Eva (6)

Die Folgen der Übertretung (Gen 3)

Die drei poetischen Sprüche am Ende von Gen 3 über die Schlange, die Frau und den Mann, haben sehr starke Wirkung auf ein christliches Frauenbild gehabt. Man hat diese Sätze als „Strafsprüche“ verstanden. Dabei ist die eigentliche Strafe, wenn man denn so sprechen will, die Vertreibung aus dem Garten. Die drei Sprüche dagegen sind Zustandsschilderungen. Sie zeigen die Realität auf, wie sie zur Zeit des Verfassers ist.
Fragt man wieder nach „vorher“ und „nachher“, wird alles missverstanden. Dies liegt meist auch an einer falschen Übersetzung, indem die Sätze in die Befehlsform (Imperativ) gesetzt wurden. Dabei muss man sie in der Gegenwart oder Zukunft formulieren. Nie hat es eine Zeit gegeben, wo die Schlangen nicht auf dem Bauch krochen, und nie war die Geburt schmerzlos usw.
Besonders problematisch ist immer der mittlere Spruch über die Frau gewesen. Ihre Unterordnung unter den Mann und die Schmerzen bei der Geburt wurden als Strafen für den sog. Sündenfall verstanden. Die richtige Übersetzung – wie sie nun auch in den meisten Bibeln zu finden ist – lautet:
Zahlreich, ja zahlreich will ich machen deine Mühen und
Schwangerschaften,
unter Mühsal wirst du Kinder gebären.
Nach deinem Mann geht dein Verlangen,
er aber wird über dich herrschen! (Gen 3,17)
Es sind hier zwei Themen angesprochen. Der erste Teil ist eigentlich eine Nachkommensverheissung. Von „Schmerzen“ steht übrigens nichts, es wird das gleiche Wort für „Mühsal“ verwendet wie auch später beim Mann, bei der Mühsal auf der Ackererde. In der ganzen Bibel wird dieser Begriff immer positiv gebraucht, wenn eine grosse Anstrengung am Schluss einen guten Ertrag bringt.
Der zweite Teil mit der Unterordnung unter den Mann ist problematischer. Wird er als Befehl Gottes verstanden, der die nachgeordnete Stellung der Frau in der Schöpfungsordnung verankert, hat er unsägliche Folgen für die Benachteiligung der Frau gebracht, beispielsweise auch in der Amtsfrage. Der Satz ist jedoch die Schilderung eines Unheilszustandes, der behoben werden muss. Für den Mann hat man diese Interpretation schon lange akzeptiert, sonst müssten ja technische Hilfen wie etwa Motorsägen, die den von Gott verordneten Schweiss bei der Arbeit auf dem Feld verringern, auch verboten sein.

(Helen Schüngel-Straumann)