Glauben auf den Punkt gebracht (6)
„Unser einziges Verlangen und die einzige Wahl soll sein: Ich begehre und wähle stets, was mich mehr zum Ziel hinführt, zu dem ich mit allen Mitmenschen und Geschöpfen zusammen geschaffen bin.“
Kommentar: Die Sehnsucht des Menschen muss nicht gestillt und sein Wille nicht ausgelöscht werden. Christliche Spiritualität will die Sehnsucht auf Gott hin lenken und den Willen ebenso, damit sie sich immer mehr für das Reich Gottes entscheiden. Nie steht das Leben still. Es ist immer in Bewegung und soll vor allem immer im Wachsen sein. Dieses „mehr“, das lateinisch magis heisst, steht für die Dynamik und für das Surplus, für das Sich-immer-wieder-neu-überschreiten. Gott ist immer der je grössere, der den Menschen lockt und einlädt, aus sich herauszugehen. Nicht erst Schmerz oder Leid, nicht nur aussergewöhnliche Ekstase soll den Menschen öffnen. Er ist vielmehr angehalten, aus freien Stücken aus sich heraus zugehen. In welcher Lebenssituation kann ich heute mein magis leben?
(P. Christian Rutishauser SJ)
