Ruah (1)
רוח rûaḥ
Feministische Theologie hat im vorigen Jahrhundert die Ruah wiederentdeckt und diese faszinierende Kraft neu ins Bewusstsein gerufen. Ruah ist vermutlich ein lautmalerisches Wort, es ahmt das Geräusch des vorbeipfeifenden Windes und des erregten Atems nach. Ruah bezeichnet nicht den normalen, sondern den schnellen, hörbaren Atem.
Und: Ruah ist eng verwandt mit „Weite / Raum“, es wird gebraucht, wenn jemand weit wird, erleichtert ist, aufatmet. Ruah schafft Raum, sie setzt in Bewegung, führt aus der Enge in die Weite und macht so lebendig. Wenn jemand erleichtert aufatmet, wird die Lebenskraft spürbar.
Helen Schüngel-Straumann fragt nach der Erfahrung im Leben der Menschen, wenn es um Ruah geht. Und sie schreibt: „Es dürfte keine menschliche Erfahrung geben, bei der so sehr das, was Raum schafft, mit dem heftigen Atem verbunden ist, wie der Geburtsvorgang.“
Neues Leben will wachsen, wie bei der Sexualität ist vor allem bei der Geburt der Atem heftig, er unterstützt den Vorgang, damit Neues Raum bekommen will, damit Neues leben kann.
Möge der Pilgerweg Raum für Neues schaffen!
(Helga Kohler-Spiegel)
