Sehnsucht (2)

Sehnsucht nach Heimat und Besitz

Einem Pilger wurde in einem Kloster zum Übernachten ein ärmlich eingerichtetes Zimmer angeboten: „Sind auch die Zimmer der Mönche alle so?“, fragte er. Als dies bejaht wurde, meinte er: „Für mich ist das ganz in Ordnung. Als Pilger bin ich nur kurz zu Gast. Aber Ihr?“ Darauf ein Mönch: „Wir sind auch nur auf der Durchreise.“

Die Sehnsucht nach Besitz und Heimat ist tiefsitzend und auch ein Menschenrecht. Sicher soll es nicht zur Anhäufung von Besitz kommen. Noch verständlicher ist die Sehnsucht nach Heimat, nach einem Ort, wo ich bleiben und mit vertrauten Menschen leben kann. Darum bricht eine Säule der Identität ein, wenn jemand plötzlich seine Heimat oder seinen Besitz verliert.

Auf unserem christlichen Pilgerweg dürfen wir aber nicht vergessen: Wir sind nur auf der Durchreise. Und „nicht von Brot allein lebt der Mensch“. Manchmal ruft Jesus Frauen und Männer, mit IHM zu gehen, die Heimat zu verlassen und den Besitz an die Armen zu verschenken. Die tiefere Sehnsucht kann dazu bewegen.

(P. Josef Maureder SJ)