung von Liebesliedern, eingebettet in den grossen Strom altorientalischer Liebeslyrik: „Küssen soll er mich mit Küssen seines Mundes“, so lauten schon die ersten Worte der Geliebten (Hld 1,2).
Bild: Unterseite eines Skarabäus: Frau mit langem Zopf umarmt einen Mann im Wulstsaummantel
Teresa von Ávila gehört zu jenen Gestalten der Kirchengeschichte, die als „geistiges Weltkulturerbe“ zu betrachten sind. Ihre Schriften haben inner- und außerhalb des katholischen Raumes große Aufmerksamkeit geweckt, weil sie in einer neuen spirituellen Sprache voller origineller Alltagsmetaphern und zugleich mit der analytischen Schärfe eines gesunden Menschenverstandes „das“ Grundthema menschlicher Existenz (vgl. Gaudium et spes 22) behandeln und beleuchten: die göttliche Berufung des Menschen und den inneren Zusammenhang von Gottes- und Selbsterkenntnis.
Teresa hat Jesu Einladung angenommen, sich seinem nichtdrückenden Joch und seiner leichten Last (Mt 11,28.30) anzuvertrauen; sie hat sich entschlossen, seine zärtliche Liebe zu erwidern und ermutigt uns ebenfalls zu einem solchen Entschluss, den wir nie bedauern werden, gibt Gott doch „schon in diesem Leben hundert zu eins“.
Der „mystisch inwendige Mensch“ – das meinte etwa u.a. Johannes Tauler – ist Jesus Christus gleichgestaltet und brennt vor Sehnsucht, hier auf Erden an der Sendung Christi teilzuhaben. Luther demokratisierte diese Einsicht, indem er den Glaubensakt bereits als unio mystica verstand und folglich die Lehre vom allgemeinen Priestertum auf jeden bezog, „der aus der Taufe gekrochen ist“ – was bekanntlich damals zum Systemumbruch in der Sozialgestalt des Christentums führte.
„Seine Majestät“, „der Herr“, wie Teresa Jesus Christus in dieser untrennbaren Einheit von Vertrautheit und Respekt nennt, die wir auch bei den Kindern Israels finden, ist Teresa zum lebendigen Buch und zum wahren Freund geworden. Auf ihn ist ihr inneres Beten orientiert.
Teresa machte aus den gegebenen Rahmenbedingungen das Beste, wie sie uns immer wieder zeigt, so z.B. in einem Text aus ihrem Lebensbericht, den sie an ihren Beichtvater richtet und in dem sie die von den Frauen zu erwartenden Unterwerfung und Demut bekundet, damit sie doch ihr Werk freimütig schreiben kann...
Teresa lebte in besonders „schweren Zeiten“ für die Frauen im katholischen Spanien: sie durften nicht Theologie studieren, ja, nicht einmal die Bibel oder geistliche Literatur in der Volkssprache lesen. In dieser Situation findet Teresa immer Trost und Zuflucht beim Herrn, dem guten Jesus, den sie auch „Seine Majestät“ nennt.
Am 27. September 1970 erhob Papst Paul VI. Teresa von Ávila (28.03.1515-15.10.1582) als erste Frau überhaupt in den Rang einer Kirchenlehrerin. 1923 hatte Pius XI. einen solchen Vorschlag mit den Worten „obstat sexus“ (das Geschlecht stehe dem im Wege) abgelehnt.
Grundsätzlich wird von Jesus immer wieder ein sehr wertschätzender Umgang mit Frauen erzählt. Während wir heute bei Heilungsgeschichten auf die Defizite und Krankheiten blickend von der „blutflüssigen Frau“ oder der „gekrümmten Frau“ reden, spricht Jesus die erste als „meine Tochter“ an und von der zweiten redet er als „Tochter Abrahams“. Er sieht sie also als Mitglied der Familie dieses Urvaters aller Glaubenden. Wenn man den weiteren Zusammenhang einbezieht, sieht er sie als Teil von Gottes Familie, als seine Töchter (Mk 3; 10).
Grundsätzlich wird von Jesus immer wieder ein sehr wertschätzender Umgang mit Frauen erzählt. Während wir heute bei Heilungsgeschichten auf die Defizite und Krankheiten blickend von der „blutflüssigen Frau“ oder der „gekrümmten Frau“ reden, spricht Jesus die erste als „meine Tochter“ an und von der zweiten redet er als „Tochter Abrahams“. Er sieht sie also als Mitglied der Familie dieses Urvaters aller Glaubenden. Wenn man den weiteren Zusammenhang einbezieht, sieht er sie als Teil von Gottes Familie, als seine Töchter (Mk 3; 10).
Insgesamt ist es Schicksal der meisten biblischen Frauen, dass wir ihre Identität nicht kennen, sie sind namenlos. So z.B. die Frau, die Jesus auf sein Begräbnis hin im Voraus salbt (Mk 14,1-9), von der Jesus sagt, man werde sich immer an sie erinnern, wo das Evangelium verkündet wird. Oder die gekrümmte Frau und die blutende Frau, die Jesus jeweils heilt (Mk 5, Lk 13). Dazu die Samariterin am Jakobsbrunnen oder auch die erste Heidenchristin Europas, Lydia, von der wir nur wissen, dass sie aus Lydien in der heutigen Westtürkei stammt, aber nicht ihren eigentlichen Namen.
Wir müssen uns grundsätzlich fragen, wenn wir Bibeltexte lesen, ob wir eine patriarchale Männerbrille aufsetzen, weil eben sowohl Verfasser von Büchern der Bibel wie auch die sie auslegenden Theologen in der Kirchengeschichte bis heute fast ausschliesslich Männer waren. Frauen werden dabei – vermutlich oft gar nicht bewusst – unsichtbar gemacht.
Bei Texten über Frauen – auch denen der Bibel – muss oft darauf geachtet werden, ob sie dazu dienen, patriarchale Macht zu erhalten, zu verstärken oder zu legitimieren und damit die Absicht verfolgen, Frauen eine Rolle, die sich von Männern her definiert, zuzuweisen.
In der Bibel, in Gen 16, gibt es eine grundlegende Erzählung zu dem Thema, mit welchen Augen wir Frauen ansehen. Sara – der Name bedeutet „Herrin“ – hat Abraham über lange Zeit hinweg kein Kind gebären können. Nun soll ihre Magd Hagar – das bedeutet „die Fremde“ – das Kind bekommen mit Abraham, und dieses soll dann als Saras Kind gelten bzw. adoptiert werden. Das gab es damals als Rechtsmöglichkeit. Hagar wird schwanger, und nun wird – so wörtlich der Bibeltext im Hebräischen – „ihre Herrin klein in ihren Augen“. Denn die Magd hat das, was ihre Herrin am meisten bräuchte und nicht zustande bringt: den Sohn. Sara beklagt sich beim Ehemann Abraham, dass sie in Hagars Augen klein geworden sei. Abraham rät ihr, ihren eigenen Blick zu benutzen, nicht Hagars Brille.
Als Erzbischof Ratzinger Ende der 1970er Jahre uns Theologiestudentinnen in der Vollversammlung sagte, Gott habe für uns die Rolle der Frau und Mutter vorgesehen, aber niemals ein Weiheamt, da wäre er nie auf den Gedanken gekommen, eine dieser Frauen zu fragen, was denn Gott selbst zu ihnen dazu spricht, so sicher war er sich seiner Sache. Nun widersprechen aber viele Frauen aufgrund eines veränderten Schriftverständnisses, ihrer Berufung und Gottes Führung in ihrem Leben solcher Lehrmeinung schon lange. Genau wie die biblische Miriam in Num 12,2 und die Frauen in der Gemeinde von Korinth nach 1 Kor 14,36 wollen wir Frauen heute wie damals als mündige und geistbegabte Glieder des Gottesvolkes selbst aussprechen und verkünden, was Gott durch uns in Kirche und Welt mitteilen und gestalten will und darin gewürdigt werden. In beiden Bibelstellen aber können wir dieses Anliegen der Frauen nur indirekt erschliessen durch eine es herabwürdigende und polemisierende männliche Stellungnahme hindurch. Wenn man allerdings genauer hinschaut und eine andere Brille aufsetzt, findet sich in beiden Fällen zugleich auch eine wertschätzende Sichtweise: bei Miriam im Volk, bei den Frauen in Korinth im Kontext des Briefes durch Paulus selbst. In der Bibel werden verschiedene „Brillen“ angeboten, auf Frauen zu schauen. Sie helfen uns, achtsamer zu werden für eigene Blickweisen, die gut tun oder eben nicht. So gehen wir in dieser Woche dem Thema nach: Wer bin ich in deinen Augen? – eine Frage der Brille.
