Eva (2)

Abwertung der Frau in der Tradition

Die Erzählungen von Paradies und Sündenfall gehören zur Weltliteratur. Zumeist sind aber die späteren Erklärungen und die Abwertung von Frauen bereits in unsere Erfahrungen eingeflossen. So liest niemand die Geschichten unbefangen, sondern meist schon belastet von einer langen frauenfeindlichen Tradition. So muss wie bei einer Grabung erst ein Berg von Schutt abgetragen werden, bis man zu den Aussagen der Bibel selbst kommt.

Anstelle der uferlosen Literatur zu diesem Thema möchte ich keine Texte zitieren, sondern zwei Bilder zeigen. Im Mittelalter gab es ja Bücher nur in Klöstern, und so prägten Bilder und Skulpturen die Darstellung der ersten Menschen. Diese zeigen die enge Verbindung der Frau mit der Sünde, indem die Schlage mit einem Frauenkopf dargestellt wird. Sowohl im Hebräischen (der Ursprache) wie auch im Lateinischen ist die Schlange männlich. Nun wird sie weiblich dargestellt, oft noch mit einem deutlich weiblichen Oberkörper und mit einem Kopf, der dem der Schlange fast symmetrisch gegenüber steht. Schon in der Antike wurde aus dem Tier von Gen 3,1 (eigentlich „der Schlangerich“) der Teufel gemacht. Die Bilder zeigen ein enges Verhältnis von Schlange und Frau, ja, die Frau und das Böse werden identisch. Die gleichen – oft roten und wilden – Haare gelten als Zeichen von sittlicher Verwahrlosung und ungeordnete Sexualität. Die Bilder sind ungemein zahlreich seit dem 13. Jh., ganz besonders in der Renaissance, und in Hunderten von Varianten verbreitet.

(Helen Schüngel-Straumann)