Sehnsucht (7)

Sehnsucht Gottes nach dem Menschen

Sucht ihr mich, so findet ihr mich. Wenn ihr von ganzem Herzen nach mir fragt, lasse ich mich von euch finden.
(Jer 29,12-13)

Gott lässt sich von uns finden. Mehr noch: Er kommt uns entgegen und sucht uns. Im Alten Testament sucht und wirbt er um sein Volk. In Jesus von Nazareth sucht Gott den schwachen Menschen heim. „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10). Besonders in der Erzählung vom barmherzigen Vater wird Gottes Sehnsucht nach dem Menschen erlebbar. Wenn der Sohn oder die Tochter, die davongelaufen ist, zurückkehren will, läuft ihm/ihr der Vater entgegen und lädt zum Fest des Lebens.

Gottes Sehnsucht nach uns Menschen ist so gross, dass sich seine Liebe erst zu vollenden scheint, wenn sie freie Gegenliebe weckt. Freilassend sucht mich Gott, mit unendlicher Geduld wartet er auf mich. Seine Zusage ist das eigentlich Entscheidende in der Geschichte menschlich-göttlicher Sehnsucht: „Mit ewiger Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dir so lange die Treue bewahrt“ (Jer 31,3).

(P. Josef Maureder SJ)