Öfters als den Erzengeln Michael, Gabriel und Rafael begegne ich dem namenlosen „Schutzengel/ange protecteur“ am Hauptbahnhof Zürich. Er ist ein Überbleibsel der rar gewordenen Bahnhofskunst, gut sichtbar vor allem dann, wenn die grosse Bahnhofshalle leer ist. Der Engel, der bewegt und doch ruhig freundlich in der Luft hängt, bildet einen Kontrast zur Hast, die die pendelnden Menschenmassen verbreiten.
Das fragt uns der Engel Michael mit seinem Namen. Es ist eine rhetorische Frage. „Niemand ist so gross wie Gott!“, lautet die erwartete Antwort. Damit ist der Name Frage und Ehrerbietung zugleich. Und er mag Geschichten in Erinnerung rufen, biblische und nichtbiblische, vergangene und aktuelle, die vor Augen führen, was passiert, wenn sich jemand anmasst, gottgleich zu sein.
Nicht erst Dan Brown hat Unterhaltungsliteratur zum Thema „Engel und Dämonen“ geschrieben. Das Tobitbuch ist mehr als 2000 Jahre älter und dürfte ebenfalls gerne gelesen worden sein. Dass es in griechischer Sprache geschrieben war, machte es damals für breite Kreise zugänglich – später wurde genau dies zum Hindernis, um in den Bibelkanon aufgenommen zu werden; die katholische Tradition ist eine der wenigen, die das Buch zumindest als deuterokanonische Schrift zu den alttestamentlichen Büchern zählt.
Dass Engel selbst Gefahr laufen können, sich männlicher zu fühlen, als sie sind, davon handelt das sogenannte Wächterbuch, eine Schrift, die nur Eingang in die Bibel des äthiopisch-orthodoxen Christentums fand (dort als Teil des sog. Ersten Henochbuches).
„… du sollst schwanger werden und einen Sohn gebären.“
Viele werden an Maria denken, wenn sie diesen Satz hören. In der Tat ist der Satz, der aus dem ersttestamentlichen Richterbuch stammt (Richter 13,3), fast identisch mit Gabriels Worten im Lukasevangelium (Lukas 1,31).
Die katholische Kirche gedenkt heute in spezieller Weise der drei Erzengel Michael, Gabriel und Rafael. Die Rede von Erzengeln (griech. archangeloi, was eigentlich „Oberengel“ bedeutet) verweist auf die Vorstellung, dass es unter den verschiedenen Engeln besonders mächtige Engel mit besonderer Nähe zu Gott gibt.
Ich muss zugeben, dass ich dazu tendiere, viele der Engelfiguren, die mir im Alltag begegnen, als Kitsch zu bewerten. Die Arroganz einer Theologin? Es stört mich, merke ich, wenn Engel phantasielos verharmlost werden.
Partnerschaft UND... die Impulse der vergangenen Woche liessen sich noch beliebig erweitern – Männer und Frauen, die in partnerschaftlichen Beziehungen leben, haben einen grossen Erfahrungsschatz, die sie in die Kirche einbringen können.
Ähnlich wie beim Thema „Frauen und Kirche“, geht viel von diesem Schatz verloren, wenn zölibatär lebende Männer ÜBER Paarbeziehungen reden, und nicht MIT den Paaren.
In der katholischen Kirche sind wir geprägt von einer jahrhundertealten Wertschätzung monastischer und zölibatär-priesterlicher Spiritualität. Die „eigentliche“ Spiritualität scheint nur Menschen offen, die sich dafür als Mönch oder Nonne oder als Priester frei von familiären oder partnerschaftlichen Verpflichtungen Zeit nehmen können. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil erschien Ehe und Familie „nur“ als notwendiges Übel für die Reproduktion der Menschheit. „Laienspiritualität“ stand in der Kirchengeschichte immer wieder unter dem Verdacht oder der Abwertung einer nicht kirchenkonformen, minderwertigen und unvollkommenen Spiritualität.
Der 25. September ist für viele Männer und Frauen nicht nur das Fest des heiligen Bruder Klaus, sondern das Fest eines Paares: des Niklaus von der Flüe und seiner Frau Dorothea. Auch wenn über Dorothea historisch wenig bekannt ist, haben sich Autorinnen und Autoren mit dieser Frau im Schatten des grossen Heiligen auseinandergesetzt, so etwa Klara Obermüller in ihrem Hörspiel „Ganz nah und weit weg. Fragen an Dorothee, die Frau des Niklaus von der Flüe“. In einem fiktiven Gespräch zeigt die Autorin den Weg Dorotheas auf, Ja zu sagen zum Ansinnen ihres Mannes, von seiner Frau und der Familie wegzuziehen und als Einsiedler zu leben.
Es gibt Paare, die nach einigen Jahren feststellen: „Am Anfang unserer Beziehung hatte ich grosse Erwartungen an unsere Partnerschaft. Viele Erwartungen wurden nicht erfüllt. Ich habe gelernt, nicht mehr allzu viel zu erwarten, dann werde ich auch nicht enttäuscht.“ Ein Tipp von einem erfahrenen Paar an junge Paare? Wohl eher nicht.
Dass Computer immer wieder ein Update brauchen, wissen heute alle. Aber ein Update in der Partnerschaft? Paare in langjährigen Beziehungen sind sich sicher, dass sie einander in- und auswendig kennen. Der eine beginnt einen Satz, und die andere glaubt zu wissen, was der Partner mitteilen möchte. Genauer hinhören oder gar nachzufragen - unnötig. Nicht dass kein Austausch mehr stattfindet: der Wochenendeinkauf muss geplant werden, die Frage, wer die Tochter nächste Woche zum Zahnarzt bringt, geklärt werden und die Frage, ob sie für die Vorstandsarbeit in der Frauengemeinschaft zusagen soll, steht immer noch Raum. Paare besprechen regelmässig diese vielen Alltagsfragen, aber das, was das Paar wirklich bewegt, bleibt oft auf der Strecke.
Das Projekt „Kirche mit“ führt Frauen und Männer zusammen – symbolisch ausgedrückt durch das Ineinandergreifen eines Reissverschlusses. Es geht nicht ums Vermischen oder Negieren der Geschlechtsidentitäten – sondern um das Wahrnehmen von Unterschieden, Gemeinsamkeiten und das Ausloten, was gemeinsam erreicht werden kann. Für mich hat sich die „Geschlechterbrille“ als wichtiges Arbeitsinstrument im Verlauf der Jahre entwickelt. Nicht nur „Kinder, Jugendliche und Menschen“ zu sehen – sondern auch „Mädchen und Buben, junge Frauen und Burschen, Männer und Frauen.“ Durch das Stellen der Geschlechterfrage werden einige Wirklichkeiten verständlicher.
„Guten Morgen, hast du gut geschlafen?“ – „Magst du auch einen Kaffee?“ – „Ich wünsche dir einen guten Tag. Freue mich auf den gemeinsamen Abend.“ – „Danke für das Ausräumen der Geschirrwaschmaschine!“ – „So schön, dass es dich gibt.“ – oder – ohne Worte – zärtliche, aufmerksame Gesten: Ein Kuss, ein Händedruck, eine wohlwollende Umarmung oder Berührung, eine Rose auch wenn kein Geburtstag oder Hochzeitstag ist. Der amerikanische Paarforscher John Gottman hat eine 5:1-Regel entwickelt: Um den Beziehungssaldo in einer Partnerschaft* im Lot zu halten, braucht es fünf Wertschätzungen, damit eine Abwertung aufgewogen ist.
