Begegnung (3)
Trotzdem Petrus
„…auf die Fürsprache Deiner Namenspatronin…" – der Priester, der den Segen spendet, weiss genau, dass sein Gegenüber Petra heisst und daher einen männlichen Namenspatron haben muss. Den Petrus, den Felsen, auf dem die Kirche steht, Vorläufer aller Päpste, für viele Inbegriff der Amtskirche und damit der ausschliesslich männlichen Kirchenhierarchie. Das scheint schlecht zu passen zu einer Frau.
Trotzdem: Ich mag diesen Petrus, denn ich bin ihm begegnet. In der Bibel. Als einem, der zwar schnell zum Messiasbekenntnis fand (Mk 8,27-30 par), aber dann doch nicht verstand, was Jesus wollte (Mt 16,22 f. par). Er verleugnete ihn (Mt 26,69-75 par). In der frühen Kirche setzte er sich ins Unrecht (Gal 2,11), weil er nicht zu den bekehrten Heiden stand und vor Juden nicht mit ihnen essen wollte. Man könnte sagen: Er hat eine lange Leitung. Ein Versager, ein Feigling.
Auf jeden Fall ist er wie ich. Er ist wie wir. Er ist wie die Kirche. Er war im Unrecht – genau wie ich auch schon im Unrecht war. Er hat nicht gleich verstanden – wie ich auch. Er hat sich geirrt, ich auch. Wir haben geirrt, die Kirche hat sich auch schon geirrt, das zeigt ein Blick in die Geschichte. Trotzdem hat Jesus diesen Petrus zum Fundament seiner Kirche gemacht. So wie uns. Und damit auch ein wenig mich.
(Petra Mühlhäuser)
