Begegnung (4)
Bei den Unbedeutenden
Wer ist schutzbedürftiger als eine Schwangere und ihr ungeborenes Kind? Zwei Frauen in Erwartung begegnen sich in der Erzählung vom Besuch der Maria bei ihrer Verwandten Elisabeth. Und damit zwei Hoffnungsgeschichten: Die eine erwartet das Kind, das sie, die Unfruchtbare, schon so lange will. Die andere den Messias, den das Volk Israel schon so lange erfleht. Zwei Hoffnungskinder. Zwei Frauen, die buchstäblich Trägerinnen dieser Hoffnungen sind. Heil beginnt hier weit ab von den Mächtigen, Religionsprofis und Sachverständigen.
Die Begegnung dieser beiden Frauen inspirierte eine von ihnen zu einem der berührendsten Texte der Bibel, dem Magnificat. Manche Theologen nennen es scherzhaft den Revolutionsgesang der Maria. Natürlich geht es nicht um Politik. Aber Maria muss in diesem Augenblick geahnt haben, wie bedeutungsvoll es ist, wenn Gott so leise und klein zu den Menschen kommt.
Die Erfahrung, dass Gott von den Kleinen aus Heil wirkt, findet sich auch im Stall von Bethlehem und bei den Hirten, bei den Armen, denen Jesus das Himmelreich verspricht, bei den Frauen am leeren Grab. Und hoffentlich auch in der Pfarrkirche, in der eine junge Pastoralassistentin mit zwei Minis eine Wortgottesfeier hält, weil es keinen Priester mehr gibt.
(Petra Mühlhäuser)