„O ihr törichten Menschen, die ihr lau seid und vor euch hinwelkt und nicht einmal ein Auge öffnen wollt, um zu sehen, was ihr aufgrund der Begabung mit eurem Geist seid ..."
„Künde und schreibe! Wie schön sind deine Augen, wenn du göttliche Dinge kundtust. Ich (Hildegard) antwortete aus der inneren Erkenntnis dieser Schau ..."
Als die Kirche jung war, war sie voller Erwartung. Sie erwartete Christus, der zugesagt hatte, in Herrlichkeit wiederzukommen. Am Ende des letzten Buches des Neuen Testaments, der Offenbarung des Johannes, sagt er: „Ja, ich komme bald.“ Und die Kirche antwortet „Maranatha! Ja, komm, Herr Jesus“ (Offb 22,30).
Geheimnisse bleiben Geheimnisse, auch wenn einer ihrer gewahr wird, sie anschaut und mit ihnen lebt, das Unabsehbare und Unbenennbare bleibt ihnen deutlich zu eigen. Geheimnisse sind keine Rätsel, die einer lösen kann, aber leben kann man mit ihnen, und in sie hinein
In der Zeitung sah ich auf der Titelseite ein Foto der deutschen Handballmannschaft nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Alle trugen sie goldene Pappkronen auf den Köpfen, mit denen das Publikum sie nach dem Sieg gekrönt hatte. Wofür eigentlich sind Kronen ein Zeichen? Für Macht
Unsere Schnelligkeit hat zugenommen, wir sind rasch dabei, in einem Tag um die halbe Welt. Singapur, Sydney, Rio, Rom, ich finde mich schon zurecht auf den Flughäfen. Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass es Welten gibt, in die wir nur schrittweise finden und gehen können, selbst wenn wir
Oh, wenn ich doch heute so empfänglich wäre für das Leben und Gott, den Lebendigen, den Heiligen Geist und seine Boten, für das, was von Gott her auf mich zukommt, mich meint und will und meine Antwort erwartet – so oder so! Oh, wenn ich doch heute,
Kein Mensch ist jemals alleine zur Welt gekommen. Wir alle sind zur Welt „gebracht“ worden, von einer Frau, die uns unter Schmerzen geboren hat, die bereit war, das für unser Leben zu tun, ohne zu ahnen, was noch kommt. Das ist so natürlich, das geschieht so oft, dass daran nichts Aussergewöhnliches ist – aber
Eingebettet in den murmelnden Fluss des schönen Gebetes Ave Maria, schaue ich mit Maria auf das Reich Gottes, das Jesus verkündet hat. Es ist, wohin ich auch sehe, so anders als die Reiche dieser Welt. In ihm gilt Gott und gilt der Mensch, sind beide wert und gross genug, dass einer ihnen die Liebe erweist, die Treue hält und sich ihnen ganz zuwendet, nicht unerschüttert, aber unbeirrt. Da wird zugetan, nicht
Mir imponiert, wie klar Papst Franziskus in seinem ersten Apostolischen Schreiben die Zeichen der Zeit benennt und wie deutlich er zur Unterscheidung der Geister herausfordert. Wo ein klares Ja des Evangeliums zu Gott und seinem Ebenbild, dem Menschen, gelebt wird, muss es auch ein klares Nein geben ...
Nichtssagender Lärm und Zur-Schau-Stellung des eigenen Ich widersprechen dem Geist der Wahrheit zutiefst und machen unglaubwürdig. Die Kirche und viele Christen werden so erlebt – leider oft zu recht ...
Worüber sprechen wir miteinander? Oft genug über Kleinkariertes, weil wir für die wesentlichen Dinge die Sprache, die Zeit, die Ruhe verloren haben. Die Dinge werden hinter der Hand verhandelt oder verdrängt. Es werden Fassaden aufgebaut und Masken aufgesetzt ...
Als prophetische Menschen sind wir nicht nur Bestätiger menschlicher Bedürfnisse und Trends, sondern eben auch Herausforderer und Provokateure in gesunder Kritik und Konfrontation, da die Botschaft Gottes uns Menschen nicht einlullt, sondern zur Umkehr ruft ...
Der Wille Gottes ist sein Reich. Es soll sich durchsetzen im Himmel und auf Erden, überall. In der Ferne und in der Nähe, im Grossen und im Kleinen, beim Fest und im Alltag ...
„Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ (Lk 15,20) Bevor der Sohn sein Reuebekenntnis ablegen kann, hat der Vater ihn schon in den Arm genommen. Bevor der Sohn sich entschloss, zum Vater zurückzukehren, hatte er schon ganz tief im Inneren gespürt, dass der Vater ihm liebend entgegenkommen wird. Deswegen konnte er losgehen.
Opfer sind oft genug mit dem Vergeben und Verzeihen überfordert.
„Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben, wenn er sich gegen mich versündigt? Siebenmal? Jesus sagte zu ihm: nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal“ (Mt 18,22), und zwar nicht – so wäre zu ergänzen – für vierhundertundneunzig Sünden, sondern für eine Sünde.
Die Sünde, mit der sich „mein Bruder gegen mich versündigt“ hat, schlägt beim Opfer eine Wunde.
Zurück zum Lamech-Prinzip (Gen 4,23): „Ada und Zilla, hört auf meine Stimme.“ Wie klingt diese Stimme? Wutentbrannt? Brüllend? Kategorisch? Finster entschlossen? Oder: Schluchzend? Weinend? Ohnmächtig?
Es gibt Täter, die sich für Opfer halten. Es mag ja sein, dass dem Elefanten eine Strieme zugefügt wurde.
„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge für Auge, Zahn für Zahn. Ich aber sage euch: … Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“ (Mt 5,38f). Wie das konkret aussehen könnte, zeigt das Verhalten Jesu in Joh 18,23 gegenüber dem Knecht, der ihm ins Gesicht schlägt: „Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach. Wenn es aber recht war, warum schlägst du mich dann?“
Im Unterschied zu Ex 21,23f ist in der Bergpredigt nicht der Täter, sondern das Opfer angesprochen.
„Ist weiterer Schaden entstanden, dann musst du geben: … Auge für Auge, Zahn für Zahn, Wunde für Wunde, Strieme für Strieme.“ (Ex 21,23f) Du sollst „geben“ – das Wort richtet sich also an den Täter – an diejenige Person, die den Schaden verursacht hat. Sie wird dazu verpflichtet, den Schaden, den sie verursacht hat, dem Opfer zu ersetzen.
Gerechtigkeit ist eine legitime Forderung der Opfer.
„Lamech nahm sich zwei Frauen. Die eine hiess Ada, die andere Zilla.“ (Gen 4,19) In Gen 4,23 verkündet der Mann Lamech seinen Frauen Ada und Zilla seine Entschiedenheit zur (Gegen-)Gewalt. Vorher hat er sich diese Frauen „genommen“.
Sich eine Frau „nehmen“ – darin drückt sich ein Herrschaftsverhältnis aus.
„Lamech sagte zu seinen Frauen: Ihr Frauen Lamechs, lauscht meiner Rede! Ja, einen Mann erschlage ich für eine Wunde, und einen Knaben für eine Strieme. Wird Kain siebenfach gerächt, dann Lamech siebenundsiebzigfach.“ (Gen 4,23)
Das Lamech-Prinzip ist das Prinzip der Eskalation.
"Merke ich, wie ich reagiere, wenn ich auf den vergangenen Tag zurückschaue? Fühle ich mich herausgefordert, getröstet, verärgert? Jesus, so stelle ich mir vor, sitzt oder steht hier neben mir. Ich spreche meine Gefühle aus, wie bei einem vertrauten Freund."
