Zwiesprache mit Gott – Psalmen (1)
Von den OrganisatorInnen wurden die Impulse dieser Woche unter die Überschrift „Zwiesprache mit Gott, Psalmen“ gestellt. Als ich das las, musste ich zunächst einmal schlucken, denn in diesen Stichworten ist so ziemlich alles enthalten, was christliches Leben ausmacht. Zumindest jedenfalls, wenn ich unter „Zwiesprache mit Gott“ meine Gottesbeziehung verstehe, und mit „Psalmen“ die ganze Bandbreite dessen, was uns Menschen betrifft und was wir durch die Psalmen vor Gott bringen können: Bitten, Dank, Lob, Klage und Bedrängnis. Damit klingen gleichzeitig natürlich auch all die Schwierigkeiten an, die es in unserer Gottesbeziehung gibt und die mit dem Gebet verbunden sind. Zusätzlich erreichte mich noch der hilfreiche Hinweis, dass am 6., also heute, der Gedenktag der hl. Maria Goretti ist, und am 11. der des hl. Benedikt.
Was also tun?! Durchatmen und einen Schritt nach dem anderen setzen, sich von der Größe der Aufgabe nicht abschrecken lassen, Stolpersteine als Baumaterial verwenden, hin und wieder pausieren, um neue Kraft zu schöpfen, ab und an einen Blick auf die bereits bewältigte Wegstrecke werfen und daraus Mut schöpfen, nicht das Hier und Jetzt mit seinen alltäglichen Wundersamkeiten übersehen – und immer wieder den Blick nach vorne richten.
Nun – Sie haben es gemerkt, diese Beschreibung meines Angangs an die Impulsreihe ist genauso eine Beschreibung für eine (Ihre?) Pilgerreise wie für christliches Leben – und für Frauen und Männer, die in der, mit der und für die Kirche leben, hin und wieder mit ihr ringen und für sie kämpfen. Ich persönlich tue das auf dem Hintergrund meiner feministischen Grundhaltung, jahrelanger Berufserfahrung in einem autonomen Frauenprojekt und seit 2004 als Benediktinerin in einem Kloster, in dem die Kirchenväter, gregorianischer Choral und theologisch-philosophische Weiterbildung meinen Alltag prägen.
Ich würde mich freuen, wenn wir diese Woche einen Teil der Wegstrecke gemeinsam gehen und uns aus verschiedenen Blickwinkeln einer Zwiesprache mit Gott annähern würden. Die Psalmen können uns dabei lehren, uns in dieser Zwiesprache so zu zeigen, wie wir Menschen sind: hadernd und vertrauensvoll, fordernd und dankbar, verzweifelt und beglückt, herausfordernd und demütig, übersättigt und sehnsüchtig, zornig und voll Liebe.
(Sr. Lioba Zahn OSB)
