Eva (7)

Der Name Eva (ḥawwah)

Am Schluss von Kapitel 3 gibt der Mensch der Frau einen Namen: ḥawwah. Dies heisst „Mutter alles Lebendigen“ und ist ein Ehrentitel. Er ist abgeleitet von ḥaj (Leben). Eigentlich passt er hier nicht, vermutlich ist dies ein späterer Zusatz, ursprünglich handelt es sich wohl um den Namen einer antiken Göttin.
Überall wird von „Adam und Eva“ als den ersten Menschen gesprochen. Aber diese Zusammenstellung kommt in der ganzen Hebräischen Bibel ausser hier nie mehr vor; nur in Gen 3,20 und im ersten Vers von Kap. 4, wo von der Geburt des Kain berichtet wird, stehen sie zusammen. Das ist doch sehr seltsam, wo dies doch der Name der „Ur-Eltern“ gewesen sein soll! „Adam und Eva“ ist eine spätere Vereinfachung, wie sie sich auch in anderen Bereichen zeigt. Die ersten beiden Menschen waren ja keine Individuen im heutigen Sinn, sondern versinnbildlichen grundsätzlich Mann und Frau.

Zum Schluss sei ein Blick auf die jüdische Tradition gestattet. Der Frauenname Chawwah ist im heutigen Israel sehr beliebt, und die erste Frau in der Bibel wird hoch verehrt als „unser aller Mutter“. Bei einem Volk, dem es überaus wichtig war, sich fortzupflanzen, waren Mütter sehr geachtet. Ohne Frauen wäre dies nicht möglich, das wussten auch die dümmsten Männer. Ein Volk, das so sehr von der Nachkommensverheissung abhängt, kann Frauen, besonders Mütter, nicht verachten. So ist in der jüdischen Überlieferung die erste Frau nie so abgewertet worden wie in der christlichen Tradition. Dabei haben wir doch die gleichen biblischen Texte! Es liegt also nicht an der Bibel, sondern an der späteren Auslegung, wenn Eva so sehr diskriminiert wird.
Eine der wichtigsten Ursachen der Frauenabwertung im Christentum war die Gegenüberstellung von Eva und Maria seit dem 2. Jh. Gegenüber Maria, der allzeit Reinen und dem grossen Vorbild, musste Eva als das Gegenstück, die Ursache von Sünde, Unheil und Tod, immer mehr absteigen. Je höher im Mittelalter Maria bis zur Himmelskönigin erhoben wurde, umso mehr sank Eva als die Verführerin immer mehr ab, wie die Häufung Frauen abwertender Darstellungen gerade am Ende des Mittelalters und der Renaissance deutlich zeigt.

(Helen Schüngel-Straumann)