"In Gottes barmherziger Gegenwart lasse ich den vergangenen Tag nochmals vor mir ablaufen, ab jetzt, rückwärts, Augenblick für Augenblick. Ich sammle in mir alles, was gut und hell war. In Dankbarkeit. Ich wende mich auch den Schatten zu, und schau, was sie mir sagen wollen. Ich suche Heilung, Mut, Vergebung."
"Meinem Gott ist meine Freiheit nicht fremd. Gottes Geist ist es, der meine tiefsten Herzenswünsche zum Leben bringt, mich unmerklich zu allem Guten lenkt. Ich bitte um die Gnade, mich durch Gottes Geist befreien zu lassen."
“Indem ich hier sitze, nehme ich das Schlagen meines Herzens wahr, die Ebbe und Flut meines Atems, die Regungen meines Geistes: Alles Zeichen von Gottes schöpferischem Wirken in mir.Ich halte kurz inne und mir wird bewusst, dass Gott da ist, in mir.“
"Was unterscheidet dumme von intelligenten Menschen? Die Dummen machen immer die gleichen Fehler. - Die Intelligenten immer neue!"Diese Witzfrage zu Beginn bringt die Absicht des Tagesrückblicks - „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ – auf den Punkt: Es geht darum liebevoll und aufmerksam seine eigenen Schwächen aber auch Stärken kennen zu lernen...
Wie malst du dir die Zukunft aus? Im Himmel! Ich male mir den Himmel aus als den Platz der Fülle, auf die wir hier so sehr warten: Fülle der Nähe zwischen Gott und den Menschen, Fülle dessen, was Menschen sättigt und labt. Ich vertraue dabei auf den Gedanken des Tausches. Was hier armselig ist, wird reich...
Ich träume von einer Kirche, zu der mutige Leute gehören, die für Gott und die Menschen einstehen. Ich habe vorher davon gesprochen, dass ich unsere Berufung nicht klein einschätze. Wir haben sie nicht für uns allein bekommen. Wir haben sie zum Lobe Gottes, aber ebenso dafür, um den Menschen Gutes zu tun. Ich träume deshalb von einer Kirche, zu der arme Leute gehören...
Klara, eine Frage, die viele Menschen stellen: Was bedeutet dir Franziskus?
Franziskus ist mir lieb und teuer. Ohne ihn und seine verrückte Suche nach Gott, die sich ja schnell in Assisi herumgesprochen hatte, hätte ich nicht gewusst, an wen ich mich wenden könnte, um selbst ernst mit meiner Suche zu machen. Als ich ihn dann noch habe predigen hören,..
Zur Ehre Gottes, das ist die grundsätzliche Antwort. Aber das heißt nicht, dass ich keine Ziele hier auf Erden habe. Vordergründig scheint es vielleicht ungebührlich, aber ich denke nicht klein von dem, was hier entsteht. Ich glaube, dass Gott uns und unsere Berufung als eine Art Spiegel in diese Welt gestellt hat...
Hier, in San Damiano. Ich mag die Geschichte dieser kleinen Kirche. Sie war lange eine unscheinbare, etwas herunter gekommene, wenig beachtete Kapelle, um die sich Franziskus gekümmert hat. Er hat diese Kirche wieder aufgebaut. Doch wozu baut jemand? Damit ein Ort entsteht, der bewohnt werden kann. Franziskus hat dies gewusst...
In der Nähe Gottes. Das bedeutet, dass ich viel Zeit zum Gebet haben möchte. Aber Gott ist nicht allein in unserer Kapelle oder im inneren Zwiegespräch zu finden. Ich sehe ihn auch in meinen Schwestern. Deshalb möchte ich in Gemeinschaft leben. Ganz abgesehen davon, dass unser riskanter Weg innerhalb der Kirche alleine gar nicht zu schaffen ist.
In dieser Woche feiert die Kirche das Fest der hl. Klara von Assisi. In den frühen Abendstunden des 11. August 1253 ist diese Frau sechzigjährig im Kreise ihrer Gefährtinnen im Schlafsaal des kleinen Klosters San Damiano nahe der Stadt Assisi gestorben. Sie hat dort über vierzig Jahre gelebt und die Gemeinschaft der „Armen Schwestern“ aufgebaut, aus denen später die Klarissen wurden
Heiligkeit war für Dorothy Day die Berufung aller Menschen. Künstlerinnen, Narren und Heilige - unter ihnen auchdie heilige Theresia Benedicta vom Kreuz - inspirierten Dorothy Day zu ihrem ganz eigenen Heiligungsweg. Sie verband den Dienst an den Armen mit einem Aufschrei für Recht und Gerechtigkeit und gehört zum Typus der nicht leicht zu domestizierenden Heiligen. Oft angegriffen, eingesperrt und verlacht, sah sie sich unterwegs auf den Fusspuren Christi, die ans Kreuz führen.
"Wir können Gott nicht lieben, ohne dass wir einander lieben. Um zu lieben, muss man einander kennen. Wir erkennen Jesus Christus am Brechen des Brotes und wir sind nicht mehr alleine. Der Himmel ist ein Bankett und das Leben ist ein Bankett. Eine Brotkruste genügt, wenn Gemeinschaft da ist." Dorothy Day 1980
Dorothy Day träumte nicht nur von einer neuen Erde und einem neuen Himmel, sondern lebte dafür. Sie lehnte die Hatz auf ihre kommunistischen Geschwister ab und war überzeugt, dass niemand, der sich für eine gerechtere Welt einsetzt, vom Heil ausgeschlossen ist.
"In der Kirche wird viel über Gebet und Novenen gesprochen, doch erhalten Katholiken kaum Anregungen, wie sie ihr Glaubensleben im Hier und Jetzt gestalten könnten." Dorothy Day 1951
Das Lebenszeugnis der amerikanischen Journalistin, Sozialaktivistin und Mystikerin ermutigt zu einer Glaubenspraxis im Alltag. Dorothy Day verstand ihr widersprüchliches Leben - ausgespannt zwischen Erde und Himmel - als Pilgerweg. Ihr sakramentales Denken und Sein regt an, Heiligkeit in der Moderne neu zu denken.
Zur Erfüllung ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben.
Ihr sollt euch nicht nur einer glanzvollen Vergangenheit erinnern und darüber erzählen, sondern ihr habt eine große Geschichte aufzubauen! Blickt in die Zukunft, in die der Geist euch versetzt, um durch euch noch große Dinge zu vollbringen.
„Relativieren“ heißt aber auch alles andere als gleichgültig sein, sondern: In Beziehung sein, mich in Beziehung setzen, in Beziehung leben. Frauen sind angeblich stark darin, in Beziehungen zu leben, und sie setzen sich für Beziehungen ein und setzen sich aus.
Johannes XXIII hatte schon lange gemerkt: „So geht es nicht weiter mit der Kirche!“, und er hat das 2. Vatikanische Konzil „angezettelt“, ohne zu wissen, wohin Weg und Ergebnisse führen würden.
Johannes ist am 3. Juni 1963 gestorben, gerade einmal ein halbes Jahr nach der offiziellen Eröffnung des Konzils.
Indifferenz hilft mir, das Ziel, die Grundrichtung, die Absicht, den Sinn, den größeren Horizont meines Lebens immer neu zu suchen und immer wieder neu zu finden.
„Üben“ heißt bekanntlich, nicht fertig zu sein. Das lateinische Wort dafür ist „Exerzieren“, was im Deutschen fast nur noch in der militärischen Sprache zu finden ist. Aber es lohnt sich, genauer darauf zu schauen...
Ich bin nicht indifferent, wenn es um Frauen geht. Schon gar nicht, wenn es um Frauen in der Kirche geht. Zu tief sitzen das Kopfschütteln und das Nicht-Verstehen dessen, was Frauen in der Kirche von der Vorderbühne auf die Hinterbühne drängt.
Joh 20,17b „… geh zu meinen Brüdern und sag ihnen von mir: ‚Ich kehre zurück zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‘“ 18 Maria aus Magdala ging zu den Jüngern und verkündete: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Und sie richtete ihnen aus, was er ihr aufgetragen hatte.
