Gemeinschaft - Beziehung (4)

Wohngemeinschaft

Sie hat ihm die Hemden gebügelt und den Anzug an die frische Luft gehängt. Sie hat das Frühstück vorbereitet und zugehört beim Mittagessen. Wenn er am Abend spät erst heimkam, hat sie ihm noch etwas zum Essen beiseite gestellt.
Nun ist er hochbetagt gestorben. Er hat sein Leben für die Kirche gelebt, mit allem, was dazu gehört. Tag für Tag, Sonntag für Sonntag hat er mit den Pfarreiangehörigen gefeiert und sie mit seinen Predigten ermutigt. Der Bischof würdigt sein segensreiches Wirken in der Todesanzeige.
Viele Jahre lebten die beiden in einer Art Wohngemeinschaft mit klar verteilten Rollen. Den Beruf der Pfarrhaushälterin gibt es fast nicht mehr. Es gibt auch nicht mehr viele Priester.
Seine Bücher, seine Predigten, seine Korrespondenz – es gibt noch viel aufzuräumen. Auch da kann er sich auf sie verlassen. Sie wird das schon recht machen. Er war immer sehr dankbar für ihre Unterstützung und ihre Ideen.

Aber darum gewusst, was sie alles für ihn getan und was sie ihm bedeutet hat, haben nur wenige. Jetzt ist sie allein.

(Franziska Loretan-Saladin)