Die Taufe ernstnehmen und Grenzen überschreiten (2)
Die Schwestern selbstverständlich mitgemeint ?
„Liebe Brüder“ - Bis vor 30 Jahren war diese Anrede selbstverständlich. In jedem Gottesdienst wurden nur die Brüder genannt. Und wenn jemand protestiert hat? Dann erhielt man die Antwort: Selbstverständlich sind die Schwestern mitgemeint. So hat es über Jahrhunderte funktioniert. Es gibt heute noch Sprachen, in denen nur die Brüder angesprochen werden – die Schwestern sind selbstverständlich mitgemeint. Wie wenig selbstverständlich das eigentlich ist, habe ich 1988 in den USA erlebt. Von einem Benediktiner wurde ich eingeladen, ihn als Diakon zu einer Eucharistiefeier in einem Benediktinerinnenkloster zu begleiten. Bei der Gabenbereitung sagte er: „Betet, Schwestern dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater, gefalle.“ Sollte ich jetzt auch beten? War ich auch mitgemeint? Waren die Schwestern tatsächlich mitgemeint, wenn wir von den lieben Brüdern sprachen? Müssen wir Männer nicht gestehen, dass wir oft gar nicht an sie gedacht haben? Sie wurden nicht ernstgenommen. Übrigens kann das bis heute geschehen.
(P. Martin Werlen OSB)