Das „Prinzip und Fundament“, das wir in dieser Woche meditiert haben, bringt den Glauben an den Gott der Bibel auf den Punkt. Ignatius formuliert darin die Handlungsanweisung, die daraus folgt, wenn Gott für einen Menschen wirklich Gott geworden ist. Gott ist die alles bestimmende Kraft geworden.
„Unser einziges Verlangen und die einzige Wahl soll sein: Ich begehre und wähle stets, was mich mehr zum Ziel hinführt, zu dem ich mit allen Mitmenschen und Geschöpfen zusammen geschaffen bin.“
„So müssen wir uns im Alltagsleben angesichts aller Geschöpfe und Dinge stets um grössere, innere Freiheit bemühen, insofern ich frei entscheiden kann und nicht durch Verpflichtung gebunden bin oder es mir verboten ist. Wir begehren von unserer Seite Gesundheit nicht mehr als Krankheit, Reichtum nicht mehr als Armut, Ehre nicht mehr als Ehrlosigkeit, langes Leben nicht mehr als kurzes, und dem entsprechend in allen übrigen Dingen.“
„Die andern Geschöpfe und Dinge auf Erden haben ihre eigene Würde und sind geschaffen, auf dass sie uns Menschen bei der Verfolgung des Ziels helfen, zu dem wir geschaffen sind. Daraus folgt, dass wir uns zu ihnen so in Beziehung setzen, wie es ihnen entspricht. Wir gebrauchen sie soweit, wie sie zum Ziele dienen, zu dem wir geschaffen sind, und wir lassen sie insofern sie uns daran hindern.“
„Gott schenkte uns das Leben, weil er uns liebt. So sind wir Menschen geschaffen – männlich und weiblich – dazu hin, Gott, den König Israels und Vater Jesu Christi zu loben, ihm Ehrfurcht zu erweisen und ihm zu dienen, sowie die Mitmenschen zu lieben. Dadurch finden wir auch Erlösung für unser Leben.“
Ignatius von Loyola (1492 – 1556) war der herkömmliche Glaube zu oberflächlich. Sein Glaube ist zerbrochen. Nur durch spirituelles Üben fand er zu einem neuen Fundament. Kein Tag ohne eine Übung.
Glauben ist vielfältig. In verschiedenen Epochen haben ihn Christinnen und Christen unterschiedlich zum Ausdruck gebracht. Auch in verschiedenen Lebensphasen verändert er sich. Die Frage aber lautet, was ist der bleibende Kern?
Nun ist Sonntag und der letzte Tag meiner Impulsreihe zu „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“. Ob Sie mit den Überlegungen der vergangenen sechs Tage etwas anfangen konnten?
Ich weiß, dass mir selbst oft die Zweifel, das Leid und das Böse näher sind, als der Jubel und die Freude, was nichts mit meinem biografischen, aber viel mit meinem beruflichen Hintergrund zu tun hat. Doch selbstverständlich sind gerade Dank und Lob in den Psalmen auf vielfältigste und oft wunderbar poetische Weise ausgedrückt.
Fest des heiligen Benedikt - über 1500 Jahre ist seine Regel alt, und doch kann ich mit seiner Hilfe meine Impulsreihe zum Thema „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gut weiterführen, denn es geht ja darum, die Psalmen als Schule des Gebetes, als Sprachmuster für ein Gespräch mit Gott zu bedenken und darin sowohl die schönen, vertrauensvollen, jubelnden Verse, wie auch die verzweifelten, klagenden wahrzunehmen.
Gestern schrieb ich Ihnen über Gott, der zwar das Leid nicht verhindert, der aber Zeuge des Leides ist und so „garantiert“, dass es nicht einfach geleugnet werden kann: „All unsere Tränen sind bei dir verwahrt.“
Heute möchte ich Sie einladen, einmal unter diesem Blickwinkel die sogenannten Fluchpsalmen zu bedenken, die uns oft so abstoßend blutrünstig erscheinen.
Gestern schrieb ich Ihnen über die Beziehung zu Gott, dass, auch wenn wir wankelmütig sind und unsere Aufmerksamkeitsspanne manchmal eher gen Null tendiert, Gott dennoch da ist und der Zusage seiner Nähe treu bleibt.
Doch wie geht das zusammen mit unserer Erfahrung, das Gott fern ist, zu schweigen scheint, vielleicht gar nicht existiert?
Kennen Sie den Satz „Jeder Mensch sollte jeden Tag eine Stunde Zeit mit Gott verbringen – außer, wenn viel zu tun ist, dann sollten es zwei Stunden sein“?
Jede menschliche Regung verdankt sich einem Impuls.
Trägheit, Unlust, der Ballast der alltäglichen Mühen, der Sog der Gewohnheit – so vielfältig unsere guten und oft auch weniger guten Gründe, uns nicht zu bewegen, auch sind: wir sind berufen, zu wachsen, uns zu verändern, unsere Gottebenbildlichkeit immer mehr zum Vorschein kommen zu lassen, ja, wie es die Kirchenväter ausdrücken, sogar vergöttlicht zu werden.
Von den OrganisatorInnen wurden die Impulse dieser Woche unter die Überschrift „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gestellt. Als ich das las, musste ich zunächst einmal schlucken, denn in diesen Stichworten ist so ziemlich alles enthalten, was christliches Leben ausmacht.
„Du studierst Theologie? Dann willst Du Pfarrerin werden?“ Manchmal laufen Begegnungen immer wieder nach demselben Muster ab. Und so spart sich die Studentin seit einiger Zeit die Erklärung, dass es das in der katholischen Kirche nicht gibt, und sagt stattdessen: „Nein, Päpstin.“
St. Gallen, Stiftsbibliothek. Es geschah im Gang vor dem Bibliothekssaal, dort, wo die Filzpantoffeln übergezogen werden. Die Luft, die die beiden umgab, war wie elektrisiert, sie schien geradezu zu knistern.
„Ich glaube, ich zweifle" – so heisst das Buch von Günther Weber, das in der Bibliothek gut sichtbar an einer Ecke steht. Schon das Johannesevangelium weiss, dass beides zusammen gehört: Es beschreibt, wie der Apostel Thomas mit Jesus sterben will, wenn es sein muss (Joh 11,16).
Wer ist schutzbedürftiger als eine Schwangere und ihr ungeborenes Kind? Zwei Frauen in Erwartung begegnen sich in der Erzählung vom Besuch der Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth.
„…auf die Fürsprache Deiner Namenspatronin…" – der Priester, der den Segen spendet, weiss genau, dass sein Gegenüber Petra heisst und daher einen männlichen Namenspatron haben muss. Den Petrus, den Felsen, auf dem die Kirche steht, Vorläufer aller Päpste, für viele Inbegriff der Amtskirche und damit der ausschliesslich männlichen Kirchenhierarchie. Das scheint schlecht zu passen zu einer Frau.
„Petrus und Paulus sind die grossen Säulen der Kirche", verkündete der Pfarrer in seiner Predigt zu Peter und Paul. „Da sind wir nur kleine Säulein." Es braucht viel dazu, eine andächtig lauschende Gottesdienstgemeinde zum Lachen zu bringen, aber diesmal gelang es.
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besässe und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. (1 Kor 13,1f)
In der seelsorglichen Begleitung habe ich gelernt,
Noch einmal Jeremia: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Gross, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. (Jeremia 31,33f)
Erkennen hat die Bedeutung von ‚lieben’ im Hebräisch. Gott hat den Anfang seiner Liebesgeschichte mit mir in mein Herz geschrieben.
Denn das wird der Bund sein, den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schliesse – Spruch des Herrn: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, Klein und Gross, werden mich erkennen – Spruch des Herrn. (Jeremia 31,33f)
Das Gesetz, die Weisung zum Leben, hat Adonai in die Herzen von allen geschrieben!
Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir, um dich zu retten - Spruch des Herrn. Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. Sieh her! Am heutigen Tag setze ich dich über Völker und Reiche; du sollst ausreissen und niederreissen, vernichten und einreissen, aufbauen und einpflanzen. (Jeremia 1,7-10)
Meine Erfahrung nach 25 Jahren Seelsorge und Bildungsarbeit:
Das Wort des Herrn erging an mich: Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen, noch ehe du aus dem Mutterschoss hervorkamst, habe ich dich geheiligt, zum Propheten für die Völker habe ich dich bestimmt … Dann streckte der Herr seine Hand aus, berührte meinen Mund und sagte zu mir: Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund. (Jeremia 1,4-9)
Ehe es wächst, lasse ich es euch erlauschen! (Jesaja 42,1)
Lange haben wir das Lauschen verlernt! Hatte Er uns gepflanzt einst zu lauschen Wie Dünengras gepflanzt, am ewigen Meer, Wollten wir wachsen auf feisten Triften, Wie Salat im Hausgarten stehn.
Prophetische Gabe – das verbinde ich zuallererst mit meiner Taufe. Da wurden mir mit dem Effata-Ritus die Ohren geöffnet und die Lippen. Ich stelle mir vor, wie der Seelsorgende ganz behutsam meinen kleinen Baby-Mund und meine kleinen Ohren berührt hat. Die Mutter und die Paten standen dicht dabei und betrachteten das Geschehen mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Angerührt-Sein.
Am Schluss von Kapitel 3 gibt der Mensch der Frau einen Namen: ḥawwah. Dies heisst „Mutter alles Lebendigen“ und ist ein Ehrentitel. Er ist abgeleitet von ḥaj (Leben). Eigentlich passt er hier nicht, vermutlich ist dies ein späterer Zusatz, ursprünglich handelt es sich wohl um den Namen einer antiken Göttin. Überall wird von „Adam und Eva“ als den ersten Menschen gesprochen. Aber diese Zusammenstellung kommt in der ganzen Hebräischen Bibel ausser hier nie mehr vor ...
Die drei poetischen Sprüche am Ende von Gen 3 über die Schlange, die Frau und den Mann, haben sehr starke Wirkung auf ein christliches Frauenbild gehabt. Man hat diese Sätze als „Strafsprüche“ verstanden. Dabei ist die eigentliche Strafe, wenn man denn so sprechen will, die Vertreibung aus dem Garten. Die drei Sprüche dagegen sind Zustandsschilderungen. Sie zeigen die Realität auf, wie sie zur Zeit des Verfassers ist ...
Warum eigentlich durften die Menschen von dem einen Baum nicht essen? In Gen 2 wurde dem Menschen ein Verbot gegeben und gesagt: „Sobald du davon isst, musst du sterben!“ Die Schlange aber sagte zur Frau: „Nein, ihr werdet gewiss nicht sterben ...“ Die Frau wollte „klug“ werden; dies ist sicher ein positives Motiv. Die Schlange hatte ja sogar recht, die Menschen sterben nicht, d. h. sie fallen nach der Tat nicht tot um, sondern sie werden später aus dem Garten vertrieben. Was ist also mit dem Bösen und dem daraus folgenden Tod gemeint ...
Während Gen 2 ein Idealbild zeigt, wie Gott die Zweiheit der Geschlechter beabsichtigt hat, zeigt nun Gen 3 auf, wie die Wirklichkeit aussieht. Beide Kapitel sind nicht in einer historischen Reihenfolge zu verstehen, sondern es sind Symbolgeschichten, die nebeneinander stehen. Man darf also nicht nach „vorher“ und „nachher“ fragen, etwa: Was wäre passiert, wenn sie nicht gegessen hätten ...
Anstelle der Jahrhunderte langen, Frauen abwertenden Prägungen ist es an der Zeit, die positiven Inhalte der Bibeltexte wieder neu zu entdecken. Diese könnten das Selbstbewusstsein von Frauen stärken und Mut zu einem guten Leben vermitteln. Am Anfang des Kapitels wird 'adam (Mensch, die Menschheit) aus der 'adamah (Ackererde) erschaffen ...
Die Erzählungen von Paradies und Sündenfall gehören zur Weltliteratur. Zumeist sind aber die späteren Erklärungen und die Abwertung von Frauen bereits in unsere Erfahrungen eingeflossen. So liest niemand die Geschichten unbefangen, sondern meist schon belastet von einer langen frauenfeindlichen Tradition. So muss wie bei einer Grabung erst ein Berg von Schutt abgetragen werden, bis man ...
Als Bibelwissenschaftlerin und feministische Theologin möchte ich mich kurz vorstellen: Geboren 1940 in St. Gallen, aufgewachsen in fünf Schweizer Kantonen, studierte ich später kath. Theologie in Tübingen, Paris und Bonn, wo ich als erster Laie promovierte (Altes Testament). Von 1987 – 2001 war ich Professorin für Biblische Theologie in Kassel, seit 2009 wohne ich wieder in Basel.
Die erste Frau in der Bibel beschäftigt mich schon sehr lange ...
Unsere Welt braucht beherzte Frauen und Männer, die miteinander eine beharrliche Geduld einüben. Es bedeutet, einen langen Atmen der Hoffnung zu leben. Es lässt mich annehmen, dass ich die Früchte meines Engagements vielleicht nicht ernten kann. Achtsame Menschen üben miteinander
Achtsame Menschen lassen sich nicht leben. Sie wagen Widerstand für einen ausgeglichenen Lebensrhythmus. Dem unmenschlichen Diktat der Schnelligkeit und Machbarkeit setzen sie eine Kultur der Aufmerksamkeit entgegen. Die kämpferische Mystikerin Simone Weil (1909 – 1943) kann uns auf einem politischen Achtsamkeitsweg inspirieren.
Achtsame Menschen Achtsamkeit ist eine spirituelle Grundhaltung. Es ist keine Methode, um perfekt zu werden. Achtsame Frauen und Männer nehmen immer wieder wahr, was jetzt ist, ohne es immer schon bewerten zu müssen. Aufmerksame Menschen suchen in all ihren Lebensvollzügen eine göttliche Spur. Achtsame Menschen begegnen sich selbst und anderen mit Wohlwollen.
Der Teufel führt Jesus auf den Berg und zeigt ihm alle Reiche der Welt und ihre Pracht und sagt zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. (Mt 4,9)
Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heisst in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuss nicht an einen Stein stösst. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heisst es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. (Mt 4,5-6)
Einem Pilger wurde in einem Kloster zum Übernachten ein ärmlich eingerichtetes Zimmer angeboten: „Sind auch die Zimmer der Mönche alle so?“, fragte er. Als dies bejaht wurde, meinte er: „Für mich ist das ganz in Ordnung. Als Pilger bin ich nur kurz zu Gast. Aber Ihr?“ Darauf ein Mönch: „Wir sind auch nur auf der Durchreise.“
Alles klar. Und doch ist es für mich nicht immer so klar, schon wenn ich meine unterschiedlichen Arbeiten betrachte. Wenn ich das Bad putze ist das Arbeit. Gleich wie wenn ich meinen Unterricht vorbereite oder eine Predigt schreibe. Und wie ist es mit der Arbeit von Mann und Frau?
Beziehung. Das bedeutet für mich: Ich kann nicht nur aus mir selber leben. Ich bin – wie alle Lebewesen – auf andere angewiesen. Wir brauchen Kontakt, Berührung, Unterstützung, gegenseitig, um wachsen und lernen zu können. Sehen und Gesehenwerden, Hören und Gehörtwerden, Fühlen und Gefühltwerden, heisst leben können. Gilt dies auch für Gott?
Die Geschichte der Kirche zeigt, dass das Ideal der Geschwisterlichkeit zwar gerne betont wird, strukturell aber noch immer nicht verwirklicht ist. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Geschwisterlichkeit in der Kirche auch einmal strukturell und rechtlich umgesetzt wird. Für eine Kirche mit den Frauen…
Sie hat ihm die Hemden gebügelt und den Anzug an die frische Luft gehängt. Sie hat das Frühstück vorbereitet und zugehört beim Mittagessen. Wenn er am Abend spät erst heimkam, hat sie ihm noch etwas zum Essen beiseite gestellt. Nun ist er hochbetagt gestorben.
Ich möchte lernen, meinen Blick zu schärfen für jene, die an sich dazu gehören, aber nicht sichtbar werden. Hier ist es allenfalls Lazarus, häufig sind es Frauen oder Kinder oder Menschen mit einer Einschränkung oder…
Das Neue Testament kennt einen besonderen Begriff für die Gemeinschaft derjenigen, die Jesus nachfolgen: Koinonia. Zur Nachfolgegemeinschaft gehören Männer und Frauen. Sie nehmen gegenseitig aneinander Anteil und lassen sich auf eine Lebensgemeinschaft miteinander ein.
Ruah hat uns in den vergangenen Tagen begleitet – Atem und Geist, Weite und Raum, fast möchte ich sagen: Leben. Für mich gehört, gerade am Pfingstsonntag, noch eine Kraft dazu, von der noch nicht die Rede war: Humor.
Sich als Kirche auf den Weg machen – mit Ruah als Begleiterin. Papst Franziskus gibt Hoffnung dafür. Papst Johannes XXIII. hat es konkret gelebt, er öffnete die Fenster der katholischen Kirche, um frischen Wind herein zu lassen.
Woran kann man merken, dass Menschen in der „Geistkraft“ leben? Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Galatien klar: Geistkraft wird im Tun, im Leben sichtbar: Liebe und Freude und Friede und Grossmut und Freundlichkeit und Treue und Bescheidenheit und Selbstbeherrschung und und und …
„Fleisch“, das meint die Lebenswesen, lebendig und sterblich. Der Prophet Joel gibt Einblick in das Leben in Juda im 4. Jahrhundert v. Chr. Land und Menschen sind bedroht, die Klage darüber führt zur Hoffnung, dass Gott Veränderung bringen möge. Veränderung geschieht durch Umkehr, Menschen verändern die Blickrichtung, Menschen gehen neue Wege, mit der Ruah Gottes, die die Machtverhältnisse radikal verändert. Mann und Frau, Alt und Jung, Herrscher und Beherrschte – alle sind von Gottes Geistkraft erfüllt.
Ruah ist das hörbare Keuchen beim Geburtsvorgang und das erleichterte Luftschöpfen und Aufatmen nach gelungener Geburt, ist schöpferisch, Leben bringend. Zugleich ist es gefährlich, Geburt ist immer auch eng mit Todesgefahr verbunden. Vermutlich ist deshalb Ruah grammatisch immer dann mit dem weiblichen Artikel verbunden, wenn es um Schöpferisches, Lebensförderndes geht.
Feministische Theologie hat im vorigen Jahrhundert die Ruah wiederentdeckt und diese faszinierende Kraft neu ins Bewusstsein gerufen. Ruah ist vermutlich ein lautmalerisches Wort, es ahmt das Geräusch des vorbeipfeifenden Windes und des erregten Atems nach.
„Wir kämpfen nicht, um die Vergangenheit zu verteidigen, sondern wir arbeiten mit Geduld und Zuversicht an allen Orten, an denen wir uns täglich aufhalten, um die Zukunft aufzubauen.“ Mit diesen Worten schliesst Papst Franziskus seine Botschaft zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, den wir heute begehen.
Dass Priszilla als Mitarbeiterin des Paulus, also als Verkünderin des Evangeliums an verschiedenen Stellen jeweils vor ihrem Mann genannt wird, lässt aufhorchen. Ihr Beitrag zur Ausbreitung des Christentums wurde offensichtlich als wichtiger angesehen als der des Aquila. Das überrascht auch im 21. Jahrhundert. Im aktuell geltenden Gesetzesbuch der Kirche kann die Frau im Unterschied zum Mann nicht dauerhaft, sondern nur aufgrund einer zeitlich begrenzten Beauftragung liturgische Dienste wahrnehmen.
Messdiener darf keine Frau sein; wenn aber ein Mann fehlt, soll aus berechtigtem Grund nach der gleichen Verordnung eine Frau aus der Ferne antworten, und auf keinen Fall an den Altar herantreten.
Der Mensch ist Mann oder Frau. Mit dem Ja zur Frau tut sich die Kirche immer noch schwer. Ist das Geschlecht der Person je eine Glaubensfrage? Gehört die Bindung der Weihe an nur eines der Geschlechter zum unveränderbaren Glaubensgut oder ist die in diesem Fall heraufbeschworene Tradition nicht vielmehr ein Relikt des Zeitgeistes über Jahrhunderte? Das Evangelium zeigt Wege aus der Sackgasse.
Die Sprache der Kirche, aber auch die ganze Kultur in der Kirche sind immer noch einseitig männer-geprägt. Weil sich so wenig bewegt, versuchen einige – was verständlich ist – drastisch dreinzufahren. Ob sie nicht manchmal das Kind mit dem Bade ausschütten? Wie können wir anders auf dem Weg bleiben?
„Liebe Brüder“ - Bis vor 30 Jahren war diese Anrede selbstverständlich. In jedem Gottesdienst wurden nur die Brüder genannt. Und wenn jemand protestiert hat? Dann erhielt man die Antwort: "Selbstverständlich sind die Schwestern mitgemeint". So hat es über Jahrhunderte funktioniert.
Nach dem Zeugnis des heiligen Paulus überschreitet dieses Sakrament Grenzen, an denen wir heute noch immer wieder stehen bleiben: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid ‚einer‘ in Christus Jesus“ (Gal 3,28).
Wie sieht dieses neue Gesicht der Kirche aus, das sich in der Frauenfrage als einem Zeichen der Zeit zu Wort meldet? Es ist ohne Zweifel schön und lebendig, zugleich versehrt und verletzlich. Ich wünschte, ich könnte es Ihnen zeigen. Ich habe jedoch nur Spuren...
Es sind die Frauen, die das diakonische Gesicht der Kirche massgeblich prägen. Die Kirche steht heute in harten gesellschaftspolitischen und ethischen Auseinandersetzungen. In diesen Spannungsfeldern sind Frauen bereits präsent mit ihrer professionellen Kompetenz.
Wenn ich mir vorstelle, dass man über die weltweite Vielfalt von Frauenleben ins Gespräch kommt – warum nicht ein „G8 von Frauen" im Vatikan?! –, dann wird sich die Sichtweise auf „die Frau“ verändern. Entsprechend werden sich daraus auch Perspektiven ergeben, wie Frauen ihr Potenzial in der Kirche einbringen können, wo ihr Platz ist, auch in den Strukturen der Kirche.
Das kann und soll dazu führen, das neue Gesicht der Kirche sichtbar werden zu lassen, in dem nicht nur die Frauen ihren Platz auf neue Weise einnehmen, sondern – vielleicht deren Weg der Selbstbefreiung folgend – auch die Männer.
Junge Frauen melden sich in der Kirche zu Wort: „Ich erwarte, dass ich in der Kirche authentisch Jesus Christus begegnen kann, und zwar mit allen meinen Gaben und Fähigkeiten und auch meinem Frausein. … Ich erwarte von der Kirche insbesondere auch, dass sie die Charismen zur Leitung, die es auch unter Frauen gibt, positiv entgegennimmt.“
Wie könnte ein Dialog zwischen den Bischöfen und den Frauen aussehen? Jesus lernt vom Glauben der Frau, und das vor den Augen seiner Jünger. Er lässt sich herausfordern und überzeugen; die Überraschung der Erzählung liegt in der Umkehr Jesu über die Grenzen seines eigenen theologischen Denkens hinaus, die durch den Glauben der Frau provoziert wird.
Das ist unglaublich: die erste öffentliche Tat des Menschgewordenen - ein Akt der Konversion. Bekehrung als Haltung gegenüber dem Willen Gottes ist nicht eine Abkehr, sondern eine Hinkehr. Die Haltung brauchen wir in der Kirche, wenn wir das neue Gesicht einer Kirche mit den Frauen finden wollen.
Wiborada, Patronin aller Festgenagelten, ans Bett Gefesselten, in Beziehung Verstrickten zum Bleiben Gezwungenen. Du, die Freie unter den Gefangenen, die nur in einem Buch liest, im Buch des Lebens, in der unvergleichlichen Bibliothek des Lebens. (Josef Osterwalder)
„Wiborada, eingeschlossen in deiner Zelle kommst du zu dir. Eingeschlossen wirst du frei, eingemauert hält dich keine Mauer mehr. An den Ort gebunden, bist du der Welt verbunden.“ (Josef Osterwalder)
Die dritte Person im Redaktionsteam für die Impulse ist Jacqueline Keune. Sie ist freischaffende Theologin und begründet ihre Mitwirkung im Redaktionsteam so:
Am 2. Mai 2016 wird die Pilgergruppe nach Rom aufbrechen. Genau ein Jahr vorher, am 2. Mai 2015, beginnt eine Reihe, bei der täglich ein Impuls aufgeschaltet wird.
Betreut wird diese Impulsreihe 2015 von einem dreiköpfigen Redaktionsteam:
Sr. M. Ruth Nussbaumer gehört zu den Zisterzienserinnen im Kloster Eschenbach LU. Sie begleitet das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen“ von Anfang an. Am 6. Januar 2015 schrieb sie ...
Paulus schreibt in seinem Brief an die „Heiligen in Ephesus, die an Jesus Christus glauben“: „Ihr seid also jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“ (Eph 2,19). – Ich mache beim Projekt „Kirche mit den Frauen“ mit, damit es in unserer Kirche zukünftig auch heisst: Mitbürgerinnen und Hausgenossinnen.
Vor über 800 Jahre machte sich ein kleiner, unbedeutender Mann aus Assisi auf nach Rom, um dem damals mächtigsten Mann der Kirche, Papst Innozenz III., sein Anliegen vorzubringen - das Anliegen, nach dem Evangelium leben zu dürfen.
(Vortrag von P. Martin Werlen OSB, Pfarrei Liebfrauen Zürich, 30. März 2015)
Liebe Getaufte
Das heftige Gewitter könnte schon gleich am Anfang losgehen, wenn ein Mann zur Frauenfrage in der Kirche spricht… Aber aus verschiedenen Gründen wage ich es, mich zu diesem Thema zu äussern:
Ich bin von Frauen dazu eingeladen worden: Von meinen Mitschwestern im Kloster Fahr und von Frauen im Vorstand des Vereins Pro Kloster Fahr.
„Welche Präsenz hat die Frau in der Kirche? Kann sie noch stärker gewürdigt werden?“, so fragte Papst Franziskus im Oktober 2013.
Wenn meine persönliche Antwort „ja“ lautet, so möchte ich sogleich anfügen: Bitte stellt nicht mehr lange solche Fragen, sondern lasst uns etwas tun. Vor allem wünsche ich mir, dass diese meine römisch-katholische Kirche lernt, die richtige Ebene zu treffen. Bereitschaftserklärungen, die Sicht von Frauen stärker berücksichtigen zu wollen, genügen nicht (und grenzen manchmal an Peinlichkeit). Auch bei manchem Nachdenken über das, was spezifisch weiblich wäre, wird mir (und vermutlich vielen Frauen) eher unwohl – wir Frauen werden zu Gegenständen des Nachdenkens gemacht. Dabei möchten Frauen an Entscheidungsprozessen teilnehmen und Verantwortung übernehmen (oder möchten jedenfalls davon ausgehen können, dass andere Frauen in verantwortlichen Positionen die Kirche mitprägen).
Darum engagiere ich mich für eine Kirche mit den Frauen.
Als Getaufte bin ich Teil der Kirche und ich liebe diese Kirche. Ich wünsche mir, dass man(n) in der Kirche auf die Stimme, die Erfahrung von uns Frauen hört und uns, wie es der heilige Benedikt in seiner Regel lehrt, bei Beratungen und Entscheidungen, welche die ganze Gemeinschaft betreffen, einbezieht (vgl. Benediktsregel Kapitel 3), so dass das Charisma der Frauen das Leben der Kirche bereichert.
Das Projekt «Für eine Kirche mit den Frauen» will einen Prozess in Gang bringen, «Boden bereiten». Dieser Ansatz gefällt mir und ich bin sehr gespannt, was daraus wächst!
Männer und Frauen sind ebenbürtig – dafür stehe ich ein und dafür nehme ich den Weg nach Rom unter die Füsse. Meine Vision ist, dass am 2. Juli 2016 hunderttausend Frauen und Männer auf dem Petersplatz präsent sind und mit uns, für eine Kirche mit den Frauen einstehen.
Bonaventura sagt sinngemäss, dass sich die Theologie immer weiter schreiben muss. Ich finde das Projekt gut, weil dadurch die Würde und Wertschätzung der Frau weiter geschrieben wird.
In der Kirche habe ich einen Schatz gefunden – eine grosse Liebe. Wenn ich diesen Schatz nicht geschmeckt hätte und er mich nicht immer aufs Neue verlocken würde, hätte ich wahrscheinlich der Kirche schon länger den Rücken zugedreht. Die Kirche ist leider Meisterin darin, sich unattraktiv zu machen. Sie bietet vielen modernen Menschen keine Heimat mehr. In den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten konnte sie darauf bauen, dass die Menschen aus Zugehörigkeit oder Tradition bei ihr blieben.
Meine und die folgenden Generationen suchen ungeachtet aller Äusserlichkeiten Authentizität. Sie suchen, bis sie diese finden. Oftmals finden sie sie in der Kirche nicht und wenden sich von ihr ab. Ich kann sie verstehen.
In der Gesellschaft ist die Ebenbürtigkeit der Geschlechter zunehmend selbstverständlich. Die Kirche hinkt da um Jahrhunderte hintendrein. Das ist vielen so unverständlich, dass sie den Blick hinter die Kulissen gar nicht erst investieren. So bleibt der Schatz ungesehen und ungeschmeckt. Ich träume von einer Kirche, die ausstrahlt, was sie im Innersten zusammenhält. Sie wäre so anders: vital, bunt, pulsierend, inspirierend. Ich träume davon, dass die jüngeren Generationen ihre spirituelle Sehnsucht in der eigenen Tradition stillen können. Weil sie nicht mehr an ungerechten und unglaubwürdigen Strukturen abprallen. Darum setze ich mich für eine Kirche mit den Frauen ein.
Im September 2013 trifft mich wie ein Blitz der Gedanke: Ist nicht jetzt der Zeitpunkt „Für eine Kirche mit den Frauen“ nach Rom zu pilgern!? Die Idee fällt bei vielen Frauen und Männern, Laien, Ordensleuten und Klerikern auf offene Ohren. Ein Kernteam bildet sich. Ein Grundtext entsteht. Das Anliegen heisst: Wir nehmen 1000 km unter die Füsse dafür, dass Männer in der Kirche in Zukunft nicht mehr ohne Frauen über deren Stellung, Rolle und Funktion nachdenken und entscheiden. Das Projekt wächst weiter und beginnt Kreise zu ziehen. Wir finden binnen kurzer Zeit AutorInnen, die ab Mai 2015 Impulse schreiben. Im Bistum St.Gallen gestalten Frauen thematische Abende und geben Zeugnis für die Kirche. Pilgerstart ist am 2. Mai 2016. Wir hoffen, dass am 2. Juli 2016 mit uns zusammen viele Menschen in Rom ein Zeichen setzen werden.
In den nächsten Wochen stellen sich die Mitglieder der Pilgergruppe und der Arbeitsgruppe kurz vor: Mit welchen Anliegen engagieren sie sich für das Projekt „Für eine Kirche mit den Frauen“?
Die Mitglieder der Pilger- und Arbeitsgruppe von links: Hildegard Aepli, Br. Damian Keller, Lea Stocker, Esther Rüthemann, Priorin Irene Gassmann, Urban Fink, Eva-Maria Faber (im Bild fehlt Franz Mali)
Die Rede von Margareta Gruber OSF am Studientag der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema „Über das Zusammenwirken von Frauen und Männern in der Kirche“ hat uns inspiriert. Hier lesen Sie mehr.